Quo vadis, FC St.Pauli?

   Es war einmal ein sympathischer Hamburger Stadtteilverein, der nach etlichen Jahren voller Entbehrung wieder in die Belle Etage des deutschen Profifußballs zurückkehrte. Die Reeperbahn wurde lahmgelegt, alles feierte freudentrunken und man dankte besonders dem vermeintlichen Schöpfer dieser Glückseligkeit. Ja, genau, dat Papa Heinz! Ihn, von dem es ja bekanntlich nur einen gibt.

   Wie es weiterging? Nun ja, zwangsläufig in der zweiten Saison der Abstieg, in der Führungsetage Chaos allerorten, der "Mythos Stadionumbau" erlebt große Sternstunden.

Zeitsprung

   Es war einmal ein sympathischer Hamburger Stadtteilverein, der nach etlichen Jahren voller Entbehrung wieder in die Belle Etage des deutschen Profifußballs zurückkehrte. Die Reeperbahn und das Heiligengeistfeld wurden lahmgelegt, alles feierte freudentrunken und man dankte besonders den vermeintlichen Schöpfern dieser Glückseligkeit, um nicht zu sagen: Dieses Wunders! Reenald Koch, Stephan Beutel, Didi Demuth... so hießen die Helden im Jahre 2001.

   Wie es weiterging? Nun ja, zwangsläufig der sofortige Abstieg, aber größtenteils sympathische Ruhe in der Führungsetage. Die Fans sind trotz regelmäßiger Niederlagen zwar nicht zufrieden, aber zumindest in dem Wissen, dass man ja vor der Saison nichts anderes erwartet hatte. Außerdem entschädigte der 06.Februar mit dem 2:1 gegen Bayern für vieles.
Und dann?

Das Ende im April!

   Natürlich ist es müßig, darüber zu diskutieren, wie es gelaufen wäre, wenn jene inhaltsschwangeren Aussagen des Herrn Paulick, seines Zeichens Aufsichtsratsmitglied, im April nicht getätigt worden wären. Cory Gibbs hätte wohl trotzdem den auf dem Boden liegenden Rigobert Song angeschossen, Thomas Meggle den Elfmeter im Derby trotzdem versemmelt, wir das Derby auch so verloren, und noch immer wäre unser Stadion das alte.

   Der Hauptunterschied aber wäre: Das Ansehen des Gesamtvereins in der Öffentlichkeit hätte nicht so gelitten, und der Übersteiger hätte vielleicht sogar auf diese Sonderausgabe verzichtet, da es keinen Anlass gegeben hätte.

   Der Manager Stephan Beutel mag Defizite im sportlichen Bereich haben, die teilweise ja vielleicht auch zeitlich bedingt waren, dies hat man durch die Verpflichtung von Franz Gerber ausgleichen können.

   Der Trainer Dietmar Demuth hatte wohl seine Position in der Mannschaft durch verschiedene Dinge selbst demontiert, eine Entlassung wäre hier also sportlich vertretbar gewesen, wenn auch der Zeitpunkt diskutabel bleibt. Ein konsequenter Schnitt in der Sommerpause wäre ebenso sinnvoll gewesen, wie ein konsequentes Bilanzieren nach dem versprochenen Drittel der Saison. Diese Entlassung nach zwei Spieltagen aber hat erneut viel Glaubwürdigkeit gekostet.

   In beiden Fällen sollte man diese nackten Fakten aber sehr wohl von der Art und Weise trennen, wie sie dann schlussendlich gehandhabt wurden, denn die Umstände waren jeweils mehr als fragwürdig, was das Verhalten untereinander anbelangt. Ein Hauen und Stechen wie zu schlimmsten Weisener-Zeiten, Zustände, die wir schon längst hinter uns geglaubt haben.

   Die Missstände offen anzusprechen und den Finger in die Wunde zu legen, liegt übrigens auch sehr wohl im Zuständigkeitsbereich des AR. "Offen" bedeutet aber nun mal noch lange nicht "öffentlich"! Und genau damit haben sich Peter Paulick und im späteren Verlauf auch Peter Benckendorff des vereinsschädigenden Verhaltens schuldig gemacht. Denn die gesamte folgende Schmutzkampagne in den Hamburger Medien, (siehe dazu ÜS 60, Seite 20f) hat eben diese beiden Personen als Hauptdarsteller, sowie einen unfreiwilligen(?) Nebendarsteller namens Christian Pothe, dessen "unverstandener Humor" bei der "Bild" dann zum letzten großen Teil dieser Serie der peinlichen Unprofessionalitäten führte, nämlich der vorschnell geäußerten Rücktrittsforderung an Reenald Koch von der AFM-Abteilungsleitung. Diese wurde dann zwar schleunigst zurückgenommen, nachdem das

   Missverständnis mit Hamburgs Klatschpresse offen wurde, aber auch hier hätte ein kurzer Anruf intern größeres Unheil nach außen verhindern können.

