Das Stadion kommt...
Baubeginn für das Stadion ist...
Das Stadion kommt,
nur der Zeitpunkt steht noch nicht...
Das Stadion kommt... bestimmt...
Nie?
"Papa, alle bauen ein neues Stadion, warum wir nicht?", fragten wir im ÜS 53, aufgrund des Wechsels unserer Vereinsführung und damit einher gehender neuer Konzepte jedoch voller Hoffnung auf baldige Realisierung. Mittlerweile hat uns die Realität wieder eingeholt und wir zählen mal wieder die Tage bis zum Stadionbau...
Aber der Reihe nach:
Nachdem sich die neue Vereinsführung während der Hinrunde umfassend über die finanzielle Machbarkeit von verschiedensten Stadionprojekten und- kapazitäten informierte, kristallisierte sich nach und nach ein mögliches Traumschloss mit einer Kapazität von 33.000 Zuschauern für einen Maximalwert von ca. 65 Millionen DM heraus. Diese Summe galt es zu finanzieren. Es gab mal wieder Gespräche mit diversen Vermarktern (ISPR, DSM etc.), auch unser damaliger Bürgermeister Ortwin wurde eingeschaltet. Er versprach das Grundstück per Erbpacht zu übertragen. Im August titelte die Welt: "Zuschlag für den Neubau am Millerntor nur Formsache". Was war geschehen? Man favorisierte ein Modell, welches im wesentlichen auf den Plänen Weisener`s beruhte und von Zech und Butzkies errichtet werden sollte. " Man wolle die starke Verhandlungsposition ausnutzen und ..." finanziell einiges herausholen", verkündete die Stadionprojektleitung des FC St. Pauli. Aber, es wurde zunächst einmal nichts daraus. Dann auf der Pressekonferenz nach dem Heimspiel gegen Schalke, der großer Knaller: In großer, majestätischer Runde, mit Sercuvita- Gründer Martens, Bürgermeister Ortwin und unserer Vereinsführung wurde das Gesamtkonzept "Sport- und Gesundheitspark St. Pauli" der Öffentlichkeit vorgestellt. Dank Sercuvita, die sich selbst nach eigener Aussage mit einem erheblichen Teil engagieren wollte, sollte ein geschlossener Immobilienfonds aufgelegt werden, der die Finanzierung des Stadions mit einen Anteil von ca. 70 Millionen DM und einer Mantelbebauung mit einem Anteil von ca. 50 Millionen DM ermöglichen sollte. Die Mantelbebauung, bestehend aus Arztpraxen, Reha- Einrichtungen und Bürogebäuden wollte Sercuvita in Teilen mit 500 Mitarbeitern selbst nutzen. Farbige Hochglanzprospekte und Visionen in Richtung Olympia- Bewerbung der Stadt Hamburg gaben der Präsentation einen würdigen Rahmen. Und das wichtigste : "Baubeginn ist nach Saisonende im Mai 2002"!
Nun ja, bis auf die Kleinigkeit, dass neben der versprochenen Beteiligung am Fonds von ca. 20 Millionen DM Sercuvitas noch läppische 100 Millionen DM Anteile fehlten, wurde zunächst in der Euphorie übersehen. Unser FC sollte das Stadion über einen Zeitraum von 20- 25 Jahren mieten und später für einen festgelegten Preis käuflich erwerben. Vereinspräsident Koch plante über eine Kapitallebensversicherung die notwendigen Rücklagen zu bilden. Über die Vermietungen des Stadions und der Flächen der Mantelbebauung sollte eine Rendite von fünf bis sechs Prozent für die Anleger erzielt werden. Und das alles ohne Altpräsident Weisener, dem zwischenzeitlich die Rechte an dem Stadionbau und seiner Planungen abgeworben wurden.
Es verstrich nun einige Zeit, in der "Banken an der seriösen Ausarbeitung des Immobilienfonds beschäftigt waren, "über Umzüge in den Volkspark während der Bauphase" nachgedacht wurde, bis es dann um die Jahreswende um unser Traumschloss wieder stiller wurde.
Irgendwie bekam man das Gefühl, dass wohl doch nicht genügend Anleger, noch nicht einmal theoretisch gewillt waren, ihr sauer erspartes Geld in einen Immobilienfonds für ein Stadionprojekt zu werfen. Der FC St. Pauli schien nun mal kein Garant für mittelprächtige Renditen zu sein. Wie auch, nach der Vergangenheit. Trotzdem ließ auch unser Neu- Bürgermeister Ole die Gelegenheit nicht aus, im Januar diesen Jahres sich mit den ergeizigen Plänen der Stadion Machern zu sonnen. "Ich will St. Pauli schnellstmöglich helfen und alles tun, um den Baubeginn nicht zu verzögern" Selbst Bausenator Mettbach ließ sich zu dem Statement hinreißen: "Dieses Projekt findet die volle Unterstützung. Damit wird der Olympiastandort Hamburg gestärkt." Immer noch war von einem neuen Stadion, Büroflächen, Hotels und Tiefgaragen die Rede. Dimensionen, die uns am Millerntor bisweilen völlig fremd waren.
Und (Gott sei Dank?) uns auch fremd bleiben, denn im Februar zerplatzte der Traum wie eine Seifenblase. Sercuvita änderte ihre Firmenstrategie und zog sich nach eigenen Aussagen aus der Finanzierung und der Bebauung zurück. Aus der Traum? Was übrig bleibt ist der Verdacht, das unsere Bürgermeister die hoffnungsvollen Keime unseres geliebten Vereins lediglich als Vor- und Nachwahlkampfsveranstaltungen nutzten und wir Sercuvita zu einem recht günstigen Werbefeldzug verhalfen. Mittlerweile laufen zwar schon wieder Verhandlungen mit der Hotelgruppe Lindner für eine Wiederaufnahme der Planungen und Finanzierungen, die offiziellen Statements des Vereins ("wir verhandeln mit Hochdruck mit potenten Partnern") über eine baldige Umsetzung des Projektes und ähnliches steigern meine Erwartungshaltung allerdings nicht. Da verlasse ich mich lieber auf Aussagen von unserem Präsidenten Reenald Koch, der das Unwort unseres Vereins schlechthin "Baubeginn" momentan ungern in den Mund nimmt. Oder hörte ich letztens aus dem Dunkeln etwa über einen Letter of Intent mit der Hotelgruppe Lindner minkeln?
Da wir aber sowieso wieder absteigen, uns kein Umzug in das Volksparkstadion droht, weil es für die 2. Liga eine Spielgenehmigung am alten, ehrwürdigen Millerntor geben wird, können wir beruhigt Mai für Mai in unserem liebgewonnen zu Hause auf St. Pauli auf den Baubeginn warten.
Mal Hand auf`s Herz: Ist doch auch ganz nett, oder?
CF
|