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Nimmt man allein das Abschneiden der deutschen U-18-Frauen bei der EM in Frankreich zum Maßstab dafür, wie es derzeit, ein paar Wochen vor dem olympischen Fußballturnier, um den Frauenfußball in Deutschland bestellt ist, könnte man eigentlich ganz guter Dinge sein. Dort nämlich, bei der europäischen Meisterschaft der Nachwuchs-Kickerinnen, konnten Anfang August die jungen Frauen unter Trainerin Silvia Neid erstmals den Titel durch einen 4:2-Endspielsieg gegen Spanien einfahren. Und die U-12-Juniorinen mussten sich beim Nordic-Cup erst im Finale mit 0:1 gegen dem Titelvrteidiger USA geschlagen geben. Sportlich also alles in trockenen Tüchern, möchte man meinen - zumindest was den Nachwuchs angeht. Schaut man aber auf die momentane Befindlichkeit des DFB-Nationalteams unter Trainerin Tina Theune-Meyer, muss man schon ein merkliches Tief konstatieren. Zuletzt enttäuschten die kickenden Frauen beim hiesigen DFB-Jubiläums-Vierländerturnier: mit 1:3 gegen China, 1:4 gegen Norwegen und 0:1 gegen die USA. Drei Niederlagen in drei Spielen bedeuteten natürlich den letzten Platz. Nicht nur für DFB-Vize Egbert Nelle ein herber Rückschlag: "Ich habe noch nie eine deutsche Frauen-Nationalmannschaft in einem derartigen Zustand gesehen", ließ er seiner Ernüchterung freien Lauf. Dabei wird doch in Sydney mindestens eine Medaille erwartet. Der DFB ließ sich dieses Vorhaben rund eine Million Mark für die Vorbereitung kosten. Das australische Olympiaturnier, bei dem es in der Vorrundengruppe gegen Brasilien, Gastgeber Australien und Schweden geht, könnte also für unsere Damen zum Waterloo werden. Weiteres Ungemach droht nach Turnierende durch die USA. Dort wird es ab 2001 eine Profiliga geben, und die amerikanischen Vereine haben schon angekündigt, dass sie weltweit nach Spielerinnen für ihre neue Liga suchen werden. Da droht nicht nur den deutschen Vereinen der personelle Aderlass, und gerade auch Nachwuchsspielerinnen werden sich wohl auf den Einkaufszetteln der Amis finden. Beginn des Ausverkaufs des spielerischen Zukunfts-Potenzials?
FINANZIELLE STAGNATION
Spitzenspielerinnen in Deutschland verdienen schätzungsweise monatlich drei- bis fünftausend Mark. Zu wenig, um die Leistungsträger zu halten, wenn es aus dem Ausland entsprechend bessere Angebote gibt. An die Dimensionen von US-Vorzeige-Kickerin Mia Hamm, die rund eine Million Mark jährlich verdienen soll, werden selbst die bestverdienenden deutschen Frauen in den USA nicht annähernd heran kommen, aber sicher noch genug, dass sich ein Wechsel auf die andere Seite des Atlantiks lohnen wird. Und nicht nur finanziell, denn auch sportlich kicken die US-Frauen auf einem ganz anderen Niveau. Für Doris Fitschen vom FFC Frankfurt war dies Grund genug, sich eine Option in ihren Vertrag schreiben zu lassen, bei einem US-Angebot vorzeitig aus dem Kontrakt aussteigen zu können. Bei Jahresetats zwischen kanpp 200.000 Mark (FSV Frankfurt) und ca. 500.000 Mark (Duisburg, FFC Frankfurt und Aufsteiger Bayern München) und weiterhin sehr schlechter Zuschauerresonanz (Krösus: FCR Duisburg mit 590 Zahlenden im Schnitt) nicht verwunderlich. Auch die TV-Gelder stagnieren bei 120.000 Mark pro Verein und Saison. Der Gesamtetat aller Vereine der 1. Liga beträgt gut 4 Millionen Mark, also noch rund 50 Prozent weniger als der aktuelle Saisonetat des FC St. Pauli, der immerhin der niedrigste der ganzen 2. Liga ist. Selbst April Heinrichs, Ex-Spielerin und jetzt als erste Frau neue Trainerin der Amerikanerinnen, erkannte, woran es den Deutschen fehlt: "Mehr Geld vom Verband". Ob die von der UEFA ab 2001 beschlossene Champions League mit 32 Mannschaften nicht nur eine mögliche sportliche, sondern auch wirtschaftliche Fortentwicklung sein wird, darüber kann man nur spekulieren. Zu wünschen ist jedoch, dass es dann zumindest möglich sein wird, flächendeckend hauptamtliche Trainer bei den Erstligavereinen zu etablieren. Bislang genießt dieses Privileg lediglich Peter König, der Coach des gerade in die oberste Liga aufgestiegenen Teams von Bayern München.
