Am 10. November wurde Reenald Koch, der in diesen Tagen 40 wird, auf der JHV neben Uli Schult zum zweiten Vizepräsidenten des FC St.Pauli gewählt. Koch nimmt den frei gewordenen Platz von Wolfgang Helbing ein, der nach monatelangen unschönen Querelen aus dem Präsidium ausgeschieden war. Grund genug für uns, dem neugewählten Funktionär mal ein wenig auf den Zahn zu fühlen.
Seine Vita: Mit 14 Jahren kam der aus einfachen Familienverhältnissen (Vater Hafenarbeiter, Mutter Schuhverkäuferin) stammende Koch als Hamburger Auswahlspieler von der Spielvereinigung Großflottbek an's Millerntor. Mit 18 bestritt der gerade aus der A-Jugend herausgewachsene Vorstopper 1978 gegen Alemannia Aachen sein erstes Match für die 1. Mannschaft des FC. Bis 1984 blieb er den Braun-Weißen treu und verabschiedete sich dann, wie es heißt, in aller Freundschaft, zu Altona 93, dessen damaliger Trainer Willi Reimann gewesen ist. Seither verbindet die beiden eine innige Freundschaft. Koch wollte sich damals auf sein BWL-Studium konzentrieren und gab darum seine Profi-Karriere auf. Er absolvierte eine Lehre zum Industriekaufmann, volontierte in der Kanzlei des Ex-Präsidenten Otto Paulick und machte auf dem zweiten Bildungsweg sein Abitur. Nach dem Studium arbeitete er sich zum Marketing-Direktor einer bekannten Firma hoch und landete schließlich bei der Firma "Röder & Co.". Dort ist Reenald Koch seit 1996 Inhaber und Geschäftsführer.
ÜS: Herr Koch, es wurde immer wirtschaftliche Kompetenz für Funktionsträger eingefordert. Was genau machen Sie beruflich?
RK: Ich bin Inhaber einer Im- und Exportfirma für Werbe- und Freizeitartikel, die zu 98% in Asien hergestellt werden. Darum befinde ich mich auch sehr oft in Fernost.
ÜS: Wie ist Heinz Weisener eigentlich auf Sie als Nachfolger von Herrn Helbing gekommen?
RK: Die Verbindung ist über meinen langjährigen Freund und ehemaligen Mannschaftskameraden Reinhard Kock entstanden. Mit Kocker habe ich früher bei Auswärtsfahrten das Zimmer geteilt.
ÜS: Waren Sie, nachdem die AGiM im Vorwege Ihre Wahl nicht empfehlen wollte, überrascht über die wenigen Gegenstimmen auf der JHV?
 RK: Da muss ich mal grundsätzlich was klar stellen: Ich hatte ein Vorstellungsgespräch bei der AGiM, was ich als sehr konstruktiv empfand, weil die Gedanken, die dort geäußert wurden, auch ein Großteil meiner Gedanken sind. Nachdem ich in der Presse falsch zitiert worden bin - ich hätte gesagt dem amtierenden AR fehle die wirtschaftliche Kompetenz; das habe ich nie gesagt, das habe ich auch auf der JHV klar gestellt. Was ich gesagt habe ist: der neue AR bräuchte noch mehr wirtschaftliche Kompetenz - hat die AGiM darauf reagiert. Sie haben dann, und das ist jetzt ein Zitat von AGim-Mitgliedern, einen zurück eingeschenkt. Das war der einzige Grund, ich glaube nicht, dass sie an meiner Kompetenz gezweifelt haben.
ÜS: Sie haben der AGiM ja auch via Presse Konstruktivität attestiert.
RK: Ja, für mich ist die AGiM ein wichtiger Bestandteil dieses Vereins. Ich werde mich in Zukunft mit Sicherheit häufiger mit den Damen und Herren dieser Gruppe zusammen setzen.
ÜS: Anderes Thema: In einem aktuellen Artikel in der WELT werden Sie wie folgt zitiert: "Der FC St. Pauli sollte anerkennen, dass der HSV die Nummer 1 in der Stadt ist." War das jetzt Ironie, oder haben Sie sich schon geschlagen gegeben?
RK: Ich komme aus einfachen Verhältnissen und habe mein ganzes Leben hart gearbeitet - deshalb gebe ich mich nicht geschlagen. Man muss andererseits aber auch so realistisch sein anzuerkennen, dass der HSV für Hamburg sehr viel erreicht hat. Dass sie unangefochtene Nummer 1 sind, belegen doch schon die Erfolgsstatistiken. Aber: Wenn wir den jetzigen Weg weiter beschreiten - solides Fundament, neues Stadion, gute Nachwuchsarbeit - dann haben wir die Chance, in ca. 5 Jahren wieder in der 1. Liga zu spielen. Wenn es früher passiert: um so besser!
