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Eigentlich sollte das Herz zu dieser Jahreszeit in lauschige Weihnachtsstimmung geraten, doch was im Moment bei dem Verein abgeht, dem ich nun fast seit 10 Jahren die Treue halte, schlägt mir eher gehörig auf den Magen. Es scheint so, als würden einige Herren im Verein das zur Adventszeit obligatorische "Türen öffnen" mit "vor-die-Tür-setzen" verwechseln. So spielten sich in der (braun-) weißen Vorweihnachtszeit Dinge ab, die mich als Fan in eine tiefe innere Krise stürzten. Wenn es nach mir ginge, würde ich dieses Jahr wohl bei einigen Herrschaften mit der Rute bescheren, zumindest fühle ich mich als Mitglied weder ausreichend informiert noch ernstgenommen. Doch nun zu den vier Adventsleuchten, die mir besonders unter den Nägeln brennen:
1. Advent:Papa Heinz, dessen väterliches Verhalten mich schon auf der Jahreshauptversammlung nicht besonders überzeugt hat. Meiner Meinung nach ist aus unserem Papa langsam aber sicher unser Opa geworden, und auf kurz oder lang scheint eine Alternative unvermeidbar. Der einzige Satz, den ich ihm in den letzten Wochen abgenommen habe, war, daß "er selber nicht genau weiß, wie es soweit kommen konnte". Ansonsten frag' ich mich, wie sein Verhalten zu erklären ist. Ich möchte ihm jetzt nicht in Boulevard-Manier eine Form von "Kleingeistigkeit" unterstellen, jedoch würde ich mir ähnlich wie die AGiM wünschen, daß er seine, für mich nicht nachvollziehbaren, Entscheidungen vor uns, den Fans, rechtfertigt. Für mich hat er im entscheidenen Moment nichts von seiner Führungsstärke gezeigt. Ja, er selber gab sogar zu, daß er von seinen Mitarbeitern nicht gut genug informiert sei. Man gut, daß der Mannschaftsrat diesen Part übernommen hat. Dann aber an einem Herrn Hinzpeter ein Exempel zu statuieren, dessen Begründung mehr als eine Lapalie ist, ist für mich ein klarer Beweis dafür, daß er im entscheidenen Moment beweisen wollte, daß er durchaus noch über die eben angesprochen Führungsstärke verfügt. Noch am Freitag während des Uerdingen-Spiels betonte er, daß er in Sachen Trainerfrage, "keine unüberlegten und voreiligen Entscheidungen mehr treffen will". Dies aber genau am Beispiel Hinzpeter zu tun, erscheint mir äußerst suspekt. Ich will hier nur mal zwei hypothetische Modelle anführen, mit denen ich versucht habe, meine Fragezeichen aus dem Gehirn zu verdrängen.Modell 1: Herr Weisener hat Helmut Schulte zurechtgewiesen, woraufhin dieser auch brav erklärte, daß er Fehler gemacht habe und daß er jetzt (in Assauer-Manier) näher bei der Mannschaft sein will. Erstaunlich, wie schnell Herr Schulte Loyalität bekundete. So schnell wäre es im Fall Hinzpeter wohl nicht gegangen, und da ein Machtbeweis her mußte, blieb kaum ein anderer übrig, an dem man eventuelle Defizite vertuschen konnte. Also raus mit dem machtbessesenen Vize, denn der Manager kriecht ja mittlerweile sowieso. Modell 2: Glaubt man der Begründung für den Hinzpeter-Rauswurf (AGiM-Antrag zur Senkung der Mitgliederbeiträge), so kann man sich nur noch am Kopf kratzen, warum dieser erst jetzt erfolgte. Ist es vielleicht so, daß Reaktionen wie Mitgliedschaftskündigungen gewollt sind? Schließlich ist es der einzige Weg, bei der Jahreshauptversammlung durch seine Stimme was zu verändern. Nur wer steigt bei solch' einem Verwirrspiel noch in den Verein ein und zahlt artig seine Beiträge? Keiner mehr, es sollten aber viel mehr Leute tun, denn es ist die einzig konstruktive Form des Protestes. Man könnte natürlich auch meinen, daß Herr Hinzpeter eine Leiche im Keller hat, über die artig geschwiegen wird und bei Nichtigkeiten, die an die Öffentlichkeit dringen, scheint es mir doch eher so, als hätte auch der ach so fannahe Vize nicht mehr die weiße Weste, die er sich so gerne überziehen würde. Aber das bleibt Spekulation.
