Kirch

money,
  money,
    money,

must be funny, in a rich man's world...

Früher war alles besser, sagt der Volksmund, und manchmal ist da sogar was dran. Da wurde Fußball noch werbefrei im Fernsehen gezeigt. Zum Beispiel. Und vor allem ging es um den Sport. Nicht darum, den Verlauf der Sendung möglichst weit zu strecken. Heute ist das anders. Heute geht es um die Anzahl der Versuche von Olli Kahn, sich trotz Torwarthandschuhe einen Popel aus dem hintersten Nasenwinkel zu fischen. Oder um die Frisur eines Sebastian Deisler. Oder um egal was. Jedenfalls nicht um den Sport an sich. Entertainment bzw. Eventcharakter muß es haben. Und alles, um nach jeder gesendeten Halbzeit ein paar Verbrauchertips zwischenzuschalten.

Unsportlichkeit hat einen Namen...
Zu verdanken haben wir diesen Genuß Leo Kirch. Dutzfreund von Helmut Kohl, Edmund Stoiber, wahrscheinlich sogar von Sepp Blatter und einer der einflußreichsten Männer dieses Landes. Liga-Chef Hackmann ist nahe dran, ihm die Füße zu küssen und Bayern-Vize Rummenigge behauptet, das Geld von Kirch sei das Brot und die Butter für die Liga. Soll heißen, ohne den Spendablen Onkel aus München wäre der deutsche Fußball längst von der Erdoberfläche verschwunden. Oder: die Geister die ich rief, wird' ich nun nicht los! "Medien-Hooligan" hat das Bündnis Aktiver Fußballfans (BAFF) den Weggefährten Leni Riefenstahls kürzlich genannt und ist damit auf allseits offene Ohren gestoßen. Dem Mann gehören neben 40% des Axel Springer Verlags sowie diversen kleineren Privatsendern auch die Unternehmen sat1, dsf sowie premiere. Mit dem dsf hatten wir ja nun schon genug Ärger während der Zweitligaperiode, beschäftigen wir uns heute mit den anderen beiden, aber vor allem mit ihrem Strippenzieher.

Die Marke Bundesliga
Kirch hat sich in den Kopf gesetzt, dem Volke das Bezahlfernsehen einzuprügeln und da tut er einiges für. Massive Werbung für seine Dekoder, Lockangebote durch Prämien bei Vertragsabschluß (aktuelle Trikots z.B.) und als letztes Mittel eine Verlegung der Bundesligaberichterstattung im Free-TV auf 20:15. Seine Rechnung ist gewesen, der Deutsche halte es so lange nicht aus und abonniert deshalb gleich die Konferenzschaltung bei premiere. Wie wir wissen ging dieser Schuß ordentlich nach hinten los, denn weder hat er für ihn angemessen viele Dekoder verkauft, noch hat es eine größere Anzahl von Leuten vor den Fernseher gezogen, um sich "ran" zur besten Sendezeit anzutun. Das gefällt, denn damit hat der Fan Kirch ein Bein gestellt. "ran" wurde auf 19:00 vorgezogen, die Sendung von 2 Stunden auf 75 Minuten gestrafft. Dadurch fällt einer der bislang vier Werbeblöcke aus, weniger Einnahmen also für Kirch. Und die Preise für premiere sah er sich auch gezwungen, herabzusetzen, obwohl ihm diese marode Sparte im vergangenen Jahr einen Verlust von ca. 1,7 Milliarden(!!) Mark beschert hat.

Verzicht zahlt sich aus
Der Medienmogul hat, obwohl nicht erst seit gestern im Geschäft, in diesen Tagen ordentlich Lehrgeld zu zahlen. Fußballfans sind eben doch mehr, als Melkkühe. Bei uns zählt der Sport noch etwas, jedoch nicht um jeden Preis. Für die Kohle, welche uns im Bezahlfernsehen abgeknöpft werden soll, lassen sich locker zwei oder drei Auswärtsfahrten finanzieren und das hat einen ganz anderen Reiz, als allein vor der Glotze zu hängen. Wenn Leute sich gern ein Live-Spiel ansehen wollen, sollten sie dafür in die Kneipe gehen. Neben Stimmung und Geselligkeit ist dort auch garantiert, daß dem Antifußballer Kirch keine Mark extra in den Rachen geschmissen wird. Und das ist auch gut so, denn dem Inhaber des visuellen Fußballmonopols ist nur beizukommen, indem seine Medienflotte auf einer Sandbank strandet. Es liegt in der Hand der Fans, sie können den Kurs durchaus mitbestimmen. Ein nicht ganz leichtes Unterfangen, sind wir doch mit dem Herzen dabei und geht es Kirch hingegen lediglich um den schnöden Mammon.

