Der FC St.Pauli übernimmt Verantwortung!

Für wen eigentlich?

   Am 21.12. letzten Jahres trat der FC St.Pauli auf Initiative der AgiM, der Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" bei. Hierbei geht es um einen Stiftungsfond in Höhe von 10 Milliarden DM, für Entschädigungszahlungen an heute noch lebende ehemalige Zwangsarbeiter Innen unter dem NS-Regime. Jeweils zur Hälfte wird das Geld durch die Bundesregierung und der deutschen Wirtschaftsunternehmen aufgebracht, um es dann an die Zieladressaten weiter zu leiten.

   Der AgiM ging es hierbei um eine Demonstration der "Einstellung des FC St.Pauli" (Agim-Sprecher Michael Burmeister), denn der FC St.Pauli beschäftigte keine Zwangsarbeiter, sondern will durch seinen Stiftungsbeitritt, diese "aus Solidarität und aus der Verantwortung für die deutsche Geschichte heraus" (fast-Vize und eiserner Besen der Geschäftststelle Tatjana Groeteke)unterstützen. Auch gilt es dem FC St.Pauli um eine Signalwirkung an die noch nicht beigetretenen Unternehmen, um "gemeinsam ein Zeichen der Versöhnung zu setzen und den Geschädigten des NS-Regimes für das ihnen angetane Leid und Unrecht in historischer Verantwortung zu helfen." (Präsi von uns allen und Hoffnungsträger Koch)

   Wie jedes andere Wirtschaftsunternehmen auch sollte die Einlage in den Stiftungsfonds ein Promille des Jahresetats betragen. Mit 7.000,-DM ist der FC St.Pauli zwar nicht ein Top-Scorer, doch wie schon geschrieben: Die Geste zählt!

   Der Sprecher der Stiftungsinitiative Gibowski war schwer begeistert, ob des Engagement des FC, da dies "für die anderen Vereine der Fussballbundesliga beispielgebend sein wird".

   Auch die Presselandschaft berichtet nicht nur in Hamburg über den ersten Profifussball-Club, der sich zu der Geschichte und seiner Verantwortung bekennt.

   Doch allein die Menschen, die von diesen Fond profitieren sollen, haben bis jetzt keine müde Mark gesehen. Eigentlich sollte Ende Februar mit der Auszahlung an die ZwangsarbeiterInnen begonnen werden, doch daraus wird vorerst nichts.

   Schon bei der Einrichtung des Fonds, in Lauf des letzten Jahres, wurde deutlich, das die deutsche Wirtschaft nur sehr ungern dieses Fond beitreten möchte. Der Sonderbeauftragte der Bundesregierung Otto Graf Lambsdorf hatte alle Mühe die Vertreter der Wirtschaft davon zu überzeugen, daß sie eine Verantwortung für die misshandelten und gequälten Zwangsarbeiter hätten. Nur unter zähen Eingriffen der jüdischen Verbände und drohenden Milliardenklagen in den USA waren die Unternehmen bereit, eine Summe von 5 Milliarden aufzubringen, um damit ein für alle mal, etwaige Forderungen an sie abzuwiegeln. So war's geplant! Doch wie so oft, es fehlt der Glaube! Bis Ende Januar sind ca. 3,6 Milliarden DM von ca. 5.500 Unternehmen zusammengekommen. Es fehlen also noch 1,4 Milliarden DM. Daher werden auch auf absehbare Zeit die ZwangsarbeiterInnen keine Kohle sehen. Das inzwischen von den 650.000 AntragstellerInnen immer mehr versterben und somit keine Ansprüche für ihre Knechtschaft einfordern können, scheint die Wirtschaft nicht zu kümmern. Es wird sich geziert und auch offen jegliche Verantwortung abgelehnt. Die Wirtschaft will eine 100% Sicherheit, das es nach dem bereitstellen des Fonds zu keinen anderen Ansprüchen kommt. Erst dann sind die Herren in den Führungsetagen und VIP-Logen bereit ein wenig Geld locker zu machen. Und hier handelt es sich tatsächlich um Peanuts: 14 bis 15 Millionen KZ-Häftlinge, Kriegsgefangene und Zivilpersonen wurden in den Jahren des Dritten Reichs zu Zwangsarbeitern herangezogen. Aufgrund dieser zahl kann von 64 Millarden geleisteten Arbeitsstunden ausgegangen werden. Den Stundenlohn, der nun bezahlt werden soll, mag sich jeder selbst ausrechnen, mal ganz abgesehen von Folter, Vergewaltigung, Misshandlung und Tötung etlicher Zwangsarbeiter.

