QUO VADIS, FANLADEN?Mittlerweile haben es wohl fast alle mitbekommen: Imme, der langjährigen Mitarbeiterin des Fanladens, wurde von Seiten des Vereins "Jugend & Sport", dem Träger des Fanladens FC St. Pauli und des HSV-Fanprojekts, gekündigt. Imme hat gegen diese Kündigung geklagt, und noch immer gibt es, Monate nach dieser Entscheidung, keine gerichtliche Klärung. Der Übersteiger hatte sich zunächst bewusst nicht an dieser Auseinandersetzung rund um den Fanladen beteiligt, auch wenn eigentlich jedes Redaktionsmitglied zu dieser unappetitlichen Geschichte eine eigene Meinung hat - und teilweise stehen die Positionen dabei weit voneinander entfernt. Normalerweise eine sehr gute Voraussetzung für eine konstruktiv-kritische und kontroverse Debatte zum Thema, möchte man meinen. Prinzipiell ja, aber alle ÜSlerInnen waren sich zum damaligen Zeitpunkt auch darin einig, dass jede Stellungnahme unsererseits in dieser Situation eher zur Verschärfung des Konflikts beigetragen hätte. Zudem waren wir der Auffassung, dass es sehr schwierig und problematisch sei, in einem arbeitsrechtlichen Verfahren inhaltlich Stellung zu beziehen. Zwischenzeitlich waren dann aber so viele Gerüchte, Vorwürfe, Albernheiten und Zwischenzeitlich hat es nicht nur Gerichtsverhandlungen und so genannte Gütetermine gegeben, sondern am 19. Januar auch eine Veranstaltung im Clubheim, die als Podiumsdiskussion angekündigt wurde. Das kam für uns erst einmal überraschend, weil sowohl Imme als auch Michi, Hendrik und Dieter Baenisch als Geschäftsführer von "Jugend & Sport" angekündigt waren. Was also sollten die jetzt an jenem Freitag Neues sagen? Hatten sich etwa neue Sachverhalte ergeben? Und nachdem man sich bei Spielen am Millerntor mit einem Transparent der Northside konfrontiert sah, das eindeutig Position für Imme bezog ("Imme muss bleiben, Hendrik vetreiben") und auch im Diskussions-Forum der Hamburger Morgenpost ordentlich Stimmung gemacht wurde ("Michi, die HSV-Sau", "Hendrik der Mobber" etc.), durfte man auf den Abend gespannt sein. Eingeladen hatte Kathrin Pingel, eine Freundin oder Bekannte von Imme, die nach eigener Aussage seit 10 Jahren Fußball bei den St.Pauli-Frauen spielt und die Veranstaltung moderieren wollte. Leider, und dies wurde auch von einem Zuhörer explizit moniert ("Ich hätte mir bei einer solchen Veranstaltung eine neutrale Moderation gewünscht"), erwies sich die Gesprächsleiterin selbst unbedarften ZuhörerInnen eher als Inquisatorin, denn als unabhängige Moderatorin. Einfügen möchte ich an dieser Stelle, dass ich weder jemals Probleme mit Imme hatte, noch wirklich einschätzen kann, ob sie ihre Arbeit als Angestellte des Fanladens (also sowohl direkte Fanbetreuung, als auch die vielleicht nervige aber vielleicht um so notwendigere "Kärnerarbeit" im Stillen) zur Zufriedenheit aller erledigt hat. Was ich sagen kann ist dies: sie war immer Ansprechpartnerin für ALLE Fan-Fraktionen und hatte immer das besondere Gespür für die unterschiedlichen Bedürfnisse ihrer Klientel. Dafür Anerkennung. Wie die Zusammenarbeit mit den unterschiedlichen Leuten im Fanladen in den letzten Jahren lief, das kann ich nicht bewerten, will es aber auch gar nicht. Allein schon darum nicht, weil ich mich dabei auf das verlassen muss, was mir von verschiedener Seite erzählt wird. Fakt aber ist, dass sowohl Hendrik, als auch Michi deutlich formuliert haben, dass sie sich eine Zusammenarbeit mit Imme nicht weiter vorstellen können. Die in diesem Zusammenhang von Kritikern geäußerte Ansicht, Michis Einlassung sei ohnehin irrelevant, weil er inzwischen nicht mehr Mitarbeiter des Fanladens sei, ist schon ziemlich abstrus, weil nach seiner Aussage eben einer der Gründe seines Ausscheidens die unerquickliche gemeinsame "inhaltliche" Arbeit mit Imme gewesen ist. Man kann natürlich zurecht die Frage stellen, warum denn in den letzten Jahren alles in Butter gewesen sein soll und niemals eine Kritik an Immes Arbeit laut geworden ist. Immerhin für diese offene Frage konnte die Diskussionsrunde im Clubheim ein paar Antworten geben. Zunächst erklärten zu Beginn des von Zuschauerseite recht moderaten Abends erst einmal alle (!) Beteiligten, nichts zur Sache sagen zu wollen. Na klasse! Aber hatten die Anwesenden wirklich etwas anderes erwartet? Wohl eher nicht. Warum aber die Gesprächsleiterin dieses angekündigte "Schweigen" im Laufe der Veranstaltung immer wieder nur den männlichen Gesprächspartnern zum Vorwurf machte, das bleibt ihr Geheimnis. Klar wurde zumindest, dass die Kritik an Immes Arbeit mehrmals intern thematisiert wurde. Und einig waren sich die Diskutanten