Seid ihr nicht ganz dicht??

So oder ähnlich erklang es in den letzten Wochen, wenn Leute von unserem Plan erfuhren, diese Ausgabe unter dem Motto "Out of soccer" erscheinen zu lassen. Nun, es mag sein, daß wir nicht ganz dicht sind, aber zumindest wollen wir euch nicht im Dunkeln lassen, warum wir dies hier tun. Der erste Grund war natürlich der Alkoholpegel auf der redaktionellen Weihnachtsfeier, wo alles begann. "Warum nicht mal ohne Fußball?", lallte irgendjemand, und die Begeisterung war riesig, so riesig wie schon lange nicht mehr bei der Heftplanung. Die nächtliche Artikelliste ward schnell geschrieben und hatte viele illustre Themen, von denen einige auch ihren Platz in dieser Ausgabe gefunden haben. Es folgte die Weihnachtspause, und als wir uns Mitte Januar wiedertrafen, war von der alkoholisierten Euphorie nichts mehr zu spüren. Zwei Redaktionssitzungen diskutierten wir aus, warum wir das hier machen. Oh Gott, Grundsatzdiskussion 100. Sogar einen Boykott für eine Ausgabe beschloß ein Redaktionsmitglied und das alles aus folgender Situation heraus:

Contra: Wir dürfen das nicht machen, damit vergraulen wir die Leser. Ihr müßt auch an das denken, was von uns erwartet wird. Es ist doch so viel passiert, das können wir doch nicht unter den Tisch fallen lassen. Können wir uns das leisten? Wir haben doch auch eine Verantwortung gegenüber der Szene. Etc.

Pro: Wir haben keine Bock, nur noch Erfüllungsgehilfe von Erwartungen zu sein. Wenn wir nur noch eine Informationspflicht haben, dann machen wir kein Fanzine mehr. Ständig arbeiten wir nur noch Themen ab und machen nicht das, wozu wir Lust haben. Wir wollen keine Erwartungen erfüllen, sondern das ist hier unsere Freizeit. Nach 37 Ausgaben kann man sich das ja wohl erlauben.

So etwa war die Diskussionssituation, und "pro" siegte schließlich deutlich, zwar mit Magengrimmen bei einigen. aber "out of soccer" war am Start, immerhin unter der Rücksichtnahme auf zumindest eine geringe Infopflicht (scheiß Wort, aber irgendwie können wir uns dem wohl nicht entziehen). Und so findet ihr alles Wichtige zur Winterpause am Ende des Heftes, KGaA als Theoretikum, die Players Corner mit S.Hanke, natürlich den Poll und alles Wichtige zu BallKult. Mehr aber nicht, der Rest gehört der Welt des Sports.

Nachdem wir nun also zwei Wochen an dem Heft werkelten, erreichte uns ein Brief von Mitstreiter Raphael, der seinem Entsetzen über diese Idee Raum schaffen wollte. Und was haben wir gelacht. Exakt all die Argumente, die für diese Ausgabe sprachen, brachte er ins Feld ein, um uns vom Gegenteil zu überzeugen: Verantwortung, Relevanz, Infopflicht etc. Nein Danke. Er macht seine Seiten, wie er will und wir, wie wir wollen. Und so habt nun Freude an Broilern, Pferden, Tennis, Tischtennis, Skispringen etc. Schreibt uns, ob wir euch enttäuscht haben, ob das o.k. war oder ihr euer Geld wiederhaben wollt. Wir sind zufrieden mit der Ausgabe über das weite Feld des Sports, und es war durchaus erholsam, sich einmal donnerstags mit anderen Themen zu beschäftigen. Mit einigen Sachen werden wir anecken, Tierfreunde und Vegetarier werden uns verfluchen, aber damit können wir leben, denn schließlich sind wir an allem schuld: An den Modefans, dem Nord-Süd-Konflikt, der Freundschaft zu Celtic und allen Spaltereien rund um den FC St.Pauli. Wenn wir ab heute schuld daran sind, daß ihr unser Heft nicht mehr kauft, dann gut, aber dann wissen wir wenigstens, woran wir sind. Allerdings glaube ich, daß ihr euren Spaß an den nächsten 41 Seiten haben werdet und auch für euch ist es vielleicht einmal erholsam, nicht immer der Ernsthaftigkeit und dem Gemecker sowie der Humorlosigkeit dieses griesgrämigen Haufens folgen zu müssen. Forza wer auch immer.

Der nächste ÜS mit echt viel Fußball erscheint gegen den FSV Mainz 05.

Eure Übersteigers auf Abwegen.
Kurzmeldungen:

Heute abend (7.3.) findet im Kir in der Max-Brauer-Allee die After-Grätschen-Party des "Büro für Lärm" statt, direkt im Anschluß an das Hallenturnier des selben Veranstalters. Markus Lotter wird die Pokale überreichen, DM 5,- kostet der Spaß, bei Vorzeigen der Dauerkarte wohl noch weniger. Viel Spaß.

Am 20.3. findet im "Letzten Pfennig" ein Kölscher-Abend statt. Ab 20.00 Uhr mit Lesung des Buches über den 1, FC Köln durch die Autoren Lehmann und Peter, alten Köln-Videos und natürlich Kölsch vom Fass.

Der St. Pauli-Mitarbeiter Peter "Acker" Ackermann ist leider schwer erkrankt, und liegt zur Zeit im Krankenhaus St. Georg. Wir wünschen ihm von dieser Stelle gute Besserung und alles Gute.


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