ÜS: Noch mal Stichwort HSV. Einmal angenommen, unser neues Stadion wird tatsächlich irgendwann gebaut. Von Herrn Weisener wurde ja als Ausweichplatz für die Bauzeit das Volksparkstadion ins Spiel gebracht. Wie ernsthaft wurden andere Stadien als Ausweich-Areal geprüft? Der Vize-Präsident von St. Georg, Detlef Meyer, bspw. hatte sich beschwert, dass er trotz eines Angebots, unseren FC im Stadion im Hammer Park (max. 15.000 Plätze) spielen zu lassen, nichts mehr vom Verein gehört hat.
RK: Da kenne ich keine Hintergründe. Nur soviel: Wir müssen natürlich in der 2. Liga gewisse Sicherheitsvorkehrungen treffen. Das Volksparkstadion erfüllt diese Maßstäbe. Dennoch werden wir von Präsidiumsseite Alternativen prüfen. Ökonomische Fakten müssen aber den Ausschlag dafür geben, wohin wir gehen. Im Hammer Park bspw. müsste auf alle Fälle ein Zaun um das Spielfeld gezogen werden. Außerdem gibt es dort keine Tribüne.
ÜS: Herr Kock hat ja vor ein paar Wochen gesagt, er könne sich vorstellen, die Gegengeraden-Tribüne bei uns, wem auch immer die derzeit gehören mag, abzubauen und z.B. im Victoria-Stadion wieder auf zu bauen.
RK: Ja, das beweist ja, dass solche Entscheidungen immer auch den wirtschaftlichen Daten Stand halten müssen. Wir müssen also die ökonomischste, das heißt die fangerechteste Lösung finden. Da sind wir bisher noch nicht zu einer Entscheidung gekommen.
ÜS: Im Moment hat man aber den Eindruck, dass sich die Vereinsführung bereits auf das Volksparkstadion festgelegt hat.
RK: Definitiv nicht! Es haben noch nicht einmal Verhandlungen stattgefunden.
ÜS: Aber Heinz Weisener hat sich doch schon diesbezüglich in der Presse geäußert. Er nannte die HSV-Arena und die Lohmühle in Lübeck. Die Lübecker Vereinführung wusste allerdings noch von nichts.
RK: Wenn das so gewesen ist, wie Sie das gerade geschildert haben, ist das natürlich schlecht.
ÜS: Lübeck müsste dann doch jetzt schon, aus ökonomischen Gründen, wie Sie es gerade formuliert haben, ausscheiden.
RK: Ich gebe Ihnen da völlig recht. Und ich will jetzt auch keine weiteren Namen ins Spiel bringen. Das ist jetzt auch alles noch total hypothetisch.
ÜS: Was halten Sie von der Abteilung Fördernde Mitglieder (AFM)? Im Moment scheint sich ja wegen der Mitgliederwerbung ein neuer Konfliktherd im Verein zu kritallisieren - zwischen der Marketing und der AFM.
RK: Daraus Konfliktpotential abzuleiten - das sehe ich nicht so. Aber zur ersten Frage: Ich bin ja, da können Sie Herrn Burggraaf fragen, derjenige, der vom Präsidium engen Kontakt hält. Wir wollen das ganze konstruktiv begleiten; auch von unserer Seite. Zum zweiten Teil der Frage: Ich habe da meine Erkundigungen eingeholt. Seitens der Marketing ist das kein Problem. Im Gegenteil, die freuen sich auch darüber, wenn wir mehr Mitglieder bekommen. Sie haben im Moment nur deshalb ihre Kampagne eingestellt, weil das Geld dafür aufgebraucht ist.
ÜS: Thema Bilanz. Sehen Sie, gerade was die Bilanz-Ungereimtheiten (Stichwort: Tribüne) von der JHV anbelangt, eine Gefahr, dass der DFB Mitte März keine Lizenz erteilen könnte?
RK: Nein, ich gehe davon aus, dass nach der Analyse durch unabhängige Wirtschaftsprüfer das Lizenzierungsverfahren problemlos über die Bühne geht.
ÜS: Nachfrage: Wie haben Sie sich, Herr Koch, bezogen auf Ihre Kandidatur, eigentlich gefühlt, nachdem die Kassenprüfer auf der JHV von diesen Ungereimtheiten berichtet hatten? Es kamen ja offensichtlich neue Dinge auf den Tisch, von denen Sie vorher wohl nichts gewusst hatten.