auch darin, damals zunächst eine so genannte Supervision (interne Diskussion der Situation mit einer neutralen Person von außen, die auch bis dahin unausgesprochene Ob letztendlich die Imme vorgeworfenen Versäumnisse Bestand vor dem Arbeitsgericht haben werden, muss man sehen (nächster öffentlicher Termin in dieser Sache ist der 19. März). Mit den bis dahin genannten Kündigungsgründen (keine Computer-Kenntnisse, fehlende Kompetenz, ungelernt, Arbeit im Laden wird blockiert), werden die Kläger möglicherweise scheitern. Dieter Baenisch hat aber im Namen von "Jugend & Sport" bereits angekündigt, spätestens zum nächsten richterlichen Termin alle bislang mit - nach seiner Aussage- Rücksicht für die Beklagte nicht genannten Kündigungsgründe komplett vorzulegen. Ziemlich klar ist aber: Der Disput um Immes Kündigung wird, ob nun formal korrekt vom Gericht sanktioniert oder nicht, für längere Zeit einen kleinen Keil in die Fanszene treiben: Dort die, die Imme schon immer klasse und Hendrik und/oder Michi scheiße fanden, hier jene, die die Kritik an Immes Arbeit (nicht an ihr) verstehen können und schließlich noch solche, denen der Streit am Arsch vorbei geht und entweder sowieso nie in den Fanladen gehen oder die Institution für so wichtig halten, dass ihnen Personen diesbezüglich ziemlich egal sind. Insofern sollte sich die Fangemeinde beim FC St.Pauli deshalb auch schleunigst Gedanken darüber machen, wie die Arbeit des Fanladens in Zukunft auszusehen hat. Und dass hier ein paar Dinge im Argen liegen, ist offensichtlich - aber eben auch nicht die alleinige Schuld des Fanladen-Teams. Viel zu selten mischen sich diejenigen hier ein, für die der Fanladen eigentlich gedacht ist. Und leider wird mittlerweile auch viel zu oft die Thadenstraßen-Crowd fast ausschließlich als Dienstleistungsunternehmen begriffen, die dafür Sorge zu tragen hat, dass man sein Ticket für die nächste Auswärtsfahrt rechtzeitig bekommt oder erfährt, wann die Amateure das nächste Mal spielen. Wann hat es denn zuletzt aus der Fanszene in den Laden hineingetragene Aktionsideen gegeben? Die Initialzündung ging doch viel zu oft vom Fanladen selbst aus - oft mit der Folge, dass dies entweder nur einen kleinen Kreis erreichte, die Aktion als elitär tituliert wurde oder die Sache zwar erfolgreich war, aber eben nur von wenigen Leuten und nicht "den" Fans ausging. Daran ist zu arbeiten. Manchmal macht es uns der Fanladen aber auch nicht leicht. Dann beispielsweise nicht, wenn er es an notwendiger und eigentlich normaler Transparenz mangeln lässt. Gerade wenns bspw. um das Selbstverständnis geht, hätte ich mir in den letzten Monaten (ok, bei aller allg. oder individueller Belastung; aber allein das kann man ja auch mal formulieren) mehr Außenwirkung gewünscht. Warum habt ihr nicht einfach mal gesagt, dass die seit Monaten angekündigte Veranstaltung "Quo Vadis Fanladen" aus den und den Gründen derzeit nicht stattfinden kann? Stattdessen überlasst ihr es euren schärfsten Kritikern, diese Tatsache zu interpretieren. Ziemlich dumm, möchte ich meinen. Ein weiterer Punkt, der für Kritik Anlass gibt, ist die Inthronisierung des neuen Fanladen-Mitarbeiters. Ich habe zwar inzwischen erfahren, warum gerade Heiko (den ich persönlich gerne mag) für diesen Job auserkoren wurde und die Beweggründe hierfür auch gut verstehen können. Aber wie muss sich denn ein "normaler" Fan fühlen, der nicht zum "Inner Circle" gehört und sich plötzlich in der Thadenstraße mit einem ganz neuen Mitarbeiter konfrontiert sieht? Einmal davon abgesehen, dass noch immer viele Leute denken, Heiko wäre der "Ersatz" für Imme. Was, wie "wir" natürlich wissen, ziemlicher Quatsch ist, weil Heiko für Michi kam, aber vor dem Hintergrund der derzeitigen Situation und der nur in Ansätzen vorhandenen Durchschaubarkeit, für einige Irritationen gesorgt hat. Über diese Dinge, finde ich, sollte sich der Fanladen mal ein paar mehr Gedanken machen. Bevor hier nun aber jemand meint, ich würde zur Generalabrechnung mit dem Fanladen kommen, dem sei von meiner Seite noch mal ausdrücklich betont, dass ich im Großen und Ganzen sehr zufrieden mit deren Arbeit war und bin. Besser machen kann man immer, und genau dies erwarte ich auch von ihnen. Was ich nicht möchte ist, dass die Fanladen-Crew sich das Lebensmotto des HipHopers Torch "Manchen gab Gott die Kraft, Dinge zu verändern. Mir gab er die Kraft zu ertragen, was ich nicht ändern kann." zu eigen macht, sondern auch weiterhin die Kraft besitzt, die Dinge zu beeinflussen, die man als veränderbar für Wert hält. ro. |
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