Nach Hauke Brückner wollen wir euch heute einen weitere Hoffnungsträger für die Zukunft vorstellen, nämlich den zweitbesten Torschützen der Oberliga HH/SH Philip Albrecht. Mit dem 22-jährigen sprachen wir vor dem Derby über seinen Werdegang, Zukunft und was uns an ihm noch so interessiert.

Übersteiger: Erinnerst Du Dich noch an das Foto aus ÜS 54 mit Hauke Brückner? Kannst Du Dich noch erinnern wo das war?
Philip Albrecht: JA DAS TUE ICH! (leicht verschmitzt) Hauke meint das das in Amsterdam war beim Holland Cup, ich bin mir aber nicht mehr sicher.

ÜS: War denn Fußball von vornherein Dein einziges Hobby, oder gab's da noch andere Sportarten? Und als Torwart, Libero und Stürmer warst Du ja ein Allroundtalent. Hattest Du da eine Lieblingsposition?
PA: Also Hobby war ab der ersten Klasse dank Hauke nur noch Fussi, und Position war mir eigentlich immer egal. Nur im Tor war es mir irgendwann zu einsam.

ÜS: Nach Wedel kamst zu diesem ungeliebten anderen Hamburger Verein in die A-Jugend. Wie kam das zustande?
PA: Das Angebot vom andern Hamburger Verein kam durch Herrn Kargus (der dann kurze Zeit später entlassen wurde), und aufgrund der besseren Perspektive gegenüber Wedel habe ich es halt angenommen.

ÜS: Und Dein Fazit der beiden Jahre?
PA: Im ersten Jahr habe ich aufgrund des Pfeifferschen Drüsenfiebers kaum gespielt, erst zum Ende der Saison. Im zweiten Jahr lief es sportlich für die Mannschaft nicht, also insgesamt eher enttäuschend. Aber nach vorne gebracht hat es mich schon.

ÜS: Danach Pinneberg. Bist Du oder "wurdest" Du gewechselt?
PA: Einige A-Jugendlichen sollten einen Vertrag bekommen, aber in der damaligen Zeit schwebten die ja auch am Abstieg, und keiner von uns hat überhaupt einen Vertrag gesehen. Also musste man selber sehen wo man landet.

ÜS: Dein Eindruck der Nachwuchsförderung beim hsv? Auch im Vergleich zum FC St.Pauli?
PA: Ich kann das schlecht vergleichen, aber bei uns gibt es jetzt ja genug Beispiele, die den Sprung von der A-Jugend zu den Amateuren geschafft haben.

ÜS: Und Deine Zeit in Pinneberg? Eher verschenkt?
PA: Nein, in Pinneberg habe ich sehr viel gelernt, gerade im Übergang zum Herren-Bereich. Besonders Thomas Bliemeister, dem Trainer, hab ich viel zu verdanken. Das waren schon zwei schöne Jahre.

ÜS: Dann kam das Angebot von St.Pauli. Hast Du da nach den Erfahrungen beim anderen größeren Verein eher gezögert, aufgrund der negativen Erfahrungen? Und wie hat sich der Wechsel selbst ergeben?
PA: Ich habe mich über das Angebot sehr gefreut, schließlich war es ja immer unser Ziel Profi zu werden. Und mit Zlatan, Ivan und Christian gab es ja auch da schon positive Beispiele.
Ich habe dann nach kurzer Beratung meiner Familie mich dazu entschlossen zu wechseln. Der Kontakt an sich kam durch Pipel zustande.

ÜS: Wie würdest Du Deine Stärken und Schwächen im fußballerischen Bereich charakterisieren?
PA: Über Stärken sollen andere urteilen, und Schwächen gibt es genug. Insbesondere das Kopfballspiel und vorne die Bälle ruhig zu halten. Aber wenn man im Training Gas gibt, kann man da sicher noch was machen.

ÜS: Welcher Trainer brachte Dir bis jetzt am meisten bei?
PA: Normal müsste ich jetzt ja Pipel sagen (lacht). Aber man nimmt natürlich von allen was mit, auch in der Jugend bei Wedel.