RK: ...Pause. Gute Frage, da habe ich mir, ehrlich gesagt, noch gar nicht so viele Gedanken drüber gemacht ...Pause. Also der erste Gedanke war: Das ist wieder typisch für diesen Verein. Aber gut, dass wir diese Frage noch mal erörtern: Heinz Weisener Bilanzfälschung zu unterstellen, halte ich für völlig absurd (Anm. D. Interv.: Auf der JHV wurde auch nur von falschen Bilanzen geredet, nicht von gefälschten). Ich glaube, der Sachverhalt wird sich aufklären lassen. Aber um auf die Ursprungsfrage zurück zu kommen: Ich glaube, die Ratio hat da ausgesetzt, und die Emotion hat gesiegt.
ÜS: Sie haben der WELT gesagt: "Wir dürfen nicht absteigen, sonst gibt es kein neues Stadion." Umgekehrt unsere Frage: Gibt es für den Fall, dass kein neues Stadion kommt, fertige Alternativ-Konzepte, die die Existenz des Vereins denoch gewährleisten können?
RK: Erstens: Das habe ich so nie gesagt. Ich habe nur gesagt: "Es wäre schade, wenn wir absteigen und dann ein neues Stadion hätten." Zur Frage 2: Über einen Notfallplan wird sich konkret Gedanken gemacht. Aber wir haben uns als Deadline den 31. Januar gegeben. Dann ist definitiv klar, was geht und was nicht. Ich bin nach vier Wochen Amtszeit jetzt noch nicht so en detail drin. Das will ich aber nicht als Unkenntnis verstanden wissen, ich habe aber eben noch nicht jedes einzelne Protokoll gelesen, das vielleicht von Relevanz ist. Ich bin aber über die aktuellen Entwicklungen absolut informiert.
ÜS: Was können Sie dann über die angebliche 40-Millionen-Offerte von Kölmels Sportwelt und die heute im Abendblatt genannte Liaison mit SportA sagen?
RK: Ich könnte zu beiden Angeboten was sagen. Ich sage aber nur so viel, dass bisher weder mit SportA, noch mit Kölmel ein Vertrag ausgehandelt worden ist, der bis auf die letzte Zeile fixiert worden ist. Es gibt Absichtserklärungen, aber es zählt nur das, was schwarz auf weiß niedergeschrieben ist. Und das ist heute nicht der Fall.
ÜS: Aber es ist schon eine Vorentscheidung gefallen?
RK: Auch nicht!
ÜS: Was das Abendblatt schreibt, stimmt also nicht?
RK: Die haben ja nur Fakten aufgeschrieben, geschickt formuliert und dann so geschrieben, als sei alles schon entschieden. Das trifft aber in keinster Weise zu.
ÜS: Einmal angenommen, beide Optionen würden so zur Debatte stehen, was wäre denn dann für den FC St. Pauli die bessere Alternative, wenn sich der FC jetzt entscheiden könnte?
RK: Meine persönliche Meinung dazu, die bislang nicht im Präsidium diskutiert wurde: Nur eine temporäre Vermarktung (Anm. D. Red.: Der Vertrag mit SportA wäre auf 10 bzw. 15 Jahre befristet, die Sportwelt will ein dauerhaftes Vermarktungsrecht) wäre richtig. Ich möchte mich nicht lebenslang an einen binden. Das wäre eindeutig ein Nachteil für diesen Verein. Aber, das kann ich Ihnen sagen, letztendlich wird der Vertrag unterzeichnet, auch in enger Zusammenarbeit mit dem Aufsichtsrat, der für den FC St. Pauli am besten ist.
ÜS: Der neue Aufsichtsrat (AR)-Vorsitzende, Peter Benckendorff, sagt, dass er kein Problem mit der ehemaligen AR-Vorsitzenden und dem jetzigen "einfachen" AR-Mitglied Tatjana Groeteke hätte und sogar froh darüber wäre, dass Sie mit ihrer Erfahrung dabei ist. Wie froh sind Sie, und was erwarten Sie vom aktuellen AR?
RK: Ich bin auch froh, dass Frau Groeteke dabei ist. Wie ich aus der Aktenlage ersehen kann, hat sie sich sehr akribisch und sehr fleissig in die neue Materie eingearbeitet. Sie ist mit Sicherheit zu einem kompetenten Gesprächspartner geworden. Der neue AR ist durchsetzt von wirtschaftlicher Kompetenz. Wenn man Leute wie Professor Kion, Fachmann im Steuerrecht, und Herrn Ellger, Mitglied der Bürgerschaft, in seinen Reihen hat, kann man sich nur glücklich schätzen. Ich will jetzt nicht alle namentlich erwähnen, aber das kann nur Gewinn bringend für den Verein sein. Wenn man sie denn aktiv am Geschehen beteiligt. Und das werden wir von Seiten des Präsidiums tun! Wir werden sie mit Arbeit eindecken.
