Für Andorra zur WM

   Das 1860-Spiel noch vor Augen, findet Ihr auf den nächsten Seiten ein Gespräch mit unserem Spieler mit der Nummer 10 hinten drauf! In den Medien wird viel über seinen evtl. Wechsel spekuliert und berichtet. Leider konnten auch wir nicht viel neues hören, aber nun am Ostersonntag, sieht es wohl eher so aus, das dies Interview Abschiedscharakter hat.

ÜS: Hallo Thomas, wohin wechselst Du, wenn wir absteigen?
TM: Ach jetzt fangen wir gerade so an. Na ja, es ist ja noch gar nicht sicher, daß ich selbst im Falle eines Abstiegs den FC verlasse und geschweige denn, das klar ist, das wenn ich gehe, wohin das sein wird! Ich hab keine Ahnung. Das ist eine total hypothetische Frage!

ÜS: Ok, bis hierhin, wir werden nachher noch mal darauf zurückkommen. Willi Reimann, Dein Trainer beim FC bevor Du zu 1860 gewechselt bist, war kürzlich bei Sport 3 zu Gast und hat über dich gesagt, daß Du schon damals bei den Amateuren ein großes Talent warst, allerdings zu ungeduldig. Wie hast Du denn das gesehen zu der Zeit?
TM: Tja, wenn Willi Reimann meint, daß ich zu ungeduldig war, dann ist es so. Nur, ich war in dem Sinne zu ungeduldig, daß ich zu der Zeit nicht das Gespräch gesucht hab, was wichtig gewesen wäre, um die Fronten abzuklären. Das ist der Vorwurf den ich mir mache, aber es ist natürlich auch so, daß man auf Spieler zugehen kann, wenn der Vertrag Ende April ausläuft, um die Zukunft zu besprechen und wenn das nicht passiert, dann muß man sich natürlich neu orientieren.

ÜS: Also war das fehlende klärende Wort, egal von welcher Seite, ein Grund warum Du zu der Zeit gewechselt bist?
TM: Ja, es war aber auch für mich frustrierend, daß mich unter jedem Trainer immer neu durchsetzen mußte und dann hab ich mir gesagt: gut, dann nehm ich das Angebot an und bin in meiner Heimat und hab die Möglichkeit, schnellstmöglich wieder Profianbindung zu haben.

ÜS: Der Wechsel stand dann ja unter keinem guten Stern. Du hast nur bei den Amateuren gespielt und hast Dir die Kreuzbänder, Aussenbänder und Meniskus gerissen. Wie würdest Du die Zeit im nachhinein sehen? War das ein verschenktes Jahr?
TM: Ich bin vielleicht ein bißchen blauäugig ran gegangen, aber ich wußte ja auch nicht, das es so laufen würde, mit den Verletzungen und so! Ansonsten mache ich mir da aber keine Vorwürfe.

ÜS: Hast Du denn, während Deines Vertrages in Deiner Heimat München, Sachen vermisst?
TM: Klar. Wir sind als Fußballspieler ja auch ein bißchen wie Schauspieler. Wir können was und präsentieren das vor einem Publikum, das Eintritt zahlt. Wenn Du dann im Grünwalderstadion vor 150 Menschen spielst und zwei Monate zuvor bei meinem vorerst letzten Spiel für St.Pauli die Suttgarter Kickers vor 15.000 Leuten mit 6:2 schlägst, dann kommt man sich vor wie vom Broadway ins Hinterhoftheater.

ÜS: In den Spielen vor dem Wechsel zu 1860 hast Du ziemlich aufgedreht, z.B. gegen Fortuna Düsseldorf zwei Tore geschossen! Warum hast Du denn nicht schon vorher so gespielt?
TM: Es war zu der Zeit so, daß wir immer in Abstiegsnöten waren und der Trainer nicht weiter wußte. Da hat er mich die letzten neun Spiele ran gelassen und ich hab einfach einen sehr guten Lauf bekommen, weil ich mich gefreut habe wieder spielen zu dürfen. Vorher hätte ich vielleicht auch Tore machen können, aber da kann es sein, daß ich einfach noch zu blind war! Und meine beiden Tore bei diesem Spiel für die Profis waren überfällig und richtig geil!

