| Papa Heinz und der Schwarze Peter |
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Mitgliederversammlungen des FC St.Pauli bieten normalerweise ein interessantes und spannendes Abendprogramm. Sie können skurril und auch sehr lustig sein, eine gesunde Portion Galgenhumor vorausgesetzt. Doch gestern abend blieb mir das Lachen endgültig im Halse stecken.
Nachdem ich heute, einen Tag nach der MV, die Zeitungen aufgeschlagen hatte, war ich mir nicht nur sicher, daß einige "Journalisten" die Versammlung anscheinend auf dem Klo verfolgt haben müssen, sondern daß ihnen im Örtchen von einem HW-Agenten die entsprechenden Schreibvorlagen zugeschoben wurden, damit sie auch wissen, mit welch jämmerlichen Blödsinn sie ihr Zeilenhonorar verdienen sollen. HW hat´s mal wieder geschafft. Er hat es wieder geschafft, mit Drohungen, Einschüchterungen, Horrorszenarien, Schuldzuweisungen sowie Halb- und Unwahrheiten eine Atmosphäre zu schaffen, die gänzlich von dem eigentlichen Problem des FC St.Pauli ablenken sollte: Ihm selbst. Und leider ist es ihm teilweise auch gelungen, mit einer populistisch initiierten Schürung von Emotionen das gesamte Dilemma der momentanen Situation auf die Frage "Wollt ihr mich oder nicht?" zu reduzieren. Es gibt kein Dazwischen. Weisener hält die Mitglieder scheinbar für so unmündig, daß sie sich selbst kein Bild von der Situation machen dürfen. Sie sollen statt dessen sagen, daß sie Papa Heinz und seinen finanziellen Einsatz gut finden. Wenn sie dies tun, hat HW auch in der momentanen Situation recht, denn er hat ja das Vertrauen der Mitglieder. Umgekehrt: Kommt ein Mitglied zu einer positiven Beurteilung über die Arbeit des Aufsichtsrates, muß er ja automatisch gegen HW sein, und auch gegen seine reingepumpten Millionen, gegen die Lizenz, gegen das Stadion usw. Tut mir leid, aber ich habe die Schnauze gestrichen voll. Ich kann es nicht mehr länger mitanhören. Natürlich ist ausschließlich Herr Weisener derjenige, der sich für den Verein reinhängt. Natürlich ist er der einzige, der für seine Verhältnisse viel Geld in den Verein gesteckt hat. Natürlich wollen alle, die Weiseners Stil nicht nachvollziehen können, dem FC St.Pauli Schaden zufügen. Wer am 15. April Gast bei der MV war, wird sich verwundert die Augen gerieben haben: Die "Fan-Mitglieder" (eher jüngere Generation) verhielten sich im allgemeinen ruhig und anständig, vertraten sachlich ihre Positionen. Ebenso die Sprecher des Aufsichtsrates. Dagegen benahm sich die "Pro-Weisener-Fraktion" (eher ältere Generation) unter aller Kanone. Pöbeleien, Zwischenrufe, Beschimpfungen, Beleidigungen und sonstige Störungen - der Versammlungsleiter Karsten Marschner mußte diese Leute desöfteren zur Ordnung rufen. Haben die denn gar keinen Respekt vor dem FC St.Pauli? Denken die, daß eine 40- oder 50-jährige Mitgliedschaft im Verein Legitimation für vereinsschädigende Verhaltensweisen sind? Ähnlich die Redebeiträge dieser Leute. Das bewußte Hochkochen von Emotionen, unpassende (Reinhard Kock) und unsachliche (Tina Hansen & Co) Beiträge tragen nicht gerade zur Klärung der mißlichen Situation bei. Doch die Taktik war klar: Ablenken vom eigentlichen Thema. Und schaut man sich dieses genauer an, so gibt es für die Lizenz-Misere, auch wenn das viele nicht wahrhaben wollen, einen Hauptverantwortlichen: Heinz Weisener. Es ist doch nicht zu fassen: Da stehen Aufsichtsrat und HW kurz vor der Einigung, und auf den letzten Metern der Zielgerade will HW die Kontrolleure zum Unmöglichen zwingen: Sie sollen sich mit der in der 89-jährigen Geschichte des Vereins wichtigsten und einschneidendsten Entscheidung einverstanden erklären und mitverantwortlich zeigen, ohne daß sie Teile der Unterlagen überhaupt gelesen haben! Und wenn sie das in dieser Form ablehnen, was jeder ablehnen würde, sollen sie die Sündenböcke sein? Der Aufsichtsrat tut seine Pflicht und kontrolliert und berät das Präsidium zum Wohle des FC St.Pauli. Aber was das Wohl des Vereins ist, bestimmt ja nur Herr Weisener. Was haben uns denn neun Jahre Heinz Weisener gebracht? Sind wir denn heute wirklich viel weiter als vor neun Jahren? - Heinz Weisener hat den Verein entschuldet und wieder verschulden lassen. Eigentlich stehen wir wieder da, wo wir damals begannen. Klar, er hat dem Club viel Geld zur Verfügung gestellt. Doch das wäre überhaupt nicht nötig gewesen, hätte es - wie von vielen kritischen Mitgliedern und Fans seit Jahren gefordert - endlich professionelle Führungsstrukturen gegeben. Stattdessen stopft er unter seiner Verantwortung entstandene Finanzlöcher und läßt sich dafür als Retter feiern. Und heute stehen wir abermals vor dem finanziellen Kollaps, und wenn HW alles auf fehlerhaft arbeitende Vereinsangestellte und Vizepräsidenten schiebt, so hat er sie doch eingestellt bzw. vorgeschlagen. Eine Person zieht sich nämlich wie ein roter Faden durch die Jahre: Heinz Weisener.
