(Ex-)Players Corner

Hallo und moin, moin liebe Pauli-Fans. Da man mich vor kurzem gefragt hat, ob ich nicht Lust hätte, seit meinem Abgang von Pauli ein wenig von mir zu erzählen, sagte ich natürlich sofort zu.

   Seit meinem Weggang von Pauli ist viel geschehen. Aber zuerst möchte ich noch einmal kurz auf den Grund meiner Entscheidung, Pauli zu verlassen, eingehen. Es wurde viel geschrieben und sicherlich auch einiges erzählt. Aber das meiste entsprach bestimmt nicht der Wirklichkeit. So will ich euch mal mitteilen wie alles seinen Lauf nahm.

   Wie der ein oder andere weiß, ging meine bezaubernde Frau Marion Anfang 2000 beruflich nach England (London). Daraufhin kam man auf die Idee eventuell nach England zu wechseln. Für mich gab es dabei nicht viel zu überlegen, denn erstens wäre ich bei meiner Frau und zum anderen wäre ein Traum in Erfüllung gegangen. Ich denke jeder hätte diese Entscheidung verstanden. Aber es war ja zunächst nur eine Idee. Doch bald wurde aus einer Idee mehr. Mein Berater teilte mir mit, das die Möglichkeit besteht nach England zu wechseln. Dadurch das ich ablösefrei war und auf Grund meiner Spielanlage, war ein Wechsel auf die Insel nicht ausgeschlossen. So kam der Kontakt zwischen meinem Berater und einem Berater in London zustande. Alles hörte sich immer sehr gut an. Es waren einige Vereine im Gespräch aber einer besonders, Ipswich. Ehrlich gesagt ging mir diese Sache nicht mehr aus dem Kopf und mein Berater sagte mir immer wieder, "da geht was". Was das betrifft muß ich ehrlich zugeben, war ich viel zu blauäugig. Ich vertraute voll und ganz meinem Berater, was im nachhinein ein Fehler war. Irgendwann war die Saison zu Ende und alle waren wir super glücklich und erleichtert die Klasse gehalten zu haben. Die Saison 99/00 war echt der Hammer, danach war ich fix und fertig. Körperlich eigentlich weniger, aber der Stress und Druck war so enorm, das man psychisch echt super angeschlagen war. Hier stand so viel auf dem Spiel. Viele Leute hätten ihren Arbeitsplatz verloren, Spieler sowie auch andere Angestellte des Vereins. Der Verein wäre am Ende gewesen. Und den tollen Fans hätte man ein Teil aus ihrem Herzen gerissen. Nun gut, es war erst einmal Urlaub angesagt, um sich davon zu erholen. Danach wollte ich mich wieder auf den Fussball konzentrieren und die Verhandlungen angehen. Vorher war ich dazu gar nicht in der Lage, aufgrund des Abstiegskampfs. Pauli wollte unbedingt mit mir verlängern und sagte mir aber auch offen und ehrlich, das nicht viel möglich sei. England war auch immer noch ein Thema, aber mir hätte da schon klar sein müssen, das die Hälfte von der Geschichte nur wahrheitsgetreu war. Ich war zu euphorisch und sicherlich auch etwas blind. Dies ist mir heute unerklärlich. Egal. Ok, Pauli wollte wissen was ich mir denn vorstellen würde und ich nannte meine Zahlen. Pauli nannte mir deren Zahlen. Beide waren wir mit den Vorstellungen nicht einverstanden. Damals war ich super enttäuscht über das Angebot von Pauli und dachte mir, das kann doch nicht wahr sein. So lange im Verein, immer gespielt, immer alles gegeben und ich denke ich habe mich auch von Jahr zu Jahr gesteigert und entwickelt. Damit war ich einfach nicht einverstanden. Das war aber auch nicht alles. Es gab auch noch andere Gründe, wie z.B. unsere Trainingsbedingungen. Die waren nicht mehr tragbar. Ich muß eingestehen, das mir Stephan Beutel gesagt hatte, das sich das alles ändern wird, doch was das betrifft konnte ich ihm das nicht ganz glauben, weil es schon so oft gesagt wurde, doch nie etwas passierte. So war es auch bei den Verhandlungen. Jedes Jahr hatte man mir gesagt, es wäre kein Geld da und immer wieder habe ich mich überreden lassen. Doch danach wurde immer wieder eingekauft, auch des öfteren für meine Position. Im Endeffekt stand ich aber immer auf dem Platz. Darüber war ich dann oft sehr enttäuscht. Und diesmal sagte ich mir, jetzt bleibst Du hart. Mir ging es schon ums Geld, das gebe ich ehrlich zu, ich werde ja aber auch nicht jünger sondern älter. Was auf jeden Fall nicht stimmte, war die Aussage, ich hätte 500000 DM gefordert, so wie es auch in der Bild Zeitung gestanden hat. Ich lag weit, weit darunter. Die Mannschaft war noch nicht komplett für die neue Saison, mein Gott es waren so viele Dinge. Im nachhinein war meine Entscheidung vielleicht falsch. Ich denke zwar das meine Vorstellungen realisierbar waren, aber der Verein wollte neue Wege gehen und einheitliche Gehälter. Diese Rechnung ging im Endeffekt voll und ganz auf und der Verein hatte Erfolg damit. Die Sache mit England entwickelte sich zu einem Flop. Somit hatte es den Anschein als hätte ich mich verzockt. Das war aber nicht der Fall. Ich hätte ja das Angebot von Pauli annehmen können. Naja, und so war ich auf einmal arbeitslos.

