Lufthansa-Flug 1910 von Hamburg nach München"Vereehrte Fluggäste, bitte anschnallen und das Rauchen einstellen. Schwimmwesten sind unter ihren Sitzen, Anleitung folgt. Damit sie sich bei unserem Flug nicht langweilen, haben wir für sie folgende Filme der Kinowelt AG im Angebot: Bitte wählen sie die Eins für DER ENGLISCHE PATIENT; die Zwei für GIERIG; die Drei für HE GOT GAME; oder die Vier für die St.PAULI-FAMILY. Vielen Dank für ihre Aufmerksamkeit, wir wünschen ihnen einen angenehmen Flug".Der FC St.Pauli als Filmhighlight kann wohl nicht so bald eintreten, wenn wir uns die letzten Spiele dieser G...Truppe nochmal vor die Augen führen wollen (mein Ego-Erhaltungstrieb sagt allerdings: Wollen wir nicht!).Dass aber Herr Dr. Michael Kölmel Chef von der Kinowelt Medien AG und der Sportwelt Beteiligungs Es gibt ja aber noch andere Vermarkter, die für den FC St.Pauli interessant sein können. Vier Kandidaten tummeln sich ganz oben in der Bundesliga-Szene, als da wären eben die Kinowelt Medien AG mit ihrer Tochterfirma, der Sportwelt Beteiligungs GmbH, SportA, der öffentlich-rechtliche Vermarkter von ARD und ZDF, sowie die ISPR (Unternehmen von Medienmogul Leo Kirch) und die UFA, die dem anderen Hamburger Verein wirtschaftlich unter die Arme greift. Wir hatten uns zum Ziel gesetzt, diese vier Vermarkter zu durchleuchten, um dann mit kleinen Interviews deren Positionen und unsere Fragen beantwortet zu bekommen. Da wir aber alles andere als hauptberuflich Journalisten sind, unser Geld mit anderen Beschäftigungen verdienen müssen, wurde die Zeit zum Schluß sehr knapp. Und so wollen wir, wenn es dann noch aktuell ist, in den nächsten ÜS-Ausgaben über die ISPR und UFA berichten. Der Weg ist das Ziel, und die SportA wollte unseren Fragenkatalog mit der Begründung nicht beantworten, dass sie sich "nicht in konkreten Verhandlungen mit dem FC St.Pauli befinden". Zudem gibt es selbst von der Firma kein Infomaterial, was uns zur Verfügung gestellt wurde. Im Internet war auch nichts zu finden. Nach vier Jahren auf dem Markt, etwas dürftig, oder? Wir haben trotzdem ein paar kleine Häppchen über die SportA herausgefunden, die Du sehr viel weiter unten lesen kannst, da das Interview mit der Sportwelt Beteiligungs GmbH (Tochterfirma der Kinowelt Medien AG) in Person mit dem Generalbevollmächtigten Herrn Neumann sehr ausführlich wurde. Kurzvorstellung Kinowelt Medien AGDie Kinowelt-Medien AG, gegründet 1984, ist auf die Unterhaltungs- und Medienbranche ausgerichtet, kauft Spielfilmrechte für "ausgewählte Premiumfilme" und ist dann für die Gesamtvermarktung dieser zuständig. Hierzu gehören der Film- und Videoverleih (St.Pauli im Kino!) auch in den eigenen Kinos, Pay- und Free-TV, und viele eigene Produktionen im DVD- und lnternet-Bereich. Die Kinowelt Medien AG will den europäischen Kinomarkt aufmischen und ist durch den Gang an die Börse zur Zeit bestens ausgestattet mit liquiden Mitteln. Der Jahresumsatz 1998 betrug 107,62 Mio Euro (Kurs 1,95583 - umrechnen müßt ihr schon selber) und wird sich aller Voraussicht nach noch weiter steigern. Nach einer Studie der BHF-Bank, die Aktienanleger zur Verfügung gestellt wird, soll der Unternehmenswert der Kinowelt Medien AG 2002 DM 2,65 Mrd. betragen. Die Nr. 1 im deutschen Independent-Verleihmarkt ist durch zahlreiche Unternehmens-Akquisitionen, wie z.B., die ATLAS AIR Film + Service Gmbh (Inflight Entertainment=Filmaus-strahlungen bei Flugreisen) und der RIALTO Filmverleih (drittgrößter unabhängiger Filmverleiher in der Schweiz), sind die ersten Schritte in das internationale Geschäft getan. Adresse Internet: www.kinowelt-medienag.de Sportwelt Beteiligungs GmbHDie Sportwelt Beteiligungs GmbH, mit Sitz in Düsseldorf, ging aus der Münchener Firma der Kölmel Brüder Soccer Holding hervor. Sie ist ein Tochterunternehmen der Kinowelt Medien AG und soll die Erfolgsserie im Kinomarkt nun im Sport- und Fußballgeschäft fortsetzen. Elf Vereine sind unter Vertrag, davon fünf Traditionsvereine aus der ehemaligen DDR (Union Berlin, FC Magdeburg, Dynamo Dresden, Sachsen Leipzig und Carl Zeiss Jena), die in der Regionalliga Nordost spielen. Größere Fische hat Kölmel mit Alemannia Aachen, Waldhof Mannheim, Rot-Weiß Essen, Fortuna Düsseldorf und