ÜS: Also besser als vorher?
RK: Über "vorher" kann ich nicht reden.
ÜS: Reenald Koch steht also für offene Zusammenarbeit?
RK: Definitiv! Bei den Entscheidungen, die anstehen, bin ich schon ganz froh, dass ich da Leute habe, die sich da mit einbringen.
ÜS: Wieder ein anderes Thema: Stephan Beutel, Manager des Vereins, soll, so heißt es allenthalben, wohl bald nicht mehr dabei sein. Möchten Sie dazu was sagen?
RK: Ja, sehr gerne! Ich kann nur so viel sagen: Wenn ein Bereich im Verein gut funktioniert, neben der ausgezeichneten Jugendarbeit, wohlgemerkt, dann ist es der Bereich Lizenzspieler: Stephan Beutel, Willi Reimann, Didi Demuth und Joachim Philippkowski. Was da an Professionalität an den Tag gelegt wird, das ist absolut hervorragend. Das Präsidium überlegt darum, ob nicht die Verträge mit den Leuten vorzeitig verlängert werden, um hier mal ein Zeichen von Kontinuität zu setzen.
ÜS: Welche Rolle, glauben Sie, hat die Hamburger Tagespresse bei den zurück liegenden Konflikten zwischen Präsidium und AR gespielt?
RK: Hamburg ist die schönste Stadt Deutschlands und eine der schönsten Europas. Sie hat nur einen Nachteil: sie hat zu viele Tageszeitungen. Die müssen jeden Tag ihre Zeilen füllen. Man kann bestimmt in Freiburg oder Bremen etwas ruhiger arbeiten als hier. Durch die Menge der Publikationen ist allein schon gegeben, dass das eine oder andere nicht so wieder gegeben werden kann, wie es vielleicht hätte gebracht werden müssen.
ÜS: Sehr moderat und diplomatisch - aber das müssen Sie wohl jetzt so sagen. Die Medien haben das doch alles auch geschürt.
RK: Ja, selbstverständlich. Das habe ich doch damit gesagt.
ÜS: Wir möchten nun mal auf Ihre sportliche Vergangenheit kommen. Und wir möchten die gerne vergleichen mit dem, was heute ist. Was also war in den Teams, in denen Sie damals gespielt haben, anders im Vergleich zur jetzigen Mannschaft?
RK: Identifikation mit dem Verein.
ÜS: Gravierende Unterschiede?
RK: Eklatant! Heute gibt es im Profifußball keine Identifikation mehr mit dem Verein. Ich will nichts ausschließen und nicht schwarz-weiß malen, aber von 25 Spielern haben 23 keine Identifikation mehr. Ich will nicht alle über einen Kamm scheren, aber die meisten spielen da, wo sie am meisten Geld verdienen.
ÜS: Das beziehen Sie auch auf die ehemaligen eigenen Jugendspieler?
RK: Ja, das beziehe ich auch auf einige Jugendspieler, weil ich da schon einige entsprechende Erfahrungen gemacht habe.
ÜS: In der Mopo haben Sie gesagt, dass, im Zuge der Umstrukturierung des Vereins, bei der Ausgliederun des Profibereichs auch die Regionalligamannschaft, sowie die A-, B- und C-Jugend-Leistungsteams dazu gehören müssen. Zwei Fragen hierzu. Erstens: ist das nur Ihre private Meinung? Und zweitens: Muss dann nicht der Verein alles daran setzen, die Amateure in der jetzigen Liga zu halten?
RK: Das ist nicht meine private Meinung, sondern Fakt, wenn wir uns weiterhin mit dem Jugendbereich so auseinandersetzen wollen, wie in der Vergangenheit. Die Amateure in der 3. Liga zu halten, wäre natürlich wünschenswert, aber in der jetzigen angespannten finanziellen Situation nicht möglich. Ausserdem glaube ich, dass die Früchte, die wir durch Spieler aus der Oberliga ernten, größer sein würden, als in der eingleisigen 3. Liga. Die nämlich ist Profitum, und zwei Profiteams kann sich der Verein gar nicht leisten. Sollten wir mal wieder in der 1. Liga spielen, steht das alles wieder unter einem anderen Vorzeichen. Und die künftige Oberliga wird ohnehin auch sehr stark werden, so dass junge Spieler von dort sehr gut an die 1. Mannschaft heran geführt werden können. Persönliche Anmerkung: Gerade der Jugendbereich ist für mich eine Herzensangelegenheit. Ich bin ja auch ein Kind dieses Vereins, das einige Stationen hier durchlaufen hat. Und wenn ich mir die Bedingungen hier anschaue, dann stelle ich fest, dass wir höchsten Handlungsbedarf haben. Die Trainingsbedingungen sind hier katastrophal!