2. Advent:Laut Eckhard Krautzun war es Schulte, der die Mannschaft zu dem Schritt bewegt hat, ihren Unmut beim Präsidenten kundzutun. Mal von der intriganten Art abgesehen, müßte Herr Schulte eigentlich am besten wissen, wie es ist, als Trainer beim FC St. Pauli abgesägt zu werden. Ich kann mir nicht erklären, welche Motive er hatte. Vielleicht wollte er am Ende dieses Jahrzehnts bei der internen Liste der miesesten Trainerentlassungen noch auf Platz zwei landen. In ihm scheint Heinz Weisener aber zumindest jetzt einen loyalen Bediensteten gefunden zu haben. "Vom Volkshelden zum intriganten, angepassten Ja-Sager", so oder ähnlich könnte der Titel seiner Memoiren lauten, behaupten böse Zungen.3. Advent:Hans Apel, bei dessen Auftritt auf der Jahreshauptversammlung sich so mancher fragte, ob dieser noch "alle Nadeln an der Tanne" habe. Es heißt, man würde Hinzpeter nicht mehr vertrauen. Wie kann man denn jemandem das Vertrauen entziehen, wenn nie eins vorhanden war? Es grenzt darüberhinaus geradezu an Feigheit, nach solch' einer Entscheidung nicht einmal klar und deutlich Stellung zu beziehen. Aber wer tut das noch in diesem Verein...4. Advent:Der Mannschaftsrat. Gute Tugenden wie Hinterhältigkeit und Scheinheiligkeit werden von dem dickem Kerl im roten Samtmantel eigentlich nicht honoriert. Aber der Weihnachtsmann ist ja eh immer der eigene Papa, und so fiel die Bescherung doch noch reichlich aus, obwohl sie nicht immer artig waren. Auf deutsch: Die miese Vorgehensweise in der Krautzun-Sache liegt auf einem ähnlich unterem Niveau, wie das spielerische auf dem Platz. Entweder war ich Idealist, oder habe die Realität einfach verpennt, aber das so etwas bei "meinem" Verein passiert, hätte ich mir nicht träumen lassen. Die heiligen drei Könige, Carsten, Markus und Carlo verwechselten den Stern am Himmel, der ihnen den richtigen Weg zeigen sollte, anscheinend mit einem gehörigen Wetterleuchten. Vielleicht hätten der Trainer und der Manager mal beim Präsidenten anfragen sollen, ob es möglich ist, daß von mir kritisierte Verhalten auf sie anzuwenden. Denn daß die Vertreter der Mannschaft ohne vollständiges Meinungsbild, und dazu gehören leider auch immer die Kritiker, einen solchen Schritt unternehmen, ist ganz egal in welcher Situation schlichtweg eine Frechheit. So, da brennt der Kranz nun also vollständig. Ich bin nur erleichtert, daß ich mir meine Meinung mal von der Seele schreiben konnte. Sicherlich nicht auf eine rationale Art und Weise, aber bei den ganzen Vorkomnissen kann ich mein Fan-Dasein einfach nicht mehr unterdrücken. Sollten sich jetzt einige Herren verunglimpft oder in ihrer Würde verletzt fühlen, sollten diese sich mal fragen, was sie mit ihren Entscheidungen anderen Menschen (ja, dazu gehören auch Trainer) angetan haben. In diesem Sinne ein beschauliches Weihnachtsfest.MiG |
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