QUEERPASS BEIM FC ST. PAULI

Erster schwul-lesbischer
Fußball-Fanclub in Hamburg

   Die symbolische Regenbogen-Fahne aller Homosexuellen weht zwar schon seit einiger Zeit am Millerntor, aber offensichtlich organisiert sind Schwule und Lesben bislang am Millerntor noch nicht aufgetreten. Das soll sich ändern. Oder besser: hat sich geändert, denn seit dem 12. März hat der FC St. Pauli offiziell einen neuen Fanclub: "Queerpass St. Pauli - Lesben und Schwule am Millerntor". Doch so ganz konnte der neue Fanclub seinem Namen bislang noch nicht gerecht werden, denn bislang scheint es beinah so, als gäbe es keine Lesben am Millerntor. "Wir haben bislang 17 Mitglieder", so Gründungs-Initiator Christian, "aber leider sind das derzeit alles nur Männer". Seit der Saison 97/98 ist der studierte Soziologe Besitzer einer Dauerkarte, die ersten regelmäßigen Besuche datieren jedoch bereits aus 1996: "Viele Kommilitonen sind damals St.Pauli-Fans gewesen, und so bin auch ich das erste Mal an's Millerntor geraten."

   Auch Moe ist schon ein paar Jährchen dabei: "Ich bin 1997 von Flensburg nach Hamburg umgezogen. Fußballfan war ich da eigentlich noch nicht, aber durch meinen neuen Freundeskreis hier habe ich ziemlich schnell meine Liebe zum FC St. Pauli entdeckt. Und nun gehe ich bereits seit der Saison 97/98 an's Millerntor." Auch in der Singing Area war mein Schwulsein nie ein Problem - von Anfang an gab es für mich absolut keine Schwierigkeiten mit den Jungs." Das scheint tatsächlich ein Phänomen zu sein, dass es zwar teilweise schwulenfeindliche Sprüche gegen Schiris und gegnerische Spieler am Millerntor gibt, aber sich Homosexuelle in unserem Stadion dennoch ziemlich wohl fühlen, weil sie persönlich eher selten entsprechende negative Erfahrungen machen mussten. Mag vielleicht daran liegen, dass die schwulen Jungs in der Regel mit Hetero-Kumpels im Stadion stehen. Auch Christian schlägt in diese Kerbe: "Eigentlich ist es bei St. Pauli nicht wirklich notwendig, durch die Gründung eines homosexuellen Fanclubs auf die Problematik hinweisen zu müssen. Meine Erfahrung ist, dass Schwule und Lesben akzeptiert sind und es im Normalfall Fans gibt, die auf etwaige Diskriminierungen angemessen reagieren." Und überhaupt wollen die Queerpasser auch nicht ihr Schwulsein im Mittelpunkt ihres Fanclubs-Daseins sehen, sondern in erster Linie ihre Liebe zum FC St. Pauli. "Wir wollen Fußball im Mittelpunkt haben", so Glatzkopf Moe. Christian ergänzt: "Wir sind ein ganz normaler Fanclub, der ganz normal am Vereinsgeschehen teilnehmen will. Und wenn ich mich zwischen der Regenbogen- und der braunweißen Vereinsfahne entscheiden müsste, wäre das Club-Banner mein klarer Favorit!"

   Dass der "Queerpass" allerdings auf einem ziemlich schmalen Pfad zwischen Anerkennung in der Schwulen- und der St.Pauli-Szene wandelt, das bestätigt auch Christian: "Fußballfans werden in der schwulen Szene eher belächelt, weil sie dort als ziemlich unschwul oder gar prollig gelten." Umgekehrt wurde "Queerpass" in seiner Gründungsphase erfreulicherweise vom Fanladen so wie jeder andere Fanclub unterstützt: "Die haben uns behandelt wie alle anderen", meinen Moe und Christian unisono. "Nicht überraschend" finden die beiden, dass sich in der deutschen Profi-Fußballliga bislang kein einziger Spieler zu seiner Homosexualität bekannt hat, auch wenn eigentlich klar oder gar bekannt ist, dass es einige Kicker gibt, die eine Vorliebe für gleichgeschlechtliche Partnerschaften haben: "Die fürchten mögliche Reaktionen der Fans. Und wenn man sich so die verkrusteten Strukturen des DFB anschaut, ist doch klar, dass das noch ein absolutes Tabuthema im deutschen Fußball ist."

   Wie soll es also weitergehen mit eurem Fanclub? Christian: "Einige von uns werden, wie bislang auch, vor und während des Matches mit unseren Hetero-Freunden zusammen sein und zusammen stehen, andere wollen sich auch für das Stadion verabreden. Nach den Spielen wollen wir uns dann allerdings regelmäßig mit unseren schwulen Fanclub-Kumpels treffen. Auch gemeinsame Auswärtsfahrten sind geplant. Zudem möchten wir uns zuallererst mit anderen St.Pauli-Fanclubs austauschen, bevor wir ein Netzwerk zu homosexuellen Fangruppen in anderen Vereinen (z. B. Hertha-Junxx - siehe Extra-Info) aufbauen. Eine eigene Homepage ist übrigens auch in Arbeit."

   Wer Interesse hat sich dem "Queerpass" anzuschließen, oder einfach nur zusätzliche Infos benötigt, kann sich entweder an den Fanladen wenden oder eine E-Mail schicken an: FCST.PAULIFREUND@WEB.DE

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Extra-Info

HERTHA-JUNXX

   Der Berliner Schauspieler Stephan Meyer-Kohlhoff ist der Gründer des ersten schwul-lesbischen Fanclubs in Deutschland. Seit dem 7. August 2001 agieren rund 25 Männer und Frauen offiziell beim Hauptstadtclub Hertha BSC. Respekt dafür, dass sich die Hertha-Junxx ausgerechnet in einem sportlichen Fan-Umfeld positioniert haben, das bislang nicht gerade als das toleranteste galt und dabei auch offensiv mit homosexueller Symbolik (Regenbogenfahne im Stadion) arbeiten. So richtig wohl fühlt sich der Berliner Fanclub aber offensichtlich noch nicht in seiner Rolle, denn in die echte Hardcore-Fankurve traut man sich erst einmal nicht.

   Und auch in Köln soll sich übrigens gerade ein schwuler Fanclub in Gründung befinden - sein Name: Die Gays Böcke. Mal sehen, was sich da noch alles so tut.


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