Ottiottiottiottiotti

Tja, liebe Leute. Unser Interview vom letzten Mal stieß ja wohl durchaus auf Gegenliebe und so sollt Ihr auch nicht länger darben. Es folgt der Gesprächsrunde mit Otti Teil 2. Noch immer sitzen wir im Fan-Laden, schlabbern unser Bier und lauschen andächtig Ottis Worten oder besser, lassen ihn kaum zu Wort kommen, so nostalgisch sind wir inzwischen geworden. Viel Spaß.


ÜS1: Und der 6.6.93 jährt sich in diesem Jahr zum fünften Mal.
ÜS2: War das das Kopfballtor gegen Hannover?
ÜS1: Das war das Kopfballtor gegen Hannover, ja.
ÜS2: Ooooohhhhhh!!!

O: 1:0 war das, ne?
ÜS1: Du hast da ja auch eine entscheidene Rolle gespielt. Klaus Ottens am Millerntor, mit Funke am Ohr...
O: Ach ja, da hat Toni Sailer gerade für Duisburg ein Tor geschossen.
ÜS2: Deshalb war das Tor von Leo auch gar nicht so entscheidend. (Anm. d. T.: SPALTER) Das hätte auch so gereicht.
O: Ja, aber da war immer so ein Kribbeln dabei.
ÜS2: Aber als das Tor fiel, da waren alle..., da waren wir durch.
O (sinnierend): Toni Sailer auch noch.
ÜS2: Spielt der eigentlich noch in Stuttgart?
ÜS1: Ja, zwar kein Stammspieler, aber er kommt regelmäßig zum Einsatz.
ÜS2: Also, ich fand ihn gar nicht so schlecht eigentlich. Der war wahnsinnig schnell.

O: Ich hätte ihn auch gar nicht abgegeben damals. Den hättest du behalten können.
ÜS: Der hat 15 Tore in der Saison davor gemacht.
O: Bombig eingeschlagen.
ÜS: Erste Zweitligasaison.
O: Der hat ja auch gar nicht überlegt. Konnt er ja auch nicht.
ÜS: Das ist der Vorteil. Das war so ein richtig unbekümmerter ... Flitzer. Das war echt geil in der Zeit. Du hast den Ball nach vorne gepikt und er hat erst mal zwei Spieler überlaufen.
ÜS2: Ja genau, mit zwei Schritten. Mit diesen Riesenschritten.
ÜS1: "Der Mann mit dem gewagtesten Bewegungsablauf der 2. Liga", habe ich mal irgendwo gelesen.
Allgemeines Gegrunze
ÜS: Was war eigentlich Dein Highlight in Deiner ganzen Fußballzeit.

O: Ohh, Highlight???
ÜS: Ja, wo Du sagst, dieses Spiel oder diese Aktion...
O: Ja gut, das war ja immer...
ÜS: Nein, nicht jedes St. Pauli-Heimspiel, ich weiß...
O: Das war alles klasse.
ÜS: Irgendeine Szene, irgendetwas besonderes.
ÜS2: Also, wir erinnern uns daran.

O: Also, wie gesagt Frankfurt...
ÜS: Eben, Frankfurt (Anm. Nun laß ihn doch mal zu Wort kommen)
ÜS2: Das war doch das Spiel, wo Golke hinterher gesagt hat: "Ich hab das Tor gar nicht gesehen, schieß Du mal!"

