Der ÜBERSTEIGER
vor 5 Jahren

Heute:
Die erste Ausgabe erblickt das Licht der Welt

Ein Problem bei der Gründung eines Fanzines hatte ich ja beim letzten Mal noch gar nicht angesprochen. Wer kümmert sich eigentlich um die technische Umsetzung des geschriebenen und geknipsten Materials? Die ehemaligen Layouter des MR! hatten sich nämlich dem UNHALTBAR! zugewandt. Glücklicherweise (dachten wir jedenfalls damals) tauchte gleich zu Beginn ein gewisser Michael auf und hatte uns mit seiner Standardfloskel "Kein Problem" auch flugs in seinen Bann gezogen. Wenn er das sagt, wird das wohl auch klappen, und das im letzten Heft abgedruckte Flugblatt hatte er dann ja auch noch hingekriegt. Doch als es nun ans Layouten des Heftes ging, verabschiedete er sich und ward nie mehr gesehen. Freundlicherweise halfen uns dann die o.e. Olav und Toschi vom Uhb! aus der Patsche und zimmerten in zwei Nachtschichten das Heft zusammen, so sieht es dann allerdings auch aus; Bleiwüsten, keine Korrekturen usw., aber am 28.08.1993 zum Spiel gegen die Stuttgarter Kickers konnten wir den ÜBERSTEIGER Nr.1 zum Verkauf anbieten! Bei diesem Spiel flog übrigens nach ca. 10 Minuten ein gewisser Fredi Bobic vom Platz...

Was aber hatten wir der hungrigen Leserschaft (das Heft war nämlich schon am Spieltag so gut wie ausverkauft, so daß wir später noch mal Nachdrucke anfertigen ließen, die sind aber im Laufe der Jahre auch weggegangen) denn nun zu bieten? Zunächst einen fetten Tipfehler gleich auf der Titelseite, der Preis sollte nämlich miNdenstens 1,- DM betragen, da dieser aber so symptomatisch für diese erste Ausgabe war beließen wir ihn bis zur Preiserhöhung bei Ausgabe 8 so bei. Als Titelbild mußte ein spiegelverkehrter Claus Bubke herhalten. Im Vorwort wird von einer Planung auf 28 Seiten pro Heft gefaselt, ein Ziel, daß wir bei keiner einzigen Ausgabe erreicht haben! Die Musikrezensionen sollten sich übrigens "auf Sachen beschränken, die was mit Fußball zu tun haben". Nun ja, das ist uns im Laufe der Zeit ja auch etwas entglitten.

Ein Interview mit dem Präsidenten bringt den Versuch, uns zu erklären, wie der zu gründende St.Pauli-Fonds aussehen soll, haben wir zwar nicht ganz verstanden, Herr Weisener scheinbar aber auch nicht, wie die Zukunft zeigen sollte. Ach ja, vom Stadionausbau und Anträgen bei der Baubehörde wird auch erzählt, das hätte ebenso in jedem weiteren Heft der darauf folgenden fünf Jahre stehen können. Die Spielervorstellung bringt uns unbekannte junge Menschen namens Pröpper und Stanislawski näher, freut sich, daß Toni Sailer und Dirk Zander wieder da sind, setzt große Hoffnungen in Jens Scharping und begrüßt den Facharbeiter für Plasteverarbeitung Andreas Reinke.

In einer dreiseitigen Bleiwüste wird die vorhergehende Horrorsaison noch einmal mental verarbeitet, da ja seit dem letzten MR! am 18.04. nix mehr erschienen war, der drohende Absturz in die Drittklassigkeit wird noch einmal brutal ans Licht geholt, dies scheint auch den Autoren selbst beeindruckt zu haben, hofft er doch, "daß die nächste Polonäse auf der Reeperbahn bei einem Abstieg(!) abgeht". Zur Aufheiterung dürfen natürlich unsere Amateure und die Erlebnisse in der Oberliga-Aufstiegsrunde nicht fehlen (Wilhelmshaven!).

Chefrhetoriker Seppo Eichkorn gewinnt das Quiz mit 7,5 : 2,5 gegen Jürgen Wähling. Die ersten Auswärtsberichte führen uns nach Meppen und Essen, der aus Homburg findet mangels Aktualität leider keinen Platz mehr (sorry Sven). Durchhaltevermögen und Bestand zeigt nicht nur das soeben gegründete Bündnis antifaschistischer Fußballfans (BAFF), sondern auch Käpt'n Braunbär, der auch schon in der Nr. 1 die Mittelseite mit Klatsch und Tratsch und Seemannsgarn füllt. Zwei Drittel der damals noch gar nicht existenten APO erfreuen uns gleich mit einem der Highlights der ÜS-Geschichte, ihre "Dokumentation des Aufstiegs eines Underdogs zur Nummer Eins des Weltfußballs", natürlich am Beispiel des FC St.Pauli, ist übrigens auf unserer Internetseite immer noch nachzulesen.

Ansonsten findet sich auf den Standardseiten (Rezensionen, Leserbriefe, Döntjes) nichts unbedingt weltbewegendes. Der Artikel "Grabenkrieg", der eine Bilanz über die größer werdenden Gräben zwischen Fans, Verein und Mannschaft während der abgelaufenen Saison zieht, endet mit der Hoffnung, "irgendwann eine Mannschaft zu erhalten, deren Identifikationsgrad höher ist als der jetzige". Hat irgendwie auch nicht so hingehauen, nun ja. Unser Namensgeber Klaus Ottens erklärt uns in seiner Fußballfibel, was ein Übersteiger eigentlich ist ... und dann hatten wir da noch einen Beitrag unseres Amateur-Stadionsprechers reinbekommen, eine satirische Erwiderung auf einen MoPo-Kommentar des dortigen Sportchefs. Was uns daraus erwuchs, werdet Ihr in einer der nächsten Folgen, so Ihr denn wollt, nachlesen können. Bis demnäxt.

thomas

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