Vielen von Euch werden die Geschehnisse rund um den englischen Verein Brighton & Hove Albion FC sicherlich im ÜS (26) und/oder Splitter (Nr. 16, die Lektüre sei Euch hiermit ans Herz gelegt!) bzw. durch die Berichte Attillas auf dem Fan-Kongreß in Oer-Erkenschwick verfolgt haben. Dennoch, für die Unbedarften unter Euch (und damit ich eine Einleitung zum diesjährigen Fans-United-Day habe...) ein kurzer Abriß von dem, was bisher passierte.
Der profitgeile Geschäftsmann kaufte sich ja bekanntlich für schlappe 56 Pfund in den Club ein und erkaufte sich dadurch die Macht im Verein. Dem Stadiongelände und dem möglichen darauszuschlagenden möglichen Gewinn galt allein seine Gier, und nach dem Verkauf an Spekulanten wurde das Stadion abgerissen. Anstelle des Goldstone Grounds wurde ein Konsumtempel errichtet, und man vermutet, daß Archer das eine oder andere weitere Pfund daran verdient haben soll. Der FC Brighton stand ohne Stadion da, und die "Heim"-spiele mußten von nun an im ca. 120 km entfernten Gillingham ausgetragen werden. Die Fans starteten wütende Proteste, (z.B. durch "Heim"-spielboykott) und es gründete sich die Brighton Independent Supportes Association (BISA). Diese rief vor fast genau einem Jahr zum Fans-United-Day am 08.02.97 auf. Ca. 11.000 Fans erschienen dann zum Spiel gegen Hartlepool United, um lautstark ihre Unterstützung zu zeigen und massiv ihrem Protest Ausdruck zu verleihen. Dem Druck der Fans (durch diverse Aktionen, wie z.B. ein paar häufige Besuche des Hauses, wo die Polizei bei jeder Ankündigung jeweils mit 'ner großen Menge vor Ort war, auch wenn keiner letztendlich kam oder nur harmlos aussehende sechs Leute) hielt Archer bald nicht mehr durch, und derzeit hält er "nur" noch 49,5 % der Anteile des Clubs, was bedeutet, daß er die Kontrolle über den Verein abgeben mußte. Das Ziel, ihn endgültig aus dem Verein rauszukicken, haben die Brightoner nicht aus den Augen verloren, wie uns Attilla versicherte, doch vorrangig soll ein neues Stadion "gefunden" werden. Um eine "neue Heimat" zu bekommen soll u.a. auch aktiv Einfluß auf die Stadtversammlung genommen werden. Die "Seagulls Party" wird bei der nächsten Kommunalwahl kandidieren und hoffentlich ein paar Sitze in dieser Versammlung ergattern. Nach dem vermutlich doch erfolgreichen und medienpräsenten Fans-United-Day im letzten Jahr, rief die BISA zum diesjährigen Aktionstag auf, der am 14.02.98 in Gillingham beim Spiel gegen die Doncaster Rovers stattfinden sollte, diesmal (passend zum Valentinstag) unter dem Motto "The heart of football". Auf dem B.A.F.F.-Wintertreffen in Mainz im Januar (Bericht hierzu in diesem Heft) fanden sich schnell einige Interessierte, dem Aufruf zu folgen (es waren B.A.F.F.ler von folgenden Vereinen vertreten: Köln, Darmstadt, Schalke, Duisburg, Saarbrücken, Mainz und St.Pauli; ich hoffe, ich habe keinen unterschlagen). Die Mainzer stellten spontan wieder einmal ihren Bus zur Verfügung (thanx!!!) und drei PKWs fanden sich dann auch noch. Es konnte also los gehen. Bis Folkstone klappte eigentlich auch alles reibungslos, aber nach dem Tanken wollte der Bus leider nicht mehr weiter, so daß wir auf der Autobahn liegenblieben. Eigentlich ist dies nicht sonderlich weiter erwähnenswert, wenn, ja wenn wir nicht auf dem Parkplatz, wo wir auf einen Pannendienst gewartet haben, nicht hätten feststellen müssen, daß Fußballfans Menschen zweiter Klasse sind. Die Polizei war nämlich schneller als der Pannendienst, und aus "just five minutes" zur Ausweiskontrolle wurde schnell eine Stunde. Die Panne war inzwischen behoben, aber wir warteten immer noch auf unsere Pässe. Die doch arg wortkargen Polizisten ließen uns auf erste Nachfragen wissen, daß der Computer ausgefallen sei und die Überprüfung deswegen noch andauere. Später erfuhren wir, daß es mit dem