O: Ja genau. Das war echt..
ÜS: Und irgendwo hast auch mal ein Tor fast von der Außenlinie gemacht.
O: Das war bei Fortuna Köln, schon in der zweiten Liga. 2:2.
ÜS1: Der Ball war eigentlich schon im Aus. Und dann kick. Mit rechts oder?
O: Was ich eigentlich gar nicht kann.
ÜS1: Sonst wär er auch nicht reingegangen.
O: Genau.
ÜS2: Das war so ein klassisches Tor im Zweitligastadion. Niedrige Ränge, Aschebahn und dann auf der anderen Seite. Guck mal, da fliegt der Ball. Wupp. Ja und?... Hä, wieso jubeln die denn jetzt.
O: Eigentlich waren's aber allgemein die Spiele gegen Frankfurt.
ÜS: Die Identifikation der Spieler mit dem Verein auch größer damals, oder?
O: Ja klar. Ich kann jetzt nicht für die Spieler sprechen, die die letzten zwei oder drei Jahre hier waren, aber so Spieler wie Zander, Dahms oder Golke, das waren alles Hamburger. Nach'm Spiel ging's in die Küche, da hast du dann mal ein paar Bier geschlabbert.
ÜS: Und der einzige, der heute noch in der Küche rumhängt, ist Torsten Fröhling, wenn er auf Besuch ist.
O: Das war immer so..., das war irgendwie Pflichtprogramm, aber was heißt schon Pflicht.
ÜS: Ich habe da noch zwei alte Spiele auf Video, damals noch bei RTL, das waren jeweils zwei 2:1-Siege nach Rückstand gegen Dortmund und Mannheim. Und da siehst du bei dem Dortmundspiel, wie der Schiedsrichter abpfeift und Du stehst da im Hintergrund und machst einen gigantischen Luftsprung, reißt die Arme hoch... und sowas siehst Du heute nicht mehr, auch wenn sie gegen Bayern gewinnen würden.
O: Das war ein Donnerstag abend. Zur Halbzeit bin ich eingewechselt worden.
ÜS: Und Zander und Golke haben die Tore gemacht.
O: Genau. das war aber auch ein geiles Spiel. Nach'm Spiel haben wir noch ein bißchen geflachst. denn Dienstag abend waren wir drei noch ein bißchen los. Zwei Tage vor'm Spiel. da haben wir noch einen Kleinen genommen. Und dann haben wir gesagt :"Siehste..."
ÜS1: Und ihr habt dann ja auch nicht bis sechs gemacht, oder?
ÜS2: Ne, bis sieben...

O: Ne, da war ja noch ein Trainingstag dazwischen, da konnten wir ja noch ausnüchtern.
ÜS: Aber so muß das doch auch sein. Eigentlich ist es fast egal, was Du machst, wenn Du richtig Bock hast, dann...
ÜS: Wieviel Tore hat Du eigentlich in der 1.Liga gemacht?

O: Sieben oder Acht.
ÜS: Na immerhin.
O: Ja, damals in Leverkusen, da haben wir 2:2 gespielt. das war auch ein schönes Spiel. Haben wir 2:0 zurückgelegen, da war der Rinus Michels noch der Trainer. Aber Leverkusen war immer ein dankbarer Gegner. Gegen die haben wir immer gut gespielt. Am Millerntor haben wir die immer weggehauen.
ÜS: Das ist ja heute noch so.
ÜS2: Was ist eigentlich mit Dirk. Der muß doch jetzt tieftraurig sein, nachdem Elber ihm seinen Rekord geklaut hat?

O: Seine Frau war gestern noch bei uns. Und die hat erzählt, daß unheimlich viele Zeitungen am Tag danach bei ihm angerufen haben. Und Fragen..."Ob er jetzt sauer wär, weil er nicht mehr Rekordhalter ist."
ÜS: Und? Ist er sauer?
O: Nö. Naja, vielleicht hat er es auch nicht zugegeben, immerhin stand er auch im Guiness-Buch der Rekorde. Und da fliegt er jetzt auch raus.
ÜS: Schon schade. Auch wenn es gegen den HSV war.
ÜS2: Und Olli Kahn war auch wieder dabei in dem Spiel.

O: Aber er hat ja noch einen Rekord. Das 2:0 fiel ja irgendwie nach fünf Minuten.
ÜS: Hat er das auch gemacht?
O: Ja, hat er auch gemacht.
ÜS: Egal. Traurig ist das. Scheiß Basler. Außerdem war das nicht so ein schönes Tor. das von Zander war schöner. Auch wenn er nicht voll getroffen hat.
O: Im Strafraum war er ja auch immer so torgefährlich. Da hat er ja immer nur sein Schlappen hingehalten. Auch in Dresden, da hat er ja auch viele wichtige Dinger gemacht.
ÜS: Nur sein Knie..
O: Ja, drei Kreuzbandrisse. Aber wie gesagt, in der Altliga. In Minden haben wir gespielt und Zander? Bester Spieler, bester Torschütze.
ÜS: Wer organisiert das eigentlich mit der Altliga?
O: Das machen Martin Peemöller, Edu Preuß, Werner Prokop. Das macht Spaß. In Minden war richtig gute Besetzung. Bayern München war da, mit Pflügler, Grahammer, Bulle Roth, das war ein richtig gutes Turnier, auch mit Schalke 04, mit Herget, und da standen wir im Endspiel. Naja, wir sind auch noch ein bißchen jünger.
Nach kurzer Diskussion über das Leben des Dirk Zander (Frührentner, BG-Fall, Umschulung, Trainerschein etc, welche in einem lauten und gehauchten "Blitzer" endete, wurde es dann wieder ein wenig gehaltvoller.
ÜS: Was war eigentlich Dein widerlichster Gegenspieler?
ÜS2: Dieter Schlindwein. Im Training.

