| Der ÜBERSTEIGER vor 5 Jahren |
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Genau, denn am 18.10.1993 erschien die zweite Ausgabe des ÜBERSTEIGERS, optisch gegenüber dem Vorgänger schon um einiges gereift. Und jetzt bereits kam uns unserer weiterer stetiger Begleiter, das DSF, in die Quere, denn wir durften der Premiere der Montagsübertragungen beim Spiel gegen den VfL Bochum hautnah beiwohnen, am Bildschirm taten dies übrigens 1,34 Mio. Fernseh-Fans. Dies schlug sich aber zunächst nur in einigen Sätzen im Vorwort nieder, u.a. mit der Befürchtung "demnächst um 6.45 h für's Frühstücksfernsehen zu spielen". Soweit ist es ja (bis jetzt) noch nicht gekommen.
Auch noch nicht gekommen ist das mittlerweile schon legendäre Gespenst Stadionausbau. In einem Sachstandsartikel, einem Treffen zwischen Präsidium und Fanclub-Vertretern folgend, wird daraufhin ein Baubeginn 1994 genannt... Im Nachhinein richtigerweise kritisch betrachtet wird die Wie (fast) jedes Jahr im Herbst war auch 1993 eine Europacup-Tour mit den Celts angesagt, dieses Mal wurden uns die Young Boys Bern zugelost, in erreichbarer Nähe immerhin. Beim Übernachtungsstop in Freiburg konnte abends noch mit Volker Finke gefachsimpelt werden, ansonsten wäre zu wünschen, daß nächste Woche in Zürich mehr herausspringt als ein todlangweiliges 0:0, teures Bier und massiver Ärger mit merkwürdig sprechenden Alpenglatzen. Die Situation daheim wurde mit Artikeln über die Toilettensituation im Stadion ("ein Plädoyer für den Erhalt einer humanistischen Abort-Kultur, die Toilette als Ort der Begegnung mit sich selbst") und, irgendwie zusammenhängend, über eine nähere Beleuchtung des Bierangebotes abgedeckt. Immerhin ist uns die damals angedrohte Preiserhöhung bis heute erspart geblieben, so daß sich der Preis von 3,- DM jetzt schon ca. 10 Jahre hält, eigentlich verwunderlich, bezeichnete Vize Hinzpeter die Einnahmen aus dem Bierkonsum doch als "die Säule des Vereins"! Der Artikel zur Radio-Paadie vom Cup-Spiel in Leipzig (wir erinnern uns: Sieg im Elferschießen) wurde aufgeteilt in einen "normalen" Auswärtsbericht (abschließender Satz: "Frag mich nie wieder einer: `Wieso Ostboykott?'"), den Bericht des Fernmeldetechnikers bzw. Reporters auf der Leipziger Haupttribüne sowie des heimatlichen Horchpostens im Clubheim. Die Amateure erwischten in der Verbandsliga einen recht ordentlichen Start (15:5 Pkt., 27:12 Tore), so daß die Neuen (u.a. Thorsten Wickart, Dirk Tiedje und Johann Stenzel) doch schnell noch mal vorgestellt werden mußten. Auch vorgestellt wurde durch einen Gastartikel der damals vielen St.Pauli-Fans eine zweite (und z.T. auch erste) Heimat gebende Altonaer FC von 1893. Was hatten wir Euch denn noch so zu bieten? Unser heutiger Fanbeauftragter mußte sich damals an Heimspieltagen in finsteren Gegenden im Osten herumtreiben, um sein Studium zu finanzieren und berichtet von den verzweifelten Versuchen, irgendwelche Informationen aus dem Autoradio hervorzulocken. Andererseits hatte er durch familiäre Beziehungen V.I.P.-Karten für die Leichtathletik-WM im Stuttgarter Neckarstadion erhalten und erzählt uns von "Fernseh-Mentalität im Stadion, Truthahngeschnetzeltem und 0,5 l Cola für 6,50 DM" und endet mit der Feststellung "Dieses Stadion ist ein Ex-Stadion". Der heutige Präsident der Karo-Family belästigt die Leser mit einem Reisebericht aus der Heimat von Ari Hjelm, und Herr Schulze-Marmeling philosophiert netterweise für uns über den Wandel des Fußballs im Allgemeinen. Ansonsten beglückte uns ein Herr Attila aus Brighton mit einer Story aus Australien, die Rezensionen beschränkten sich auf 14 Zines und 1 CD(!), die Leserbriefe bringen uns neben viel Lob für die Erstausgabe die erste Artikelkritik (es hatte Ralf-Dieters Meppen-Awaybericht erwischt), das Quiz gewann Chefordner Fiete gegen Fußballfreund Arne und sonst hatten wir halt noch so den üblichen Kleinkram. Was mir hier beim allgemeinen Rumblättern so nebenbei aufgefallen ist, von wegen St. Pauli-Spieler werden woanders nix: Immerhin spielen in dieser Saison 3 Ex-Braun-Weiße in der Champions League, der letztes Mal hier bereits erwähnte Andreas Reinke beim 1.FC Kaiserslautern, der Freistoß-Löwenkiller Andreas Mayer mit Rosenborg Trondheim und, falls sich noch jemand an ihn erinnert, Michael Bochtler bei Sturm Graz. Immerhin!? Wo wir gerade bei Nebensächlichkeiten sind, ist Euch eigentlich mal aufgefallen, daß bei ARD-Fußballübertragungen immer noch diese alten Trailer mit den Sportsfreunden Driller, Gronau, Dinzey und Sobotzik verwendet werden? Ach ja, damals in der Ersten Liga ... ... Apropos damals, wie lief's denn sportlich so vor 5 Jahren? Eher mäßig bin ich versucht zu sagen, denn nach 14 Spieltagen (Stand 31.10.93) stehen 13:15 Punkte und 17:17 Tore zu Buche, was Platz 14 bedeutete. Übrigens gab es an diesem Tage einen 2:1 Heimsieg mit zwei Treffern von Dieter Schlindwein (!) in letzter Sekunde gegen Carl Zeiss Jena. Da versuche noch mal jemand zu sagen, die Geschichte wiederhole sich nicht. Präsident Weisener hatte übrigens ultimativ gefordert, aus diesem Spiel und dem nächsten gegen Uerdingen vier Punkte zu holen, anderenfalls dürfte sich Coach Eichkorn schon mal beim Arbeitsamt melden. Es wurden zwar im Endeffekt nur drei Punkte, aber der gegen Jena bereits im Stadion weilende Uwe Erkenbrecher wurde trotzdem nicht Trainer am Millerntor. Bester Torschütze war immer noch Martin Driller, der aber bei 5 Treffern stagnierte, eine gelb-rote Karte war allerdings inzwischen (beim 0:1 in München) hinzugekommen, wundersamerweise durfte sie sich Herr Hollerbach ansehen. So, den sportlichen Aufschwung bis zur Winterpause und unsere dritte ÜS-Ausgabe dürft Ihr dann, so Ihr denn wollt, im nächsten ÜBERSTEIGER verfolgen. Bis dahin. thomas | |
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