FARE - Football Against Racism in Europe
Europaweite Fanorganisation gegen Rassismus gegründet

"Fußball ist der bedeutendste Sport der Welt und gehört uns allen. Jeder Mensch hat das unveräußerliche Recht der Teilnahme an diesem Sport, frei von jeglicher Diskriminierung". Mit diesen Worten beginnt die Erklärung, die am 2. Februar in Wien von Fanorganisationen aus 13 europäischen Ländern verabschiedet wurde. Dort hatte in den Tagen zuvor ein Seminar unter dem Motto "Networking Against Racism in European Football - NAREF" stattgefunden. Auf Einladung der Wiener Organisation FairPlay waren Fanorganisationen nach Östereich gekommen, um Erfahrungen und Informationen auszutauschen.

Ziel der Veranstaltung war es, die Frage zu klären, ob eine internationale Zusammenarbeit von Faninitiativen, antirassistischen Gruppen und Menschenrechtsorganisationen möglich ist. Dabei sollte versucht werden, ein Netzwerk aufzubauen, um die Arbeit in den verscheidenen Ländern, gerade auch im Hinblick auf die EURO 2000, besser zu koordinieren und somit auch effektiver gestalten zu können.

Aus Deutschland, waren neben dem Bündnis Aktiver Fußballfans (BAFF), Vertreter der Schalker Fan-Initiative, des deutsch-polnischen Fanclubs "Eurofighter" und des Fanprojekts Dortmund nach Wien gekommen.

Der erste Tag stand ganz im Zeichen des Kennenlernens und der theoretischen Auseinandersetzung mit dem Thema. Im Anschluß an diverse Vorträge hatten die anwesenden Organisationen die Möglichkeit, ihre Arbeit vorzustellen. Zahlenmäßig stark vertreten waren die Fangruppen aus England. Neben den Initiativen "Football Unites, Racism Divides" aus Sheffield, "Kick it out" aus London, "Show Racism the Red Card" aus Newcastle und der Football Supporters Association (FSA) waren auch die englische Spielergewerkschaft und der einzige farbige Schiedsrichter der Premier League anwesend. Bei den Gesprächen zeigte sich, daß die Initiativen in viel größerem Maße durch die Vereine und durch die Spieler unterstützt werden, als dies beispielsweise in Deutschland der Fall ist. Die Vertreter verfügten zudem über große Erfahrung auf dem Gebiet der Öffentlichkeitsarbeit und der Finanzmittelbeschaffung. Gleiches galt für die Vertreter der Organisationen aus Irland und Nordirland. Bedrückend wirkte hingegen der Beitrag des Vertreters von der "Never Again Association" aus Warschau. Er schilderte die zunehmenden Nazi-Aktivitäten in den polnischen Stadien, die mit einer sehr großen Gewaltbereitschaft in den Kurven verbunden sind. Einen völlig neuen Weg haben hingegen Fans in der Schweiz eingeschlagen. Dort wurde die Initiative "Gemeinsam gegen Rassismus" kurzerhand Hauptsponsor der Young Boys Bern. Trotzdem gebe es im Umfeld des Schweizer Fußballs derzeit mehr Nazis als zuvor. Aus Italien waren Vertreter verschiedener Ultra-Gruppen angereist, die über ihre Aktivitäten zur Verbesserung der Integration von Migranten und ihr Vorgehen gegen Rassismus berichteten. Zudem wurde ein Film über die Fan-WM in Montefiorino, an der ja auch eine St.Pauli-Fangruppe teilnahm (ÜS berichtete), gezeigt. Auch die Vertreter aus Belgien, den Niederlanden, Spanien, Tschechien und Österreich gaben einen Überblick über ihre Aktivitäten.

Der zweite Tag wurde dann in diversen Arbeitsgruppen verbracht, wobei das Problem der Finanzierung der einzelnen Projekte und eine größere Medienpräsenz die Hauptthemen waren.

Dann war es soweit, eine Organisation mit dem Namen "Football Against Racism in Europe" (FARE) wurde unter Teilnahme aller anwesenden Organisationen gegründet und ein Aktionsplan erarbeitet, der Pläne, Ziele und Forderungen formuliert.

Die Institutionen des Fußballs, insbesondere die UEFA, die EURO 2000 und die nationalen Fußballverbände wurden aufgefordert, anzuerkennen, daß Rassismus und andere Formen der Diskriminierung ein Problem im Fußball darstellen, ihre Verantwortung wahrzunehmen und die integrativen Möglichkeiten des Fußballs bestmöglich zu nutzen. Es muß ein Dialog und eine Partnerschaft aufgebaut werden mit allen Organisationen, die sich für den Kampf gegen Rassismus im Fußball einsetzen.

Im Hinblick auf die Europameisterschaft sollen 1% der Sponsoreinnahmen für die Umsetzung der FARE-Aktionen vor und während der EM bereitgestellt werden. Die nationalen Verbände sollten offene Foren einrichten, an denen ein breites Spektrum von Fangruppen und -projekten, Spielergewerkschaften und Sponsoren eingeladen werden. Außerdem wurden sämtliche Fußballverbände, sowie Sponsoren, die EU und öffentliche Behörden aufgefordert, finanzielle Unterstützung und Hilfeleistung für Projekte und Kampagnen im Kampf gegen den Rassismus bereitzustellen.

Um den Bekanntheitsgrad zu steigern und eine Verbesserung der Situation zu erreichen, plant FARE in der nächsten Zeit u.a. auf jegliche rassistische Vorfälle zu reagieren, die eigenen Ansichten öffentlich zu vertreten und gegen strukturelle Diskriminierung im Fußball anzukämpfen. Innerhalb der eigenen Organisationen soll die Einbeziehung von ethnischen Minderheiten und Migranten auf Basis von Gleichberechtigung gefördert werden.

Weiterhin soll eine umfassende Datenbank aller antirassistischer Fußballgruppen aufgebaut werden, ebenso wird es eine FARE-Website (momentan unter www.furd.org zu erreichen) und Mitteilungsblätter geben. Neben den jährlichen Fanturnieren, wie in Dublin und Montefiorino, sollen eine Streetkick-Tournee durch die EURO-Gastgeberstädte und mulitikulturelle Veranstaltungen während der EURO organisiert werden.

Nach den drei Tagen reisten die Teilnehmer zufrieden aus Wien ab. Die internationalen Kontakte können sich nur positiv auf die eigene Arbeit vor Ort auswirken, zudem zeigten sich die einzelnen Initiativen sehr engagiert, an diesem europaweiten Projekt mitzuarbeiten.
(Dieser Artikel stammt zum größten Teil aus COME BACK Nr.28, Küßchen)

thomas


Copyright by Übersteiger

zurück Titelseite dieser Ausgabe weiter