|
Die Münchener High Society hat Ihrem Geschmack freien Lauf gelassen und herausgekommen ist ein grottenhässliches Fröttmaninger Furzkissen. Wie hat Herr Hoeneß im Oktober noch vollmundig nach überstandener Volksabstimmung verkündet? "Wir schenken München das schönste Stadion der Welt" Mit Verlaub, Herr Hoeneß, von Ihnen würde ich mir nicht mal Socken schenken lassen. Doch der Weg zu diesem, meiner Meinung nach, hässlichsten Stadion unserer Galaxis war ein langer und beschwerlicher, über den wohl nur wir wirklich das Recht haben, herzhaft lachen zu können. Haben wir bereits 1991 angefangen, unser Luftschloss zu bauen, kamen den bajuwarischen Hauptstadt-Clubs erst 1997 Gedanken, ein neues Stadion zu bauen. In dieser Saison spielte 1860 eine sehr passable Uefa-Cup-Saison, was den dicklichen Herrn Wildmoser ein wenig größenwahnsinnig werden ließ, so dass wohl ca. zu dieser Zeit das Grünwalder Stadion für immer begraben wurde. Kaiser Franz und seine Mannen zogen sich die xte Meisterschale an Land, so dass das Event Bayern im Olympiastadion für den heutigen Weltpokalsiegerbesiegten-Fan allmählich langweilig wird. Also schrien beide fast zur selben Zeit: "Wir brauchen ein modernes Stadion!". Die ersten Gedanken waren selbstverständlich, das bestehende Olympiastadion fußballgerecht umzubauen. Dies bedarf allerdings der Zustimmung des Architekten, der das Olympiastadion Ende der 60er Jahre entwarf. Da man sich hier also nicht richtig großkotzig selbstverwirklichen konnte, schied dieser Plan schon recht früh aus. Jetzt begann man mit den Überlegungen, einfach die neue Arena neben das Olympiastadion zu setzen, was rein wirtschaftlich gesehen sehr sinnvoll wäre, da man auf eine bereits intakte Infrastruktur zurückgreifen könne und selbst die vollgesoffensten Fans nicht in die falsche U-Bahn gestiegen wären. Die Kritiken wurden aber schnell laut, da man mit einem zweiten sehr großen Stadion im Olympiapark das Gesamtbild der hübsch gestalteten Landschaft zerstören würde. Halten wir fest: ein neues Stadion muß her, fehlt noch der Ort und natürlich das Stadion! Also kommen wir zunächst zur weiteren Diskussion, wo man doch das Stadion bauen solle! Zur Auswahl standen nun mehrere Standorte, nachdem der Olympiapark als potentieller Standort ausschied. Näher eingehen möchte ich auf Neubiberg / Unterhaching und dem letzendlich ausgewählten Ort Fröttmaning. In Neubiberg hatte man die Möglichkeit, auf einem von der Bundeswehr ungenutzeten Areal ein Stadion zu bauen. Dieses Gelände wäre preiswert zu erwerben, durch Autobahnanbindung im Süden Münchens und bestehende S-Bahngleise sehr gut erreichbar gewesen. Die reine Fahrzeit vom Marienplatz nach Neubiberg würde ca. 15-20 Minuten dauern, also auch nicht länger, als zum jetzigen Stadion. Hinzu kommt noch, dass man an sonnigen Tagen, und davon gibt es sehr viel im Süden Münchens, ein wunderschönes Alpen-Panorama erhaschen kann. Wer schon einmal in der Gästekurve von Unterhaching bei schönem Wetter stand, der weiß, wovon ich spreche! Und trotzdem schied der für mich plausibelste Standort wegen urbayrischer Heimatverbundenheit aus. Neubiberg / Unterhaching gehört ja nicht zum Stadtgebiet Münchens! Hallo??? Sind wir heute wieder kleinkariert? Stattdessen entschied man sich für den Standort Fröttmaning im Norden Münchens. Dies soll nun also der ideale Standort für das schönste Stadion der Welt sein. Gute Wahl, Ihr Lieben! Die neue Arena steht dann zwischen einem Klärwerk, einer Mülldeponie und einer Kiesgrube am äußersten, nördlichen Zipfel Münchens. Das Stadion an der MVA läßt grüßen. Und die Autobahnanbindung? Jawoll, die Herren!