Doppelhalter auf gälisch

Wie wäre das wohl:

Mein Kumpel aus Strathpeffer ist da. Und es ist Samstag. Wir spielen gegen Schalke. Nachher, heute nachmittag. Wir sind heute extra früh aufgestanden. Also um ein Uhr mittags. Denn wir haben uns verabredet. Ich muß erklären, warum St. Pauli die einzige Möglichkeit ist.

Das hat er gestern abend irgendwo gelesen. Und im Grünspan war es zu laut, um genauere Erklärungen abzugeben. Außerdem war es zu spät. Also heute morgen. Beim Frühstück. "St.pauli is, you know...the fans, ...the players,...the myth. Ich bin gut. Ich lege mich ins Zeug. Ich erkläre mit Händen und Füßen, lasse nichts aus. Ich singe sogar. Ich versuche es. Am Ende vermute ich mich selbst wieder in Nürnberg oder im Sonderzug oder in der Singing Area. Zwischen Rührei und mindestens drei Prozent Fruchanteil im Saft verkünde ich Wahrheiten über die Welt, über Demuth und Liebe. Nach einer halben Stunde bin ich fertig. Oliver, aus Strathpeffer, schaut aus dem Fenster, dann auf den Tisch.

Ich habe ihn überzeugt, klar. "Und jetzt kommst du", denke ich. "Ja,...was...habt ihr denn schon so gewonnen?" fragt er.

Gewonnen? Die Frage verwirrt mich. "Ja, nichts.", sage ich. Ein sehr sparsamer schottischer Blick mustert mich und er wiederholt: "N-o-t-h-i-n-g." Oliver dreht die Information drei mal durch sämtliche Rationalitätsmangeln und Erkenntnistheorieprüfungen. Er wiederholt: "Nothing." Ich bejahe. Er schaut mich mitleidig an und widmet sich wieder seinem Ekel erregenden Porridge. WIr sprechen über Musik und so. Um doch wieder bei Fußball zu landen. Oliver ist nämlich leicht angesäuert. Er hat Geld verloren. Beim Wetten. Hundert Pfund auf Deutschland und dann, na ja, Fünfzueins. Ob mir das denn ich im Herzen weh tue, so eine "Schande", ich muß ihm die BILD-Zeitung übersetzen. Nein, eigentlich nicht,..wirklich. Das zweite mal Unverständnis. Und das so früh am morgen. Nächte Frage. Wie viele Nationalspieler bei uns spielen. Ja, Rahn, aber nicht wirklich, und...keiner.

Keiner. Ich glaube, Oliver hält mich jetzt für verrückt. Außerdem wird es Zeit, ins Stadion zu gehen. Vor der Gegeneraden, das erste mal ungeteilte Freude bei Oliver. Er hat ein Astra in der Hand.

Aber dann: Ein echter "Pauli-Fan" merkt , das wir englisch sprechen. Er schaltet sich ein und startet denselben Versuch wie ich am Frühstückstisch. Er scheitert hoffnungslos. Dafür hat er noch einen echten Knaller im Ärmel. Er stellt uns seinen besten Freund vor. "Das", fängt er Ehrfurcht erheischend an, "ist der Chef der St. Pauli-Fans". Hmja. Kratzamkopf. "All...Friends...meet" buchstabiert Oliver. "AFM" ruft er aus. Diesmal schaue ich eher säuerlich.

Dann beginnt er Leute wahllos nach ihrem Tipp zu befragen. Für das Spiel. Seine Miene verdüstert sich. WIeder so ein Spinnkram. "I don't mind" nuschelt er zitierend vor sich hin.

Der Rest des Tages, ein langweiliges vier zu vier und am Montag morgen werden wir wieder nicht genung Zeit haben, die essentiellen Fragen des Lebens zu klären.

Ich möchte zum Beispiel wissen, was Doppelhalter auf gälisch heißt. Und beim nächsten Besuch klappt das sicher auch . Dann sind wir alle schlauer.

Wie wäre das wohl?

Eure Übersteigers

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