![]() "Wir haben gespielt, wie die Mädchen". Solch einen Ausspruch konnte man von Marcel Rath nach einer missratenen Partie unserer Mannschaft hören. Die Mädchen vom FC St.Pauli sind 16 an der Zahl und spielen in der B-Jugend und haben diesen Ausspruch sicher nicht verdient. In unserem Verein gibt es nur zwei weibliche Fußball-Teams, die es nicht gerade leicht haben. Um überhaupt ein Team gründen zu können mußten sich diese gegenüber unseren Verantwortlichen ganz schön ins Zeug legen. Angefangen hat alles mit einer Gruppe von Mädchen, die mit der U-16 fleißig Marcel Rath und Co. unterstützten. Im Rahmen von Aktionen mit der U-16 haben die Mädchen ab und zu Fußball gespielt und sich überlegt, aufgrund ihrer Freude am Spiel und ihrer Leidenschaft für den FC St.Pauli, man könne ja ein eigenes Team aufmachen. Der Weg dorthin verlief streckenweise allerdings sehr zäh. Es dauerte Ewigkeiten bis es die St. Pauli B-Mädchen wirklich gab. Anfangs waren die Mädchen zwar als Team gemeldet, trainierten aber eigenständig und ohne Hilfe des Vereins auf den Schulgelände in der Thadenstraße, da aufgrund der Sommerpause noch keine Trainingszeiten auf den Plätzen an der U-Bahn Feldstraße zur Verfügung standen, oder gar die Jungs aus dem Brummerskamp den Platz zeitweise nutzten. Trikots und weiteres Sportgerät mussten sich die Kickerinnen selbst organisieren, während ihre männlichen Leistungs-Kollegen Schuhwerk, Trikots und weitere Ausstattung vom Verein gesponsert bekommen. 2000 D-Mark wurde ihnen von der AFM zur Verfügung gestellt für die Anfangsausstattung wie z.B. Bälle usw. Die Trikots sponserte der "Splitter". Letztendlich haben sie es geschafft. Sie haben Trainingszeiten auf dem Gelände an der Feldstraße, einen Trainer ( Yassin, 20 Jahre ) und spielen im normalen Spielbetrieb, allerdings ziemlich isoliert, denn wirklichen Kontakt zu anderen Fußballmannschaften gibt es nur zum Frauenteam. Tja, Herr Rath, wenn die "Kiezkicker" wirklich mit soviel Herz gespielt hätten, wie die Mädchen in den Sport und Verein investieren, wäre das besagte Spiel bestimmt nicht verloren gegangen..... Julia, 19 Jahre:Seit 6 Jahren St.Pauli Fan. Das erste Mal hat sie ihr Vater mit zu St.Pauli genommen. Ihr Bruder konnte nicht und deshalb war die Dauerkarte frei. Eigentlich mochte sie Fußball gar nicht, aber das sollte sich schnell ändern. Ihr erstes Spiel war das Spiel gegen Hansa Rostock, welches 3:1 ausging Die Stimmung gefiel ihr so gut, dass sie immer wieder hingehen mußte. Mittlerweile ist sie zum Fan geworden und nimmt gerne auch Auswärtspiele mit. Als weiblicher Fan hat sie sowohl beides erlebt, Akzeptanz und dumme Sprüche. Leider nicht mehr B-Jugend berechtigt. Gehört zu den Gründerinnen. Svenja, 18 Jahre:"Eine Freundin hat mich zum Verein gebracht." Sie hatte die Karte zum Geburtstag bekommen, ihr erstes Spiel war gegen Chemnitz. Das Interesse an Fußball war nicht sehr groß und wurde lediglich im Fernsehen ab und zu geguckt. Doch auch sie hat die Stimmung gepackt. Der FC St.Pauli ist Kult für sie, und auch hier wurde ein echter Fan gewonnen. Freunde finden dies eher positiv. Ebenfalls nicht mehr spielberechtigt. War ebenfalls Gründerin dieser Mannschaft. Die Frauen sind ihr im Alter noch zu weit weg, deshalb trainiert sie wie Julia bei den Mädchen. Esther, 12 Jahre:Zuerst war das Interesse am Fußball und dann erst am Verein. Der FC St. Pauli war der einzige Fußballverein den sie kannte und mochte. Aus Wilhelmsburg kommt sie ganz zum Training hierher. Fußball hat sie davor auf der Straße gespielt, doch die Jungs wollten sie häufig nicht mitspielen lassen. Als sie anfing Fußball zu spielen, war es für viele ungewöhnlich, inzwischen finden es die meisten in der Schule und auch die Freunde normal. Der FC St.Pauli ist für sie ein sympathischer Verein. Er ist "klein aber fein"... Sarah, 15 Jahre:Aufgewachsen mitten im Viertel. Ihr Großvater hat schon hier gelebt und ihre Mutter ist hier geboren. Sie war schon immer Fußballfan. Letztes Jahr nahm ihr Cousin sie zum Reutlingen-Spiel mit. Fußball hat sie vorher bei Altona 93 gespielt. Ihre Freunde finden es "cool", was sie macht. Die Stimmung beim FC und der Zusammenhalt der Fans fasziniert sie. An ihrem Stadtteil liebt sie vor allem die Tatsache, dass man Abends rausgehen kann, ohne Angst zu haben. Das Viertel ist hell erleuchtet und alle Kneipen sind auf. Nicht so schön findet sie, dass die Spielplätze ziemlich verdreckt sind und Drogenspritzen in den Sandkisten rumliegen. St. Pauli steht für sie als kleiner Kiezclub, der den Großen das fürchten lehrt. "Die sind so arm und dann hauen die 2:1 den FC Bayern weg". Außerdem gehört der FC St.Pauli zu den wenigen Clubs, die nach Stadtteilen benannt sind. INFO:Das Training findet unter der Leitung von Yassin und Kerstin ( ehemals Praktikantin im Fanladen) Montags und Mittwochs von 18h-20h auf dem Trainingsgelände an der Feldstraße statt. Die Mannschaft braucht unbedingt neue Spielerinnen, die für die B-Jugend zugelassen sind. Gespielt wird im Kleinfeld mit 6 Feldspielerinnen 2x40Min. Red. |
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