   In dieser Phase weilte ich bei meiner Frau in London und hielt mich dort auch fit. Bei einem Club in London machte ich dann auch Probetraining, aber eben nicht in der Premier League oder First Devision sondern in der Second Devision. Das war natürlich nicht mein Ziel. Naja und urplötzlich rief Cem Karaca aus der Türkei an und sagte mir, das ein türkischer Club mich unbedingt verpflichten möchte. Das war wirklich eine Nacht- und Nebelaktion. In ein paar Stunden mußte ich mich entscheiden ohne irgendetwas vorher gesehen zu haben. Einige Leute rieten mir ab in die Türkei zu wechseln, doch nach einem intensiven Gespräch mit meiner Frau haben wir uns dafür entschieden. So flog ich noch am selben Tag spät abends nach Hamburg und innerhalb von drei Tagen war alles erledigt. Pauli bekam dafür noch 58000 DM. Fand ich damals nicht fair. Eigentlich wäre ich ablösefrei gewesen doch die Türkei zählte nicht zu den ablösefreien Ländern und somit konnte Pauli Ablöse verlangen. Diesbezüglich wäre der Wechsel auch beinahe gescheitert. Nun gut, somit wurde diese Ablöse von meinem eigentlichen Gehalt abgezogen und davon bezahlt. Soviel zu meinem Wechsel von Pauli in die Türkei.

   Das war natürlich ein beschissener Abgang. Man konnte sich nicht verabschieden und auf Wiedersehen sagen. Aber das liegt mir so oder so nicht. Ich war auf einmal da und so schnell war ich auch wieder weg, obwohl man das ja nicht ganz so stehen lassen kann. Ich bin dem Verein nämlich noch sehr verbunden. Mit einigen Spielern und Angestellten des Vereins habe ich regelmäßig Kontakt und wenn es die Zeit zuläßt trifft man sich auch. Genauso telefoniere ich hin und wieder mit Stephan Beutel. Regelmäßig verfolge ich das Geschehen um Pauli per Internet und zum anderen ist ein sehr guter Freund (Jochen Kientz) zu Pauli gewechselt. Killer von hier aus viele Grüße an Dich. Dies gilt natürlich auch für die gesamte Mannschaft und alle Angestellten. Hiermit möchte ich mich auch gerne noch mal bei Pauli bedanken. Pauli hat mir viel gegeben und ich habe in Hamburg meine neue Heimat gefunden.

   Ja, so war ich von heute auf morgen in der Türkei. Diese Zeit hat mich sehr geprägt und in meiner Lebenseinstellung geändert. Positive wie aber auch negative Erfahrungen konnte ich dort mitnehmen. Eine absolut andere Lebensweise und Lebenseinstellung lernte ich dort kennen. Ich spürte aber auch wie es ist, Ausländer zu sein.

