Das Derby - Eine Nachlese
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"Dieses Spiel reizt zum Wiederholen. Fünf Tore - die Fußballfans sind voll auf ihre Kosten gekommen. Solch ein Derby sollten wir öfter veranstalten - auch im Interesse der Zuschauer."
Gehen wir einfach einmal davon aus, daß dieses Zitat unseres kommissarischen Vize-Präsidenten, Robert Ahrens, zu einem Zeitpunkt fiel, als dieser noch nichts von dem erfahren hatte, was sich nach dem Benefiz-Spiel St.Pauli - HSV vor dem Stadion und in den Straßen unseres Viertels abgespielt hat. Aber hierzu später mehr. Als erstmals bekannt wurde, daß es am 26. Juli zu einem der "beliebten" Stadtderbys zwischen unserem FC und dem HSV am Millerntor kommen sollte, waren die ersten Reaktionen unsererseits ziemlich eindeutig negativ gefärbt. "Sind die bescheuert?", "Nichts durch die zurückliegenden Derbys gelernt", "Das gibt wieder richtig Streß" u.ä. Äußerungen bestimmten die Diskussionen. Als später dann weiter bekannt wurde, daß es ein freundschaftliches Benefizspiel werden sollte, das sich das Hamburger Abendblatt zu seinem 50. Geburtstag von beiden Clubs gewünscht hatte, und von dessen Einnahmen ein Teil in die Fanprojekte fließen sollte (je Ticket DM 2,-), waren die Vorbehalte zwar immer noch da, aber irgendwie konnte sich ein Teil der Fanszene nun schon eher einen solchen Kick vorstellen; für die gute Sache halt. Nachdem schließlich die deutschen Deppen in Lens (viele ja bekanntlich von den HSV-Ultras) den Polizisten Nivel inīs Koma prügelten, herrschte bei den St.Paulianern die mehrheitliche Einschätzung, daß es sich zumindest die Hools in der jetzigen Situation kaum werden leisten können, vor, während oder nach dem Spiel am Millerntor groß in Erscheinung zu treten. Eine Fehleinschätzung, wie sich später zeigen sollte. Die Fan-Club-Delegierten-Versammlung des FC St.Pauli beschäftigte sich schließlich in diesem Zusammenhang auf ihrer Sitzung am 10.7. mit dem Gedanken, nach dem Spiel gegen den HSV eine Demo zu machen: Gegen Rassismus, Rechtsextremismus und Hooligans. Nicht nur als Reaktion auf die Ehrenkodex-Was-Ist-Das?-Hool-Spacken in Frankreich, sondern auch als Zeichensetzung gegen die Aufgabe des Viertels an Rechte und Hooligans nach dem Leipzig-Spiel. Überdies gab es die Idee, auch die korrekten HSV-Fans ausdrücklich zu
Es fing schon gut an: Knapp eine Stunde vor Spielbeginn die Vorankündigung von ca. 150 Schränken, die sich vom Kiez über die Detlev-Bremer-Straße ohne Polizei-Begleitung (!) in Richtung Stadion bewegen würden; also fast direkt am Pfennig vorbei, vor dem rund 40 Leute ihr Bierchen tranken. Zwecks Vermeidung von Hauereien zogen sich die Kneipengäste in Richtung Budapester Straße zurück, der Wirt schloß sein Etablissement. Tatsächlich passierte kurz darauf ein großer Block die Kreuzung Clemens-Schultz/Detlev-Bremer, mittlerweile allerdings unter Polizei-Aufsicht. Im Stadion dann zu sicherlich 90 % normale HSVer (einige auch in der Gegengeraden), in der Ecke Südkurve/Haupttribüne allerdings eine Meute, die gern schon einmal mit dem Abriß unseres Stadions begonnen hätte. Zunächst sollte der Zaun zwischen Tribüne und Kurve das Zeitliche segnen, die Aktion wurde allerdings von der Polizei unterbunden. War aber schon einmal ein kleiner Vorgeschmack auf das, was uns nach Spielende dann wohl doch noch erwarten könnte. Wäre schön gewesen, wenn die normalen HSV-Fans zu jenem Zeitpunkt ihren Unmut lautstark artikuliert hätten. Nach dem bitteren aber leider auch verdienten 3:2 für den HSV sollte sich dann der Demonstrationszug, wie im Flugi angekündigt, an der Ecke Budapester/Simon-von-Utrecht sammeln, um sich von dort über Hamburger Berg, Seilerstraße, Detlev-Bremer-Str. und Reeperbahn zur Abschlußkundgebung am Spielbudenplatz zu bewegen. Aber leider entwickelte es sich schon kurz nach Spielende ganz anders. Grundproblem: Die Polizei war nach dem Match nicht in der Lage, die beiden Fangruppen zu trennen, was sie übrigens später auch selber eingestand und mit "zu wenig Leuten vor Ort" begründete. So gelang es einer großen Gruppe von Hackfressen, sich kurz nach dem Spiel vor dem Millers zu sammeln, um gegen St.