T.A.C.S.
erinnert sich...und uns.

Heute: Als ich in den Teufelskreis hineinschlidderte

Viele von euch werden sich sicherlich noch an ihr erstes St. Pauli-Spiel erinnern, als wär's gestern gewesen. Bei mir war's eher vorgestern, insofern habe ich nicht alle Einzelheiten mehr so parat, wie es eigentlich sein sollte.

Es geschah jedenfalls in der Aufstiegsrunde zur Zweitligasaison 1984/85. Damals spielte der FC zu Hause gegen den SV Lurup. Ein verdammt heißer Tag war es damals, und verdammt voll war es auch noch.

Viele werden sich wohl nur noch schwach erinnern, wenn ich sage, daß es zu dieser Zeit noch möglich war, innerhalb des Stadions einmal rundherum zu gehen, d.h. spielte St Pauli in Halbzeit 1 aufs Südkurventor, versammelte sich ein recht großer Mob hinter diesigem, und während der Halbzeit wechselte der Mob die Seiten und pilgerte hinter das Nordkurventor (und umgekehrt). Damals war es außerdem noch möglich, durch das Marathontor zu seinem Stehplatz zu kommen. Als Ordner fingierte damals mein Hausmeister an diesem Tor - HSVer machten sich schon in dieser Zeit überall breit!

Ach so, St Pauli vs Lurup!

Die einzigen Sachen, die ich noch weiß, sind, daß damals ein gewisser Uwe Bonik das St.Pauli-Gehäuse sauberhielt. Uwe Bonik war damals übrigens Azubi bei der Firma, in der auch meine Mutter arbeitete - sie kotzt heute noch, wenn sie den Namen ,,Bonik" hört. An die St.Pauli-Torschützen (Spiel endete 3:1) erinnere ich mich nicht mehr, komischerweise aber an den Schützen des Luruper Ehrentreffers. Kein Geringerer als der ehemalige St.Paulianer und mittlerweile zur Hamburger Amateurfussilegende avancierte Mr. Manfred Mannebach schoß den Ball für die Gerüstbauer ins Netz.

Am Ende der Aufstiegsrunde hatte der FC den l.FC Bocholt, Gütersloh und eben jene Flursträßler hinter sich gelassen und stieg, zusammen mit dem späteren Erstligisten Blau-Weiß Berlin in die 2.Bundesliga auf. Dazu kamen die ersten beiden aus der Süd-Aufstiegsrunde, nämlich der FC Homburg und der VfR aus Bürstadt. Bürstadt!!! Ein kalter Schauer läuft mir den Rücken runter, wenn ich den Namen dieser Stadt schon höre. Doch ein Hauch von Nostalgie erfüllt mich auch, schließlich war es mein erstes Auswärtsspiel mit dem FC St.Pauli.

St.Pauli spielte eine ziemlich mäßige Saison, doch der kämpferische Einsatz stimmte fast immer. Mir fallen da zwei Spiele ein: Das 1:2 zu Hause gegen den Aufstiegsanwärter Hessen Kassel (der unvergessene Jens Beermann schoß damals einen blitzschnell ausgeführten Freistoß in den Winkel, während KSV-Torwart Wulf noch mit dem Schiri lamentierte, dieser aber trotzdem das Tor gab), oder das fast schon legendäre 1:0 zu Hause gegen Aufsteiger Saarbrücken in der Endphase der Saison, wo sich der FC nochmal mehr als eindrucksvoll zurückmeldet (was den Klassenerhalt anging), bis, ja bis dann das letzte Saisonspiel - auswärts in Bürstadt -folgte.

Da ich damals dann doch erst 9 war, fuhr ich mit meinem Vater zusammen nach Südhessen. Als kleiner l,40m-Buttje war ich damals noch begeistert darüber, daß mein Vater sitzen wollte, infolgedessen konnte ich auch was vom Spiel sehen. Also machten wir uns auf der 6Oer-Jahre-Behelfstribüne, Marke Bochum-Wattenscheid bereit. Vor uns saßen 4-5 zu dieser Zeit heftige Rocker-FCler, die sich hinten auf ihre Lederkutte ,,Rosis Bierbar" haben raufsticken lassen (Hermann war, glaub' ich, nicht gemeint). Das Einzige, was mich an diesen Fraggles faszinierte, war dieser unglaubliche Bierkonsum. Doch mein Vater hielt munter mit, ich bekam immer 'ne neue Cola und fertig war die Laube, wenn da nicht das Spiel gewesen wäre. Lange Rede, kurzer Sinn - St.Pauli kam bei Mitabsteiger Bürstadt nicht über ein 1:1 hinaus und stieg somit ab, da der FC einen Sieg benötigte, um am FC Homburg vorbeizuziehen. Doch so klar war das alles doch noch nicht, denn da war ja noch die Hertha aus Berlin, welche kurz vorm Lizenzentzug stand, was ja geheißen hätte, daß St.Pauli ja doch noch die Klasse erhalten könne. Warum Hertha dann doch noch die Lizenz bekommen hat, ist mir bis heute schleierhaft, wenn ich an die damalige Hetzkampagne einer großen Hamburger Boulevardzeitung denke. Da war von Unmündigkeit die Rede, von krummen Geschäften usw., bis diese Zeitung am Tag 1 nach Bürstadt titelte ,,Der große DFB-Betrug" (oder so ähnlich).

Also, Berlin bekam die Lizenz, St.Pauli war als 17. sportlich nicht qualifiziert und ab in die Oberliga. Dort spielte sich die Mannschaft den ganzen Frust der vergangenen Saison runter und man wurde am Ende mit 2 Punkten Vorsprung auf den VfB Oldenburg Oberliga-Meister 85/86 und stieg nach erfolgreich bewältigter Aufstiegsrunde wieder zurück in die 2. Liga auf. Leider fallen mir aus dieser Spielzeit nur zwei Begegnungen auf Anhieb ein: Das eine wäre da ein 1:0-Auswärtssieg an der Flurstraße durch ein Tor von Dahms und das andere wäre ein 3:0-Heimerfolg im Aufstiegsrundenspiel gegen Essen (ein Tor von Golke müßte auch dabei gewesen sein).

Auf jeden Fall begann mit dem Aufstieg zur Saison 86/87 eine glorreiche Zeit, die mit der schon beschriebenen Saison 88/89 ihren Höhepunkt fand.

Lesen sie in 37: Das 0:6 hat mich geprägt.

T.A.C.S.

Die Saison 84/85


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