   Was sind dagegen 5 Milliarden DM, solcher Unternehmen wie Siemens, Daimler oder der Bayer AG. Es gilt bei diesen 5 Milliarden wohl mehr um eine symbolische Handlung und nicht um das tatsächliche Aufrechnen von Arbeitsstunden und erlittenen Unrecht. Die Wirtschaft sieht so die Hoffnung einen Schlussstrich unter dem Thema der Ausbeutung ihrer Zwangsarbeiter zu ziehen. Und darunter will der Standort Deutschland nicht leiden. Also, weniger Kohle und danach keine Zahlungen mehr. In dieses Bild passt, das der designierte Leiter des "Zukunftsfonds der Stiftungsinitiative" Lothar W. Ulshamer, gerne für die rechte Zeitung "Junge Freiheit" Artikel wie "Der alte Traum vom Reich" schreibt. Ein Mann der in seiner Doktorarbeit Böll und Grass zu Linksterroristen verklärte, soll in exponierter Stellung, in einer Stiftung mitarbeiten, die versucht das Unrecht an Millionen von Menschen entsprechend zu versöhnen? Schon komisch, gelle!

   Aber zurück zum FC. Sicher die Geste zählt und als Verein setzte der FC St.Pauli ein Zeichen und vielleicht dient dies auch, um Druck auf andere Unternehmen auszuüben, damit diese sich der Verantwortung stellen. Doch bleibt die Arbeit und die Absicht dieser Stiftung mehr als diskussionswürdig. Denn, ist es richtig Geld an eine Stiftung zu geben, die Auszahlungen an die Sklaven der KZs, Fabriken und Agrarwirtschaft weiterhin verhindert und nicht in der Lage ist genügend Druck auf die deutsche Wirtschaft zu entfachen?? Das mag jeder für sich selbst beantworten und es ist beileibe kein einfache Frage. Was heraussticht, ist die klare Positionierung unseres Vorstands. Sich als Fussballverein in solcher Verantwortung zu sehen ist wohl einmalig. Denn andere Vereine wollen meist mit solcherlei Politik nichts zu tun haben. Denn der hsv hat sich beispielsweise noch nicht geäußert, außer das der Fanbeauftragte Manson, in Zweifel zieht, ob der Sport ein solches Zeichen setzten sollte. Auch tun sich schwer. So sitzt beispielsweise der oben zitierte Sprecher der Stiftungsinitiative im Aufsihctsrat von Waldhof Mannheim. Dort scheint man aber genügend mit der Kölmel-Mafia zu tun zu haben, als das der Verein der Stiftung beitreten möchte. Auch Bayern München will das nicht, denn man selber zu leiden gehabt, da der damalige Vorsitzende durch die Nazis ausgetauscht wurde. Ein Schlag ins Gesicht für alle, die sich zu Tode geschuftet haben! Das es jedoch zeit wird, das auch die Vorstandsetagen der Fussballclubs tätig werden sollten, weiß man nicht erst seit gestern, doch um so mehr, nach den Äusserungen des Herrn Wildmoser (Dauer-Präsi bei 1860) im aktuellen Sportstudio vom 03.02., nach dem beim Spiel 1860 - BVB die dunkelhäutigen Spieler (z.B. Addo, Evanilson) durch ständige Uh-Uh-Rufe diskriminiert wurden, "der Olli Kahn wird doch auch so beschimpft, das ist doch nicht so schlimm." Tja, was soll man dazz noch schreiben?

In diesem Sinne
Frechdax


Copyright by Übersteiger

zurück Titelseite dieser Ausgabe weiter