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Leo Kirch schaut so trümmerfressenzerknüllt aus der Wäsche, wie der affig geschminkte Bösewicht Biff aus Zurück in die Zukunft II, nachdem er vom Bollo zum Produktionsmittel-Tycoon aufgestiegen war. Manchmal wirkt es so, als ob Biffs Trick, einen Almanach mit Sportergebnissen So auch den Fußball mit seinen Verkalkulationen um Premiere World, das Franz Beckenbauer so angel-bayrisch ausspricht, als ob er seine Zunge dauerverschluckt. Und es knallt gehörig in der Kirch-Gang. Bevorstehende Abschreibungen, Medienmogul Murdoch im Nacken: Kirch, der harte Knochen, muss nun sparen, wo er kann, denn sein Privatvermögen von geschätzten drei Milliarden Euro will er dann doch nicht einsetzen. Er bemüht lieber Kriegskanzler Schröder; vom Preisnachlass bei TV-Fußballverträgen ist die Rede. "Es heißt, es gibt keine Sicherheit mehr", singt Funny van Dannen, "und die Bank will Sicherheiten" - bei Leo Kirch reichten scheinheilige Filmlizenzen zu eben solchen "Sicherheiten". Mit seinem Imperium hat Leo im Fußball viel liebenswürdiges kaputt bekommen, indem er diesem seit den letzten acht Jahren seine ganz eigene Version überstülpt. Über sein eventlastiges Börsenmagazins mit Fußball-Tarnkappe "Ran" animierte er mehr Menschen zu Bierbäuchen im Feinripp und Fingerabriebmarathon durch Fernbedienungsdrangsalierung, um alle für seine Vision anzufixen: eine Nation aus sesselpupsenden Wohnzimmermittelstürmern, die seinen Überwachungskick für Geldbeutelprivilegierte bei Premiere kaufen. Auf dem Weg dorthin hat Fußball im TV immer weniger mit Fußball im Stadion zu tun. Die Aufwertung des TV-Fußballs bedeutet eine gleichzeitige Abwertung der Stadionfans. Längst bestreiten Rechteeinheimser einen hohen Anteil der Vereinsetats - die Eintrittsgelder der Stadionfans hingegen nehmen immer geringere Prozentsätze an. Und genau so werden sie behandelt. Frei nach Uli Hoeneß hinterlassen sie in erster Linie ihren Müll und können deshalb gleich zu Hause bleiben. Damit das TV-Spektakel funktioniert, muss die Show kunterbunt und starfixiert sein. Der unkontrollierbare Stadionfan ist da nur noch ein lästiges Restrisiko, das mit totaler Überwachung und vor allem bei Auswärtsspielen durch Repression diszipliniert wird. Mit TV-Geldern können fanfeindliche Stadionumbauten angeschoben werden. Denn nach ihrer Meinung gefragt werden Fans nur in wenigen Fällen - und dann auch noch übers Ohr gehauen. Sie sollen mit der zweischneidigen Wahrheit "Geld schießt Tore", "Ihr wollt doch die vielen Stars" und dem nationalen Ticket, dass Deutschland doch international mithalten müsse, bei der Stange gehalten werden. Schalke-Fans sind mittlerweile so benebelt, dass sie ihre plastikneue Turnhalle freiwillig mit heller Filzschuhsohle betreten würden, nur wenn der mantaförmige Sexist Rudi Assauer kurz mit der Zigarre winkt. Insofern machen sie alle die Geldspirale mit, für die Kirch nur eine ersetzbare Figur ist. Kirch wird davonkommen, wie alle Kapitalhengste, die nur den Nichtsinn der Geldanhäufung zu ihrem Lebensfieber gemacht haben. Ich wünsche Leo Kirch für diese lästige Angewohnheit chronischen Durchfall, eitrige Pusteln und schuhresistente Schweißfüße mit dem Namen Coco und Chanel. All das soll ansteckend sein gegenüber all jenen, die sich ihm als Nachfolger an seinen schleimigen Hals werfen. gerd |
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