Gedanken zur FanpartyDie zweite Fanparty in einem halben Jahr ist Geschichte. Trotz Spielausfalls haben nicht wenige von Euch bis in die frühen Morgenstunden des 28.11. die Humpen geschwenkt und das Tanzbein geschwungen. Und das erste Mal war auch der Übersteiger bei so einem großen Ereignis beteiligt. Bisher reichte uns ja immer das Marquee für Weihnachts- und/oder Sommerfeten und dies war eigentlich auch immer der Rahmen, der uns und unseren Möglichkeiten entsprach. Und nun dieses Riesending und dann auch noch mit Sponsorenunterstützung. Wie ist es dazu gekommen, was hat uns gefallen und was ist schief gelaufen: Eine Aufklärung.
Einen großen Teil unserer Arbeitskraft in diesem Jahr haben wir in die CD gesteckt. Zunächst über eine Arbeitsgruppe und später mit fast allen zusammen. Oftmals ging dieses Projekt weit über unsere Schmerzgrenze hinaus, und doch sind wir jetzt alle ganz Stolz auf das Vinyl und den Silberling. Schon früh war uns klar, daß die Größe des Projektes eine ansprechende Präsentation braucht und wir auch gerne das Erscheinen gebührend feiern wollten. Einiges sprach für eine normale ÜS-Party, aber wieviele der Bands bekommen wir auf einem solchem Abend unter? Die zweite Frage lautete nach dem Termin, denn der sollte sich schon in einem Zweiwochenabstand zum Erscheinungstermin bewegen. So blieb uns nur der November, doch hier tauchte das nächste Problem auf. Eine größere Party geht nur an einem Spieltag und das am Freitag oder Samstag. Es blieb nur der 27.11. über und den hatte sich schon Jack D. für die Weihnachtsfeier geschnappt. Lange Diskussionen waren die Folge: Mit Jack D. oder ohne, anderer Termin oder Konkurrenzfeier, dürfen wir das, wollen wir das und können wir das? Ergebnis war, daß ein angemessener Rahmen mit den entsprechenden Bands nur über eine Kooperation mit dem Hauptsponsor gelingen kann. Und so wurde ein Kriterienkatalog aufgestellt, mit dem der OL als Organisator für den FC und Bindeglied zwischen CD und Sponsor ausgestattet wurde, der auf folgender Basis fundiert war: Der Übersteiger ist nicht in der Lage, sich an der Party finanziell zu beteiligen. Er stellt aber seine Reputation und seine Szenezugehörigkeit zur Verfügung (neudeutsch: streetcredibility) und ermöglicht somit die entsprechende Fannähe für den Hauptsponsor. Die Kriterien lauteten: 1. Kein VIP-Bereich. 2. Der Programmablauf unterliegt unserer Federführung. 3. Die Ankündigung der Party lautet: Jack Daniels präsentiert die Übersteiger-CD-Release-Party. Wir waren ziemlich geplättet, als wir erfuhren, daß alle Forderungen durchgingen und dachten uns nichts weiter, sondern freuten uns auf die Party. Und dann kam der Oktober: Ohne vorherige Warnungen (leider gab es keine schriftlichen Abmachungen) tauchte der Entwurf für den Ankündigungstext auf und siehe da: Der Name Übersteiger tauchte gar nicht mehr auf. Nachdem wir uns inzwischen auf die Schriftgröße von Chumbawamba bei der letzten Party geeinigt hatten, war das die absolute Ohrfeige. Jack D. hatte sich nichts dabei gedacht und aus ihrer Perspektive auch korrekt gehandelt, war doch die letzte Party im Juni als Chumbawamba-Konzert gelaufen und nicht als Jack D.