Friede, Freude und zu teure Frikadellen

Es geht auch mit Alkohol...

   Erstmal die gute Nachricht im Zusammenhang mit der diesjährigen, ordentlichen Jahreshauptversammlung: Es gab echtes Bier. Und, man glaubt es kaum, es kam nicht zu den befürchteten Ausschreitungen und Pöbeleien. Seht Ihr, liebe Pessimisten, es geht auch ohne lächerliche, oktruierte Maßregelungen. Die Frikadellen allerdings können sich wohl nur Leute mit eigener Ponyzucht leisten.

Ehrenmitgliedschaft in der North Side zu vergeben

   Lächerlich war an diesem Abend allerdings der Abgang von Heinz Weisener. Lächerlich, nicht leise, wie es die Vertreter der Boulevardpresse attestierten. Selbst am letzten Tag seiner Ära war Heinz Weisener nicht in der Lage, seine unzähligen Fehler einzugestehen. Peinlich, immer wieder die selben Lobhudeleien in eigener Sache zu unternehmen. Zwar hat der Architekt einen (!) Fehler eingestanden ("Ich habe zu oft Termine für den Stadionneubau verschoben"), doch die Wirkung dieser Beichte wäre wohl wesentlich höher ausgefallen, wenn er danach das Unwort schlechthin nicht mehr in den Mund genommen hätte. Aber nein, das Stadion wird kommen, wieder mal hat er einen Investor gefunden und diesmal ist es die Stadt, die doch bitte helfen soll, hat sie ja beim hsv auch gemacht. Ich wette hiermit, dass in den nächsten zwei Jahren kein Handschlag am Millerntor passiert. Doch nicht genug der Selbstaufgabe, am Ende las der scheidende Präsident noch ein Dankes-Fax der North-Side vor. Auf den Inhalt näher einzugehen wäre in etwa so sinnvoll, als würde man in einer leeren Cola-Dose nach Fanta suchen. Nur soviel: Wundert Euch nicht, wenn diese Krakeler und Querköpfe in Zukunft noch lauter lachen, wenn wieder einige aus Eurem Klüngel mit eingetretener Fresse ein Zugabteil vollbluten. Doch zurück zu Heinz Weisener. Diese Aktion stellte den Abschluss seiner zehnjährigen Amtszeit dar. Nach über 3600 Tagen für den FC noch nicht zu wissen, wer sich hinter diesem nicht offiziellen Fanclub versteckt und dessen Worte als Abschied zu wählen, war einerseits peinlich, andererseits bezeichnend für Weiseners Fingerspitzengefühl und Vereinskenntnis. Nein, Herr Weisener, dieser Abgang war wahrlich nicht souverän.

Schuldenfrei sein heißt, Verbindlichkeiten zu haben

   Wesentlich solidere Auftritte hatten an diesem Abend die Kassenprüfer, am Rednerpult vertreten durch Guntram Uhlig. Gemeinsam mit Johst Münster schlug dieser dem neuen Präsidium vor, künftig ein wenig aufmerksamer darauf zu achten, wo denn die versprochene, finanzielle Unterstützung der Jugend seitens der a+f+m bleibt. Recht so! Auch, dass der Verein durch die Kooperation mit der Agentur "upsolut" schuldenfrei sei, entspreche nach Angaben der Kassenprüfer nicht der Wahrheit. Der neue Präsident Reenald Koch taufte die Schulden kurzerhand in Verbindlichkeiten um, die ja eigentlich keine Schulden sind. Ach so, mal sehen, ob das auch bei meiner Bank klappt.

   Ein wenig dürftig bleibt die Entscheidung, das Präsidium zu entlasten mit der Begründung, dass durch die neuen Verträge alles geregelt ist. Wenn ich also jemanden etwas weg nehme, ist alles wieder ok, wenn es ein anderer von mir für ihn zurückkauft. Seltsame Logik.

Pomade für Paulick

   Kommen wir zu weniger sympathischen Zeitgenossen. Peter Paulicks verklausuliertes Gelaber war mal wieder eine Zumutung. Und siehe da, in dem Moment, als Koch eine an Paulick gestellte Frage beantwortete, herrschte binnen kürzester Zeit Klarheit. Wann wird dieser Mann es lernen, dass er nicht in einer Vorlesung ist, sondern auf einer Versammlung von Fußball-Fans. Noch unsouveräner trat eigentlich nur der tags zuvor zurückgetretene Wolfgang Kreikenbohm auf, der uns von seiner Anwesenheit verschonte. Dieser nahm einem Antrag der Agim, die seine Abwahl forderte, freiwillig vorweg. Eine kaum begründete Begründung wurde stellvertretend von Peter Benckendorf vorgelesen. Da kann es nicht sehr weit sein mit dem Einsatz für den Verein, wenn man gleich bei der ersten Kritik die Flatter macht, Herr Kreikenbohm. Aber wir wollen ja die Pferde nicht scheuer machen, als sie ohnehin schon sind.

   Nur soviel sei zum Thema Aufsichtsrat noch gesagt: Die einzig gute Frage, warum Tatjana Gröteke nicht für das Präsidium vorgeschlagen wurde, blieb vom Aufsichtsratsvorsitzenden unbeantwortet. Ärgerlich, lieber Herr Arzt, dass Frau Gröteke ganz gleich wie der Aufsichtsrat es findet, einen Job im Verein erhalten wird. Noch ärgerlicher, dass Ehrenworte nichts mehr zählen, wenn es um die eigene Existenz geht, gell, Herr Kreikenbohm?

Gib mir mal die Pfote

   So spricht man einen Hund an, wenn er das machen soll, was eigentlich überhaupt nicht seiner Berufung entspricht. Die Hand reichte Koch Christian Phote, bei dem es sich mit der Berufung für die Aufgabe im Präsidium wohl ähnlich verhält. Der Notnagel ist immer noch vielen ein Dorn im Auge - das konnte man schon am Abstimmungsergebnis erkennen. Naja, immerhin sparen wir durch seine Mitarbeit im Präsidium die auf Dauer hohen Anwaltskosten. Wäre doch sicherlich auch ein Modell, dass bei der größten Abteilung im Verein denkbar wäre. Aber die haben ja preisgünstigen Rechtsbeistand.

   Reenald Koch bekommt ebenso wie Stephan Beutel die berühmten 100 Tage, doch wenn es so weiter geht wie bisher werden sich die beiden unentbehrlich machen. Bleibt die Frage, wieviele altgediente Mitarbeiter des Vereins und der Marketing den Neuerungen zum Opfer fallen.

Der Kapitän ist auf Kurs(k)

   Am Rande der Versammlung herrschte natürlich reges Interesse nach den Zwischenständen des FC in Chemnitz. Mit dem Ergebnis waren alle zufrieden, anders verhält es sich mit der Aussage von Kapitän Holger Stanislawski in der Mopo am 21.10. Nein, lieber Holger, die AgiM nimmt keine Leute als Geisel, sie erpresst sie nur, da hast Du was vertauscht. Mal im Ernst: Schuster bleib bei Deinen Leisten. Ich hab ja nichts dagegen, wenn ein Fußballer sich in die Vereinspolitik einmischt, ganz im Gegenteil. Solche Äußerungen gehören aber überhaupt nicht in die Öffentlichkeit. So werden wir die Wallerts jedenfalls nicht ans Millerntor locken.

Die Redaktion


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