Elefantenrunde

Drei Tage vor der Bundestagswahl, lud der Übersteiger zu einer vereinsinternen Podiums-Diskussion, und alle eingeladenen Gremien waren bereit, sich dem Gespräch zu stellen. Präsident Reenald Koch und Aufsichtsrat-Mitglied Peter Paulick ließen sich aufgrund beruflicher Termine entschuldigen, mit unseren beiden Vize-Präsidenten Stephan Beutel und Christian Pothe sowie Michael Burmester als Aufsichtsratmitglied, waren beide Gremien jedoch gut vertreten. Holger Scharf und Andreas Kahrs vertraten die AFM, Uwe Doll die AgiM, Heiko Schlesselmann und Ralf Mehnert den Fanladen und Arne Daedrich den Fanclub-Sprecherrat.

ÜS: Zum sportlichen: Vor der Saison wurde gesagt, dass man nach elf Spieltagen eine Zwischenbilanz ziehen würde. Trotzdem wurde der Trainer bereits nach zwei Spieltagen entlassen. Wie hat sich das für das Präsidium dargestellt?

Stephan Beutel: Zunächst ist diese Aussage, nach einem Drittel der Saison ein Zwischenfazit zu ziehen, so getroffen worden. Allerdings hat sich die Situation durch die beiden deutlichen Auftaktniederlagen fulminant entwickelt. Meine persönliche Meinung ist die, dass der Trainer nicht mehr viel Vertrauen genoss und dies auch gespürt hat. Dies hat sicher auch auf sein Verhalten ausgestrahlt, und in dieser Gesamtsituation wurde ihm die Wende nicht mehr zugetraut und wir haben ihn beurlaubt.

Heiko: Warum wurden die neuen Spieler erst so spät verpflichtet? Demuth hatte frühzeitig darauf hingewiesen, dass man mit diesem Kader in die Regionalliga durchgereicht werden könnte. Gab der Markt das damals nicht her? Das ist sicher einer der Hauptkritikpunkte, dass man den Trainer zunächst für seine Aussage angegriffen hat, um ihm später durch die Neuverpflichtungen (zu spät) doch Recht zu geben.

SB: Da kann man sicher geteilter Meinung sein. Wir wollten erst ein-zwei Pflichtspiele abwarten, dann wurden von der sportlichen Leitung die Defizite ausgemacht und gehandelt. Sicher hatte der Trainer auf die Defizite hingewiesen, aber die Verpflichtung von Thorsten Traub und Chen Yang, sowie das Hochziehen der Amateure Philip Albrecht und Hauke Brückner, wurden ja noch von ihm getätigt.

Heiko: Es hat sich für mich so dargestellt, dass man den Karren (die Personalie Didi Demuth) hat an die Wand fahren lassen, und erst dann handelte.

SB: Das muss man so stehen lassen, da dürfte jeder seine persönliche Meinung zu haben.

Holger Scharf: Für Mitglieder des Ständigen Ausschusses war diese Entlassung keine Überraschung. Dort war seit Monaten klar, dass Didi im Präsidium (mit Ausnahme von Stephan Beutel) kein Vertrauen mehr genoss, und man nur auf den richtigen Moment wartete, ihn zu entlassen. Zu den Neuverpflichtungen: Es sind ca. 200 ehemalige Bundesligaprofis arbeitslos, warum muss man dann Spieler verpflichten, die eine Ablöse kosten, noch dazu zu einem Zeitpunkt, als der neue Trainer noch nicht feststand? Denn für die arbeitslosen Spieler gilt ja der Schluss des Transfermarktes nicht.

SB: Es ist ja zunächst mal unerheblich, ob ein Spieler Ablöse kostet oder nicht, solange er die Mannschaft weiterbringt. Das hingegen können wir nach wenigen Spielen noch nicht beurteilen, das muss die Zukunft zeigen. Der Verein hat für diese Vorgänge mit Franz Gerber einen neuen Entscheidungsträger, der auch ein Konzept hat, und dieses auch verantwortet.

ÜS: Der Transfer von Iyodo ist bekanntlich am Veto des Aufsichtsrates gescheitert. Wie ist das genau abgelaufen, in der Presse waren ja doch diverse Versionen im Umlauf?