DER SAISONRÜCKBLICK
Neben den Bayern (Meister ´76) gelang auch noch dem letztjährigen Absteiger FFC Heike Rheine der Sprung in´s Oberhaus. Mit ein bißchen mehr Glück und etwas mehr Engagement hätten auch die HSV-Frauen die Rückkehr in die Eliteliga schaffen können. Allerdings reichte es für den souveränen Regionalliga-Meister (22 Siege in 22 Spielen) nach unnötigen Patzern in der Aufstiegsrunde lediglich zu einem 2. Platz, 4 Punkte hinter Aufsteiger Rheine. Die Meisterschaft konnte erstmals, mit großem Abstand (15 Punkte) vor Pokalsieger und Vorjahresmeister 1. FFC Frankfurt, der FCR Duisburg gewinnen. Was die Meisterschaft anbelangt also eine eher langweilige Saison. Zwischen Vizemeister Frankfurt und dem Schlusstabellen-Siebten Wolfsburg lagen am Ende aber nur 10 Punkte. Insofern eine im oberen Mittelfeld sehr ausgeglichene Situation in der vergangenen Saison. Klare Absteiger waren schließlich TuS Niederkirchen (14 Punkte) und einer der Aufsteiger aus dem Vorjahr, der 1. FC Nürnberg (9 Punkte). Als befriedigend kann man die Torausbeute (489) der vergangenen Spielzeit betrachten: pro Match fielen durchschnittlich 3,89 Treffer. Torschützenkönigin wurde die überragende Inka Grings (Fußballerin des Jahres 1999), die es auf insgesamt 38 erfolgreiche Abschlüsse brachte und somit den bisherigen Torrekord von Heidi Mohr (36 Treffer in 1991) noch um 2 überbieten konnte - allerdings brauchte Grings hierfür auch 4 Spiele mehr (gesamt 22) als die alte Rekordschützin. Interessant vielleicht noch, dass von allen 132 Ligaspielen ausschließlich 4 torlos endeten. Uninteressant wohl der Hinweis, dass der Schreiber das Pokalfinale in Berlin als eines der langweiligsten Fußballspiele seiner TV-Glotz-Laufbahn erlebte.
AUSBLICK
Ein Highlight der nordeutschen Frauenfußball-Szene wird wohl das DFB-Pokalspiel (Endspiel am 26. Mai 2001!) des HSV gegen den Deutschen Meister FCR Duisburg sein. Nachdem die Rauten-Kickerinnen den TuS RRH Köln Anfang August mit 10:2 weggefidelt haben (allein 6 Tore von Tanja Vreden), geht es nun in der ersten Hauptrunde am 20. August (Heimspiel in der Hagenbeckstraße) gegen die Damen aus dem Pott. Der vermeintlich übermächtige Gegner ist jedoch keine unüberwindbare Hürde mehr, da etliche Leistungsträger den Verein verlassen haben. Und so ist es nur logisch, dass die Duisburgerinnen in Insiderkreisen nur noch als Außenseiter gehandelt werden. Mehr Chancen werden Vizemeister FFC Frankfurt (in der kommenden Serie verstärkt durch u.a. Steffi Jones und Sandra Minnert), dem FFC Brauweiler Pulheim (ehemals Grün-Weiß Brauweiler; Zugänge u.a.: Maren Meinert und Silke Rottenberg), sowie dem 1. FFC Turbine Potsdam (wegen seiner exzellenten Jugendarbeit) eingeräumt. Und gespannt sein darf man natürlich auf das Abschneiden der Frauenelf des im Männerfußball bundesweit geliebten wie gehassten FC Bayern München.
Die neue Saison (ein DFB-Pokal-Endspiel gibt es in diesem Jahr nicht) beginnt, wegen des olympischen Turniers, erst am 15. Oktober. Quasi parallel zur Olympiade findet hierzulande aber ein so genanntes Olympia-Pokalturnier statt, bei dem, über 6 Spieltage verteilt, alle Bundesligisten teilnehmen. Der in eine Nord- und eine Südgruppe aufgeteilte Wettbewerb muss allerdings ohne die nach Australien nominierten Spielerinnen auskommen. Ohne einige Spielerinnen muss möglicherweise auch Bundestrainerin Theune-Meyer bei der EM im nächsten Jahr (vielleicht in England oder Deutschland) auskommen, weil sie sehr strenge Maßstäbe setzt: "Nur wenn die Spielerinnen für alle Spiele und Maßnahmen freigestellt werden, gehören sie weiterhin zu meinem Team." Das aber hängt natürlich nicht von der Bereitschaft jeder einzelnen Spielerin ab, sondern vom Goodwill der Vereine. Eine äußerst umstrittene Aktion also, die für Theune-Meyer sehr schnell zum Eigentor werden kann. Dann nämlich, wenn das Nationalteam bei der Europameisterschaft erklärtermaßen nicht mit der besten Crew auflaufen kann, sondern mit denen, die in der Vorbereitung am meisten Zeit hatten. Ob die Ex-Nationalspielerin bei entsprechendem Mißerfolg dann auch noch die deutsche Elf bei der WM 2003 (möglicherweise in China oder Australien) coachen wird, ist eher unwahrscheinlich.
Wer sich weiter zum Thema Frauenfußball schlau machen will, sollte sich die inhaltlich recht gute Internetseite www.FFNews.de anschauen. Dort finden sich Hintergründe, aktuelle Meldungen, Fotos und interessante Links für alle Freunde und Freundinnen des weiblichen Tretsports.
ro.
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