TV-Globalisierung
Und der Milliardär wäre keiner, ließe er nichts unversucht, ein jedes Geschäft mitzunehmen, so tanzt er in logischer Konsequenz auch in Sachen Fußball nicht bloß auf einer Hochzeit. Mittlerweile hat sich der 74jährige weltweit die Rechte für die beiden anstehenden Weltmeisterschaften gesichert. Die europäischen Anteile hatte er schon einige Zeit in der Tasche, als im April das Schweizer Marketing-Unternehmen ISMM/ISL Konkurs anmeldete und der Münchener deren Rechte für den Rest des Erdballs übernahm. Die Kosten für Kirch belaufen sich auf grob 3,6 Milliarden DM. Kein Pappenstiel also. Hat er zwar bislang immer Banken gefunden, welche ihm bereitwillig das Geld zur Verfügung stellten, so steht er nun nichtsdestotrotz vor der schwierigen Aufgabe, diese Investition wieder reinzuholen. Kein leichtes Unterfangen, haben doch die Sendeanstalten Frankreichs sowie Italiens Kirchs Angebot für die WM 2002 bereits dankend abgelehnt. Dabei belief sich dieses auf läppische 300 Millionen DM. Auch Großbritannien ist von der Idee, derart tief in die Tasche zu greifen, noch nicht wirklich überzeugt. Wohl wissend, daß die WM in Deutschland (2006) zur besten, mitteleuropäischen Sende- und damit auch Vermarktungszeit noch um ein vielfaches teurer werden wird.

Manche lernen es nie...
Bei uns in Deutschland ist das anders. Hier legten die Öffentlich Rechtlichen mal eben 255 Millionen DM hin, und das für gerade 24 Spiele. Durch die Zeitverschiebung finden jene wohlgemerkt am Vormittag statt. Nicht unbedingt Prime Time... Sicher, ARD/ZDF bekommen 100 Millionen DM zurückerstattet, sollten sie von Kirch nicht für "die WM im eigenen Land" 2006 berücksichtigt werden. Kriegen sie aber. Für mindestens den doppelten Preis. Es sei denn, L.K. findet Dümmere, die bereit sind, noch mehr auszugeben. Jedenfalls bedeutet die Ausgabe gute 118.000 Mark pro Spielminute(!!) oder auch 10,6 Millionen für ein Match, exklusive Halbzeitpause. Damit verbraten die Staatlichen Sender in 11,5 Stunden mehr als den gesamten Jahresetat des Morgenmagazins. Stellt sich die Frage nach der Verhältnismäßigkeit!! Nun mag der Fußball in diesem Lande eine Heilige Kuh sein, doch mit welchen Machenschaften und Tricks der TV-Boss seine Konkurrenz über den Tisch zieht, ist ARD/ZDF/GEZ schon länger bekannt. Immerhin hat Kirch seine ersten Mäuse als Filmrechtehändler gemacht. In Hollywood im großen Stil einkaufen, hier Paketweise verkaufen. Die Pakete waren nicht eben ein Schnäppchen, enthielten sie immer einen Knaller, einige zweitklassige Streifen sowie eine Menge Ramsch. Einzeln gab es den Kracher nie, zumindest nicht zu einem halbwegs annehmbaren Preis. Da hätten die Verantwortlichen der zwei ersten Programme vielleicht einfach mal Verzicht üben sollen und die WM in Japan bzw. Südkorea von sat1 in der Zusammenfassung übertragen lassen sollen, anstatt Kirch die Kohle so in den Rachen zu werfen. Das tat nicht Not, zumal die wichtigsten Spiele laut Rundfunkstaatsvertrag ohnehin in voller Länge im sogenannten Free-TV ausgestrahlt werden müssen. Das Verständnis eines jeden Fan wäre ihnen gewiß gewesen...

Leo goes Millerntor
Schlimm genug daß in unserem Kartencenter das Bezahlfernsehen in Form von "premiere-Dekodern" feilgeboten wird. Ein starkes Stück ist in diesem Zusammenhang jedoch eine Meldung der lokalen Boulevardpresse, nach welcher ein Teil unseres Vereinsvorstands (Groeteke, Pothe, Toetzke) Mitte Juli in Sachen Vermarktung bezüglich eines Stadionneubaus nach München reiste, um dort Gespräche mit der Sport-Rechte-Agentur ISPR zu führen. Nicht wirklich spannend, gehörte dieser Laden nicht ausgerechnet "Medien-Hooligan" Kirch. Es entzieht sich unserer Kenntnis, wie weit dieser Kontakt gediehen ist. Für Vereine wie Unterhaching, Werder oder 1860 mag das ein Partner sein - für uns ist er absolut indiskutabel. Die notwendigen Sicherheiten für geschätzte 70 Millionen Mark Baukosten lassen sich definitiv auch anderweitig auftreiben. Andernfalls bräuchten wir uns über eine "Leo-Kirch-Arena" bzw. ein "premiere WORLD Stadium" nicht mehr zu wundern. Watch out!!

hox.

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