Michael Burmester: Es hatte jedenfalls nichts, wie teilweise behauptet, mit arbeitsrechtlichen Problemen zu tun. Zwei Punkte in Bezug auf den Transfer waren vom abgebenden Verein nicht erfüllt, und dies wurde wiederholt angemahnt. Unter anderem waren die Transferrechte nicht geklärt. Es war nicht sicher, ob die Rechte nach dem Transfer beim FC St.Pauli liegen würden, so dass das Risiko für uns zu groß war. Dann wurde von Seiten des AR eine kurze Frist gesetzt, in der die Punkte nicht geklärt wurden, dem Transfer wurde nicht zugestimmt. Über die Länge der Frist wurde im AR kontrovers diskutiert, und die Mehrheit hat dann für eine kurze Frist gestimmt.

Uwe Doll: Die Modalitäten beim Transfer von Adamu waren ja ähnlich. Warum wurde damals zugestimmt, diesmal jedoch nicht?

MB: Ich war damals noch nicht im AR, und kann mich daher zu den Einzelheiten und Unterschieden auch nicht äußern.

SB: Ich kann zu diesem Thema nur sagen, dass die Umstände der Transfers von Adamu und Iyodo absolut gleich waren, sogar mit den gleichen handelnden Personen. Daher war die Überraschung beim Trainer und mir auch so groß, als wir in die Sitzung gingen, und ohne Spieler herauskamen.

Christian Pothe: In der ersten Transfervereinbarung, die uns vorgelegt wurde, war eine Beteiligung des abgebenden Vereins am sportlichen Erfolg vorgesehen, also im steuerlichen Sinne nichts anderes als eine verdeckte Lohnzahlung. Dies wurde dann zwar korrigiert, aber auch die zweite Version war rechtlich noch nicht haltbar. Daraufhin haben wir selber einen Entwurf vorgelegt, der aber so vom abgebenden Verein nicht erfüllt wurde.

SB: Die Anwälte des afrikanischen Vereins haben den Vertrag nicht unterschrieben, und wollen uns noch eine abschließende Stellungnahme dazu zukommen lassen.

Holger: Überflüssig war aber das Verhalten unseres Aufsichtsratsvorsitzenden. Seine zynischen Äußerungen in der Presse, mit denen er die Ausländerbehörden quasi zum Abholen bzw. Verhaften des Spielers aufgefordert hat, sind eines Aufsichtsratsvorsitzenden schlicht und einfach unwürdig.

ÜS: Weg vom sportlichen, hin zum Personellen: In der Öffentlichkeit und auch in Fankreisen herrscht noch häufig die Meinung, das sich Stephan Beutel und Franz Gerber nicht grün sind und man sich gerne aus dem Weg geht. Möchtest Du das mal aufklären?

SB: Ja, gerne. Für die gesamten Vorgänge, die mit seiner Verpflichtung einhergingen, kann Franz Gerber gar nichts. Wir kennen uns seit mehreren Jahren und unser Verhältnis sowie die Zusammenarbeit, sind außerordentlich positiv, gar keine Frage.

Heiko: Wie hat sich diese Verpflichtung von Gerber für Dich zeitlich dargestellt?

SB: Ich habe davon Ende April als Präsidiumsmitglied erfahren, und habe dem Aufsichtsrat ganz normal schriftlich meine Meinung dazu mitgeteilt.

UD: Ich habe aus sehr zuverlässiger Quelle erfahren, dass die Verpflichtung von Franz Gerber bereits seit der Winterpause beschlossene Sache war und dies auch mit den Sportchefs der Hamburger Tageszeitungen diskutiert wurde. Das ist gegenüber dem Trainer Dietmar Demuth und dem Präsidiumskollegen Stephan Beutel ein absolut nicht zu tolerierender Umgang.

CP: Wir hatten in der Winterpause am 27.12. eine Präsidiumssitzung, in der wir für die Rückrunde diverse Entscheidungen gefällt haben. Wir haben eine regelmäßige Trainerstabs-Sitzung beschlossen, für die Rückrunde bestimmte Termine und Verhaltensweisen und Analysezeitpunkte festgelegt, aber wir haben da zu keinem Zeitpunkt über eine Verpflichtung von Franz Gerber gesprochen. So eine Verpflichtung hätte nur mit Genehmigung des Präsidiums und des Aufsichtsrats erfolgen können, und da gab es keine Gespräche in diese Richtung.