Borussia Mönchengladbach an Land gezogen. Der SSV Ulm hat weitgehend die Eigenständigkeit behalten, auch wenn die Sportwelt Beteiligungs GmbH dort investiert. Verhandlungen mit weiteren Vereinen, wie Hannover 96 und St.Pauli, stehen bevor. Ca. 150 Mill. DM kann die Sportwelt anlegen, um, wie man munkelt, die "Kölmel-Liga" aufzubauen. Dafür werden pro Verein so zwischen 5 - 10 Mill. DM investiert, bei Stadionneubau natürlich mehr, die durch die Vermarktungsrechte, insbesondere TV-Übertragungsrechte, zurückfliessen sollen. Der Frankfurter Runschau (vom 16.10.99 Seite 13) liegt eine "Grundlagenvereinbarung" vor, in der bestimmt wird, eine Firma zu installieren, die dem Verein "sämtliche Vermarkt-ungsrechte und sonst kommerziell nutzbaren Rechte einbringt" - " auf Dauer" und "nicht kündbar". Dies wäre, die beim FC St.Pauli schon vorhandene Marketing GmbH.Das Grundmodell ist immer das gleiche: Kölmels Firma hält einen Anteil von über 70%. Eine ebenfalls neu zu gründende Spiel-betriebsgesellschaft (SBG) ist für den Lizenzspielbetrieb (Profis, den Jugend- und Amateurbereich, Trainer und Betreuer) zuständig. An der SBG wäre Kölmel mit unter 50% maßgeblich beteiligt, wie auch der Verein, der "zur Wahrung der Gemeinnützigkeit", aber nur noch die Einnahmen aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen erhält und mit 51% beteiligt sein muß (Auflage des DFB). Die SBG erhält Honorare, die zur Kostendeckung benötigt werden, die Einnahmen werden zur Zeit etwa 80% zu 20% für die SBG aufgeteilt. Bei den TV-Rechten aus UI-Cup und UEFA-Pokal sind es schon 30% für die Vermarktungsfirma, Tendenz steigend. Welche Rechte beim Verein, welche Anforderungen an die Spieler gestellt werden (Litfasssäule?), ist noch nicht sicher. Langsam wird auch der DFB aktiv, der aufgrund der sich schnell veränderten Situation im Vermarktungsgeschäft nur noch reagieren kann, und prüft die Vorgehensweise der Sportwelt Beteiligungs GmbH. So wird DFB-Ligadirektor Wilfried Straub im Kicker Nr. 87 vom 28.10.99 mit den Worten zitiert: "Er hat erhebliche Zweifel" ob Kölmels Vorgehen bei Vereinen, wie Aachen oder Ulm "nicht eine Umgehung der Statuten ist". Auch bei Alemannia Aachen ist man nach einer Anfangseuphorie skeptisch geworden. Schatzmeister Hans Bay, möglicher zukünftiger Präsident des Vereins, äußert sich zurückhaltend. Er spricht von einer "Mogelpackung", bei der dem Verein unterm Strich lediglich 3 Mill. Mark von den investierten 48 Mill. blieben. Dafür will Bay den Verein nicht "verkaufen". hogSportAEin weiterer Rechtevermarkter, der sich im Großkapital tümmeln will, die von den Öffentlich-Rechtlichen betriebene SportA, mit ihrem Geschäftsführer Michael Amsinck, war zu einer Zusammenarbeit in dieser Zeit noch nicht bereit. Die ersten Informationen zu ihrem Sponsoringpaket lesen sich aber recht vielversprechend. Nach einer Präsentation standen die Brauereien denn auch Schlange und wollten sich Vorrechte sichern. SportA will mit ihrem Projekt "Millenium-League" mit sechs Unternehmen, sechs Ligavereine bewirtschaften. Die Unternehmen werden sowohl Trikotsponsor und Bandenwerber, als auch Werbepartner bei den TV-Übertragungen und den Werbeblöcken dazwischen. So soll die Werbeflut eingedämmt werden, eine bessere Wiedererkennung der Werbemarke erreicht werden. Bis zu 20 Mill. können da zusammenkommen. Zur Zeit sind mit Hansa Rostock, dem 1. FC Kaiserslautern und dem MSV Duisburg drei von benötigten sechs Bundesligamannschaften unter Vertrag. Über SportA läuft der gesamte Sporteinkauf für ARD und ZDF, größere internationale sportliche Events werden dann über die Europäische Rundfunk-Union (EBU) eingekauft. Mit Fußball allein wird also noch kein Geld eingefahren, so mahnte die EU-Wettbewerbsbehörde dann auch an, dass die Finanzierung andere Anbieter nicht benachteiligen dürfe. "Staatliche Sender müßten Sportübertragungsrechte daher genau wie die private Konkurrenz über Werbeeinnahmen finanzieren".Was die Medienpräsenz angeht, ist die Ufa schon etwas weiter. Wir erinnern uns an die Auftritte des HSV, wo alle Spiele im UI-Cup im Fernsehen gezeigt wurden, die vom MSV Duisburg (SportA) jedoch nicht, aber aller Anfang ist schwer. hog |
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