Jahreshauptversammlung

Oktober 2000

Wie es war

   Mit einer ¾ - Stunde Verspätung wurde angepfiffen, dies lag allerdings nicht am zu grossen Zuspruch, 721 anwesende Mitglieder hatten im Grossen Saal des CCH genug Platz, sondern an den Geschehnissen, die für diese Versammlung und den Verein entscheidende Bedeutung haben dürften. Bis 19:15, so wurde uns mitgeteilt, saßen Heinz Weisener, Reenald Koch und entsprechende Delegationen beim Notar, um die Verträge über die Rückführung der Marketingrechte an den Verein zu unterzeichnen. Doch dazu später mehr.

   Den Anfang der Sitzung, die wieder unter der Leitung des auch früher meist souveränen Karsten Marschner stattfand, bildeten die Ehrungen, hier möchte ich die stehenden Ovationen für Hans Golombek herausheben, der für seine 73-jährige Mitgliedschaft ausgezeichnet wurde. Den Rest dieses Teils möchte ich euch ersparen.

Der Bericht des Präsidiums

   Heinz Weisener holte weit aus um seine letzte JHV als Präsident zu bestreiten, gab wiederum zu, die Probleme beim Stadionbau unterschätzt und dadurch die falschen Ankündigungen gemacht zu haben. Zählte in diesem Zusammenhang die chronologischen Abläufe mit Vorstellung, Genehmigungen und Hürden auf, die im Detail bekannt sein sollten oder in älteren Ausgaben nachzulesen sind. Als zentrale Punkte nannte er den Absprung des favorisierten Rechteverwerters SportA und die fehlende Unterstützung durch die Stadt, die er jetzt einforderte (Applaus aus allen Ecken des Saals darauf). Sollte dieser Forderung nachgekommen und der Klassenerhalt gesichert werden, stünde einer Realisierung des Projektes nichts mehr im Wege.

Der Bericht der Kassenprüfer

   Auch in diesem Jahr trat Guntram Uhlig ans Rednerpult, um einen sachlichen und kritiischen Vortrag über die Bücher des Vereins zu halten. Kritik erntete das Präsidium für fehlende Informationen, die Vereinsspitze für die Indiskretion zum Thema Gutachten (er bezeichnete das Hamburger Abendblatt als "Vereinsorgan", da die entsprechenden Journalisten zu gut informiert seien), akzeptierte aber den dargestellten Sachverlauf. Zum geschlossenen Vertrag konnte er noch keine Aussagen machen. Befürwortete aber eine Entlastung des Präsidiums für die Zeiträume '98/'99 und '99/'00.

   Den Bericht der Amateurvertretung lasse ich aussen vor, möchte hier aber erwähnen, dass eigentlich jeder Redner am Pult die Leistungen Heinz Weiseners würdigte, mal mit mehr, mal mit weniger oder keiner Kritik verbunden.

Der Bericht des Aufsichtsrates

   Diesen trug Dr. Benckendorff vor. Er stellte die Arbeitsteilung innerhalb des Rates vor, wobei auffiel, dass Florian Marten explizit von jeder Zusammenarbeit ausgeladen wurde (der trat bei dieser JHV angenehmerweise auch nicht in Erscheinung). Der Aufsichtsrat war an den Verhandlungen mit den verschiedenen Rechteverwertern beteiligt und hatte sich ebenfalls für eine Zusammenarbeit mit der SportA ausgesprochen, die sich allerdings, aufgrund der Verlängerung der zentralen Vermarktung durch den DFB, zurückgezogen hat. Auch Benckendorff gab Fehler zu und kündigte an in Zukunft direkter auf die AGiM zugehen zu wollen und weniger Verlautbarungen über die Presse zu machen. Er beantragte die Entlastung des Präsidiums durch die Mitgliederversammlung. Danach übergab er das Wort an Peter Paulick, der als Jurist die Verhandlungen über die Marketingrechte begleitete und dementsprechend über den Abschluss informiert gewesen ist.

