Rechte und Phantome raus?
Bundesweites Treffen der Fanbeauftragten:
Dass rechte Parolen von Rechten gegröhlt werden, darf nicht ausgesprochen werden. Denn diese Feststellung wäre "politisch".
Als das Treffen der Delegierten von 26 Profivereinen (und dem Regionalligisten KSC) vorbei war, blieb ein etwas komischer Gesamteindruck. Doch der Reihe nach: "Bei den Vereinen stossen die Fanprojekte inzwischen auf breite Akzeptanz" (Kölns Fanprojekt-Sprecher Rainer Mendel). Und das auch beim DFB, wie Dirk Mansen vom Fanprojekt des HSV nachschob. In Zusammenarbeit mit dem oft trägen Frankfurter Riesenverband will man auch in Zukunft Aktionen wie beim Länderspiel in England organisieren, wo zehn von Fanbeauftragten betreute Busse geordert wurden, um dort als deeskalierende Maßnahme Treffen mit englischen Fans zu organisieren: "Je mehr sich die Leute ernstgenommen fühlen, desto weniger ist es ihnen egal, was um sie herum passiert", so das dahintersteckende pädagogische Konzept.
Halten wir fest: Da haben also Leute getagt, die immer besser akzeptiert werden und offenbar sinnvolle sozialarbeiterische Arbeit leisten. Gut.
Was noch? Verabschiedet wurden einige Forderungen an den DFB und die Vereine. Die seit zwei Jahren vom DFB ausgesprochenen Empfehlung an die Clubs, in ihren Stadionordnungen rechtsextreme Äußerungen und Symbole zu ächten (und bei Zuwiderhandlung Stadionverbote auszusprechen), sei als zwingende Vorschrift zu formulieren. Im Übrigen stünden die Vereine in der Verantwortung: "Wir fordern die Clubs auf, ihr Hausrecht konsequent zu nutzen", verwies Dirk Mansen auf positive Erfahrungen beim HSV, wo rechte Slogans deutlich rarer geworden seien. Rainer Mendel vom 1.FC Köln hingegen lobte "die Zusammenarbeit mit dem Staatsschutz", die dazu geführt habe, "dass einige Rechte erkannt werden konnten".
Halten wir fest: Diese Leute haben keinen Bock auf Rechte und werden scheinbar gegen selbige aktiv. Auch gut.
Doch merkwürdig: Irgendwie scheint man das Problem nicht beim Namen nennen zu wollen. Zumindest muß man diesen Eindruck haben, wenn man erfährt, dass das Plenum als darüber hinaus gehende antifaschistische Maßnahme beschloss, bundesweit in allen Stadionzeitungen eine Anzeige schalten zu lassen, wonach sich der jeweilige Club "gegen Gewalt" verwahre. Mendels etwas kryptische Begründung, warum man sich nicht explizit "gegen Rechtsradikalismus" ausspreche: "Wenngleich es zur Zeit kaum Linksextremismus in den Stadien gibt - wir sind der Meinung, dass Politik im Stadion generell nichts zu suchen hat."
Halten wir fest...ja was eigentlich? Vielleicht etwas wie: Rechte raus - aber auch Leute raus, die es gar nicht gibt. Zumindest, wenn sie gewalttätig sind. Komisch, das.
Pikanterweise wurde dann aber ausgerechnet Hendrik Lüttmer, Fanbeauftragter des FC St. Pauli damit beauftragt, einen Fragebogen an die Vereine zu erarbeiten, der den Stand ihrer Bemühungen im Kampf gegen rechte Umtriebe im Stadion ergründen soll.
Der liegt nun seit Ende November vor, und wer ihn liest, hat den Eindruck, dass da zumindest der Autor nicht zu den Anhängern der "unpolitischen" Linie Mendels gezählt hat. Ob im jeweiligen Verein "rechtsradikales und /oder rassistisches Gedankengut" bei den Spielen bzw. im Umfeld derselben vorkämen, wird da gefragt, ob das "zur Provokation gegnerischer Fans und Spieler benutzt", ob ein Rechts-Trend festzustellen sei, bevor ermittelt wird, was gegebenenfalls dagegen getan werde: Ist zum Beispiel der vom DFB empfohlene Antirassismusparagraph in der Stadionordnung verankert? Sind im Zuge dieser Neuerung bereits Stadionverbote ausgesprochen worden?
Auf das Feedback darf der interessierte Fan bereits jetzt gespannt sein - nicht zuletzt, weil alleine schon die präzise, ungeschönte Fragestellung Lüttmers vielen Vereinen (bzw. den von ihnen bezahlten Fanvertretern) zu "politisch" sein könnte.
So merkwürdig die Scheu mancher Fanbeauftragter vor einer eigentlich doch ziemlich offensichtlichen Feststellung (Rechte sind zwar oft gewalttätig, immer aber rechts) ist - mit der Weigerung, das auch so zu sagen, ist man genau auf DFB-Linie. Auch in Frankfurt tut man sich seit jeher schwer, von einem diffusen "Gewalt"-Begriff zu lassen, wenn eigentlich die Taten ganz konkreter Personengruppen gemeint sind. Diese haben Namen: Sie heißen "Hooligans" und "Rechtsextremisten"
Halten wir fest: Das war eine "politische", vor allem aber eine banale Feststellung. Offenbar muß man sie manchen Leuten aber dennoch in Erinnerung rufen.
Gastartikel von Christoph Ruf
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