-Paulianer und den Pfennig vorgehen zu können. Dies führte zu den ersten Reibereien, bei denen dann auch die ersten Gegenstände flogen. Nach Einschätzung der Polizeiführung seien die Paulianer die ersten gewesen, die mit Flaschen/Steinen geworfen hätten. Nach Aussagen etlicher Augenzeugen flogen die ersten Klamotten allerdings eindeutig von Seiten der Anderen. Aber diese Frage hier zu klären ist von uns nicht nur nicht leistbar, sondern deren Beantwortung insofern auch völlig unerheblich, weil es eindeutig nicht die St.Paulianer waren, die die Konfrontation gesucht hatten. Als sich dann die ersten potentiellen Teilnehmer der Demonstration, darunter auch etliche HSVer (im Internet lagen die Schätzungen durch einige HSV-Fans zwischen 150 bis 200 Leuten, die ursprünglich bereit waren, sich der Demo anzuschließen), in Richtung Sammelpunkt bewegten, wurden Teilnehmer als auch der bereits postierte Lautsprecherwagen von zwei Seiten (U-Bahn St.Pauli und Simon-von-Utrecht-Straße) attackiert. An diesen Angriffen beteiligten sich offensichtlich nicht nur HSV-Kuttenträger, sowie stadtbekannte HSV-Hools, sondern auch angereiste Gewalt-Hooligans aus Hannover und Bielefeld. Geradezu lächerlich, daß sich die Hamburger Ultras auf ihrer Internetseite von den Ausschreitungen distanzieren und dreist behaupten, von ihnen sei niemand dabeigewesen, obgleich doch einige Ultras bei den Auseinandersetzungen eindeutig identifiziert werden konnten; und dies nicht nur durch die bekannten Shirts mit Aufdruck. In jener Situation entstand ein allgemeines Durcheinander, bei dem offensichtlich einigen Leuten nicht mehr klar war, wer hier eigentlich mit oder gegen wen war. So wurde ein unbeteiligtes 16jähriges Mädchen durch einen Flaschenwurf von Seiten der Angreifer inīs Gesicht getroffen und schwer verletzt (doppelter Kieferbruch, einige rausgebrochene Zähne). Zum Mitdemonstrieren bereite HSVer wurden nicht nur von den "eigenen" Leuten beworfen, sondern irrtümlicherweise in einem Fall auch von St.Paulianern bedroht, weil diese davon ausgingen, daß es sich um Angreifer hält; dafür Entschuldigung!
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Der Extrademoaufruf für die HSVer Nur im Gästebereich verteiltHallo HSVer,vielleicht habt ihr das Demoflugblatt gelesen, vielleicht habt ihr es aber auch gleich wieder weggeschmissen, weil es eben von den Scheiß Zecken kam. Nun, es kam tatsächlich von den Zecken, aber die Einladung an Euch, an der Demo teilzunehmen, war und ist durchaus ernst gemeint. Und es heißt nicht, daß wir mal wieder die ganz tollen sind und ihr die bösen. Weder das eine noch das andere stimmt. Nach den vielen Vorfällen der letzten Wochen ist es unserer Meinung an der Zeit, von Fanseite her ein Zeichen zu setzen, egal, ob wir von den vielen Arschlöchern in den Stadien angegriffen werden oder euer Ruf durch eben solche Leute zerstört wird. Wir mögen uns zwar heute beim Spiel bepöbeln ohne Ende, doch hoffen wir, daß das Ziel der Demo nach dem Spiel ein gemeinsames ist. Wir werden der Polizei vorschlagen, daß diejenigen von euch, die an der Demo teilnehmen wollen, sich auf der Ecke Detlef-Bremer-Str./Simon v. Utrecht-Str. sammeln und sich dann der Demo anschließen. Für beide Seiten wird das nicht ohne Probleme sein und wir wissen weder, wie viele von euch kommen werden noch, ob das mit der Polizei und den St.Paulianern alles so klappt, wie wir uns das wünschen. Laßt es uns einfach versuchen und uns unser Spiel nicht von ein paar Bekloppten und einem Haufen Faschisten kaputtmachen.Holt Euch das Spiel zurück. Die Unterzeichner des Demoaufrufes |
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