   Zu Beginn war alles sehr abenteuerlich. Alleine die Anreise und mein erstes Spiel waren unglaublich. Ich will es euch kurz erzählen. Am 17.08.00 waren in Hamburg alle Formalien für einen Wechsel erledigt. Sofort sollte ich in die Türkei reisen, um am Wochenende spielen zu können, sofern ein Flieger bereitstand. So kam es auch. Am Donnerstag den 17.08.00 packte ich Nachmittags schnell ein paar Sachen zusammen und um 23.00 Uhr flog ich von Hannover nach Ankara. Dort verbrachte ich 3 1/2 Std. am Flughafen um gegen 7.00 Uhr Freitags morgens weiter nach Diyarbakir zu fliegen. Als ich dort um 9.30 Uhr aus dem Flieger stieg dachte ich, ich sei in der Sahara. Ich glaube um diese Uhrzeit waren es schon 30 Grad. Der Flughafen war sehr klein und glich einem Militärflughafen. Kurz darauf mußte ich mich meiner ersten Herausforderung stellen. Zwei Türken, die kein Wort Deutsch oder Englisch konnten holten mich dort ab. Irgendwie, wenn ich jetzt so nachdenke, war es absolut witzig, mein Gott. Ich konnte gerade mal "Hallo" (merhaba) und "wie geht es Dir" (nasilsin?) sagen. Im Flugzeug lernte ich schon fleißig die Sprache, aber zu Beginn war ich noch relativ nervös und vergaß die Hälfte. Mit Händen und Füßen haben wir uns dann erst einmal verständigt. Als ich dann dort die Umgebung sah und mich mit den beiden Türken, die sehr, sehr nett waren, verständigt hatte, dachte ich, ich wäre zurück in die Vergangenheit gereist. Ohne die Türkei jetzt schlecht zu machen, aber diese Gegend sah sehr, sehr bescheiden und ärmlich aus. Naja, schnell mußte ich ein paar Fotos für den Spielerpass machen und dann ging es Richtung Siirt. Zwei Stunden dauerte die Fahrt und es wurde immer heißer. Zwischenzeitlich waren es glaube ich knapp 40 Grad im Schatten. Immer eine kleine Landstraße entlang und ich sagte andauernd zu mir, man Stepi, auf was hast Du dich denn da bloß eingelassen. Gegen 14.00 Uhr kam ich in Siirt an, was mir vor kam wie ein großes Dorf. Ich hatte damals einen Anzug an und die Türken müssen gedacht haben, was kommt denn da für ein Spinner. Das dachten sie auch, was sie mir später dann erzählt haben. Ok, kurz Mittag gegessen, Wohnung bzw. Zimmer bezogen und dann ging es schon zum Training. Mittlerweile war es 17.00 Uhr und immer noch super heiß (ca. 35 Grad). Abschlußtraining. Für mich war es so, als wäre ich in der Vorbereitung auf eine neue Saison. Zwei Spielfelder, 4 Mannschaften und die spielten 5 gegen 5 bzw. 6 gegen 6. Aber nicht mit vielen Pausen, sondern zweimal 15 Min. und das volle Pulle einen Tag vor dem Spiel. Danach war ich erst einmal total im Eimer. Um 21.00 Uhr mußte ich beim Trainer antanzen, wo er mir dann mitteilte, welche Aufgabe ich am nächsten Tag zu bewältigen hätte. Kurz fragte er mich nach meiner Fitness und meiner Lieblingsposition. Gleich nach dieser Sitzung, die übrigens von einem Spielerkollegen, der deutsch konnte, übersetzt wurde, lag ich im Bett und schlief wie ein Murmeltier. Kaum eingeschlafen stand ich plötzlich senkrecht im Bett, als auf einmal dieser Lärm losging. Morgens um 4.00 Uhr glaube ich, grölte ein Hoca (wie bei uns ein Priester) Gebete durch Lautsprecher. Bis ich mich daran gewöhnt hatte vergingen Wochen. Sehr gläubig waren die Leute hier, das war mir von da an sehr bewußt. Morgens um 10.00 Uhr war gemeinsames Frühstücken, danach Mannschaftssitzung und auf einmal lief ich mich schon warm auf dem Platz. Unglaublich was innerhalb von 48 Std. auf einmal alles passiert war. Aufwärmen brauchte ich mich eigentlich gar nicht, denn es war brutal heiß. Genauer gesagt waren es 45 Grad im Schatten. Als das Spiel losging dachte ich, ich würde in einer Sauna Fussball spielen. Nach 5 Minuten hatte ich keine Spucke mehr im Mund. Dieses Spiel bestritt ich als Manndecker. Das schöne dabei war, das sich immer ein Manndecker mit in die Offensive einschalten mußte. Nach 70 Minuten war mein Akku leer und ich wollte mich gerne auswechseln lassen. Über acht Wochen hatte ich kein Spiel mehr gemacht und immer wieder bekam ich Krämpfe. Doch der Trainer wechselte mich einfach nicht aus, obwohl ich es immer wieder angezeigt hatte. Ich ging auf dem Zahnfleisch. Die letzten Minuten dieser Partie kamen mir wie eine Ewigkeit vor. Obwohl wir bis 10 Minuten vor Schluß noch 2-1 geführt hatten, verloren wir 2-3. Der Abpfiff des Schiedsrichter war die reinste Erlösung für mich. Ich kam mir vor wie eine ausgequetschte Zitrone. Als ich nach dem Abendessen auf den Trainingsplan schaute traute ich meinen Augen nicht. 6.00 Uhr morgens war für mich und einige verletzte Spieler Training angesagt. Zwei Wochen lang mußte ich dann immer morgens um 6.00 Uhr und nachmittags um 17.00 Uhr trainieren. Soweit zu meinem ersten Auftritt in Siirt (Türkei).

