Players Corner
heute mit:

Heute mit Tim Gutberlet und Toto Chmielewski

Tim: So, wir sitzen hier im herrlichen Sonnenschein, und fangen an, ein bißchen über Pauli zu reden.
Toto: Ja, ich gehe schweren Herzens (kicher), muß ich feststellen.
Tim: Wieso?
Toto: Mehr kann ich dazu noch nicht sagen. Ich habe meine Gedanken noch nicht geordnet.
Tim: Wenn Du Dein Haus verkauft hast...
Toto: Ich habe doch gar kein Haus!
Tim: Was Du gemietet hast; man munkelt, Du hättest doch so viel verdient bei St. Pauli
Toto: Wahrscheinlich (allgemeines Gelächter). In Lire umgerechnet.
Tim: Gehst jetzt ins Schwabenländle?
Toto: Ja. Und Du gehst auch schweren Herzens, habe ich gehört?
Tim: (zustimmendes) Hmmm. War ein langer Prozeß. Ich frage mich immer noch, warum ich überhaupt hierhin gekommen bin.
Toto: Du sollst das Spiel doch machen! (Gelächter)
Tim: Mich läßt ja keiner! - Als Regisseur oder was?
Toto: Wie geht's jetzt weiter mit Dir?
Tim: Mit mir, das weiß ich noch nicht. Das steht noch in den Sternen. Nach dem Jahr brauche ich erst mal viel Zeit zum Nachdenken.
Toto: Unglaublich. (Pause)
Tim: Ich konnte das Spiel nicht machen, weil ich keinen hatte, der mir mal den Rücken frei gehalten hat!
Toto: Wen meinst Du jetzt speziell? (Anmerkung ÜS: Spielernamen werden hier nicht erwähnt!!!)
Tim: Das ganze Publikum hat sich beschwert, daß Du immer soviel nach vorne gehst!
Toto: Ja, das habe ich auch schon gemerkt. Ich sollte 'ne Umschulung als Stürmer machen, bei meiner Torquote.
Tim: Ja, komm', wir haben auch mal in Bielefeld zusammen gespielt, da warst Du ja Torschützenkönig.
Toto: Ja gut, wollt Ihr jetzt Werbung machen für mich? Hätte ich das mal erwähnt: "Torjägerkrone". Da sind noch Bubu und Wolli, das Bierchen nach'm Auslaufen. Angeboten haben sie's uns immer, aber angenommen haben wir's natürlich nicht.
Tim: Natürlich nicht. Das sind schon so Gründe. Da macht man sich Gedanken, ob die Entscheidung richtig war.
Tim: Ja, ich mein, man hat so einige Vorstellungen, bevor man hier zu St. Pauli kommt. Der etwas andere Verein mit dem Mythos und so. Da muß ich sagen, hundertprozentig da reingetroffen haben eindeutig Wolli und Bubu.
Toto: Ja, aber im Positiven. Jetzt nicht ironisch gemeint.
Tim: Die haben das erfüllt, was man erwartet, mit dem anderen Verein. Sagen wir mal so, daß wird in der Öffentlichkeit ein bißchen anders dargestellt. Aber wir haben ja einige in der Truppe, die schon länger hier sind, die sagen, früher wäre das alles noch töfte gewesen.
Toto: Früher war alles besser.
Tim: Ja, früher war alles besser! Wie alt sind wir jetzt?
Toto: Ich bin siebenundfünfzig. (Pause)
Tim: Auf jeden Fall haben wir einiges erlebt. Drei Trainer, vier Vizepräsidenten etc. Was hier in dem Jahr los war...
Toto: Ich habe vier Trainer erlebt, aber ich bin ja ein Jahr länger hier. Ja, vier Trainer und ich glaube, fünfzehn Offizielle im Vorstand (lacht), das spricht auch Bände in den knapp zwei Jahren.
Tim: Ich hoffe, daß ich mir die alle noch merken kann und alle noch wiedererkenne.
Toto: Ein bißchen mehr Ruhe im Verein, das ist jetzt ein ernstes Anliegen, hätte ich mir schon gewünscht!
Tim: Da kannst Du froh sein, daß Du nicht abgestiegen bist. Darauf kannst und mußt Du aufbauen. Also, das, was in dem Jahr, wo ich hier war, abgelaufen ist, werde ich so schnell nicht vergessen.
Toto: Was ich gut finde, sind die Trainingsbedingungen. Es ist jetzt professioneller geworden, nämlich daß wir jetzt vor dem Heimspiel ins Hotel gehen, aber einen Tag vorher leider keinen Trainingsplatz haben (Gelächter). Hoffentlich wird das nicht zum Bumerang.
Tim: Ja, da ist jetzt ein Auto, das jetzt nebenan gerade angeht, war auf jeden Fall ein interessanter Club. Es hat sich auf jeden Fall gelohnt, den mal kennenzulernen. Aber ich kann wirklich allen Fans empfehlen, nicht die Spieler zu fragen, was in der Mannschaft los ist, weil die meisten Spieler erfahren es meist auch aus der Zeitung.
Toto: Ja, ein ganz wichtiger Aspekt. Da muß sich auch einiges ändern. Wenn Du hier nicht jeden Tag Zeitung liest, weißt Du gar nicht, was los ist. Wann Training ist, wo Training ist. Ein bißchen unglücklich.
Tim: Mittlerweile habe ich das aber mit den Trainingszeiten kapiert.