ÜS: Am Montag gibt es jetzt ja ein Mannschaftsübergreifendes Training, wie beurteilst Du das?
PA: Also es trainieren am Montag jetzt immer 4 Profis, 4 Amateure und 4 A-Jugendliche, das macht schon Spaß und es bringt auch für alle was.

ÜS: Kann man als St.Pauli Offizieller noch Spieler zu den Amateuren holen, alleine mit der Perspektive Profi? Oder hat sich das nicht ein bisschen abgenutzt, weil einem nach ein bis zwei Jahren gesagt wird, "Es langt nicht und du musst gehen."?
PA: Aber das ist doch besser, als wenn man sich in einigen Jahren vorwerfen muss, nicht alles versucht zu haben.

ÜS: Hast Du Dir selbst ein Limit gesetzt, bis wann Du dieses Ziel "Profi" erreicht haben musst.
PA: Mit 24, 25, 26 ist es nur noch wenig realistisch Profi zu werden, das muss man schon so sehen. Momentan fühle ich mich aber sowohl mit der Truppe als auch mit den Fans sauwohl, ich habe da also keinen Druck.

ÜS: Mit deinem Studium hast du dir ein zweites Standbein aufgebaut.
PA: Ich bin der Meinung, dass man sich auf den Beruf "Fußballprofi" nicht verlassen darf, daher versuche ich, mit dem Fach BWL, das mich auch sehr interessiert, in der Materie Fuß zu fassen.

ÜS: Bist du vom sportlichen Abschneiden bisher überrascht?
PA: Ich habe schon darauf gehofft, ausschließen konnte man das sicher nicht. Das Highlight Frankfurt war sicher nicht so abzusehen, dass es da so gut laufen würde. Aber die Saison ist ja noch nicht zu Ende, abwarten was da noch kommt.

ÜS: Interessierst Du Dich für Politik?
PA: Eher weniger. Ich schaue wenigstens manchmal die Tagesschau? oder die Tagesthemen (hüstelt)

ÜS: Sport und Politik. Wie stehst Du dazu?
PA: Da Sport die Massen bewegt, kann man da sicherlich was erreichen, und ich denke man kann den Sport gut dazu benutzen seine Meinung kundzutun oder andere Leute wachzurütteln.

ÜS: Deine Lieblingsvereine oder Spieler?
PA: National früher mal Eintracht Frankfurt. Aber ich stand ja mit 13 auch in der Nordkurve bei St.Pauli. International ähnlich wie bei Hauke der englische Fußball im Allgemeinen, unser Traum wäre es sicher mal da gemeinsam zu spielen.
Von der Spielweise her Gunther Metz aus Karlsruhe oder Vinnie "The Axe" Jones von Wimbledon, von dem hatte ich mal ein Top-Video, aber ich weiß leider nicht mehr wo es ist.

ÜS: Was sagst Du zu den Äußerungen von Edgar Geenen?
PA: Nürnberg steht ja als Verein unter ziemlichen Druck, und man sollte solche Dinge nicht überbewerten. Sicher hat er überzogen, so was darf nicht passieren, aber man hätte das besser intern geklärt.

ÜS: Du hast mal ein Probetraining bei Bielefeld gemacht. Wie hat sich das ergeben?
PA: Im ersten Jahr bei Pinneberg hat sich das durch die hsv-Connection Bliemeister/von Heesen ergeben, aber ähnlich wie Hauke in Rostock bin ich schlicht gescheitert, das ist für mich aber auch abgehakt.

ÜS: Wie hast Du den 11.September 2001 erlebt?
PA: Ich lag bei Eplinius auf der Massagebank, und habe dann die Bilder von da im TV gesehen. Das war nicht wirklich zu realisieren, man dachte eher an einen schlechten Film. Das ist schon ziemlich krass gewesen, schwer zu begreifen.

ÜS: Und wie empfindest Du den Krieg in Afghanistan?
PA: Die entscheidende Frage: Bringt uns Vergeltung nach vorne oder nicht? Ich kann das nicht beurteilen, denke aber, dass nichts zu tun das falsche wäre, uns ein Krieg aber auch nicht nach vorne bringt.

ÜS: Liest Du denn eigentlich den Übersteiger, und wie gefällt er Dir?
PA: Natürlich lese ich ihn, und mir gefällt er wirklich gut.

ra.

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