   Ich glaube ich könnte noch stundenlang weiter schreiben um Euch all meine Erfahrungen und Erlebnisse mitzuteilen. Die ein oder andere möchte ich aber gerne noch erzählen. Also wie ihr ja schon mitbekommen habt, spielte ich in der Türkei bei Siirt Jetpaspor. Siirt ist eine für türkische Verhältnisse sehr kleine Stadt mit ca. 108000 Einwohnern. Ich glaube es war die zweit kleinste Stadt in der Türkei. Auf der Landkarte gar nicht zu sehen. Ungefähr 100 km von der Syrischen Grenze entfernt lag diese Stadt. Also ganz im Osten der Türkei. Eine sehr arme Stadt. Soviel Armut ist mir zuvor noch nie zu Gesicht gekommen. Ihr fragt euch jetzt bestimmt, wie es denn dann möglich war dort Geld zu verdienen. Unser Präsident war bzw. ist es bestimmt noch, ein sehr, sehr reicher Mann und kam aus dieser Stadt. So kaufte er sich immer wieder eine Mannschaft zusammen und schaffte es ähnlich wie 1860 München oder Cottbus von der dritten oder sogar vierten Liga in die erste türkische Liga aufzusteigen. Für diese Region war das ein kleines Wunder, denn selbst viele Türken hatten zuvor den Namen Siirt noch nie gehört. Leider lernte ich diesen Mann nie persönlich kennen, da er das Land verlassen hatte. Es wurde viel erzählt, er hatte glaube ich Steuern hinterzogen, aber warum genau weiß ich nicht. Für die einheimischen war er ein großer und sehr ehrenwerter Mann. Fußball war hier für die Menschen die einzige Attraktion. Und das hatte er mit seinem ganzen Geld möglich gemacht. Viele konnten es sich aber überhaupt nicht leisten ein Spiel zu sehen, denn ein Monatslohn lag ca. zwischen 150 DM und 300 DM. Wenn man bedenkt das eine Familie aus durchschnittlich 6-7 Personen bestand war das nicht viel. Unser Zuschauerschnitt (6000) war diesbezüglich auch sehr mager. Bei Spitzenspielen wie gegen Besiktas, Fernebace oder Trabzonspor war das Stadion natürlich voll (ca. 15000 Zuschauer). Dafür gaben viele Menschen ihr letztes Hemd um bei diesen Spielen dabei sein zu können. Doch eins kann ich bestätigen, die, die kamen machten echt gute Stimmung, auch dann noch, als wir weit abgeschlagen waren.