ÜS: Es gab ja nun die Aktion "1000 gute Gründe" für Deinen Verbleib am Millerntor. Beim Abschiedsspiel für Steffen Karl, ich glaub Dein erstes Profispiel von Anfang an, wurde von einigen lautstark "Thomas Meggle Fußballgott" skandiert, das war Dir peinlich und unangenehm. Wie ist das jetzt, wenn Du vor dem Spiel, ohne Ende Gründe dafür kriegst, doch bitte bei uns zu bleiben und Doppelhalter und Fahnen mit Deinem Konterfei hochgehalten werden?
TM: Für mich als Profisportler, der natürlich ein emotionales Innenleben hat, ist das eine unheimlich schöne Geschichte, die mich wirklich sehr berührt hat. Ich hab mich sehr gefreut, daß sowohl ich als Mensch, aber auch meine Leistung hier mehr als akzeptiert wird. Das Ganze hier geht ja nicht einfach so an mir vorbei, sondern ich kann mich hier mit sehr vielem identifizieren.

ÜS: Hast Du denn schon alles durchgelesen und sind Dir ein paar Gründe besonders aufgefallen?
TM: Ich hab's bis jetzt nur überflogen, werde mir aber alles f?r den Flug zum Spiel gegen 1860 mitnehmen und dann richtig durchlesen. Es sind aber ein paar sehr gute und lustige Sachen dabei, z.B. "Wieso willst Du gehen? Du kommst doch eh wieder zurück!", dann natürlich, daß jemand seine Essensmarken mit mir teilen will, aber eigentlich sind Alle, die ich bis jetzt gelesen habe, tatsächlich gute Gründe!

ÜS: Welchen Stellenwert räumst Du Fans denn generell beim Fußballspiel ein?
TM: Also, allgemein haben die Fans einen großen Effekt auf uns Spieler, egal ob lautstarke Unterstützung oder auch Pfiffe und Ablehnung. Und bei St.Pauli hilft es uns unheimlich, daß auch bei schlechten Spielen nicht gepfiffen wird, denn so was hat durchaus Auswirkungen auf uns Spieler!

ÜS: Du triffst bei St.Pauli ja auf viele aktive Fans, die versuchen, ihre Interessen lautstark einzufordern, z.B. die Pro 15:30-Aktionen. Inwiefern verfolgst Du das als Spieler?
TM: Ich denke, daß unser Plakat in Dortmund schon den Kern meiner Ansichten getroffen hat! Fußball ohne Fans geht nicht, Fußball wäre dann eine Randsportart. Fans sind das Wichtigste und darum muss man auf ihre Interessen und Wünsche extrem achten.

ÜS: Kommen wir mal aufs aktuelle sportliche Geschehen. In der ersten Liga gabs ja schon tolle Erfolge (Bayern, Leverkusen) aber letztlich hätte man doch mehr Punkte holen können, gerade bei den Heimspielen. Woran liegen diese Leistungsschwankungen?
TM: Wir mussten erst mal durch den Lernprozess 1. Liga. Mussten unsere Erfahrungen machen mit der Spielweise und dem Auftreten in Liga 1, mussten an unserer Torchancenverwertung arbeiten und lernen, wie es ist, wenn Schiedsrichterentscheidungen ein Spiel stark beeinflussen. In Nürnberg und bei Hertha kam dann der Knackpunkt, wo wir das erste mal sehr kompakt gestanden haben und jeweils einen Punkt mitgenommen haben. Da haben wir gemerkt, daß auch wir was können und uns nicht verstecken müssen, sondern mithalten können. Dazu kam dann in der Pause das Trainingslager in La Manga, wo wir uns fußballerisch verbessern und dies dann in der Rückrunde zum größten Teil auch umsetzen konnten.

ÜS: Aber wie erklärst Du Dir solche Leistungen wie in Cottbus, wohingegen beim Bayernspiel eine beispielhafte kämpferische Leistung abgerufen werden konnte? Ist Euch Teamintern überhaupt bewußt, wie leicht es wäre, in dieser Saison die Klasse zu halten?
TM: Das ärgert uns selbst maßlos, weil auch wir darum wissen. Aber es gibt Tage wie in Cottbus, da stehen wir auf dem Platz und man will, man will, man will und dann denkt man: Scheiße, was ist denn hier los, es läuft ja nix zusammen.

ÜS: Man hat aber manchmal auch den Eindruck, das Ihr Euch von Mannschaften, die mit unten drinnen stehen, den Schneid abkaufen lasst. Mir fällt da Cottbus, aber auch das letzte Derby ein.
TM: Ja, den Eindruck kann man manchmal haben, aber wir treffen auch immer wieder auf abgezockte Jungs, die die Erfahrungen schon gemacht haben, die uns noch fehlen. Und daraus lernen wir aber auch.

ÜS: Stimmt denn bei Euch der Mannschaftsgeist, seid Ihr ein Team?
TM: Es ist natürlich so, daß es sehr einfach ist, bei sportlichem Erfolg einen sehr guten Mannschaftsgeist zu entwickeln. Aber es war doch so, das unser Mannschaftsgeist immer da war, da man auch bei den Neuen merkte, daß es nette Leute sind.