   Bis heute spürt man die Nachwehen, übergroßes Misstrauen in allen Gremien. Eine vielleicht ja ganz normale Entscheidung, wie die Entlassung des Stadionplaners Frank Fechner, wird sofort wieder mit Gerüchten aus allen Ecken in der Hamburger Presse angeheizt. Ob zu recht, oder nicht, mögen andere beurteilen oder uns die Zukunft zeigen, aber wenn in diesem Verein sonst Ruhe herrschen würde, würde man auch solche Geschichten nicht unnötig aufbauschen.

   Unglückliche Aussagen des Aufsichtsratsvorsitzenden zu vorliegenden Stadionkonzepten (die es nämlich so gar nicht gibt) passen in das Bild, welches er seit Monaten abgibt.

   Dieser Verein muss, vor allem in Anbetracht der momentanen sportlichen Situation, endlich wieder zu sich selber finden, sonst wird sich das Chaos im Verein weiter auf die Mannschaft übertragen, und im nächsten Jahr haben wir endlich wieder ein Derby am Millerntor, dann allerdings in der Regionalliga, und weiterhin im alten Stadion.

Erste Schritte sind gemacht, weitere müssen folgen.

   Die AFM-Versammlung verlief trotz der angespannten Situation sehr ruhig und sachlich, alle Beteiligten sparten nicht mit harten Worten, aber man konnte sich am Ende trotzdem in die Augen schauen und den Blick nach vorne wenden.

   Der Spielerrat (Stanislawski, Lotter und Henzler) hatte im Namen der Mannschaft zu einem Treffen mit Fans geladen und der Fanladen hatte dies an ausgewählte Fanvertreter vermittelt. Auch dieses Gespräch verlief sehr positiv. Die Mannschaft hat verstanden, worum es uns geht, auf der anderen Seite konnten Missverständnisse auf unserer Seite ausgeräumt werden. Es wurde von Seiten des Spielerrates auch zugesichert, die Kontakte zu den Fans wieder zu intensivieren, und dies nicht zu einem einmaligen Treffen werden zu lassen.

   Die nicht öffentliche Podiumsdiskussion des Übersteigers (siehe hier im Heft) war ein weiterer Schritt, bei dem nochmals gezielt Punkte angesprochen wurden. Alle Anwesenden zeigten sich gesprächsbereit und zur konstruktiven Zusammenarbeit bereit, und das muss das Ziel aller vereinsinternen Gremien, aber auch aller Mitglieder und Fans des FC St.Pauli sein.

   All diese Punkte aber helfen gar nichts, wenn sie nun auf der Jahreshauptversammlung am 25.10. im CCH über den Haufen geworfen werden.

   Das Präsidium wird sich an seinem Versprechen messen lassen müssen, an diesem Abend ein Konzept für das neue Stadion vorzustellen. Hierbei darf es sich nicht um ein Luftschloss handeln, welches schön anzusehen ist, davon hatten wir unter Papa Heinz genug. Dieser hat in schwierigen Situationen auf der JHV immer gerne seine Fabel-Stadien an die Wand gezaubert, und hatte dann geblendetes Stimmvieh genug, um alle Kritiker zumindest für diesen Abend mundtot zu machen. Also bitte, Reenald Koch, enttäuschen Sie uns nicht.

   Nach der (ja zum Glück nicht im Fiasko geendeten) Wahl am 22.09. steht am 25.10. also die nächste wichtige Wahl an, wenn auch diesmal nicht mit nationaler Tragweite, Nein, es geht nur um die Zukunft des Vereins, der uns allen wohl weit mehr bedeutet, als irgendwelche austauschbaren Politiker. Der jetzt zu wählende Aufsichtsrat hat in jedem Fall Entscheidungen vor sich, die diesen Verein auf Jahre oder Jahrzehnte hinaus beeinflussen werden, in erster Linie natürlich der Stadionbau und die damit verbundene (oder eben auch nicht) Ausgliederung des Lizenzspielerabteilung aus dem Gesamtverein.

   Die Fanszene des FC St.Pauli hat sich in den letzten Jahren weiterentwickelt, viele Fans haben inzwischen längst das Know-How für die Position im Aufsichtsrat, und am nötigen Herzblut (Achtung, Wortspiel) fehlt es ihnen ohnehin nicht.

   Wir werden Euch hier nicht vorschreiben, wen Ihr am 25.10. wählen sollt. Wir fordern aber jeden Einzelnen unter Euch auf, an diesem Abend im CCH zu erscheinen, sich selbst ein Bild zu machen, und dann nach bestem Wissen und Gewissen zu entscheiden. Die kommenden Aufgaben sind zu wichtig, um einigen wenigen Anwesenden zu überlassen, die nur die eigenen Interessen verfolgen.

   Das beste Bild der Kandidaten könnt Ihr Euch bei der Vorstellung der Kandidaten am 21.10. (voraussichtlich im Clubheim) machen.

Also, man sieht sich im CCH!

Übersteiger

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