Da waren es nur noch drei, oder...?

Ein tränendurchtränktes Ciao geht an den Splitter und die Pipa. Das sind schon harte Momente, in denen man erfährt, daß die Mitstreiter die Segel streichen. Gerade jetzt, wo wir unseren fünften Geburtstag feiern UNS Uwe [11.3kB]und auf eine erfolgreiche Vergangenheit blicken, hätten wir gerne auch die nächsten Jahre gemeinsam erlebt. Schnief. Natürlich schauen auch Rafael und Jan auf schöne Jahre zurück, aber vor allem auch auf arbeitsintensive, hatten sie doch als Einzelkämpfer oft einen ungleich schwereren Stand. Daß private Veränderungen derartige Konsequenzen für uns als Fans und alle Fanzineleser nach sich ziehen, ist schon bitter. Die Redaktion wünscht den beiden alles Gute. Zwar seid Ihr ja nicht aus der Welt, doch die Fanzinelandschaft beim FC St.Pauli, einst Vorreiter, wird langsam leer. Wir können nur hoffen, daß es noch genug Menschen gibt, die Bock darauf haben, vielleicht ein neues Projekt auf die Beine zu stellen. Oder aber sie lassen ihre Schreibwut bei uns aus. Der Übersteiger freut sich über jedes neue eifrige Redaktionsmitglied, denn auch bei uns wird die Arbeit nicht weniger und noch mehr Schultern könnten den Umfang und die Bandbreite unseres Heftes besser tragen. Aber dazu am Ende dieser Zeilen mehr.

Die letzten Wochen waren natürlich nicht sehr aufregend, zumindest im sportlichen Bereich. Wir schleichen uns um den dritten Platz herum, ohne ihn jemals zu erreichen. Nun, freuen wir uns auf ein zweites Jahr zweite Liga, diesmal mit so illustren Gegnern wie Oberhausen, Köln oder vielleicht Offenbach. Womit wir auch schon beim Thema wären: Die Gegner. Das Heimspiel gegen Leipzig und die darauffolgenden Stunden haben zu erheblichen Diskussionen unter den Fans geführt. Eigentlich sollte zum heutigen Spiel noch ein Flugblatt erscheinen, welches ein wenig helfen sollte, Euch aufzurütteln. Dies hat leider nicht geklappt und so hofft Der Übersteiger auf entsprechende Reaktionen zu diesem Thema bei unseren LeserInnen. Wir hoffen auf zahlreiche Post, da Leipzig und die Folgen im nächsten Heft ein Schwerpunkt werden sollen. Die Kernfrage ist natürlich: Ist Euch das Bier nach dem Spiel wichtiger als Nazis auf dem Kiez? Ist "St.Pauli-Fans gegen Rechts" nur noch Politgefasel ohne echten Inhalt mehr? Seit Jahren sind die Rechten in den Stadien auf dem Vormarsch und spätestens seit dem 1.5. ist auch das Millerntor keine No-Go-Area mehr. Von Zusammenhalt und Entschlossenheit kann keine Rede mehr sein, ganz abgesehen davon, daß "unser" St.Pauli leider an der Feldstr. aufhört. Wer hierzu eine Meinung hat, ist aufgefordert, sie uns mitzuteilen, denn so kann und soll es nicht weitergehen. "Kein Fußbreit den Faschisten" darf ruhig auch mal wörtlich genommen werden und nicht nach dem 10. Bier am Tresen gerufen werden.

Rechts hin-rechts her, in diesen Zusammenhang fällt natürlich auch die Diskussion um unseren Stadionnamen. Die Arbeitsgruppe hat ein Ergebnis vorgelegt, welches im Sommer innerhalb des Vereins noch diskutiert werden soll. Die Vorwürfe gegen Wilhelm Koch scheinen sich zu zerschlagen, es verbleibt aber die Frage: Wollen wir, daß unser Stadion nach einem Mitglied der NSDAP benannt ist, völlig unabhängig von aktiv oder passiv, ob Mitläufer oder Täter? Auch hierzu im nächsten Heft ein wenig mehr.

Wie ihr seht, Arbeit gibt es genug. Auch für die Aktivistengruppe, die sich derzeit um ein Nachfolgeprojekt für den "Pfennig" kümmert. Hier ist noch viel zu tun und viel zu arbeiten. Wir wollen der ganzen Sache nicht vorgreifen und hoffen, Euch am Beginn der nächsten Saison ein wenig mehr über den Versuch des Erhaltes unserer Szene berichten zu können. Intelligente Köpfe und fleißige Lieschen sind immer gerne gesehen, über Räumlichkeiten in Stadionnähe würden wir uns sogar noch mehr freuen.

Jetzt haben wir nur in die Zukunft geschaut und uns gar nicht mehr mit diesem Heft beschäftigt. Die Euch in der Hand liegende Nr.33 hat zum 2.Mal Buchformat. Mehr kann der Drucker nicht heften, wir sind an unseren Grenzen. Dies liegt natürlich an dem WM-Spezial, den ihr in der Mitte des Heftes findet und der Euch die letzten Tage bis zur Copa Mundial hoffentlich ein wenig versüßt. Das "Randheft" hat dagegen nettes und weniger nettes zu bieten. Flüchtlinge auf St.Pauli, ein gern ignoriertes Thema, das wir und hoffentlich auch ihr bitte nicht mehr übersehen werden, geht leider, aber so ist nunmal der Fußball, in der Jubelorgie über Celtics ersten Titel seit 10 Jahren ein wenig unter. So sind wir Fußballasseln eben. Slainte. Natürlich nicht vergessen der Toto-Pokal-Sieg der Amateure, den mal wieder viel zu wenige der St.Pauli-Fans live gesehen haben (schämt Euch), Bücher über Bücher, tolle Preise bei wiederauferstandenem Quiz, dem Beginn der Rubrik ÜS vor 5 Jahren usw. Viel Spaß mit den folgenden Seiten. Wir als Redaktion, und damit zurück zur Einleitung, haben beschlossen, diesem ganzen Auflösungsdrang nicht nachzugeben. Für uns heißt es: Back to the Roots. Daher werden wir mit Unhaltbar! refusionieren und Euch in der neuen Saison, je nach Spielplan zum ersten oder zweiten Heimspiel, als Unübersteigbar begrüßen dürfen. Die Zeit läuft rückwärts und MR Nr.29 erscheint zum ersten Heimspiel der Saison 2002/2003.

Schönen Sommer wünschen Euch Eure Übersteigers, auch im Namen unseres Angetrauten vom Come Back in Düsseldorf.


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