O: Das Schlimmste war der Kutzop. Der hat dich nur angespuckt und Sprüche gemacht. das war ein widerlicher Typ.
ÜS: Hast ihn wenigstens mal getunnelt?
O: Ne, das habe ich nicht geschafft.
ÜS: Übersteiger?
O: Joo, das ging mal.
ÜS: Ich werd den Übersteiger an der Mittellinie nie vergessen.
O: Ich schaff das gar nicht mehr.
ÜS1: Der geforderte Übersteiger an der Mittellinie.
ÜS2: Sowas passiert heute nicht mehr.
ÜS1: Otti, mach es und wupp...

O: Der nächste Gegenspieler so 20m entfernt.
ÜS2: Das war unsterblich. Das macht heute keiner mehr.
ÜS1: Es fällt einem auch leicht derzeit, in alten Zeiten zu schwelgen.
ÜS2: Na und? Dafür sind wir hier.

O: Das war echt ne schöne Zeit. Aber dafür kannst Du Dir heute ja auch nichts mehr...
ÜS: Naja, irgendwas wirst Du Dir auch heute noch davon kaufen können, hähä.
ÜS2: Naja, aber das ist eine gute Frage, Was hast Du Dir damals überlegt, was 1998 wäre? Wenn man Profifußballer ist, dann denkt man doch sicher auch ein bißchen in goldenen Zukunftszeiten, oder?
ÜS1: Nationalmannschaft? Nach dem Tor gegen Frankfurt...

O: Heutzutage ja. Wenn du jetzt zwei gute Spiele machst, dann bist du ja gleich der Held. So wie ran das heute präsentiert. Die machen ja oft aus einem Pissspiel irgendeine Klassepartie. Also, die Ware Fußball verkaufen die schon ganz geschickt.
ÜS: Ab und an hört man ja schon Kritik.
ÜS2: Na ja, aber wenn man immer ganz genau aufpassen muß, um mal ein kritisches Wort zu hören. Aber egal. Zurück zum Thema. Was hast Du vor sieben Jahren über Deine Zukunft gedacht?