Holger: Auch hier ist nicht die Entscheidung, sondern die Art und Weise zu kritisieren. Stimmt es denn, dass die Verhandlungen seitens des Präsidiums mit Gerber ohne Wissen des Präsidiumsmitglieds Stephan Beutel geführt wurden, der ja auch noch direkt betroffen war?

CP: Vorab: Wir sollten trennen zwischen der formalen Richtigkeit der Verpflichtung, und der Art und Weise. Die ersten Gespräche wurden in der Tat von Reenald Koch und mir mit Franz Gerber geführt, um die generelle Bereitschaft auszuloten, ohne das Wissen von Stephan Beutel. Und ich gebe zu, dass dies ein Fehler war. Wir sollten das jetzt aber auch abhaken, denn wir reden immer noch über Vorgänge aus dem Mai, wo wir uns doch längst in einer neuen Saison befinden.

Andreas Kahrs: Ich glaube nicht, dass jetzt ein Schlussstrich gezogen werden kann, denn wir leiden momentan immer noch unter den Folgeschäden, und solange die nicht behoben sind, können wir das auch nicht abschließen.

Heiko: Aber wir sind ja auch dazu hier, Perspektiven aufzuzeigen und in die Zukunft zu blicken. Ist es denn überhaupt möglich, dass im Präsidium mit diesen drei Personen noch vertrauensvoll zusammen gearbeitet wird? Auch über den Oktober hinaus?

SB: Es ist sehr viel passiert, aber das muss man jetzt auch mal hinter sich lassen. Ich habe in der für mich sehr schwierigen Zeit sehr viel Zuspruch aus dem Verein und der Fanszene erfahren, das Amt des Vizepräsidenten, in das ich bis November 2003 gewählt bin, steht für mich also überhaupt nicht in Frage. Auch den Job des Managers fülle ich sehr gerne aus, und ich werde mich auch in Zukunft in beiden Positionen voll für den Verein einsetzen.

CP: Die Arbeit im Präsidium verläuft so professionell wie niemals zuvor, und die Arbeit des Managers ist um die sportliche Kompetenz von Franz Gerber erweitert worden und verläuft sehr gut. In Anbetracht der großen Aufgaben, die in naher Zukunft vor uns liegen, ist auch eine vertrauensvolle Arbeit im Präsidium unbedingt notwendig, und wir können auf niemanden verzichten, wir benötigen all die Professionalität und die Erfahrung, die wir in den vergangenen zwei Jahren zusammen gesammelt haben.

Ralf Mehnert: Zum Stadionbau. Wird es auf der JHV ein Finanzierungskonzept geben? Und wenn ja, was sind die "Kröten", die es beim neuen Stadion laut Reenald Koch für die Fans zu schlucken geben wird?

CP: Unabhängig davon, muss ich erstmal vorwegschicken, dass ich relativ entsetzt bin, was aus dem Kreis der engsten Verantwortungsträger in den letzten Tagen mal wieder 1:1 an die Medienvertreter gekommen ist. (Anm.d.Red: Das Gespräch fand zwei Tage nach einem Artikel in der WELT statt.) Das hat mich schon sehr getroffen, und ich habe mich ernsthaft gefragt, ob ich mir das weiter antun muss. Wir haben deutlich gesagt, dass wir keine Wasserstandsmeldungen mehr abgeben werden. Dieses Projekt hat ein Gesamtvolumen von 100 Millionen Euro und ist so komplex, dass man das nicht in ein paar Sätzen darstellen kann. Wir stehen momentan in Verhandlungen mit der Stadt, und müssen bis Ende September die Unterlagen zur Baukostensicherheit und Betriebskostensicherheit vorlegen. Sehr komplexe Aufgaben, die wir den schlechten Erfahrungen der Stadt mit der aol-Arena verdanken. Dann kommen auch die letzten Verhandlungen über die Finanzierungsmodelle. Die Idee der EU-Fördergelder ist in den Medien falsch und verkürzt dargestellt. Und es ist auch nicht so, dass wir nun erwarten, dass uns die Stadt ein Stadion finanziert. Details gibt es aber wirklich erst am 25.10. auf der JHV.