-Feier (Sponsoring-Effekt gleich Null), was diesmal vermieden werden sollte. Unsere Reaktion allerdings war auch verständlich. Sie reichte von Ungläubigkeit über Abbruch der Kooperation bis zu "Gleich auf`s Maul" und es war sehr mühsam, die Gemüter zu beruhigen, auch weil Bitzcore-Jürgen gesteigertes Interesse an der Party hatte. Und so wurde in einer Schnellschußaktion der Text umgemodelt, unser Logo eingebaut und wir hatten nur noch Bauchschmerzen, jedoch kein Geschwür mehr. Das CD-Cover auf dem Plakat entschädigte dann auch ein wenig. Schon vorher hatte es längere Diskussionen gegeben, da Jack D. unbedingt einen Moderator stellen wollte, wir jedoch schon vorher wußten, was uns da blühte und uns nicht das Programm entziehen lassen wollten. Die schließlich beschlossende Kooperation zwischen Stefan und Ulf Ansorge mag jedeR von euch selber beurteilen. Ulf war eine absolut dilettantische Nummer, aber leider darüber hinaus so überprofessionell, daß er nicht nur die Absprachen mit Stefan brach, sondern einfach das Programm an sich riss und die üblichen bekloppten Fragen stellte. Und auch wenn man ihm 1000mal sagt, daß Thomas Seeliger nicht da ist, er ruft ihn trotzdem auf die Bühne. Und ob Carsten Wehlmann sich verarscht fühlt, wenn er trotz Krücken gefragt wird, ob er denn spielt, muß er selber beurteilen. Fazit für Ansorge: Eine glatte 6. Sorry dafür. Und so blieb noch der VIP-Raum, den es tatsächlich nicht gab, sondern VIPs und Normalos unterschieden sich durch ein Bänzel, welches kostenlose Versorgung sicherte, jedoch in keinem abgeschlossenem Raum. Zwei Zusagen nicht eingehalten, aber irgendwie doch, nur mit Abstrichen. Immerhin hatten wir den Ort für unser Transparent schriftlich fixieren lassen, denn auch dieses sollte plötzlich nicht mehr in der Mitte hängen. Was bleibt für eine Erinnerung: Der Spielausfall hatte zur Folge, daß es recht lange dauerte, bis der Saal in Schwung kam, aber spätestens mit Phantastix gab es kein Halten mehr. Einige Spieler feierten so mit, wir uns das wünschten und hatten auch sichtlich Spaß, YMCS war der absolute Hammer des Abends und es erfüllte mich doch mit Stolz, unser Transparent bei einer derartigen Veranstaltung an so zentralem Ort zu sehen. Das waren Momente, die allen Ärger vergessen ließen. Und ich glaube, die meisten von Euch haben sich gut amüsiert. Das mit den Spielern auf der Bühne kriegen wir auch noch irgendwann hin (oder lassen es ganz) und dann wird die Sache auch ganz rund. Eine Frage an alle Kritiker: Welche Fanszene in Deutschland schafft es eigentlich, eine Party mit diesem Programm auf die Beine zu stellen? Eine Woche nach der Feier trafen wir uns mit Lothar und Anne von Jack D. zwecks Analyse der Fehler und Mißstimmungen. Beide Seiten konnten wohl glaubhaft ihre Sicht der Dinge einbringen und eingestehen, wo welche Ansprüche liegen und wo die Fehler. Im Endeffekt war der Hauptfehler, daß wir uns nicht früher zu so einem Gespräch getroffen haben.(Der übliche Kommunikationsmangel im und um den Verein) Der Hauptsponsor hat nun einmal primär andere Interessen als ein Fanzine. Unter dem Strich jedoch waren alle zufrieden, die Emotionen waren wieder zu früh hochgekocht. Learning war das Stichwort des Abends und ich glaube, es sind doch alle sehr froh, einen Hauptsponsor wie Jack D. zu haben, der überhaupt so kooperativ ist, daß er mit einem Fanzine gemeinsam eine Party organisiert. Natürlich seid ihr hoffentlich alle auch froh, ein Fanzine wie uns zu haben, daß den Gegenpart stellt. Und so treffen wir uns in der Mitte und sind alle fast glücklich. Denn eines ist klar: Wir haben keinen Pfennig dazubezahlt und deswegen auch eine kleine Dankesliste. Der Übersteiger bedankt sich bei Jack Daniels, dem Docks, Holsten, dem FC St.Pauli, dem OL, Bitzcore, Terrorgruppe, No Respect, Phantastix, Eire Og, Prollhead, YMCAss, Pagger & Olli,bei allen, die auf und für die Party gearbeitet haben, bei sich selbst und schließlich am meisten bei allen, die auf der Party waren. Wir entschuldigen uns für so wenig Text über die eigentliche Feier, aber dies war uns wichtiger. Oi & Prost. Und immer schön viele Cds und Platten kaufen. lüh für die Redaktion |
|
Titelseite dieser Ausgabe |
|