O: Ach. Du, da hatte ich gar keine konkreten Pläne. Vor sieben Jahren. Wie alt war ich da? 25. Da dachte ich auch noch: Paar Jahre Fußball spielen und dann schauen wir mal.
ÜS: Ich kam da drauf, weil so wenige aus diesen goldenen drei Jahren Bundesliga es später auch anderswo geschafft haben. Frank Wolf z.B., der ist heute wieder bei Holstein Kiel und ist damals so hochgejubelt worden.
O: Versteh ich auch nicht. Der hat damals eine Bombensaison gespielt. Und dann ist Helmut entlassen worden und Wohlers hatte überhaupt kein Bock auf Wolf. Der stand ja total auf Hollerbach. (Anm. Ihr erinnert Euch. das war der aus Rimpar) Linke Seite. Für mich war das damals auch unerklärlich.
ÜS: Aber das solche Leute dann auch bei keinem anderen Verein auf die Beine kommen?
O: Er ist dann ja nach Ungarn gegangen. Siofok. Und da war ich ja auch im Gespräch. Da wär ich auch fast gelandet. Doch die konnten keinerlei Sicherheiten bieten. Wölfchen ist dann aber runtergegangen und war dann aber ja nach einem halben Jahr wieder da. Vielleicht war er auch nicht so ein Typ, der sich woanders noch mal...
ÜS: Aber wenn Du so alle Namen durchgehst, wer hat sich denn überhaupt noch in der ersten Liga durchgesetzt. Zander und Golke. Aber sonst?
O: Ja, da kannst Du die Namen durchgehen. Die sind fast alle in der Regionalliga oder der Oberliga verschwunden.
ÜS: Das muß dann schon etwas ganz besonderes gewesen sein, daß die alle auf diesem Niveau haben drei Jahre spielen können.?
O: Ja, das war eine tolle Truppe. Das paßte einfach alles. Truppe, Umfeld, Fans. Dat lief einfach.
ÜS: Und wär vielleicht noch weiter gelaufen, wenn das damals nicht gegen Stuttgart passiert wäre.
O: Ja, Relegation, Abstieg, das haben wir selber verschuldet. Das hätte gar nicht soweit kommen müssen, daß wir auf dem 16.Platz gelandet sind.
ÜS: Aber auch die Spiele selber.
O: Da haben wir auch echt schlecht gespielt. Das war scheiße.
ÜS: Bist Du heute auch noch ab und an im Stadion.
O: Ab und zu. Wenn wir halt selber kein Spiel haben.
ÜS: Aber Kontakt zur Mannschaft? Außer Andre.
O: Wir spielen ja alle sechs Wochen Doppelkopf. Thomforde, Trulsen, Jens Duve und ich, und Walter Schröder. Wir versuchen, das alle sechs Wochen hinzubekommen. Das haben wir sonst ja auch immer gemacht.
ÜS: Das es das noch gibt. Aber was erzählen die denn so? Die müssen das doch noch am besten wissen.
O: Ja, da ist wohl vieles schief gelaufen in den ganzen Jahren. Hör auf. Mit den Trainern. Das waren wohl teilweise Sachen, da mußt Du mit den Ohren schlackern, wie das so alles gelaufen ist.
ÜS: Wie lange wollen die beiden eigentlich noch spielen.
O: Das weiß ich nicht. Truller hat ja jetzt auch sein Sportgeschäft.
ÜS: Läuft das?
O (lachend): Das weiß ich nicht. Da wird wohl mehr geklaut als gekauft.
ÜS: Und sonst. Ist da eigentlich irgendeiner mal ein bißchen abgehoben? Truller und Thomforde waren ja immer recht bodenständig (Anm. DM 5,- in's Floskelschwein)
O: Nö. Ich wüßte da keinen.
ÜS: Hat ja eigentlich auch nie einer Grund für gehabt.
O: Wer hat denn überhaupt woanders noch Fuß gefaßt und dann abheben können? Studer vielleicht.
ÜS: Stimmt. Den haben wir vergessen. Aber der hat sich ja auch im letzten Jahr ziemlich disqualifiziert.
(Die Story über Studer beim Spiel gegen Hansa am Millerntor wurde noch einmal hochgekocht und ein wenig über Rostock im Allgemeinen philosophiert. Otti erzählte noch sein persönliches Erlebnis, wie damals die Mannschaft erst nach drei Stunden das Stadion verlassen konnte.)
Aber wen gibt's denn noch aus der "Wer hätte abheben-Fraktion"?
ÜS2: Waldi Steubing?