UD: Peter Benckendorff wird in der WELT zitiert, dass dem AR mehrere Modelle zur Abstimmung vorliegen. Laut Deiner Aussage stehen ja vorher noch Aufgaben an, bevor es überhaupt ein beschlussfertiges Konzept geben kann. Was stimmt denn nun?

CP: Wir haben im Frühjahr dem AR mehrere Modelle für eine Finanzierung und Fördermittelberatung vorgetragen haben. Wir haben den Auftrag bekommen, eine Richtung intensiv weiterzuverfolgen. Zur Abstimmung stand bisher lediglich der Abschluss eines Beratervertrages in Höhe von 30.000,- Euro.

MB: Dieser ersten Stufe haben wir zugestimmt. Alles Weitere ergibt sich zwingend aus dieser ersten Stufe und ist daher momentan noch nicht abzusehen. Das Zitat von Peter Benckendorff ist unglücklich rübergebracht worden, die Aussage wie sie dort wiedergegeben wurde stimmt jedenfalls so nicht.

Holger: Nur zur Klarstellung: Mit was kann das Mitglied am 25.10. rechnen? Ein Finanzierungskonzept, ein Modell, aus dem klar hervorgeht was passiert, oder nur eine Idee, in der noch Optionen und Fragen (wie die Zustimmung der Stadt) offen sind?

CP: Wir haben gesagt, dass wir in unserer Amtszeit dieses Projekt realisieren, und daran lassen wir uns messen. Was wir am 25.10. vorstellen werden, wird greifbar sein, und kein Luftschloss. Dass dann am Montag drauf nicht gleich die Bagger rollen, ist auch klar.

Heiko: Warum muss sich beim FC St.Pauli immer jemand ein Denkmal setzen wollen? Warum bauen wir nicht einfach auch mal eine Tribüne um, meinetwegen auch mit Logen und Business-Seats, und 4-5 Jahre später ist dann das Geld für die nächste Tribüne da und es wird weitergebaut. Das hat u.a. in Freiburg und Mainz geklappt, warum bei uns nicht?

CP: Das geht nur, wenn man die Finanzierung aus dem laufenden Lizenzspielerbetrieb vornehmen will, was bei uns nicht der Fall ist. Wir wollen das ja so gestalten, dass es sich aus sich selbst heraus rechnet. Und dann ist es egal, ob man eine oder 4 Tribünen baut, solange diese jeweils wirtschaftlicher sind, als das, was vorher war. Wenn wir die Gelder aus dem Lizenzspieleretat nehmen würden, würden wir die Mannschaft schwächen und riskieren, aus dem bezahlten Fußball auszuscheiden.

Heiko: Aber die benötigten Eigenmittel bei 20 Millionen sind doch sicher geringer als bei 80 Millionen.

CP: Wenn man die gesamte Entwicklung schon 1990 vorausgesehen hätte, hätte man das so machen können. Inzwischen stellt sich das aber ganz anders dar, der gesamte Umbau in einem Stück ist möglich und genau genommen sogar nötig. Denn wir haben für die Bauzeit die Erlaubnis den Platz Feldstraße II zu denaturieren und dort das Baumaterial zu lagern. Das ganze ist aufgrund der Anwohner natürlich mit engen Auflagen verknüpft, so dass uns gar nichts anderes übrig bleibt, als den Umbau in einem Stück zu machen. Eine der sprichwörtlichen "Kröten" wäre somit also ein zeitweiliger Umzug. Das ist natürlich von niemandem gewünscht, aber baulich wahrscheinlich gar nicht anders möglich. Zudem wäre es ein erheblicher Aufwand, alle zwei Wochen aus der Baustelle ein funktionstüchtiges Stadion zu machen, und das 30 Monate lang. Bei einem Umzug würde der Umbau 16 Monate dauern.

RM: Mal angenommen, der Stadionumbau würde nicht kommen, wir würden aber irgendwann mal wieder in der ersten Liga spielen. Wäre es durch geringfügige bauliche Veränderungen möglich, dann weiter am Millerntor zu spielen?

CP: Als noch nicht feststand, in welcher Liga wir diese Saison spielen, stellte sich auf Nachfrage heraus, dass bei gewissen Änderungen dieses sehr wohl möglich gewesen wäre. Zum Beispiel durch einen Wechsel der Fankurven (Nord und Süd). Es ist ja aber auch bekannt, dass die DFL ihre Auflagen regelmäßig verschärft.

