Es ist Sonnabend, der 15. Mai 1999. Der Wecker klingelt, ich quäle mich aus dem Bett. Die Zahnbürste verweigert jegliche Wirkung. Ich quäle mich wieder ins Bett. Der Wecker klingelt immer noch. Die Hoffnung, meine Restfahne mit der Zahnbürste zu bekämpfen, schwindet von Minute zu Minute, die ich unterhalb des Kopfkissens verbringe. Eine Selter muß her. Kühlschrank auf - oh Gott, es ist nur Bier da. Mein Bedarf nach Gerstensaft ist gedeckt. Wieso habe ich eigentlich noch meine Socken von gestern an? Wir haben ja noch Capri-Sonne. Und überhaupt, was war eigentlich gestern. Ach ja, Oberhausen plus Nachspiel. Jetzt fällt es mir wieder ein. Der Blick ins Portemonnaie spricht Bände. Und was war heute - ach ja, Aufstieg der Amateure. Also los, nur nicht schlappmachen, sonst kommst DU auf die "und dann fehlten da noch"-Liste. Am Stadion angekommen, schwenkt meine Lethargie in Euphorie um. Pansdorf verkackt in Elmshorn und wir hauen Pinneberg weg und dann Sekt statt Selters. Aber erstmal ein Alster. Dieses hat die Wirkung von drei Gramm Koks in einem Mocca - und siehe da, so langsam werde ich wach, realisiere, daß Pomos Hattrick zu einem 3:0 Pausenstand geführt hat. Pansdorf führt 1:0, noch ein Alster muß her. Wozu schleppe ich eigentlich so ein modernes Kommunikationsmittel an meinem Gürtel mit mir herum, sitzt doch Kollege Baich bei Raspo mit eben so einem Gerät. Anscheinend hatte auch dieser einen miesen Start in den Tag erwischt. Das Gespräch verlief ungefähr so: "Hallo, wie steht´s denn bei Euch". "Wieso ruft eigentlich dauernd einer bei mir an, das geht mir langsam echt auf die Eier". "Und wie steht´s nun bei Euch?" - "1:1 - klick". Nunja, inhaltlich hatte ich mein Ziel zumindest erreicht. Und die Szenen, die ich nach der Verbreitung des aufstiegs-ausreichenden Zwischenstandes in unserem Block anrichtete, ließen mich annehmen, daß ich persönlich gerade den Aufstieg geschafft hätte.
Als dann wenige Minuten später ein unbedeutender Zeugwart an der Seitenlinie hermumhopste, als seien seine Hämorrhoiden geplatzt, war
die Sache amtlich: Regionalliga wir kommen. Schon auf dem heiligen Rasen wurde mit Raupe und allem was dazugehört kräftig gefeiert. Und natürlich löste ich meine Versprechen an meinen Körper ein und organisierte, wie viele andere, einige Fläschchen Sekt, von dem die Hälfte in den Gesichtern der Spieler landete. Diese drehten ebenfalls tüchtig am Rad. Teilweise nur spärlich bekleidet, wahlweise in Polonaisenform oder in Ringelpiezen absolvierten Dröge und Co. einige Ehrenrunden durch das Clubheim. Der Höhepunkt war erreicht, als einige Spieler und Fans die Tribüne stürmten, um sich einen lautstarken Gesangswettstreit zu liefern. Support-Group, bitte übernehmen sie.
Für mich war dann auch irgendwann endgültig Feierabend, schließlich hatte ich noch eine Rechnung mit meiner Zahnbürste offen. So gegen 22.30 sackte ich dann vor´m Sport-Studio zusammen, was mal wieder deutlich für das Niveau von Steinbrecher und Co. spricht.
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