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Zum nunmehr vierten Mal in diesem Jahr treffen sich am 10.11.1999 die Mitglieder des FC St.Pauli zu einer Versammlung. Das mag ja langsam langweilig werden, mögen manche denken, aber nach den Vorfällen der letzten Wochen, nach den Debatten um neue Vermarkter, den fortlaufenden Streitereien zwischen Präsidium und Aufsichtsrat, nach finanziellem Chaos, noch immer nicht gebautem Stadion oder terminierten Baubeginn, wird es nun wohl mal wieder richtig ernst. Und vor allem ist dies eine reguläre JHV, also mit allen Schikanen, inkl. Aussprache, Wahlen und Bericht der Kassenprüfer.
Über 500 neue Mitglieder sind nach der von der AGiM initiierten und derzeit scheinbar mal wieder verschlafenen Mitgliederkampagne seit dem Sommer neu eingetreten. Auch unter euch ÜS-LeserInnen werden sicher einige dabei sein, für die es die erste JHV ist, und wir können euch sagen, es wird lustig. Doch der Reihe nach, denn der Verein und das Präsidium, oder wer auch immer das entscheidet, ist, sich für kein Fettnäpfchen zu blöde und fand in den letzten Wochen gleich mehrere. 1. Die Terminwahl Normalerweise hat laut Satzung die Mitgliederversammlung im Oktober stattzufinden. Inwieweit eine Verschiebung in den November überhaupt rechtens ist, kann hier nicht beurteilt werden. Fakt aber ist wohl, daß einen hier mal wieder das Gefühl der Zeitschinderei befällt und das Präsidium die Zeit brauchte, um sich ausreichend vorzubereiten. Nun, wenn Fakten geliefert werden (Stadion, Vermarkter), soll das auch o.k. sein. Nicht o.k. ist aber, daß der Termin einer der vielleicht wichtigsten Versammlungen unter der Woche liegt. Für auswärtige Mitglieder fast unmöglich, für die Arbeitnehmer und damit fast alle ein Skandal. Denn bei der Fülle des Programms, ist nicht zu erwarten, daß man an einem Abend durckkommt und so wird wieder eine Teilung der JHV zu erwarten sein. Folge: Neue Saalmiete, neue Portokosten usw. Nun, wer sich's leisten kann. Bleibt die Frage, warum sich nicht gleich frühzeitig um einen Wochenendtermin gekümmert wurde. Nachfragen bitte an die Hansastr. richten. 2. Die Tagesordnung Um eines vorweg zu nehmen. Beim derzeitigen Stand der Tagesordnung braucht nur ein Mitglied am Tage nach der Versammlung zu klagen und alle getroffenen Entscheidungen sind null und nichtig. Wir wissen nicht, für wie dämlich eigentlich die Mitglieder des FC St.Pauli gehalten werden, aber anscheinend für ziemlich, wenn man sich das Papier betrachtet. Während die Berichte von Präsidium und Aufsichtsrat noch normal auf den Plätzen 3 und 4 direkt nach Eröffnung und Protokoll der letzten Sitzungen liegen, folgt auf einmal auf Position 6 die Wahl des Aufsichtsrates. Sehr schön, umfangreiche Programmpunkte sollten weit vorne liegen, das ist nicht blöde. Problematisch ist jedoch, daß man leider folgendes vergessen hat: Wo ist der Bericht der Kassenprüfer? Siehe da, er folgt auf Position 9, direkt vor den Aussprachen zu den Berichten (welche für den AR dann natürlich belanglos ist, da inzwischen neu gewählt wurde. Überaus sinnvoll) und der Entlastung des Präsidiums auf Position 11. Nun reicht aber ein Blick in die Satzung des FC St.Pauli, um folgendes zu lesen: Auf Seite 7 steht unter § 9 Aufsichtsrat als letzter Satz: "Der Aufsichtsrat schlägt der Mitgliederversammlung die Entlastung des Vorstandes vor". Dies ist absolut normal und sinnvoll. Nicht sinnvoll ist jedoch, daß zum Zeitpunkt der möglichen Entlastung der Aufsichtsrat, der für das abgelaufene Geschäftsjahr bestellt war, nicht mehr existiert. Dementsprechend kann er auch nicht das Präsidium zur Entlastung vorschlagen. Noch Fragen? Wir nicht. Ein derartig blinder Satzungsverstoß, der nur eines zum Ziel haben kann, nämlich schnellstens den AR loszuwerden, ist wohl in noch keinem Verein vorgekommen. Planlos, dummdreist und blind, was anderes fällt uns dazu nicht ein. Eine Tagesordnung, die wohl einmalig in der Vereinsgeschichte der BRD sein wird. Auch dazu ist der FC St.Pauli fähig. Und wenn sich nicht noch schnell etwas ändert bis zum 10.11. wird die Versammlung wie folgt beginnen: Der Versammlungsleiter fragt, ob es Einwände gegen die Tagesordnung gibt, eine Meng Finger werden sich erheben und wir haben den ersten Eklat und eine schöne Diskussion inmitten der gierigen Medien. Was soll das? Muß man sich wirklich so bloßstellen in der Öffentlichkeit? Wir werden sehen und hoffen auf die Einsicht eines dummen Fehlers und die fristgerechte Korrektur. 