ÜS: Gab es denn Stress mit den Spielern, die aufgestiegen sind und dann nicht mehr spielten?
TM: Nein, da gab's keinen Stress.

ÜS: Aha. Eine ganz doofe Frage: Für dich ist ja der Zug zur WM 2002 wohl abgefahren, ob es 2006 dazu kommt, sei mal dahingestellt. Könntest Du Dir vorstellen, um mal dabei zu sein, Deine Staatsbürgerschaft zu ändern?
TM: Hätte ich kein Problem mit. Ich seh das nicht so nationalistisch, von wegen daß ich nur für Deutschland spielen würde. Es wäre doch lustig, die Staatsbürgerschaft von Andorra oder San Marino anzunehmen und sich dann für eine EM oder WM zu qualifizieren.

ÜS: Dabei viel Glück. Kommen wir aber noch mal auf Deinen evtl. Wechsel zu sprechen. Welche Kriterien müssen denn erfüllt sein? Geld, Umfeld, sportliche Perspektiven?
TM: Es gibt für mich drei Kriterien: das Sportliche, das Private und das Finanzielle. Wer sagen würde, daß er finanziell keine Interessen hat, der lügt, wenn er Fußballspieler ist. Aber die anderen zwei spielen absolut gleichberechtigt eine Rolle. Sportlich also, in welcher Liga man spielt,
...wie sieht die Perspektive für einen persönlich aus, die sportliche Ausrichtung des Vereins, aber auch die Sympathie für einen Verein spielt da eine Rolle. Kann ich mich an dem Ort wohlfühlen und privat glücklich sein? Und natürlich: Kann ich mich finanziell für die Zukunft absichern, um nach der Karriere nicht gleich in ein super Loch zu fallen bzw. mir Zeit lassen mit der zuk?nftigen Berufsplanung?

ÜS: In den Zeitungen spielen zur Zeit eigentlich nur zwei Vereine ein Rolle: Stellingen und Hansa Rostock. Bei beiden müsstest Du damit rechnen, daß von Fanseite einiges kommt. Damit meine ich sowohl uns, aber auch die andere Seite. Wie gehst Du dann damit um?
TM: Ich weiß, daß ich bei einer evtl. Entscheidung nie alles für alle richtig machen werde. Natürlich würde ich mich nicht gut fühlen, wenn ich hier mit Schmähgesängen verabschiedet werden würde. Es wäre eine Entäuschung für das, was man sich ja fast 5 Jahre hier aufgebaut hat. Natürlich würde mir so was sehr nahe gehen, gerade weil ich hier emotional sehr bei der Sache bin. Ansonsten ist natürlich auch das alles hypothetisch und man muß dann die genaue Situation und Reaktion abwarten.

Ok, hier wieder ein paar begriffe zu denen sich Thomas kurz äußert!

ÜS: Fanladen St. Pauli
TM: Fällt mir spontan das U16-Kochen und andere Aktionen ein, was immer super nett war und natürlich wichtig als Anlaufstelle von Fans für Fans.

ÜS: Steffen Karl
TM: Rauhe Schale, Weicher Kern. Monchichi

ÜS: Weltmeister 2002?
TM: Mir sind am liebsten solche Mannschaften wie Argentinien oder Portugal, aber die scheitern immer an ihren Nerven, daher glaube ich an Italien.

ÜS: Der Kiez
TM: Kenn ich nicht.

ÜS: Kräuterbutter-Vergleich
TM: Damit leb ich schon, seitdem ich denken kann.

ÜS: Der Übersteiger
TM: Von Klaus Ottens entwickelt und zelebriert!

ÜS: Wie - nix zu unserer Zeitung?
TM: Na gut: Ist ein wunderbares Forum für Meinungen der Fans, ob die dann aber immer 100% richtig sind, steht auf einem andern Blatt.

ÜS: Sebastian Kehl
TM: Tja, seine Geste in Dortmund hat alles über ihn gesagt!

ÜS: Tipp fürs Derby
TM: Auch wenn wir jetzt jedes Spiel verlieren sollten, eins gewinnen wir auf sicher!

ÜS: Danke für das Gespräch. Du hast jetzt noch die Möglichkeit, den Lesern was zu sagen, was Dir am Herzen liegt.
TM: ich denke, das es jetzt nicht der richtige Platz für so was ist, sondern da werde ich mal was in der Players Corner schreiben.

ÜS: Darauf kommen wir gerne zurück. Wir wünschen Dir für die Zukunft alles gute und eine richtige Entscheidung!

frechdax

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