Neuer Hauptsponsor Securvita:

Das rote

auf dem Trikot

Sponsoren kommen und gehen heutzutage noch schneller als Fußballspieler. Dieses Wechselspiel findet freilich nicht allein beim FC St. Pauli statt, der nun schon den dritten Hauptwerbepartner innerhalb weniger Monate vorweisen kann.

   Securvita heißt der neue Hauptsponsor am Millerntor. Die Hamburger Unternehmensgruppe wird zudem Amateure und Jugendabteilung des FC St. Pauli sponsern. "Als Spezialist für alternative Medizin, Naturheilkunde und ökologische Finanzdienstleistungen passt die Securvita, als etwas andere Versicherung, hervorragend zur Philosophie unseres etwas anderen Fußballvereins", behauptet FC-Vermarktungsgeschäftsführer Christian Toetzke. Die Parteien haben in der kommenden Bundesliga-Saison Werbeleistungen in Höhe von 4,68 Millionen Mark vereinbart. "Wir werden nicht zum Versicherungsmakler", wirbt St. Pauli-Manager Toetzke, aber "jeder Fan, der zum Beispiel in der Krankenversicherung zur Securvita wechselt, unterstützt damit auch den FC St. Pauli". Extra für den neuen Werbeauftritt färbte Securcita sein magenta-"V" in knalliges rot um.

   Drei Spielzeiten soll die Werbe-Ehe halten. Ob sie tatsächlich so lange dauern wird, muss jedoch bezweifelt werden. Die hohe Fluktuation der Bundesligasponsoren erklärt sich letztendlich aus dem zweifelhaften Werbewert solcher Geschäftspartnerschaften. Eine repräsentative Umfrage der Deutschen Sporthochschule (DSHK) ergab, dass selbst von der überaus werbeintensiven Fußballweltmeisterschaft in Frankreich nur drei Sponsoren in nennenswerter Erinnerung geblieben sind (Adidas, Bitburger, Coca-Cola). Letztlich zögen nur wenige "Big Player", so die Kölner Forscher, Nutzen aus der teuren Fußballwerbung, der Rest gehe im Meer der Werbebotschaften unter.

Anzeige im Handelsblatt

   Wie verzweifelt mittlerweile nach potenten Firmen gesucht werden muss, bewies kürzlich die Anzeige Werder Bremens im Handelsblatt. Die Fußballfirma sucht offensichtlich händeringend nach einem willigen Werbekunden - bis vor kurzem jedenfalls erfolglos. Ähnlich schlechte Erfahrungen machten bereits andere Erstligaklubs unterhalb der Bayern-Ebene, wie Hansa Rostock oder Unterhaching. Klassische Werbestrategien funktionieren beim Fußball nämlich nur eingeschränkt. Schwierigkeiten gibt es insbesondere auf dem vornehmsten Arbeitsfeld der Reklameexperten, dem Image. Das Ansehen per Fußballerbrust zu heben, ist für Firmen nahezu unmöglich. Welcher BVB-Fan wird schon freiwillig einen (Bayern-) Opel fahren? Und welcher HSV-Fan wird seine Krankenkasse verlassen, um nun zu Securvita zu wechseln?

   Ein Trost könnte es für St. Paulis Partner Securvita sein, dass er auf dem zweiten großen Feld der Werbestrategen gute Chancen hat, nämlich den Bekanntheitsgrad zu steigern. Ein oder zwei Saisons kann dieses Bekanntheitsmotiv normalerweise für eine Werbepartnerschaft zwischen Fußball und Wirtschaft tragen, spätestens dann ist meistens Schluss. Vor allem auf die Hebung seines Bekanntheitsgrades dürfte die weitgehend unbekannte Securvita zielen.

Alte Geschichte

   Als Wirtschaftspublizist stieß ich erstmals Mitte der neunziger Jahre auf Securvita. Der damals kleine, zehn Jahre junge Hamburger Versicherungsmakler hatte begonnen, sich mit einer ökologisch ausgerichteten Kapitallebensversicherung namens "Vitarent" einen gewissen Namen zu machen. Statt ausschließlich normale Standardprodukte von Versicherungsunternehmen zu verkaufen und dafür üppige Provisionen zu kassieren, wie es Makler und Assekuranzagenturen üblicherweise tun, kreierte Securvita also ein eigene Policevariante mit grünem Touch. Dabei floss ein Teil des vom Kunden angesparten Geldes in irgendwie ethisch-ökologische Investitionen, während die eigentliche Versicherungsleistung vom Deutschen Herold, von der Stuttgarter Versicherung oder der Nürnberger stammte. Inzwischen wird "Vitarent" nicht mehr aktiv vertrieben.

   Die entstandene Produktlücke des Assekuranzmaklers füllt inzwischen die Securvita Betriebskrankenkasse aus. Rund Hunderttausend Versicherte zählt laut Unternehmensangaben die gesetzliche Krankenversicherung für jederfrau. Der Beitragssatz ist mit 12,9 Prozent, trotz einer Erhöhung im Juli, weiterhin recht günstig. Dabei setzt jedoch Securvita, im Gegensatz zur konventionellen Konkurrenz, besonders stark auf vermeintlich alternative Gesundheitsmethoden. "Deshalb übernehmen wir nicht nur die Kosten für Leistungen der Schulmedizin, sondern erstatten auch Kosten für seriöse Naturheilverfahren", wirbt Securvita.

   Im Mai kam ein weiteres Produkt hinzu, der Aktienfonds "GreenEffects". Dieser setzt auf 20 internationale Aktien, die im ethisch-ökologisch ausgerichteten Natur-Aktienindex NAX (heute NAI) vertreten sind, einem grünen Bruder des allgegenwärtiges DAX (Deutscher Aktienindex). Im Securvita-Aktienfonds finden wir die hierzulande populäre, aber in wirtschaftlichen Schwierigkeiten steckende britische Kosmetikkette Body Shop und den Strumpffabrikanten Kunert, der hierzulande als Erster eine Ökobilanz veröffentlichte. Daneben finden wir den den US-amerikanischen Schuhhersteller Timberland und die polnische Umweltbank Ochrony Srodowiska. Die Kriterien des NAX gelten im Vergleich zu den 25 anderen Ökofonds, die sich auf dem deutsche Markt tummeln, als relativ hart. Freilich sind auch die NAX-Firmen keine sozialistischen Musterbetriebe.

   Ob diese Firmenauswahl genügt und ob überhaupt ein Aktienfonds als Geldanlage zweckmäßig ist, muss jede(r) für sich entscheiden. Gleiches gilt für die naturverbundene Krankenkasse. Das Bonner Bundesversicherungsamt und Verbraucherschützer geben dafür grundsätzlich grünes Licht. So findet Versicherungsexperte Helge Kühne von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen das Securvita-Angebot "okay", wenn solche Naturheilverfahren gewünscht werden.

   Auf jeden Fall sollten es Fußballfreunde mit dem Pressesprecher des Unternehmens halten: "Wir wollten immer vernünftige Ideen vorantreiben, bis sie auf dem Markt angekommen sind." Dort sind sie nun, und potentielle Kunden sollten sich ebenfalls marktgerecht verhalten. Wer meint, er benötigt Produkte von Securvita, sollte kaufen - allerdings nicht, um dem FC St. Pauli etwas Gutes zu tun oder um die Welt zu verbessern. Geschäft ist Geschäft.

Hermannus Pfeiffer


Copyright by Übersteiger

zurück Titelseite dieser Ausgabe weiter