Heiko: Mögliche weitere "Kröten" wären ja die Vergabe an einen nicht mit uns vereinbaren Namensgeber oder eine Umverteilung des Verhältnisses Sitz- und Stehplätze. Wie sieht es damit aus?

CP: Es wird wie geplant je 15.000 Steh- und Sitzplätze geben. Auch die Idee der "Längsten Theke der Welt" im Stehplatzbereich mit Blick ins Stadion ist wohl schon angekommen. Da haben sehr produktive Gespräche mit dem Fanumfeld stattgefunden, die wir auch eingebunden haben. Den Namen des Stadions muss man heutzutage verkaufen. Es wird sich aber auf jeden Fall um einen Namen handeln, der hier zum Umfeld passt, und da gibt es auch konkrete Verhandlungen.

ÜS: Es wurde einst gesagt, dass für einen Stadionneubau die Ausgliederung zwingend notwendig wäre. Ist dies noch so, und was tut sich in der Strukturkommission, die ja Pro und Contra der Ausgliederung abwägen sollte?

UD: Uns (der Strukturkommission) wurde auf dem letzten Treffen vor einigen Monaten dargelegt, dass im Zuge der Finanzierung des Stadionbaus mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Ausgliederung notwendig sei. Wir haben Christian Pothe dann gebeten, uns nähere Informationen zukommen zu lassen. Wir haben danach einen Brief bekommen, mit Informationen zu anderen Vereinsausgliederungen. Einberufen wurde die Kommission leider seitdem nicht mehr. Meine Frage daher an Christian Pothe: Wann findet dazu die nächste Sitzung statt und bekommen wir da von Dir die Unterlagen?

Arne Daedrich: Was hätte denn die Ausgliederung für das einzelne Mitglied für Folgen? Welche Abteilungen würden exakt ausgegliedert werden? Die Antwort auf solche Fragen wäre doch im Vorfeld als Basisarbeit schon mal ganz hilfreich.

CP: Wir haben uns ja mehrfach zusammengesetzt, Informationen gesammelt und das Für und Wider an der aktuellen Situation erörtert. Die Frage, ob es für den Stadionneubau nötig ist, ist momentan noch nicht geklärt, und sobald sich da was tut, können wir uns relativ kurzfristig wieder zusammensetzen und dieses erörtern.

UD: Für das einzelne Mitglied kann eine Ausgliederung relativ wenig Folgen haben, dass hängt aber von der Form des Gesellschaftervertrages ab. Grundsätzlich möchte ich aber noch anmerken, dass mir momentan noch die zwingenden Gründe zur Ausgliederung fehlen.

AK: Als nächstes Thema möchte ich noch den Aufsichtsrat im Allgemeinen ansprechen. Die Arbeit war dort ja in jüngster Vergangenheit recht fragwürdig. Einige äußern sich gerne in der Öffentlichkeit und weisen sich dort als ausgesprochene sportliche Fachmänner aus etc. Über Peter Paulick war gestern zu lesen, dass seine Kandidatur noch nicht sicher sei, da er beim Stadionbau eine wichtige Person sei. Ist es richtig, dass er bisher auch schon für dieses Projekt gearbeitet hat und bezieht er für diese Arbeit Honorare?

CP: Der AR ist natürlich das wichtigste Thema der kommenden JHV. Da der AR dem Präsidium vorgestellt ist, werde ich mich hier aber zu Einzelheiten nicht äußern, da ich in die Aufsichtsratswahl in keiner Weise eingreifen möchte.

Heiko: Ist es denn in unserer Satzung überhaupt erlaubt, dass Mitglieder des AR für Tätigkeiten vom Verein bezahlt werden, und sich diese Honorare quasi selber genehmigen?

UD: Durch die neue Satzung ist dies nicht mehr möglich. Ausgenommen sind bestehende Verträge aus der Zeit vor Inkrafttreten dieser Satzung.

Heiko: Auf der JHV hieß es, dass kein hauptamtlicher Vizepräsident eingestellt werden sollte. Christian Pothe wurde dann doch eingestellt, was ja auch schlüssig begründet wurde, mit dem juristischen Aufwand, in erster Linie in Bezug auf das Stadion. Mich wundert jetzt aber schon, dass Peter Paulick zusätzlich auch Gelder für dieses Projekt bekommen haben soll. Ist das so ein hoher juristischer Aufwand?