   Für uns als Mitteleuropäer ist ein Leben dort fast nicht möglich. Die meisten würden dort eingehen oder verrückt werden. Manchmal frage ich mich heute noch, wie ich es bloß dort solange aushalten konnte. Ich möchte diese Umgebung jetzt nicht schlecht machen, aber dort lebt man eben mit den einfachsten Mitteln. Kino, internationale Küche, Cafés, Einkaufshäuser, Schwimmbäder, Parks, Grünflächen, und, und, und kannte man dort nicht. Als ich damals meinen Vertrag unterschrieben hatte, teilte man mir mit, das die Mannschaft sich immer in Istanbul oder Ankara aufhalten würde, eben wegen den vorgenannten Bedingungen. So war es auch anfangs. Die ersten zwei Monaten weilten wir zu meist in Ankara in einem Fussball-Camp oder 5 Sterne Hotel. Das war echt ok. Doch als nach 8 Spieltagen der erste von fünf Trainern, die ich dort hatte, entlassen wurde zog die komplette Mannschaft nach Siirt. Wir lebten dort alle gemeinsam in einem 4-stöckingem Haus. In jeder Wohnung die aus 4 Zimmern, Küche, Bad und WC bestand hausten zwischen 3 und 4 Spieler. Die Einrichtung war auch hier sehr bescheiden und die Sanitären Anlagen waren ... naja nicht gerade eine Freude. Des öfteren gab es nur kaltes Wasser, manchmal aber auch überhaupt nicht. Es dauerte dann eben mitunter ein paar Stunden bis alles wieder funktionierte. Stromausfälle waren ganz normal. Am häufigsten war das bei Niederschlägen der Fall. Sobald es begann zu regnen fiel der Strom aus. Das waren dann später auch oft Gründe, wo ich alles hinschmeißen wollte. Denn wir waren ja nicht gerade sehr erfolgreich und dadurch war die Stimmung eh nicht immer die beste. Durch diese ganzen Umstände war oft viel Unruhe in der Mannschaft und so kam es auch hin und wieder vor, das die Fäuste im Training geflogen sind. Gott sei dank kamen zum richtigen Zeitpunkt immer die Gehälter, denn das war das einzige, was einen wieder zum weitermachen animierte. Auch meine Frau Marion motivierte mich immer wieder weiter zu machen. Es mag sich jetzt etwas überheblich anhören, aber die meisten Spieler spielten dort nur wegen dem Geld.

   Wir hatten auch eine wirklich gute Mannschaft obwohl wir abgestiegen sind, aber was ich dort an Betrug miterleben mußte war der reinste Wahnsinn. Ich weiß nicht wieviel Spiele wir durch Schiedsrichterentscheidungen verloren haben. Ein Beispiel, in vielen Spielen hob der Linienrichter die Fahne für Abseits, doch der Hauptschiedsrichter lies einfach weiter laufen. Das gleiche war mit Freistößen oder Elfmetern. Bei den ersten beiden malen als ich das miterlebt hatte, dachte ich noch, mein Gott was für eine Blinde Nuß, doch als das fast bei jedem Spiel der Fall war, war mir klar, mit dieser Mannschaft hast du keine Chance. Gerne würde ich euch mal ein Spiel zeigen was ich zur Erinnerung aufgehoben habe. Danach würdet ihr mich verstehen. Aber so ist das eben. Die meisten bezogen diese Handlungsweise auf unseren Präsidenten, der beim türkischen Fussballverband ein schwarzes Scharf war.

   Alles war natürlich nicht immer so schlecht. Obwohl man in Siirt sehr bescheiden lebte, hatte ich in der Türkei auch viel Spaß. Dadurch, das wir bei Auswärtsspielen oft drei bis vier Tage vorher anreisten, konnte ich einiges sehen. Die Hotels in denen wir übernachteten waren zu meist erste Sahne. Der Verein versuchte auch immer alles damit ich mich dort wohlfühlte. Oft bekam ich für vier Tage Heimaturlaub. Wenn meine Frau zu Besuch war übernahm der Verein jegliche Kosten, selbst als meine Frau mit ihrer Freundin zu Besuch war wurden alle Hotelkosten übernommen. Fußballerisch habe ich mich dort auch weiterentwickelt und kam zu 6 Saisontoren. Ich lernte die türkische Sprache und viele Menschen kennen. Leider war die finanzielle Lage in der Türkei nach der Saison sehr schlecht was mit der ständigen Inflation zu tun hat. Dadurch kam ein weiteres Jahr in der Türkei nicht mehr zustande. Ich wäre nicht abgeneigt gewesen dort weiterzuspielen, aber eben nur in einer anderen Stadt. Gerne würde ich euch noch viel mehr erzählen aber ich glaube das reicht erst einmal.

   Zur Zeit spiele ich in Regensburg in der Regionaliga Süd und habe bisher 11 Spiele absolviert und drei Tore geschossen. Auch hier fühle ich mich sehr wohl. Regensburg ist eine tolle Stadt. Schade das es bei Pauli zur Zeit nicht mehr so läuft wie in der letzten Saison. Ich glaube es wird sehr schwer die Klasse zu halten aber der Aufstieg war ja eh ein absolutes Wunder. Ich wünsche Pauli noch viel Erfolg und sollte es mit dem Klassenerhalt nicht funktionieren und wir eventuell mit Regensburg aufsteigen, sehen wir uns vielleicht bald wieder.

Bis dahin viele liebe Grüße
Euer Stepi

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