Dauerkarten beim FC St. Pauli

Spaß hat seinen Preis

Das ist die Quintessenz der unsäglichen Diskussion über die Dauerkartenpreise unseres so geliebten Fußballclubs. Andere stichhaltige Argumente konnte ich nicht vernehmen, auch auf dem von der AFM organisierten Themenabend nicht, auf dem Vereinsoffizielle (Manager Beutel, Vize Pothe und Pressesprecher Haverkamp) versuchten sich der Diskussion zu stellen.

   Fakt ist, dass die Preise für Stehplatz- und Sitzplatzdauerkarten im Vergleich zu anderen Zweitligavereinen (zu Bundesligavereinen erst recht) die teuersten zu erwerbenden Karten sind. Und das war schon immer so, seit ich zum Millerntor pilgere. Eine gute Sitzplatzkarte in der Hintertorgeraden mit guten Sichtverhältnissen in Schalke kostet weniger als eine Sitzplatzkarte auf der Gegengeraden beim FC (in Dortmund verhält es sich ähnlich). Okay, sind große Vereine in der Bundesliga schon lange nicht mehr auf die Zuschauereinnahmen angewiesen und können ihre Preise moderat gestalten verhält es sich bei Zweitligavereinen schon anders. Der Anteil der Zuschauereinnahmen nimmt hier einen wesentlich größeren Platz ein, abhängig jeweils von der Möglichkeit an Werbeeinnahmen oder sonstigen Mäzenen oder Investoren. Beim FC St. Pauli soll der Anteil des Gesamtetats an den Zuschauereinnahmen besonders hoch sein, da die Einnahmen aus Vermarktung und Marketing sowie aufgrund fehlender Investoren und finanzieller Partner (was im Bezug auf Investoren und Partnern eher positiv zu bewerten ist) im Vergleich zu anderen Zweitligisten mit größerem Umfeld relativ gering sein sollen. Demzufolge müssen die Fans des etwas anderen Vereins tiefer in die Tasche greifen. Leider wurde dieses, eigentlich einzige schlüssige Argument, vom Verein nicht publik gemacht. Wie hoch den der Anteil der Zuschauereinnahmen am Etat denn so ungefähr ausmacht, konnte von Vereinsseite nicht genannt werden. Schade! Spaß und eben anders sein hat seinen Preis. Ist das so einfach? Argumente wie, "wir müssen viel Geld in unser altes Stadion stecken" und "Es fallen täglich neue Reparaturen an" ziehen nicht (das muß manch anderer Zweitligist genauso) und sind so alt seit es Weisener gab.

   Fakt ist jedoch, dass in der Saison 2000/2001 für eine Stehplatzdauerkarte in der Gegengerade nur 128,34 Euro bezahlt werden mußten, in der hiesigen Saison 156,00 Euro, also satte 28,00 Euro (= 55,00 DM !) mehr auf den Tisch geblättert werden müssen. Der Preis in dieser Saison wurde übrigens so kalkuliert, dass sie gegenüber einem Einzelkartenkauf für alle Heimspiele auch keinen Preisvorteil bringen. Sprich krank werden oder in den Urlaub fahren? Ist nicht!. Selbst in der Bundesligasaison zahlten wir nur 10,00 Euro mehr für das Dauerticket, in dem sogar der Zuschlag für die drei Spitzenspiele (anstatt Volkspark) enthalten war. Noch Fragen?

   Nein, wir zahlen laut unseres Vorstands keine Aufschläge für die Top- Angebote, die wir mir unserer X-press erhalten. Dabei handelt es sich um einen reinen Mehrwert, soweit der gemeine Fan gewillt ist, noch mehr Money in den Volkswirtschaftskreislauf zu werfen, um dafür ein wenig Rabatt auf ein weiteres Drama im Schauspielhaus, auf benebelnde Getränke in einer Möchtegern- Vereinskneipe oder auf 20359 Textilien zu bekommen. Ein Abo der ? nach Fünf auch? Nein, da mußte zu später Stunde auch der Vorstand zugeben, dass uns dieser Service mit einem Aufschlag von 1,90 Euro pro Dauerkarte und Jahr berechnet wird. Aufgrund einer Mischkalkulation recht wenig, aber dennoch Geld. Wurde doch vorher behauptet, es gibt gar keine Aufschläge auf den normalen Kartenpreis. Auf die Frage, ob denn nun doch noch kleine aber feine Wertmäßigkeiten in den Preisen versteckt seien, wurde vehement mit "Nein" geantwortet. Ehrlich?

   Immerhin darf ein Nicht- Leser die aufgedrückte Stadion-/ Viertelzeitung abbestellen oder einem wohltätigen Zweck zur Verfügung stellen. Danke!

   Besonders gekniffen sind aber, und das nahm am Diskussionsabend auch den größten Zeitrahmen in Anspruch, sind die Inhaber von ermäßigten Karten (also Arbeitslose, Schüler, Stunden usw.) und Kinder in Familien, die eine Preissteigerung von über 50% im Vergleich zum letzten Zweitligajahr in Kauf nehmen müssen. Aus meiner Sicht völlig unverständlich und unverschämt. Wo soll den unser Fan- Nachwuchs denn herkommen, wenn nicht aus dieser Zielgruppe? Verständlich aus meiner Sicht bei der Gruppe der Ermäßigten (dabei sollen einige fraglich "ermäßigt" sein), weil es beim FC St. Pauli keine begrenzte Anzahl an Ermäßigtenkarten gibt, sondern so viele Karten verkauft werden, wie Berechtigungsausweise vorgelegt werden können. Das sind in dieser Saison weit mehr als 50 % aller verkauften Stehplatzkarten in der Gegengerade. Um wiederum dieses Entgeld zu verringern müßten entweder unrechtmäßige Besitzer einer Ermäßigtenkarte so ehrlich sein, den normalen Preis zu zahlen oder die anderen Normalzahler einen noch höheren Preis als Ausgleich akzeptieren, um die kalkulierten Gesamteinnahmen abzudecken. Eine interessante Diskussionsgrundlage ! Ich finde, geht in Ordnung, denn der Normalzahler trägt schon genug Last für sein Vergnügen.

   Verändert werden kann natürlich momentan schlicht nichts, aber der Vorstand hat einige Anregungen für die nächste Saison (insbesondere im Bezug auf die Familien- oder Kinderkartenpreise), beim Themenabend aufgenommen und gelobt Besserung. Also zahlen wir weiterhin für eine Ermäßigtenkarte soviel in Euro wie vor 14 Jahren (1989/90) in der guten alten Deutschen Mark. Spaß hat seinen Preis!

CF

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