Mondiali Antirazzisti 2002, die antirassistische Fan-WM in Italien

Antirassismus - eine Sprache...

 

   Und so ging's los: Fanladen Adventure Tours präsentierte eine Gewalt-Tour mit Abfahrt Mittwoch Nacht, Ankunft Donnerstag Abend, Rückfahrt Sonntag Abend und Ankunft in Hamburg Montag Nachmittag. Der Bus war voll, die Reisenden meist auch, das alles war mir doch etwas zu stressig, mein erstes Mal Mondiali Antirazzisti wollte ich doch genießen.

   So gondelten wir also mit einer beschaulichen Reisegruppe bereits vom BAFF-Kongreß in Oer-Erkenschwick am Wochenende vorher los. Wir erholten uns in Ravenna am Strand und trafen völlig entspannt am Donnerstag Vormittag auf dem Zeltplatz in Montecchio ein. Die Zeltplätze im Schatten haben wir uns so auch gesichert.

   Über den Tag verstreut trafen dann Gruppen aus allen Teilen Europas ein, den größten Anteil hatte natürlich Italien, gefolgt von Deutschland (der "biggest Mob" aus St.Pauli, gefolgt vom Roten Stern Leipzig, unseren neuen Lieblingsfreunden aus Gelsenkirchen, Düsseldorfern, 60'ern, TeBe'lern, Hannoveranern und noch einzelne Gruppen, die ich jetzt sicher vergessen habe), Frankreich, England, Österreich, Schweiz, Polen und Dänemark.

   Der Donnerstag war zum Beschnuppern und Eingewöhnen gedacht, abends gab es dann spontan ein großes Wettsingen und es hat wohl jeder seinen Spaß gehabt.

   Am Freitag trafen dann auch die Gruppen ein, die eine kürzere Anreise hatten. Das große Turnier konnte beginnen: 120 Teams, also nach Schätzumgen der Veranstalter 1500 Teilnehmer inclusive supportenden Antifußballern waren dabei. Es war schon sehr gigantisch, und man fragt sich, wann dieses Turnier an seine Grenzen stößt, wenn man den Vergleich zu den vergangenen Jahren zieht.

   Die braun-weißen Farben repräsentierten zum einen die "St.Pauli Antifascists", die "Outernationals", der Fanclub "Halli Galli", "Fightclub Waterkant", der Infoladen Ludwigsburg, der Stendal Mob und eine ominöse Gruppierung namens "L'Asse del male" (zu Deutsch: Die Achse des Bösen), die sich Spielern aus Hamburg, Frankfurt, Offenbach, Hanau, Berlin, Cottbus und Hannover bediente. Während der Rest teilweise unglücklich ausschied, kamen die beiden letztgenannten Teams immerhin ins 16tel-Finale am Sonntag, was sicher aller Ehren wert ist.

   Neben der sportlichen Betätigung gab es auch noch andere Aktionen:

   Am Freitag abend fand ein "Fackelzug" ohne Fackeln in die Innenstadt statt, angereichert durch allerlei Bengalos und Feuerwerkskörper, da hätten unsere Pyromanen ganz sicher noch was lernen können. Auch die "Abschlusskundgebung" auf dem Marktplatz mit politischer Theatervorführung war sehr sehenswert.

   Am Samstag Abend wurde ein Gespräch mit zwei Überlebenden der Partisanen simultan ins Deutsche übersetzt. Da ich mich bisher mit diesem Thema noch sehr wenig beschäftigt hatte, war dies ein sehr interessantes und eindrucksvolles Gespräch.

   An allen Tagen stand aber natürlich das feucht-fröhliche Miteinander in entspannter Atmosphäre im Vordergrund, alte Kontakte wurde aufgefrischt, neue Freundschaften geschlossen, wirklich ein einziges großes Happening über alle Sprachbarrieren hinweg.

   An den Spielfeldern (insgesamt gab es 10 Kleinfelder) gab es auch diverse Info- und Verkaufsstände, sowie eine größere Infostation, wo die verschiedenen regionalen Projekte der teilnehmenden Mannschaften vorgestellt wurden.

   Am Fanladen Verkaufsstand fiel besonders auf, das Italiener männlichen Geschlechts blaue Shirts, die eigentlich für die Damenwelt bestimmt sind, gerne selber erwerben und mit Begeisterung tragen. Andere Länder...

   Für mich persönlich war dies das erste Mal "Rassismus-WM" (wie es fälschlicherweise in Düsseldorfer Kreisen heißt), und ich bin mir sicher, das es nicht die letzte war, wenn ich auch auf die Gewalt-Touren des Fanladen nicht unbedingt zurückgreifen würde.

   Zum Schluß noch ein Kauftipp: Den großartigen CD-Sampler mit vielen Interpreten der letzten Turniere könnt Ihr für nur 10,- Euro im Fanladen erwerben.

Mehr Infos zum Turnier erhaltet Ihr online unter www.progettoultra.it

Frodo

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