O: Das war echt ein Netter. Aber was der jetzt macht? Ich glaube, der ist jetzt auch irgendwie Spielertrainer oder Trainer in der Landes- oder Verbandsliga bei ihm in der Ecke da unten, Mannheim irgendwo. Aber hat ja auch ein krankes Kind gehabt, das ist dann irgendwann gestorben. Ich glaube, 10 Jahre alt war der Kleine. das war schon hart. (Kurze Pause)
ÜS: Aber keiner konnte schöner Torchancen vergeben als Waldi. Gegen Hannover, alleine von der Mittellinie auf das Tor zu. Und dann verknoteten sich die Beine und...
O: Und gegen Bremen, das weiß ich auch noch. Das Tor war leer und er braucht ihn nur noch reinschieben. Und er gibt so eine Rückgabe, weil er dachte, der Schiri hätte gepfiffen. "Wie? Der Schiri hat doch gepfiffen." und der Schiri so: "Hmm. Hä?"
ÜS: Jaja, unsere Torjäger.
O: Richtige Torjäger hat es ja bei St. Pauli auch nicht gegeben. Zander, Golke haben immer ihre Dinger gemacht. Und Wenzel früher.
ÜS: Zu dem hast Du gar kein Kontakt oder?
O: Ne. Er wurde ein paar mal gefragt, ob er in der Altliga spielen will, aber der macht ja gar nichts mehr.
ÜS: Der hat sein Geschäft in Bad Segeberg und spielt viel Tennis.
O: Der ist auch oft nach dem Training dick nach Hause gefahren. Alter Schwede. Nach dem Training haben wir immer im Waldcafe Korell gesessen und.... Ein, zwei, drei und dann auch mal länger. Das war immer schön. Und Opa dann immer rein in seinen Jeep. Der konnt nicht umfallen (Frage: der Jeep oder Opa Wenzel?). Aber seitdem er aufgehört hat, habe ich nichts mehr gehört.
Tja Leute. Sinnieren in alten Zeiten. Und in schöner Erinnerung haben wir dann Ottis kleine Fußballfibel aus der Nr.1 noch einmal gezeigt. Diese wollen wir natürlich allen neuen Leserinnen nicht vorenthalten.
Ottis Kommentar: Oh, einmal noch jung sein.
Auch wußten wir nicht, wie lang das Interview werden sollte und so hatten wir ihm die Artikelliste der Nr.31 vorgelesen und er sollte dann immer einen kleinen Kommentar zu den jeweiligen, bis dahin feststehenden Themen abgeben. Einige der Themen sind dann nie erschienen oder Ihr lest sie erst in diesem Heft. Auch gut.
1. FC Bayern: "Geld regiert die Welt"
2. Arminia Bielefeld: "Haben sich für die neue Saison top verstärkt. Addo und Asamoah."
ÜS: Ist das fest?
O: Ja, das ist fest. Also, bei Otto gilt das für die erste Liga. Und bei Asamoah ist auch so, glaube ich.
ÜS: Und wenn die absteigen, da sind die wieder frei?
O: Ja, dann sind die wieder frei. Dann kann St. Pauli die schnappen.
3. Neues Stadion (erst in dieser Ausgabe): "Warum nicht. Irgendwas müssen sie machen. Natürlich ist das tragisch, wenn sie die Gegengerade abreissen. Aber neues Stadion am alten Standort, das ist schon gut."
4. WM: "Mein Tip ist Brasilien."
5. Heinz Weisener (auch erst in dieser Ausgabe): "Hat sicherlich auch große Verdienste um diesen Club. Wo es finanziell nicht so gut lief. Er hat aber auch sicher einige Fehler gemacht, personelle. Persönlich kann ich sagen, daß er immer der väterliche Freund war. Er hat nie auf die Tonne gehauen, die Mannschaft runtergeputzt, sondern hat immer versucht, im Guten einen Weg zu finden."
6. Fangesänge: Ottiottottiottiottiotti. "Meistens fing das ja von der Gegengerade an. Und das ging schon manchmal unter die Haut. Auch wenn du auf dem Platz stehst, dann kriegst du schon eine Gänsehaut, wenn 10-15000 mitsingen. Und der Torjubel, das ist ein geiles Gefühl."
7. Ratsherrn-Cup: "Fester Bestandteil im Hamburger Fußball, aber hat ein bißchen nachgelassen. Ich persönlich guck mir das nicht mehr so gerne an. Ich war aber auch nie ein besonderer Hallenspieler." (ÜS (Guido, um genau zu sein): Ich war auch nie der typische Hallenspieler und hab aber beim Millerntor-Cup ein Tor mit der Hacke geschossen.)
8. Hesse/Schümann: "Kurt Hesse ist sicherlich für die Amateure ein guter Trainer. Und mit Dennis habe ich auch schon ein paar Bier zusammen getrunken. Dennis ist ein netter Typ. Aber Kurt kann ich nicht so gut beurteilen. Ansonsten wurde ich immer vom Stadionsprecher der Amateure nett begrüßt, wenn ich da war."
9. König von St. Pauli: "Ich habe einen Teil zur Hälfte gesehen. Ich glaub, das war nicht der Hit. So wie mir das erzählt wurde."
10. SV Meppen: "War schön. Am schönsten waren immer eure Gesänge: Zieht den Meppenern die Gummistiefel aus. Das war das geilste. Nettes Clubheim haben sie und ein netter Club ist das. Alle ganz nett."
11. Berufsgenossenschaft: "Teilweise finde ich die Forderungen der BG schon berechtigt, weil das teilweise auch ziemlich ausgenutzt wurde. Die Erhöhung der Beiträge ist o.k., aber der Sprung ist ein bißchen heftig. Trotzdem. Ich habe mal von einer Studie gehört, da schrieben sie, daß die Fußballer nur zu 1% am Etat beteiligt waren, aber 80% der Schadensfälle hatten. Und das steht natürlich in keinem Verhältnis. Aber das deswegen Vereine in Konkurs gehen, das ist nicht ganz in Ordnung. Aber die BG kann ich auch verstehen."
12. Bierverbot bei Sportveranstaltungen: "Und dann hauen die sich vorher den Kopf zu. Normal, wenn ich irgendwo zum Fußball gehe, da gehört ein Bier dazu. Du kannst doch auch über die Straße gehen und Dir passiert was. Der Typ (Anm. der in Berlin die dänischen Fans angegriffen hat).hatte doch einfach einen Sprung in der Schüssel. Da hat der Alkohol eigentlich nichts mehr mit zu tun."
ÜS: Und was hältst Du von der Aktion "Rettet den HSV".
O: Als wir damals unten standen, hat keiner was gemacht. Ich gönn das dem HSV eigentlich nicht, die gehören in die erste Liga. Natürlich wär das geil, wenn St. Pauli statt des HSV in der ersten Liga spielen würde. Und ein Denkzettel wär das schon, z.B. für Uwe Seeler. Was hat der schon großartig bewegt?
ÜS: Hast Du eigentlich mal gegen Karl Allgöwer gespielt?
O: Wie kommst Du denn jetzt da drauf?
ÜS: Das war mein Idol.
O: Da habe ich keine besonderen Erinnerungen dran.
ÜS: Und Guido Buchwald.
O: Bei dem hast du dich immer erschrocken auf dem Platz. Der verzieht das Gesicht so komisch. Wenn Du den gesehen hast, hast Du geglaubt, der ist gestört.
Und dann holte Guido alle Stuttgarter raus, deren Namen er kannte. Das wollen wir euch dann mal ersparen. Zurück kamen wir dann aber auf Guido Buchwald.
ÜS: Das war bestimmt seine Taktik. Verzieht sein Gesicht und der Gegner bekommt die Panik.
O: Da kriegst du schon Muffe, wenn da so ein Klotz angerollt kommt. Und Sigi Reich. Der hatte mal ein Autounfall und bekam dann immer so Anfälle. Ganz komisch. Darum haben ja auch immer Reich und Schlindwein gegeneinander gespielt. Die haben sich immer gegenseitig auf's Maul gehauen.
ÜS: Ach ja, Schlindi.
O: Und die Gegenspieler haben immer die gelbe Karte gekriegt. Schlindi hat gezerrt und gezogen und dann haben die zurückgehauen und zack, hatten sie gelb.