Spiel wohl nichts mehr werden würde, da wir ja schließlich Fußballfans seien, dies galt dann als Begründung für einen gründlicheren Check. Mit Glück könnten wir vielleicht aber doch noch die zweite Hälfte sehen. Elende Sucker! Die Zeit drängte, und Stuart verhandelte mit dem Bullen. Sie wollten auch nicht nur einen Paß herausgeben, bis alle überprüft wären (denn dann hätte der mit uns wartende PKW schon mal fahren können). Aber nach der Bitte, daß wir mit dem Vorgesetzten sprechen wollten, konnten wir kaum Luft holen, da lagen die Ausweise auf dem Tresen. Wenn wir den Boss noch sprechen wollten, müßten wir noch ca. eine halbe Stunde warten (ja, ja, daß die Uhren bei Euch anders laufen, haben wir ja mitbekommen), denn er wäre in einer Besprechung. Ansonsten dürften wir jetzt los. Thanks a lot, you bastards! Kurz vor Spielbeginn trafen wir dann aber doch noch am Stadion ein. Die letzte Hürde der Eintrittskarte genommen (magere acht Pfund für ein 3th-Division-Spiel) und rein ins Stadion. Entgegen auffälliger Aktionen sah man gelbe Feuerwehrhelme und natürlich eine Menge Fahnen. "Nur" 6.339 Zuschauer (im Gegensatz zum letzten Jahr) sahen sich das, wie ich fand, grottenschlechte 0:0 an, aber der Abwehrrecke aus Doncaster haute irgendwie jeden Ball weg, daß ein, wie ich finde verdientes Tor, einfach nicht fallen sollte. Im Gegensatz zum Vorjahr konnten wir die Mannschaft nicht zum dreifachen Punktgewinn bewegen. Attilla, zwischenzeitlich als Stadionsprecher tätig (s. dazu auch die Döntjes in diesem Heft), bedankte sich für die Unterstützung aller Fans anderer Vereine, sprach noch ein paar Worte zur Intension und Bedeutung dieses Tages. Aber, ohne das eigentlich bewerten zu können, war's doch im Stadion insgesamt eher enttäuschend, bis auf Gesänge und Haß-Tiraden für Archer, aber im Block hinter dem Tor soll doch einiges losgewesen sein. Unglaublich waren allerdings die Affengeräusche vereinzelter Idioten, die aber auf Hinweis von Stuart von dem "security-staff" ruhiggestellt wurden. Auf die hätten wir echt verzichten können. Die Presse war zum Spiel wohl zahlreich erschienen, was für die Sache doch auch wichtig ist, aber es stach mir in "The Times Monday" die Überschrift "United we stand und fall together" ins Auge. Naja, immerhin haben sie es geschafft, ein großes Foto eines Transparentes abzudrucken (leider nicht das B.A.F.F.-Transpi) mit der Aufschrift: "Rovers Are Red, BHA Are Blue, The F.A. Love 20 Clubs, But The Fans Love All 92". Der Ankündigung Attillas in der Halbzeitpause zu Konzert sowie weiterem nach dem Spiel verhallte offensichtlich bei vielen Leuten ins Nichts (die wohl lieber Techno-Partys bevorzugten, aus welchen Gründen auch immer), so daß wir vor eher mageren Publikum (ich hatte den Eindruck, daß dort überwiegend B.A.F.F.ler anwesend waren) einen doch sehr netten Konzertabend verlebten, bei dem sich die Musiker/Sänger noch im Anschluß an die "Darbietungen" spontan zum gemeinsamen "Gig" fanden. Sehr bewegend war allerdings das von Attilla selbst geschriebene Gedicht (nachzulesen im schon oben erwähnten Splitter Nr. 16), das er noch zum Besten gab. Der Abend/die Nacht wurde anschließend in seinem Haus verbracht (klar, daß ein gebührendes Dankeschön an Attilla, auch für seine kulinarische Versorgung, nicht fehlen darf!!) und der diesjährige Fans-United-Day war abgeschlossen. Nichstdestotrotz hoffe ich in Zukunft auf viele, weitere, massive, laute Aktionen: Bring home the Albion! P.S.: Fast vergessen hätte ich die Gütersloher, die wir bei einem Bierchen im "Cricketers" trafen. Sie sind nicht beim B.A.F.F.-Wintertreffen in Mainz gewesen und erfuhren von der Aktion erst durch's Internet, aber setzten sich nach ihrem Spiel in Nürnberg gleich ins Auto, um nach Gillingham zu kommen. Klasse! ta |
|
Titelseite dieser Ausgabe |
|