ÜS: Sind Sie mit der Arbeit der Marketing zufrieden?
RK: Um das genau beurteilen zu können, muss ich mich erst einmal mit der Marketing genau auseinander setzen. Dafür habe ich bisher nicht die Zeit gefunden.
ÜS: Noch einmal zurück zur JHV. Warum wollte Heinz Weisener Sie zunächst nicht offiziell und rechtzeitig zur JHV als Vize vorschlagen? Hatte er um eine Mehrheit gebangt?
RK: Ich glaube, so ist mein Kenntnisstand, er wollte erst mit dem damaligen AR einen Konsens erreichen in dieser Frage und mich erst dann vorschlagen.
ÜS: Er wollte also das Risiko vermeiden, dass der AR möglicherweise seinen Kandidaten ablehnt?
RK: Dem ist nichts hinzu zu fügen.
ÜS: Zitat Reenald Koch: "Ich traue mir zu, selbst Präsident zu werden." Wann, Herr Koch?
RK: Das Zitat ist richtig wiedergegeben. Ich kann mir durchaus vorstellen, einmal Präsident dieses Vereins zu sein. Aber das geschieht immer nur in Absprache mit Heinz Weisener. Wenn Heinz Weisener irgendwann mal meint, der Mann hat das Zeug dazu, und den schlage ich sehr gerne als meinen Nachfolger vor, dann stehe ich bereit.
ÜS: Wenn Herr Weisener das morgen sagen würde, würden Sie auch auf der Matte stehen?
RK: Ja, ich würde gerne das, was er aufgebaut hat, dann fort führen.
ÜS: Zum Schluss ein paar Stichworte, zu denen Sie bitte jeweils 1-2 Sätze sagen sollten. T-Shirt-Aktion.
RK: Von vielen missverstanden, andererseits aber auch eine völlig unnötige Aktion, die ich, wenn ich in der Verantwortung gewesen wäre, nicht erlaubt hätte.
ÜS: Florian Marten
RK: Ist persönlicher Berater der Privatperson Heinz Weisener. Ist nicht in einem offiziellen Amt des FC St. Pauli tätig.
ÜS: Was man nicht immer merkt. Nächstes Stichwort: Klein Kleckersdorf.
RK: War mal Werbeträger des FC St. Pauli zu der Zeit, als ich noch selbst gespielt habe.
ÜS: Gutes Gedächtnis, Herr Koch. Am 4.12.1982 prangte der Schriftzug der damaligen Gastronomiekette beim Spitzenspiel in der Oberliga Nord gegen den MTV (gab's damals also auch schon) Gifhorn erstmals auf der Brust der Kiezkicker. Stichwort: Babyface.
RK: Wurde ich vom Hamburger Abendblatt genannt, als die mich 18-jährig als Nachwuchshoffnung des FC St. Pauli vorstellten.
ÜS: Respekt, völlig korrekt. Nächstes Stichwort: Grob-Techniker.
RK: Hat man mich bezeichnen können, auf Grund der Position, die ich gespielt habe (Anm. d. Red.: Vorstopper).
ÜS: Fast. So hat Ihr damaliger Kapitän, Uwe Mackensen, Sie am 28.6.1984 in der BILD tituliert, als er dort die Mannschaft des FC St. Pauli vorstellte. Im übrigen meinte er noch: "Auf dem Platz der harte Vorstopper, hinterher föhnt er endlos seine blonde Haarpracht". Vorletztes Stichwort: Michael Schickel.
RK: Sportchef der Hamburger Morgenpost.
ÜS: Das ist richtig. Und sonst?
RK: Dass sein Herz mehr für Werder Bremen schlägt, als für den FC St. Pauli, ist, glaube ich, stadtbekannt.
ÜS: Visionen & Utopien.
RK: Ohne Visionen kann man nicht leben. Sie müssen umsetzbar sein und keine Tagträumereien. Und Tagträumereien würde ich gleich setzen mit dem Begriff "Utopien". Auf mich bezogen heißt das: realistisch zu sein und auch bodenständig und zu versuchen, dass Machbare auch umzusetzen.
ÜS: Wir haben fertig und bedanken uns für dieses Gespräch, Herr Koch.
ro + AV
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