CP: Also für eine Person ist der hohe Aufwand viel zu hoch. Wir beschäftigen eine Vielzahl von Juristen, denn es gibt momentan doch eine Vielzahl von juristischen Aufgaben. Wir werden von Radio Hamburg verklagt, wir haben arbeitsrechtliche Streitigkeiten, wir mussten unsere AGB's ändern lassen müssen, dass ist für eine Person niemals zu schaffen. Mein Tätigkeitsschwerpunkt ist das operative Geschäft, die Vermarktungs KG, die Merchandise KG, die Stadionbetriebsgesellschaft und der Verein. Dies ist normalerweise für einen alleine kaum noch zu schaffen, und selbst hier sollte man schon über eine Umverteilung nachdenken.

ÜS: Wie stellt sich denn die "tägliche" Arbeit des AR überhaupt dar? Wird da telefonisch oder per e-mail kommuniziert oder trefft Ihr Euch immer live? Und was für ein zeitlicher Aufwand steht überhaupt dahinter?

MB: Die Themen werden erörtert, konstruktiv diskutiert und am Ende abgestimmt. Es handelt sich nicht, wie gerne in den Medien dargestellt, um "den Aufsichtsrat". Es gibt sieben Mitglieder, die alle eine eigene Meinung haben, dass wird auch in der neuen Zusammensetzung so sein. Am Ende steht dann halt immer die demokratische Entscheidung der Mehrheit. Reenald Koch sprach ja von monatlich 25-30 Stunden, es gibt aber sehr wohl Monate, wo dies bei weitem überschritten wird, dafür gibt es halt auch mal ruhigere Monate. Bei den heute angesprochenen Themen wie Stadion und Ausgliederung, die den Verein auf Jahre und Jahrzehnte betreffen, wird sicher ein höherer zeitlicher Aufwand nötig sein, so wie es bei der Brisanz der letzten Monate auch war. Natürlich benötigt jedes Mitglied eine gewisse Basiskompetenz, aber zu einigen Themen müssen halt auch Spezialisten gehört werden, idealerweise aus der Mitte des AR, sonst aber auch extern. Ich möchte zum Schluß noch ein paar warme Worte an alle richten. Wir sitzen hier ja auch, aufgrund der Vorfälle der letzten Monate, bei einem "normalen" Verlauf hätte es ja dieses Treffen vielleicht gar nicht gegeben. Es herrscht momentan ein unglaubliches Misstrauen im Verein, in allen Gremien. Dies ist ein Punkt, an dem ganz kurzfristig gearbeitet werden muss. Außerdem gibt es ein gegenseitiges Belauern, wo man immer nur auf "die andere Seite" schaut und auf Fehler wartet, ohne zu beachten was richtig gemacht wird oder was man selber vielleicht falsch macht. Das führt natürlich auch nicht wirklich zu konstruktiver Arbeit. Ein Mindestmaß an Vertrauen sollten wir wieder hinbekommen, wobei man sich das natürlich auch erarbeiten muss. Eine Grundvoraussetzung dafür ist natürlich auch der respektvolle Umgang miteinander, gerade im Hinblick auch auf die JHV, und das Verhalten jedes einzelnen. Dazu ist natürlich jedes hier heute vertretene Gremium auch aufgefordert.

AD: Jeder einzelne Fan, jedes einzelne Mitglied sollte sich an diese Worte halten. Es ist immer noch etwas Einmaliges in Deutschland, dass wir als Fans und Mitglieder so eng am Verein sind, und so aktiv mitarbeiten können. Kritik sollte also auch sachlich geäußert werden, auch von der so genannten Basis, also den Fans. Da hat es in letzter Zeit, auch und gerade im Internet, doch herbe Aussetzer gegeben.

ÜS: Schönes Schlusswort. Der ÜS möchte sich ausdrücklich noch mal bei allen Anwesenden bedanken, denn ein Treffen in dieser Zusammensetzung wäre sicherlich bei 35 anderen Profivereinen kaum zu Stande gekommen, schon gar nicht, wenn ein Fanzine dazu einlädt. Also doch immer noch, der "etwas andere" Verein, abseits von allen Klischees.

Auf einen ähnlich sachlichen und konstruktiven Verlauf am 25.10.2002 im CCH
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