(schönen Dank! Anm. der Korr.) Daran wurde natürlich gedacht. Und weil man von überall an das Stadion herankommen soll, hat man sogar den Standort direkt an das dichtbefahrenste Autobahnkreuz Münchens gelegt. Gerade gestern stand ich wieder zwischen Fröttmaning / Freimann und Flughafen 20 Minuten im Stau. Ja, wenn es doch nur das Autobahnkreuz oder die diversen Müllablagerungsplätze wären! Ich glaube, die Standortwahl wäre dann nicht lächerlich genug gewesen. Laut Statistik verläuft die Wettergrenze zwischen kalten, nebeligen Tagen im Norden und durch Fön freigepusteten warmen und klaren Tagen durch den Münchener Norden. Es heißt, im Norden gibt es drei mal mehr nebelige Tage als im Süden Münchens. Man braucht im neuen Stadion keine Nebeltöpfe, um nichts sehen zu können. Dies bedeutet (mal abgesehen vom modrigen Geruch) wenigstens frische Luft. Dieser Kritikpunkt konnte aber schnell von den Fröttmaning-Befürwortern ausgeräumt werden. Schließlich gibt es diese häufigen Nebeltage ja nur im Frühling und im Herbst. OK, gebongt! Aber wenn wir mal die fußballlose Zeit in der Sommer- und Winterpause abziehen, welche Jahreszeiten bleiben dann für Eure Spiele noch übrig? Der Kaiser wird's schon richten, und wenn er eine fünfte Jahreszeit einführt! Auf einen Standort hat man sich nun also einigen können, muß nur noch das Volk per Bürgerentscheid zustimmen. Da ja der Franz in Wahlkämpfen die Zugkraft von 500 Panzern besitzt, muß man ja da nicht viel machen. Schließlich reichte es aus, dem Münchener Volk einmalig damit zu drohen, das München aus dem Vereinsnamen streichen zu lassen, wenn sie gegen das Stadion stimmten. Ui, hatten jetzt viele Leute Angst! Das Resultat war, daß am 21.10.2001 65,8 % der abgegebenen Stimmen für den Stadion-Neubau in Fröttmaning waren, wobei die Wahlbeteiligung bei 37,5 % lag. Es hat also nicht mal jeder vierte für das Stadion gestimmt. Selber schuld, so ist halt Demokratie! Wer nicht hingeht hat schon verloren. Diese paar People haben den Stadionplanern einen Blanko-Scheck für den Ausbau der gesamten Infrastruktur in Fröttmaning unterschrieben. Das Stadion wird zwar durch eine Betreibergesellschaft bestehend aus den Vereinen 1860 und FC Bayern finanziert, der Rest bleibt trotzdem an der Stadt hängen. Der Ausbau von Bahngleisen, Autobahnanbindungen, Straßen zum Stadion,... wird dem Steuerzahler zwischen 250 und 300 Millionen Euro kosten. Zu spät, jetzt wird gebaut! Aber was? Im Spätsommer sollten acht verschiedene Architekturbüros ihre geistigen Ergüsse in schicke Modelle fassen. Erlaubt war, was über 60.000 Zuschauern Platz bietet und nicht mehr als 200 Mio. Euro kostet. Bis zum 30.11.2001 wurde das Angebot dann auf zwei Vorschläge zusammengestutzt, nämlich dem meiner Meinung nach schicken Stadionentwurf der Hamburger Architekten Gerkan und Marg und Partner (und dies sage ich nicht aus Lokal-Patriotismus) und dem letzendlich siegreichen Furzkissen der Schweizer Herzog & de Meuron. Die Entscheidung wurde dem staunenden Publikum in einer medienwirksamen Abendshow, moderiert von Günther Jauch, präsentiert. Das Stadion wird den Namen einer großen Versicherung erhalten, die dafür 15 Jahre lang roundabout 5 Mio Euro zahlt. Die gesamte Arena kostet ca. 280 Mio. Euro . Die Fakten zum Stadion: Es bietet (Sitz-) Platz für 66.000 Zuschauer, hat 104 Logen zum Preis von 100-130.000 Euro pro Jahr und übertrifft in Punkto Sicherheit sogar DFB- und UEFA-Richtlinien; ist in drei Ränge aufgeteilt, wobei Herr Wildmoser bereits verkündet hat, daß seinen 60ern die ersten beiden Ränge mit 40.000 Sitzplätzen ausreichen. Mein Gott, Herr Wildmoser, dass hätten Sie auch günstiger an der Grünwalder Strasse haben können! Ansonsten der mittlerweile übliche Schnickschnack mit Büroräumen, Kindergarten, Tiefgarage, Restaurants, etc. Ach ja, als besonderes Gimmick kann man die Außenhaut noch in der Farbe der jeweiligen Heim-Manschaft ausleuchten. Na dann rührt mal Euren Beton für die Arena an, und 2005 nach einem 1:5 der Bayern gegen St.Pauli wird das ganze Stadion braun-weiß ausgeleuchtet. OhneArmeAuslandskorrespondent München |
|
Titelseite dieser Ausgabe |
|