   Paulick verkündete dann die Vertragsunterzeichnung über die Marketingrechte (ich bin der Meinung, dass er sich sogar auf den Kauf der FC St.Pauli Marketing GmbH bezogen hat, was später auch Reenald Koch getan hat, dies ist wichtig in bezug auf die Rechte am Totenkopf, der ja nicht zu den ursprünglich abgegebenen Rechten gehört), sagte allerdings auch, dass die Verträge mit dem Partner (die Agentur upsolut) noch nicht unterschrieben sei, aber ein "Letter of intent" (eine bindende Absichtserklärung) unterschrieben wäre. Dies formulierte er allerdings in etwas juristisch geprägtem deutsch, so dass nach mehreren Nachfragen Reenald Koch aushelfen musste. Der Inhalt der Verträge gestaltet sich nach ihren Worten folgendermaßen: Die Marketingrechte sind gegen die Rückzahlung des Darlehens (5,3 - 5,8 Mio. ganz klar wurde das nicht) und eine Generalquittung, die sich auf die "Flutlichtaffäre" bezieht, zu 100% an den Verein zurückgegeben worden. Der Verein gründet zusammen mit der Agentur upsolut (bei der übrigens Christian Hinzpeter Mediensprecher ist) eine neue Vermarktungsgesellschaft, die 75% der Einnahmen erhält. Da diese Gesellschaft zu 50% dem FC St.Pauli gehört, geht diese Prozentzahl aus der Gesellschaft an den Verein. Macht insgesamt 62,5% der Einnahmen. Finanziert wird dies mit Hilfe eines Kredites über 1,5 Mio. und der Beteiligung der Agentur. Teil der Generalquittung ist auch, dass das Gutachten nicht veröffentlicht wird.

   Daraufhin wurde das Präsidium für den Zeitraum '98/'99 bei 35 Gegenstimmen und 122 Enthaltungen und für '99/'00 bei 10 Gegenstimmen und 128 Enthaltungen entlastet.

Vortrag des Präsidentschaftskandidaten Reenald Koch

   Reenald Koch präsentierte sich frei sprechend (mit kabellosem Headset) und einer Powerpointdarstellung. Neue Strukturen (Anm. D. Red.: die ich nicht nachgezeichnet habe) im Verein sollen zu professionellerer Arbeit führen. Höhepunkte daraus: Einrichtung eines "Ständigen Ausschusses" aufbauend auf dem Gremientreffen, das von der AGiM ins Leben gerufen wurde, eine zentrale Pressestelle und eine transparentere Arbeitsaufteilung im Präsidium. Seine Ziele teilte er in die Bereiche "Kurzfristig" (- 3 Jahre), "Mittelfristig" (3 - 5 Jahre) und "Langfristig" (6 - 10 Jahre) auf. Kurzfristig sollen ein Trainingsgelände für den Lizenzbereich (in Verhandlung), eines für den Nachwuchs (Brummerskamp), der Stadionbau, eine neue Satzung und die Ausgliederung des Profibereiches erfolgen. Danach soll der Verein vorerst in der 2. Liga stabilisiert, die begonnene Markenführung und die Mitgliederzahl (Ziel 5000) ausgebaut werden. Langfristig stehen der Aufstieg und die Stabilisierung in der 1. Liga auf dem Plan.

Wahl des Präsidiums

Koch: 594 Ja. 36 Nein. 13 Enthaltungen bei 643 abgegebenen Stimmen.
Beutel: 590 Ja. 36 Nein. 13 Enthaltungen bei 639 abgegebenen Stimmen.
Pothe: 343 Ja. 174 Nein. 120 Enthaltungen bei 637 abgegebenen Stimmen.
Alle drei nehmen die Wahl an.

   Zum Abschluss gibt es dann noch eine Satzungsänderung, die allerdings eine Formalie, die vom DFB gefordert wird, darstellt. Dabei geht es um die sogenannte UFA - Regel, die sinngemäß besagt, dass Vermarkter nicht in mehr als einem Verein offizielle Funktionen besetzen dürfen. Als solche wird sie auch mit wenigen Gegenstimmen angenommen.

Und ab gehts ins Jolly Roger.
Mw


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