Statement zum Thema Werbe- und Vermarktungsrechte FC St.Pauli von Götz WeisenerDie FC St.Pauli Marketing GmbH wurde 1992 gegründet und erhielt die W+V-Rechte ab der Saison 93/94 als exklusive Sportrechteagentur zur Verwertung. Die ersten zwei Jahre erhielt der Verein die Erlöse aus der Rechteverwertung direkt, während die Personal- und Raumkosten von der Marketing GmbH übernommen wurden. Auf die Agenturprovision wurde zu Gunsten des Vereins verzichtet, um diesem für den Aufstieg keine wichtigen liquiden Mittel zu entziehen. Ab der Saison 95/96 wurden die W+V-Rechte im Zuge der Entschuldungsaktion des Präsidenten auf diesen für eine Laufzeit von 6+4 Jahren (Option) im Rahmen eines Lizenzvertrages übertragen. Der Präsident zahlte für die Rechte einen Betrag zwischen 5,2 und 6,6 Mio. DM.
Über die Vertragslaufzeit sollte über einen Gewinnverteilungsschlüssel sich das investierte Kapital sukzessive amortisieren. Mittlerweile befinden wir uns in der vierten Vermarktungssaison dieses Lizenzvertrages, so daß nur noch eine Restlaufzeit von 2 Jahren auf die Basisüberlassungdauer besteht. Die Optionszeit von 4 Jahren verändert den Vertrag wieder in einen Agenturvertrag mit 25%tiger Umsatzprovision, der von seiner Bedeutung für die Zukunft beider Vertragsparteien hier vernachlässigt werden sollte. Nach Ablauf der 2 Restjahre stellt sich die Frage, ob man den Lizenzvertrag verlängern, völlig neu fassen oder auslaufen lassen sollte. Das Vertragsziel der Kapitalamortisation für H.Weisener konnte aufgrund permanenter finanzieller Schwierigkeiten des Vereins bislang nicht erreicht werden, obwohl die betreffenden Geschäftsjahre erfolgreich abgeschlossen werden konnten. Kurz zu den Zahlen: Die Marketingumsätze vor Abzug aller üblichen Kostenarten (Personal, Miete, Steuern, Wareneinsatz, Büromittel, Honorare, Produktion und Kommunikation etc.) lagen in den beiden Erstligajahren bei durchschnittlich 5.27 Mio. DM netto. Knapp die Hälfte dessen (2.36 Mio. DM) konnten wir an den Verein als Lizenzgebühren ausschütten. Im vergangenem Jahr 97/98 betrug der Umsatz 4.35 Mio DM netto und der Verein erhielt davon 1.68 Mio. DM netto. Dem Präsidenten floß dabei lediglich ein Amortisationskapital von 0.6 Mio. DM anstatt der vertraglichen 3.3. Mio. DM als Lizenzentgelt zu. Es muß niemandem erklärt werden, was uns der knapp verpaßte Aufstieg für Vertragsprämien bzw. Gewinnzuwächse gebracht hätte, da Sponsoringverträge im Sport leistungsbezogene Vergütungen wie Pokal-, Aufstiegs- oder Klassenerhalts- sowie TV-Übertragungsprämien enthalten. Die W+V-Rechteverwertung erhält vor dem Hintergrund des geplanten Stadionneubaus natürlich erhöhte Bedeutung, einerseits durch die eventuelle Aufnahme weiterer Gesellschafter in die Marketing GmbH, andererseits durch eine erforderliche Neufassung der Verträge unter Festlegung einer Laufzeit, die an die Laufzeit der Baufinanzierung durch Fremdkapitalgeber (Banken, Baufirmen, ggf. TV-Rechtever-werter etc.) angepaßt werden muß. Kurz gesagt, der Investorenpool fordert für die Grundlaufzeit seiner Investition eine gewisse Rechtssicherheit, da die Rechtevermark-tungsagentur neben dem Verein in den möglichen Rechtskonstruktionen eine zentrale Rolle unter den Gesellschaftern einnehmen soll. Dabei ist im wesentlichen darauf zu achten, daß die jeweiligen Gesellschaftsverträge, gleich welche Rechtsform die Beteiligten haben, stets eine Dominanzausübung verhindern, damit der Verein nicht in seiner Grundphilosophie verändert wird, was zu einem massiven Identitäts- und somit auch Identifika-tionsverlust führen könnte. Ebenso muß sich der Verein genau überlegen, wem er diese Rechte zukünftig anvertraut. Fraglich ist, ob fremde Rechteverwerter Rücksicht auf die Besonderheiten unseres Clubs nehmen. Die Marketing hat dies stets getan, weil sie dem Verein extrem nahe steht. Sie bemüht sich deshalb, mit der ausgearbeiteten Vereinsphilosophie unter dem Motto "Der Starclub" und dem dazugehörigen Wertesystem den Kultcharakter unseres Club in seinem Bestand weitestgehend zu erhalten. In finanziellen Angelegenheiten stand stets der Verein im Vordergrund, wenn es Geld zu verteilen gab. Eine Aufnahme von Gesellschaftern in der Zukunft verlangt natürlich stets eine gesunde Kompromißbereitschaft, insbesondere wenn die Finanzen derart angespannt sind und der Verein keine eigenen Mittel für seinen Stadionneubau generieren kann. Das Präsidium und der Aufsichtsrat haben schwierige Entscheidungen mit äußerster Sorgfalt zu treffen. Jeder muß sich allerdings fragen, welche Alternativen bestehen denn darüberhinaus. Ein bißchen muß man sich am Ende doch verkaufen, so sehr es auch weh tut. Vielen Dank Götz Weisener |
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