Players Corner
heute mit:
Thomas Meggle
Und täglich grüßt das Murmeltier...
Nach dem Abschlußtraining trifft sich eine Delegation, bestehend aus 18 Spielern, zwei Trainern, Dirk Andresen, Wolly und Bubu am Millerntor zu Abfahrt zu einem der 17 Auswärtsspielen des FC St. Pauli Hamburg.
Das erste Problem stellt die Sitzordnung dar. Nachdem aber jeder dann nach kurzer Fahrtzeit seinen eigenen Platz eingenommen hat, ist die erste Aufregung behoben. Inzwischen stellen 15 Spieler der Reihe nach folgende Frage: "Truller, welche Filme hast Du denn heute mitgebracht?" Geduldig beantwortet er jedem seinen Durst an Informationen über das Kinoprogramm der heutigen Auswärtsfahrt. "Bubu, was willst Du heute sehen?" Bubu: "Is' mir doch egal oder kleines Arschloch". Spieler: "Aber das haben wir doch erst vor zwei Wochen gesehen...". "Egal". Währenddessen stürzen sich einige Hungrige auf die zwei von Brigitte besorgten Butterkuchenplatten. "Meggle, wenn Du weiter so Butterkuchen frißt, kriegst Du nie einen Waschbrettbauch!" "Auch egal", antwortet dieser.
Anderen stehen schon jetzt die Schweißperlen auf der Stirn. Nervosität??? "Mensch, sag' doch dem Busfahrer vorne, er soll die Heizung herunterdrehen", dröhnt es aus den hinteren Reihen des Busses, während die Vorderen in Winterjacken eingehüllt den Busfahrer bearbeiten, er solle doch die Heizung aufdrehen. "Kälter, bitte!"... "Wärmer bitte!"... "Kälter!"... "Wärmer!", "jetzt dreh' die Heizung runter!". "Mann, dreh' das Ding auf!!"
Nachdem jeder sich dann aber vor Augen hält, daß wir heute in einem wasserdichten Bus sitzen, rückt das Heizungsproblem in den Hintergrund und beruhigen uns schwitzend oder frierend je nach Lage des Platzes.
In der Zwischenzeit bildet sich eine Kartenrunde um "Seele", dem auch schon die Schweißperlen auf der Stirn stehen, teils wegen der Hitze, hauptsächlich aber aus der Sorge, er müsse in die zweite Kartenrunde, die ihr Micky-Mouse-Spiel bevorzugen, einsteigen. Ach ja, genau, wir haben uns jetzt eine Stunde von Hamburg entfernt und soeben ist die "Wumme von der Wümme" zugestiegen. "Scherzi" klinkt sich in die zweite Kartenrunde ein und die muntere Fahrt nimmt ihren Lauf.
Einige lesen Fachliteratur aus der Medienlandschaft Hamburgs von "Turbo" Dierenga, andere bevorzugen spannende Bücher und "Toto" genießt den Klang von Heavy Metall mit der zugehörigen Begleitlektüre. Manager "Wolly" verkauft seine Aktien per Telefon im 5-Minuten-Takt, aus der Kartenrunde ertönt ein "Schiebe" oder "Re" und das kleine Arschloch ist gerade mit seinem rollstuhlfahrendem Opa auf einer Beerdigung, wo aus den Lautsprechern ertönt: "Die Sau hat meine Frau gefickt."
Ankunft um kurz vor sechs im Hotel. Jeder begibt sich mit seinem Zimmergenossen in die Schlafgemächer und verfolgt auf SAT 1 den samstäglichen Erstliga-Fußball.
Nach Ran Treffpunkt zum Abendmahl. Es erfolgt an vielen Tischen eine Diskussion über die schönsten Tore, die kniffligsten Schiedsrichterentscheidungen und über bestimmte, interessante Statistiken der Ran-Datenbank, die aber aufgrund des Alkoholpensums der Ran-Statistik-Kapitäne meinerseits angezweifelt wird.
Nach dem Essen ziehen sich die Spieler auf die Zimmer zurück und dürfen von 21:30 Uhr bis 22:30 Uhr noch ein Bier trinken. Anschließend ist Bettruhe und alle schlafen selig.
Um 8:30 Uhr dann wird man schrill von dem Telefon aus dem Schlaf gerissen und eine nette Frauenstimme erwidert nach Abheben des Hörers. "Guten Morgen, Ihr Weckruf!"
Frühstück, 11:00Uhr Spaziergang, 11:30Uhr Mittagessen, 13:00Uhr Besprechung, anschließend Abfahrt ins Stadion. "Wo ist denn das Stadion?" fragt der Busfahrer ahnungslos. Eckhardt Krautzun erwiderte dieser Frage einmal: "Wenn Sie nächstes Mal nicht wissen, wo das Stadion ist, entlaß' ich Sie. In Kaiserslautern war das meine erste Amtshandlung."
Er sprach diesen Satz aber in der Unwissenheit aus, daß der Busfahrer bei einem Busunternehmen und nicht beim FC St. Pauli angestellt ist.
Nun folgt die Prozedur des Umziehens und der Konzentration auf das Spiel ... (Spielgeschehnisse...).
Rückreise!
Der Verlauf ähnelt der Anreise, nur der Verlauf des Spiels beeinflußt natürlich die Stimmung der Reisegesellschaft und es entbrennen hitzige Diskussionen über den Verlauf des Matches. Drei bis sieben Stunden später befinden wir uns dann auf Hamburg-St.Pauli und alle finden den Weg ins Bett, um ausgeruht beim morgendlichen Training um 10:00Uhr zu erscheinen.
Thomas Meggle
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