Bagger im Jahre 2003?

Virtuell ist es eine Augenweide. Auch im Diaprojektor und auf Fotos sieht es toll aus. Das neue Stadion des FC St. Pauli könnte ein Schmuckstück werden, wenn denn mal ein Bagger vorfährt und anfängt die historische Erde umzugraben. Doch leider ist in dieser Richtung bis jetzt wenig passiert. Sicher, die ÜS-Redaktion könnte sich einen Bagger mieten und selbst schon mal ein bißchen buddeln, doch für Bauvorhaben benötigt man Geld und vor allem eine Baugenehmigung. Beides hat der ÜS nicht. Daher überlassen wir es dem Präsidium, auf große Worte Taten folgen zu lassen. Doch leider fehlen auch hier beide Zutaten eines Stadionneubaus. Über das Finanzielle wurde schon viel geschrieben und gemutmaßt. Was ist aber mit der behördlichen Seite und damit der Baugenehmigung? Im folgenden versuchen wir, euch den aktuellen Stand des Baugenehmigungsverfahrens zu erläutern.

Zuständig für die Erteilung einer Baugenehmigung ist der Bezirk Mitte. Im Bauausschuß Mitte wird seit dem Antrag auf Neubau des neuen Stadions vom 10.09.97 debattiert. Hier liegen die Entscheidungskompetenzen für die Erteilung einer Baugenehmigung. Leider ist diese bis heute nicht erteilt worden. Es liegt zwar eine Abrißgenehmigung des alten Stadions vor, doch wird im Bauausschuß Mitte immer noch über die genauen Aspekte eines Stadionneubaus verhandelt. Würde in dem neuen Stadion nur Fußball gespielt, wäre die Sache wohl schon länger vom Tisch, doch im neuen Stadion sollen auch sog. Großveranstaltungen, also Konzerte, Musicals und ähnliches stattfinden, um so Erträge zu erwirtschaften, die dem FC St. Pauli zugute kommen. Dies macht die Lage ein wenig verzwickter.

Im Rahmen der vom Bezirk geforderten Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) wurde von Florian Marten (Kommunikationsbeauftragter des Präsidiums und manchmal auch Tante Hermine) auch ein Verkehrskonzept entwickelt, welches sich mit einer erhöhten Besucheranzahl bei Heimspielen und den Sonderveranstaltungen befasst. In ihm werden zu mietende Parkplatzflächen, weitere neue 165 Parkplätze unterhalb des Stadions, Kombi-Ticket mit dem HVV und Fahrradstellplätze vorgeschlagen, um die gesetzlichen Auflagen bei einer Aufstockung des Sitzplatzkontigents zu erfüllen. Der Bezirk Mitte stimmte diesen Konzept zu, hat jedoch, mit dem Wissen, daß Florian Marten dem FC eng verbunden ist (inzwischen sogar als ordentliches Mitglied), ein weiteres Gutachten in Auftrag gegeben. Dieses Gutachten gibt Marten in Bezug auf die Heimspiele recht, widerspricht ihm jedoch, daß die 165 neuen Parkplätze ausreichen, um den Besucherandrang bei den Sonderveranstaltungen aufzufangen. Vielmehr werde mit einem erhöhten Verkehrsaufkommen zu rechnen sein, da viele dieser Besucher von außerhalb kommen würden. Und genau in diesem Punkt stockt momentan das Baugenehmigungsverfahren. Der Bezirk Mitte fordert vom FC St. Pauli zusätzliche Stellplätze für die Sonderveranstaltungen. Gesetzlich würde dies nicht 165, die der FC ja bauen will, sondern 825 Plätze bedeuten.

Diese Zahl ergibt sich aus der Aufstockung des Stadions auf 36.000 Plätze. Aus den 60iger Jahren liegt eine Genehmigung für 28.000 Besuchern vor. Die Differenz zum beantragten Neubau beträgt also 8.000 Plätze. In den Richtlinien ist festgehalten, daß pro 10 Besuchern ca. 1 Stellplatz vorhanden sein muß. Also die o.g. Zahl. Wenn der Bezirk Mitte sich also querstellen würde, müßte der FC St. Pauli ein Parkhaus mit dieser Kapazität bauen. Der Turm am Flughafen Fuhlsbüttel hat ungefähr diese Kapazität und kostete 30 Mio. DM. Für den FC St. Pauli also eine unglaubliche Mehrbelastung, die wohl jeden Gedanken an ein neues Stadion zerstören würden. Der Bezirk Mitte befürwortet jedoch den Stadionneubau und will mit den FC einen Kompromiß erreichen. Dies könnte so aussehen, daß Sonderveranstaltungen nur dann stattfinden, wenn kein Dom stattfindet. Auf diese Weise könnte der FC die "Conti"- Stellplätze mieten, genauso wie die Domgarage beim Michel. Desweiteren könnte man sich überlegen ein Parksystem einzuführen, bei dem der Besucher einer Sonderveranstaltung gleichzeitig beim Ticketkauf, auch einen Parkplatz mietet. Wie dem auch sei! Es kommen wohl weiter Mehrkosten auf den FC zu. Momentan wird im Bezirk Mitte an einem Vertrag gearbeitet, der die Problematik der Stellplätze schriftlich aus dem Weg räumen will. Der FC müßte diesem zustimmen, um darauf folgend die Baugenehmigung zu erhalten, oder aber in weitere Verhandlungen treten, was eine Verzögerung der Baugenehmigung bedeutet. Der Bezirk Mitte könnte frühestens im Oktober, sonst wohl eher im Winter, einen Vertrag vorlegen. Es ist, auch wenn der FC diesem zustimmt, ziemlich eng, daß eine Baugennehmigung schon zum Winter erteilt wird. Um es deutlich zu sagen, der Bezirk müßte schon im Oktober etwas vorlegen und der FC müßte dieses annehmen, damit überhaupt die Option besteht im Winter mit dem Bau anzufangen. Tja, dumm gelaufen, aber wir sollten uns darauf gefaßt machen, daß es erst im nächsten Jahr eine Baugenehmigung geben wird. Aber wie schön, daß eine erteilte Baugenehmigung 3 Jahre Gültigkeit besitzt. Wir sehen uns im Jahre 2003. Wer sich ein genaueres Bild über die behördliche Seite machen will, gehe bitte am 19.08. um 17.00h zu dem öffentlcihen Teil der Sitzung des Bauausschusses Mitte, welcher sich an diesem Tag ausschließlich mit dem Stadionbau des FC St. Pauli befasst. Cityhof B, Türme gegenüber der Markthalle!!

Frechdax

Copyright by Übersteiger

zurück Titelseite dieser Ausgabe weiter