Wir holen jeden Titel
Heute "Arroganter als der FC Bayern"

Wenige Tage nach dem grandiosen Rosenheimer Pokalkick, brachte ein Redaktionsmitglied einen Artikel aus dem Oberbayerischem Volksblatt mit, der wenig Gutes über unsere Helden beinhaltete. So seien die Spieler und Verantwortlichen hochnäsig und arrogant in der Bayerischen Kleinstadt aufgetreten, hätten sich als wenig Publikums- und Pressekompatibel verkauft. Um etwas Klarheit in die Sache zu bringen, hier also die Aussagen der einzelnen Parteien:

Der Autor beschrieb das Auftreten der Funktionäre als äußerst arrogant. Stephan Beutel habe das genaue Video-Programm für die 20minütige Busfahrt vorgegeben und sich beschwert, daß kein Champagner an Bord des Luxus-Busses sei - hieß es zumindest in dem besagten Artikel. Und weiter: Bei der Abrechnung der Fahrtkosten wolle der FC die Rosenheimer über den Tisch ziehen. Und das nach einem solchen Verhalten: "Die St. Pauli-Spieler wissen anscheinend nicht, wie ein Mülleimer aussieht", so der Autor über das Verhalten in der Rosenheimer Umkleide. Vor selbiger soll es bereits Stunden vor dem Spiel zu Streitigkeiten zwischen Beutel und seinem Rosenheimer Pendant Klinger gekommen sein. "Der hat den Herrn Klinger angemacht, daß im Gang endlich Ruhe herrschen müsse, seine Spieler könnten sich sonst nicht konzentrieren", so der Verfasser des Artikels weiter. Dabei sei dies doch der einzige Weg für die Zuschauer, um ins Clubheim zu gelangen, wie es eben bei vielen kleinen Mannschaften so ist. Und der Journalist hatte immer noch einige Vorwürfe parat: "Der Abteilungsleiter von Rosenheim (Herr Klinger) ist am Abend vor dem Spiel ins Hotel gefahren, um die Gäste persönlich zu begrüßen. Doch nachdem er von Reimann und Co. nur ignoriert wurde, ist er dann wieder nach Hause gefahren". Ebenso dezent ignorieren habe Reimann die anwesenden Medienvertreter wollen: "Der Herr Reimann wollte sich nach dem Spiel weigern, auf die Pressekonferenz zu kommen, weil da ja eh kein Mensch sei", so der Journalist. Und weiter: "Wir hatten bei uns den FC Bayern zu Gast, die waren wesentlich publikumsfreundlicher und keine Spur arrogant - aber St. Pauli...". Damit meinte er allerdings nur die Funktionäre: "Die Spieler und Fans haben sich als sehr sympathisch erwiesen", so der Autor.

Huijuijui - arroganter als die Bayern. Ist ja eigentlich auch mal ein ganz schöner Titel, wenn diese schon sportlich in weiter Ferne sind, holen wir eben solche. Aber im Ernst: Wir waren doch recht erschüttert über die Schwere der Vorwürfe und ließen für Euch die Drähte heißglühen, eine endgültige Wahrheit konnten wir allerdings nicht herausfinden.

Der Abteilungsleiter Klinger nahm in einem Gespräch mit dem ÜS einige Vorwürfe wie den Champagner und die Video-Cassetten zurück. Allerdings bestätigte er uns gegenüber das arrogante Auftreten der Funktionäre, insbesondere das des Herrn Willi Reimann. Und auch sein Vergleich spielte in Richtung Säbener Straße. "Die Bayern haben sich hier besser verkauft", konnte sich Klinger nicht verkneifen. Ebenso bestätigte er, daß Reimann "offensichtlich keine Lust auf die Pressekonferenz hatte".

Soweit der Stand des Südens. Im Norden erwischten wir unseren Leiter der Lizenspielerabteilung auf dem Weg nach Berlin am Telefon. "Die Vorwürfe, die in diesem Artikel gegen den FC St. Pauli erhoben wurden, sind völlig aus der Luft gegriffen", so Beutel. Dieses habe ihm der Kollege Klinger auch schriftlich mitgeteilt: "Mit einem Entschuldigungsfax an mich", stellt Beutel richtig. Also wie jetzt: Halb Bayern ist sauer ob des arroganten Auftretens und der am stärksten betroffene Herr Klinger entschuldigt sich noch beim FC. Da kommen wir nicht mehr so ganz mit. Nur soviel. Stephan Beutel bot uns an, dieses Schreiben einzusehen - dieses Angebot werden wir gerne annehmen und Euch in der nächsten Ausgabe Bericht erstatten, inwieweit Klinger die Vorwürfe entkräftet hat. Eine Sache steht aber trotz allem fest: Trainer Willi Reimann weigerte sich anfangs mit den Worten "Da kommt eh keiner hin", auf die Pressekonferenz zu gehen. Bei Medienvertretern, wie dem Bayrischen Fernsehen und -Rundfunk, sowie einem Dutzend schreibenden Journalisten eine nicht gerade PR-reife Aktion. Wer solche Auftritte abliefert, solle doch bitte nicht die Arbeit anderer Gremien als vereinsschädigend bezeichnen.

Die Red.

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