"Ja, aber ohne Papa Heinz sind wir doch aufgeschmissen!" Sind wir das wirklich? Gibt es wirklich keine Alternative? Keine Alternative zu einer nicht enden wollenden Mißwirtschaft? Sorry, das zieht nicht mehr. Heinz Weisener hat uns nie erklären können, warum andere Vereine, die weder über ein gutes Image, Tradition, Zuschauer, noch über größere Geldmengen verfügen, es in den letzten Jahren viel weiter gebracht haben. Er hat uns auch nie erklären können, warum es mit der Umwandlung des Vereins in eine Kapitalgesellschaft für den Stadionneubau plötzlich so schnell gehen muß. Seit zig Jahren plant Weisener das Stadion, mit etlichen Verzögerungen. Jedesmal wurde uns erzählt, man stehe am Ende der Planungen und könne praktisch sofort loslegen, nur fehlte jedesmal irgendeine Genehmigung oder ein Restbetrag an Investitionsgeldern. Hatte man da nicht genug Zeit, sich mit den Umstrukturierungen zu beschäftigen? Heinz Weisener hat auf der Mitgliederversammlung alle Brücken zerschlagen, die ihm der Aufsichtsrat gebaut hat. Heinz Weisener handelt unverantwortlich und gefährdet die Existenz des FC St.Pauli, wenn er die Zukunftsplanung des Vereins nun ruhen läßt und dafür auch noch den Aufsichtsrat verantwortlich macht. Ich hätte auch lieber diplomatischere Worte gewählt. Doch das Verhalten von Heinz Weisener und seiner "Anhänger" haben das Faß endgültig zum Überlaufen gebracht. Als Mitglied, das die Geschehnisse rund um den FC St.Pauli interessiert und kritisch begleitet, als Fan, der seit 11 Jahren dem Verein die Treue hält und ihm viel Zeit und Geld geopfert hat, lasse ich mich weder von Heinz Weisener noch von irgendwelchen aufgehetzten Mitgliedern diffamieren. Der Verein gehört nicht Herrn Weisener. Der Verein gehört uns allen. Den Mitgliedern. Den Fans. Und alle haben ein legitimes Recht, sich in die Belange ihres Vereins einmischen zu dürfen, auch wenn sie keine Millionen auf dem Konto haben. Wird ihnen dieses Recht verweigert, dann ist es vielleicht der FC St.Weisener, aber nicht der FC St.Pauli, den wir uns wünschen. Und dabei lasse ich ganz bewußt die Debatte darüber aus, ob wir denn ohne HW nun absteigen müssen oder nicht. Mir geht es darum, ob ich mich mit diesem Verein noch weiter identifizieren kann oder nicht. Und wenn solche Methoden angewandt werden, dann kann ich es nicht. Und da kann es für mich nur eine Konsequenz geben: Eine langfristige Alternative zu Heinz Weisener muß her. Da kommt kein Jubel bei mir auf, und keine Genugtuung macht sich breit. Ich kann mit einem solchen Heinz Weisener diesen Verein nicht mehr ertragen. P.S.: Hiermit erkläre ich mich dazu bereit, einen Teil meines schmalen Finanzbudgets für die Rettung des FC St.Pauli zur Verfügung zu stellen. Einzige Bedingung: Endlich professionelle Vereinsstrukturen. Gastkommentar von Tuvok
Lüh of the truth |
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