3. Wahlen Über die Wahl zum AR braucht wohl nicht mehr viel geschrieben zu werden. Das wird die Presse noch ausführlich tun. Fakt ist wohl, daß das Präsidium den derzeitigen AR nicht mehr haben will, adäquate Gegenkandidaten aber auch nicht gefunden hat. Wir glauben, daß Kritik am AR jederzeit gut und berechtigt ist, er seiner Hauptfunktion jedoch gut nachgekommen ist: Kontrollieren. Nicht mehr und nicht weniger. Vieles, was in den letzten Monaten an Kritik über den AR zu lesen war, implizierte immer die Forderung nach aktiver Politik. Dies ist aber nicht seine Aufgabe und wer dies nicht glaubt, der schaue bitte in die Satzung. Alles weitere zum derzeitigen AR lest bitte an anderer Stelle in diesem Heft. Und die anderen Kandidaten könnt ihr euch am 8.11. um 19.30 Uhr im Clubheim bei der Vorstellung ansehen. Nur eines: Der absolute Knaller, so von wegen großer finanzieller Background oder großer Name ist nicht dabei. Macht euch selber ein Bild und laßt euch nicht von der Presse etwas einreden. Die Berichte der Gremien erfolgen ohnehin erst am Abend der Versammlung. Die AgiM hat sich für ihre drei Kandidaten wiederum entschieden und dies auch öffentlich gemacht, der ÜS enthält sich hier. Was den neuen Vizepräsidenten angeht, sollten wir wohl froh sein, daß es überhaupt jemand macht. Aber nach den Enttäuschungen der letzten Jahre muß man auch die Kandidatur von Ex-Spieler Reenald Koch (nicht zu verwechseln mit Stadionarchitekt Reinhard Kock) mit Vorsicht genießen. Nach der Ablehnung durch die AgiM und seine beleidigenden Äußerungen gegen den AR in der Presse (Wieder mal die Frage: Was soll das?) ist die Wahl auf jeden Fall kein Selbstgänger und ein paar kritische Fragen sollten erlaubt sein. 4. Bericht der Kassenprüfer Ein sehr entscheidener Moment wird der Kassenbericht sein, der uns hoffentlich einmal ein bißchen mehr Einsicht in das Finanzgebaren unseres Vereins geben wird. In den letzten Jahren war die Bilanz nicht nur schlecht, sondern vor allem schlecht erläutert. Als Mitglieder können wir volle Aufklärung verlangen und beim Stellenwert der derzeitigen Prüfer Uhlig und Münster dürfen wir dies wohl auch erwarten. Der Schuldenstand des Vereins bleibt weiter dramatisch und leider müssen wir das Gefühl haben, daß an einigen Stellen ein wenig fahrlässig gewirtschaftet wird. So muß dieser Bericht mit Spannung erwartet werden und ist zentraler Aspekt des Abends. 5. Umstrukturierungen und Aussicht Insgesamt ist sich niemand so richtig sicher, was an diesem Abend passieren wird. Gibt es das braun-weiße Kaninchen mit Namen Vermarkter und Stadion, werden wir weiterhin nur vertröstet oder werden die bestehenden Gräben sich schließen oder gar explodieren. Alles ist möglich. Wir gehen davon aus, daß es eine zweigeteilte Versammlung geben wird und vielleicht auf einer außerordentlichen HV dann die Umstrukturierung beschlossen werden soll. Nur der Informationsstand ist wie immer fast Null. Und das ist wahrlich nicht gut. Auf dieser JHV müssen unbedingt Fakten her, ansonsten werden wir diese Saison als die vorerst letzte im bezahlten Fußball erleben. Und Fakten muß der Präsident liefern. Unumstritten ist er schon längst nicht mehr, es liegt an ihm, daß Vertrauen zurückzugewinnen. Mit Versprechungen wird er dies nicht erreichen, mit Diffamierungen a la Marten auch nicht und erst recht nicht mit Tagesordnungen wie oben beschrieben. Zu allen weiteren Dingen lest die Artikel in diesem Heft. Und tut das richtige. Es geht um die Zukunft des Vereins und da kann ein Schritt zurück vielleicht sogar mehr wert sein als blindes Vertrauen. Denn noch immer gelten folgende Dinge: Kein Stadion, kein Geld, schlechtester Marketing-Vertrag der Ligen, hohe Verschuldung und keine Optionen. Hoffen wir, daß wir welche erhalten werden. Viel Spaß am 10.11. wünscht der ÜS. Die Redaktion |
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