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T.A.C.S. erinnert sich...und uns. Für einen gebeutelten Zweitligafan gibt es im Allgemeinen nichts Schöneres, als sich an frühere, schönere Zeiten seines Fandaseins zu erinnern. Von dieser Ausgabe an werde ich ein wenig in Erinnerungen schwelgen. Viele traurige Momente habe ich mit meinem Verein schon erlebt, auch einige schöne Erlebnisse waren dabei. Zu Beginn dieser Serie blicke ich auf eine schönere Saison aus besseren Tagen zurück, nämlich auf die Saison 88/89. Ich weiß'noch, kein Mensch gab damals einen Pfifferling auf den FC. Die Experten waren sich einig: Der Aufstieg St. Paulis könnte den traurigen Rekord von Tasmania Berlin in Gefahr bringen. Wie wir wissen, hatten sie alle Unrecht. Aus dem Abstiegskandidat Nr. 1 entwickelte sich eine legendäre Mannschaft.
Mit Ippig im Tor, die Abwehr um Libero Jan Kocian mit Trulsen und Duve, das Mittelfeld mit Dahms, Gronau, Knäbel, Bargfrede und Flad (wahlweise Olck) und die Offensivabteilung mit Golke und Zander (wahlweise Ottens und Steubing). Was für eine Mannschaft! Und diese legendären Schlachten: Doch ein Spiel dieser Saison wird wohl immer in meinem Gedächtnis haften bleiben, wahrscheinlich in der Abteilung: "Bewegende Momente meines Lebens". Es war Ende August '88. Eine Woche zuvor hatte der FC unglücklich bei strömendem Regen in Karlsruhe 3:1 verloren. Und jetzt kam auch noch der VfB aus Stuttgart, welcher zwar ein Spiel weniger hatte, aber trotzdem noch Tabellenführer war (6:0 Punkte). Es war ein sonniger Freitag abend. Das Spiel wurde schon um Halb 7 angepfiffen, da damals noch kein Flutlicht am Millerntor vorhanden war. Übrigens: Damals gab es zwar schon die Stahlrohr-Gegentribüne, doch ein Dach fehlte noch zu dieser Zeit. Wär'es so geblieben - die singing area hätte wohl heute seinen Platz im Block 11 der Haupttribüne. Obwohl, dort wäre es wohl nicht so einfach gewesen, die singing area einzurichten - aber lassen wir das. Auf jeden Fall ereignete sich an diesem Freitag abend jenes Wunder, welches so einige St. Paulianer heute noch schwelgen läßt. Stuttgart begann selbstbewußt, folgerichtig nach 14 Minuten schon das 0:1 durch Fritz Walter. Manche fragten sich, wie hoch St. Pauli denn jetzt verlieren werde, doch diese Resignation war nur von kurzer Dauer. Golke drehte auf, und hatte dann mit Beginn der 2. Halbzeit - wie alle St. Paulianer - auch Chancen. Steubing war damals schon blind, Zander grätschte oft vorbei und Otti wirbelte die Abwehr um Guido Buchwald immer wieder durcheinander. Der Sturmlauf wurde belohnt und Golke erzielte mit einem trockenen Schuß von der Strafraumgrenze den Ausgleich. Und dann passierte das schier Unmögliche: Die Elf von Helmut Schulte konnte tatsächlich noch 'ne Schippe drauflegen. Mittlerweile waren die Stuttgarter nur noch in Ballbesitz beim Klären zur Ecke oder bei Befreiungsschlägen. Tja, und dann kam die 86. Minute: Michael Dahms geht an der linken Seite durch, die Flanke verunglückt, fliegt halbhoch in den Strafraum. Irgendwie verpaßt Immel die Pille und irgendwie steht Gronau goldrichtig und schiebt den Ball rein. Was danach los war, ist nicht in Worte zu fassen. Ich bekomme auf jeden Fall heute noch Ohrenschmerzen, wenn ich an die Lautstärke des Torjubels denke. Der absolute Wahnsinn.Die letzten vier Minuten schienen ewig lang zu sein, doch dann war doch schon Schluß und alle liegen sich in den Armen. Unzählige Ehrenrunden - mittlerweile hatte der Regen eingesetzt, doch das störte niemanden, im Gegenteil: Ich erinner' mich noch, daß der Regen ca.'ne Viertelstunde vor Spielschluß einsetzte, also ungefähr zu der Zeit, wo St. Pauli den 2. oder 3. Zahn zulegte. Deshalb wird seit diesem Spiel immer die Durchhalteparole "Bei Regen spielt St. Pauli immer gut!" ausgegeben. Im Nachhinein großer Schwachsinn, mir fallen auf Anhieb 3-4 Spiele ein, wo St. Pauli bei Regen ordentlich verkackt hat.Mann, ich war doch bei Stuttgart, jetzt komm'ich schon wieder vom Thema ab. Dieses Spiel war auf jeden Fall eines meiner größten Erlebnisse als St. Paulianer. Und dann kam ja noch das Derby gleich am nächsten Spieltag. Kocians Salto nach dem Ausgleich und das beste Spiel von Kazuo Ozaki im braun-weißen Dress (naja, waren ja auch nur 6 Einsätze insgesamt, davon 6 Einwechslungen). Aber nichts geht in der 88/89'er über dieses Match gegen Stuttgart. Ich bin heute noch fassungslos, wenn ich an diesen legendären Fight denke. Lesen Sie in ÜS 36: Mein erstes Mal. |
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