Players Corner
heute mit:
Carsten Wehlmann
Tja, liebe St. Paulianerinnen und St. Paulianer, da ich diesmal derjenige welche bin, der die "Player's Corner" zu beleben hat. sitze ich vor dem PC und überlege,was ich Euch erzählen kann.
Ich werde euch jetzt mal mit meiner Gefühlswelt von klein auf konfrontieren. "Das Herz von St.Pauli", es begann schon sehr früh in meinem Herzen zu schlagen, weil ich
Schon als Jugendlicher zum Training der St.Pauli-Profis gerannt bin, da ich nur drei Minuten vom Trainingsplatz entfernt wohnte.
So kam es also, daß ich auch zu den Heimspielen der und Ippig, Kocian, Wenzel, Duve, Ottens, Gronau, Zander, Trulsen, Golke und all den anderen zugejubelt und sie
angefeuert habe. (Zum Thema Anfeuern werde ich noch einmal kommen)
Es ist manchmal schon verwunderlich, wie alles im Leben so spielt, denn schon als 6-jähriger war es mein Traum und mein Ziel, Fußballprofi zu werden. Jetzt (1999) ist es so, und manchmal muß ich daran denken, wie es damals war, als ich noch auf der Tribüne gestanden habe.
Seit November 1995 bin ich nun selbst beim FC St. Pauli und habe in dieser Zeit schon eine ganze Menge mitbekommen, was Mannschaft, Profis, Amateure, Fans, Trainerwechsel, Stadionbau, Jahreshauptversammlungen usw. Angeht.
"Mein Herz von St. Pauli" fing dann richtig heftig an zu schlagen, als ich nach dem Probetraining erfahren habe, daß man mich verpflichten wollte. Es war ein kalter Freitag im November, da unterschrieb ich am Vormittag meinen ersten Vertrag, und saß am Abend zum ersten Mal auf der Bank beim Spiel gegen Fortuna Düsseldorf (da war U.M. noch Trainer beim FC St. Pauli). Es war so ca. die 68. Spielminute, da lag Klaus Thomforde am Boden und wurde behandelt, und ein Herr, der von den anderen Mitspielern nur K.P. gerufen wurde, sagte zu mir: "Hey, lauf dich mal lieber ein bißchen warm!". Ich dachte erst, der wird doch wohl nicht mich gemeint haben, oder ?! Da habe wohl nicht nur ich mein Herz schlagen hören!!! Naja, Klaus konnte weiterspielen und ich habe mich wieder auf die Bank gesetzt.
Dann kamen Dinge auf mich zu, wie FUXX-Party (dort habe ich dann Spieler gesehen, die ich nur aus dem Fernsehen kannte), Mannschaftsfahrt, Vorbereitung, etc.
Im Januar 1996 konnte ich dann auch zum ersten Mal zeigen, was ich denn so alles gelernt habe - ich habe die Hallenturniere spielen dürfen. Gewinn des Ratsherrn-Cups, da lief es mir doch schon eiskalt den Rücken herunter, wie wir da von den Fans gefeiert wurden. Nächster Höhepunkt: Hallenturnier in Berlin. Wir spielten gegen Werder Bremen, Gladbach und den großen FC Bayern München. Wir machten den 2. Platz hinter den Bayern nach Neunmeterschießen. Das sind für mich Erlebnisse gewesen, die ich wohl nie vergessen werde. Als dritter Torwart habe ich dann auch andere Zeiten miterlebt. Ich trainierte täglich mit den Profis (zumeist als Feldspieler) und habe bei den Amateuren die Punktspiele gespielt. Auch da war ich sehr beeindruckt von der Unterstützung der Fans, die zahlreich erschienen und die Mannschaft ständig nach vorne trieben (Da waren zum Teil bis zu 800 Zuschauer, die die Amateure auch jetzt noch verdient hätten. Leider finden sich aber nur bis zu maximal 450 Zuschauer an der Sternschanze ein - Schade!). Die Zeit bei den Amateuren war für mich eine sehr lehrreiche und schöne Zeit, allerdings auch verbunden mit bösen Niederlagen, die man auch erst einmal verdauen muß (Wer verliert schon gerne 0:7 in Braunschweig und das Jahr darauf mit 0:6!!).
Bei den Profis saß ich somit immer auf der Tribüne. Ich werde aber nie diese Mannschaft vergessen, die wir damals hatten. Wir waren wirklich eine Truppe mit einer super Kameradschaft. Wenn ich an Spiele, wie gegen Stuttgart, Leverkusen und Rostock zurückdenke, bin ich immer noch fasziniert von dieser Atmosphäre am Millerntor. Meiner Meinung nach könnte das heute auch noch so sein, doch durch den Abstieg und die hohen Erwartungen danach, die wir bis jetzt noch nicht erfüllen konnten, hat die Stimmung bei Euch Fans doch darunter gelitten. Sicherlich ist es so, daß auch wir - die Mannschaft - unseren Teil dazu beigetragen haben.
Ich denke aber, daß das auch wiederkommt. Denn durch Aktionen, wie Fan-Talk, Fan-Feten, Spieler bei Auswärtsfahrten, sind wir (Fans und Mannschaft) uns doch wieder näher gekommen. Wenn es überhaupt so gewesen sein sollte, daß wir uns voneinander entfernt haben.
Nach dem Abstieg wurde ich dann in der Saison 1997/98 die Nr. 2, habe aber trotzdem weiterhin bei den Amateuren gespielt. Leider haben wir den Aufstieg in die Regionalliga knapp verpasst, aber durch den Gewinn des Hamburger TOTO-Pokals wurden alle etwas entschädigt. Mann, das ist für einen Hamburger Amateurfußballer mit das Größte! Besonders mit dem Nebeneffekt, daß man an der 1. DFB-Pokalhauptrunde teilnehmen darf. Wir hatten auch noch das Glück, gegen Bayer Leverkusen spielen zu dürfen. Das Millerntor wurde zum Hexenkessel, und trotz des 0:5 war es für alle ein Spitzenerlebnis!!!
Das Jahr 1998 ging für mich persönlich dann nicht so gut zu Ende. Mit den Profis rutschten wir in den Tabellenkeller der 2. Liga und ich mußte mir gegen den SV Lurup auch noch einen Innenband-, Meniskus- und Kapselabriß zuziehen. Ich dachte, das war's wohl erstmal mit dem Fußball und war eine ganze Zeit doch ziemlich am Ende mit meinen Nerven. Doch mir halfen viele Leute, darüber hinweg zu kommen und schnell wieder fit zu werden. Auf diesem Wege möchte ich mich noch einmal bei allen bedanken, die mir dabei geholfen haben.
Anfang 1999 war dann wieder eine neue Situation. Neuer Trainer und wieder eine harte Vorbereitung. Doch dann ging alles rasend schnell. Auf einmal stehe ich am 22.02.99 da, wo ich schon als kleines Kind hinwollte: In meinem "Millern-Tor". Nach drei schweren Auswärtsspielen endlich mein erster Einsatz " zu Hause", und wir gewinnen 1:0 gegen den KSC. Das Gefühl kann man gar nicht beschreiben. "Das Herz von St. Pauli", es schlägt in mir! Wir alle werden alles dafür tun, daß es bei Euch auch wieder genauso schlägt!
In diesem Sinne EUER WEHLI!
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