Zack, hatten sie gelb. Das ist das Stichwort für das Finale. Denn sonst hätte Otti vielleicht noch gelb gesehen, wenn er noch später nach Hause gefahren wäre. Schließlich muß er nun immer früh raus und auch daran muß man sich erst gewöhnen. Uns drei hat die ganze Sache jedenfalls unheimlich viel Spaß gemacht und wir hoffen, daß ein wenig davon auf diesen Seiten rübergekommen ist. Wenn wir auch nur ein paar solcher Spieler, vor allem auch mit dieser Einstellung zum Club und zur Mannschaft hätten, dann würden wir erheblich viele Diskussionen weniger führen müssen. Schwelgen in der Vergangenheit bringt uns nicht weiter, aber trotzdem: Es war einfach schön. Dank an Klaus Ottens für das Gespräch und viel Glück bei Lurup, im Privatleben und natürlich in der Altliga, derer sich jetzt vielleicht ein paar Fans mehr annehemen werden. Kult lebt und muß am Leben erhalten werden. Und wenn es nur in der Altliga ist, dann läßt sich vielleicht vieles von dem, was wir täglich bei unserem Club erleben, ein wenig leichter ertragen.

Dank sagen lüh, Guido und noch immer als Gasttrinkerin Svenja

Copyright by Übersteiger


zurück Titelseite dieser Ausgabe weiter