Toto: Ja, weil Du jeden Tag Zeitung liest?
Tim: Ich rede jeden abend mit dem Co-Trainer.
Toto: Keine Werbung für die B-Zeiung machen oder die M-Post.
Tim: Und was sagst du zu den Fans hier?
Toto: Ja, in Reutlingen haben wir ja nicht so viele. Ich glaube, 1.200 so im Schnitt. Ja, also die Fans werde ich in jedem Fall vermissen, weil, die trinken auch mal ein Bier, wenn sie keinen Durst haben. Eine gute Mentalität, die werde ich auf jeden Fall vermissen! Und natürlich die Atmosphäre am Millerntor. Jetzt bin ich ja demnächst in Kreuzeiche in Reutlingen.
Tim: Kreuzeiche ist ja fast so bekannt wie's Millerntor.
Toto: Ja, so ungefähr. Ich bin mal gespannt, wie ich die Ruhe dort verkrafte! Im gesamten Umfeld, von der Stadt, von der Umgebung. Da ist es wohl ein bißchen ruhiger als in Hamburg.
Tim: Ja, den Fans kann man das in jedem Fall wünschen, daß das hier wieder aufwärts geht. Obwohl, das hier auch eine Atmosphäre ist, den Club kriegste nie tot, auch das ganze Drama mit dem Präsidium.
Toto: Zwei große Ereignisse hatte ich in diesem Jahr noch. Einmal die Zugfahrt mit den Fans nach'm Pokalspiel in Meppen. Waren wenig betrunken im Zug, muß ich sagen.
Tim: Zur Überraschung aller.
Toto: Es war diszipliniert und es wurde wenig gefeiert in dem Zug. Obwohl es ja vorher bei dem Spiel ein bißchen Theater gab. Aber ich finde, das ist auch das Positive. Der Zug rollt, und wenn Getränke verteilt werden, sehen die Jungs (und Mädels, bitte, d.T.) nicht mehr ganz so tragisch.
Tim: Und einen Titel haben wir geholt, Toto!
Toto: Ja, ich weiß wo Du hinsteuerst!
Tim: Ratsherrn-Cup-Sieger
Toto: Nur, weil der Tim das entscheidende Tor im Endspiel gemacht hat.
Tim: Deswegen mußte ich darauf hinweisen.
Toto: Ja! Das ist Dir auch gelungen!
Tim: Nein, wir haben wirklich den Ratsherrn-Cup geholt, und ich kenn' da jemanden, der das entscheidende Tor gemacht hat. Das sollte man mal erwähnt haben. (Gelächter) Daß man auch mal eine positive Schlagzeile bekommt. Zum Abschied noch eine positive Schlagzeile: Positiv: Tim Gutberlet holt Ratsherrn-Cup mit St. Pauli. Und wenn ich in meiner Zukunft eins noch lernen muß, dann ist es so, mich so zu verhalten wie Toto, daß ich immer dabei und, schön immer im Hintergrund bin und nie Theater habe.
Toto: Immer dabei, nie erkannt oder verkannt, äh, nee, erkannt.
Tim: Der kennt die Schleichwege, die ich noch lernen muß. Was ich nicht verstanden habe, Toto, wir haben sechs, sieben, oder acht Wochen Vorbereitung, arbeiten wie die Verrückten, und Du läßt Dir am ersten Spieltag die Rippen kaputttreten. Warum Du das gemacht hast, verstehe ich auch nicht.
Toto: Ich wollte mal gerne im Krankenhaus liegen. Das letzte Mal ist jetzt zehn Jahre her...
Tim: ...Du hast gehört, daß es in Stuttgart ein gutes Krankenhaus gibt.
Toto: Ja,ja. Und in der Ecke spiele ich ja demnächst. Vielleicht war das ja so ein bißchen mit Auge. Weil, da konnte ich in Ruhe verhandeln.
Tim: So fädelt man Geschäfte ein!
Toto: Vierzehn Tage war schon bitter, aber es gibt Schlimmeres.
Tim: Eines wollte ich noch sagen, wir sitzen hier bei strahlendem Sonnenschein. Das scheint kein typisches Hamburger Wetter zu sein, die ich die ersten Monate hier so miterlebt habe.
Toto: Das reimt sich sogar, und was sich reimt, ist gut! Werde doch mal Dichter!
Tim: Für DM 630,-!
Tim: Für DM 630,- brutto werde ich Schütteldichter!
Toto: Ich möchte noch mal sagen, kulturell wird St. Pauli mich vermissen, weil ich der einzige Hard'n Heavy in der Mannschaft bin. Musikalisch.
Tim: Ja, weil Du schon älteren Jahrgangs bist, in der heißen Phase.
Toto: Mit Led Zeppelin aufgewachsen.
Tim: Mit Dir konnten sich die Jungs auf der Tribüne mit der Musik identifizieren.
Toto: Vielleicht sportlich nicht unbedingt, aber mit der Musik.
Tim: Du hast doch Dein Soll voll erfüllt.
Toto: Ich red' hier ein bißchen Scheiße.
Tim: Das ist mir noch nie aufgefallen. St. Pauli ist schuld, daß ich so bin (recht so, d.T.). Das ist das Fazit von mir. Na gut, ich will nicht alles sein. Da merkt man ja, daß Du selbstkritisch bist. So muß der moderne Fußballspieler ja sein: Selbstkritisch.

In Hamburg sagt man "tschüß", wir beide aus dem Pott sagen "tüss"


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