ANWOHNERPARK STATT ANWOHNERPARKENRund zweimal so groß wie die Spielfläche am Millerntor soll er werden, eineinhalb Hektar. Er, der Park, die Grünfläche, um die AnwohnerInnen und Sympathisanten seit Jahren gekämpft haben. Nun scheint es geschafft, und nun sind die BürgerInnen gefordert, ihren erstrittenen Park auch gleich selbst zu gestalten.
DIE WENDEAuch wenn es zynisch klingen mag, aber die Auseinandersetzungen um die Schließung des Hafenkrankenhauses haben Bewegung in die Diskussion um die oben beschriebene Bebauung gebracht. Nachdem jahrelanges Streiten und eigene Vorstellungen und Konzepte von Seiten der Anlieger die Politiker eher nicht von ihrem Fundamentalismus abbringen ließ, bewirkte der in diesem Zusammenhang installierte 'Runde Tisch' das Umdenken. Die eingerichtete Unter-Arbeitsgruppe 'Park' leistete gute Arbeit und bewirkte einen Stimmungs- und Meinungswandel bei den Entscheidungsträgern. Naja, vielleicht war die anstehende Bürgerschaftswahl auch ein kleines Plus für die Park-Befürworter. Aber sei's drum, letztendlich rückten die städtischen Riegelbauer von ihrem Ursprungsvorhaben ab und gaben grünes Licht für eine Grünanlagen-Lösung, deren Planung sie den Anwohnern übertrugen. Übriggeblieben von den ursprünglichen Vorstellungen der Häuslebauer ist ein einziges Wohnhaus (10-15 Wohnungen in 4-5 Geschossen), das sich am Ende der Heidritterstraße befinden wird und allein deshalb nicht so sehr ins Gewicht fällt, weil es hinter bereits existierenden Gebäuden erbaut werden soll und somit nicht nur die Parkgestaltung nicht tangiert, sondern ebenso den freien Blick auf die Elbe garantiert. Außerdem konnte erreicht werden, hier ein Wohnprojekt anzuschieben, in dem bspw. generationsübergreifendes wie behindertenintegriertes Zusammenwohnen möglich wird. Positiv festzuhalten ist ebenso der Umstand, daß bei der aktuellen Planung auch das Gebäude des 'Pudels' erhalten bleibt, ein Haus, das eigentlich unter Denkmalschutz gestellt gehört, zumal es bis 1856 als Korndampfbetrieb diente.An dieser Stelle sei zu meiner Schande erwähnt, daß der Autor dieser Zeilen an einem wunderschönen Freitag im November ein Gespräch mit den 'Park Fiction'-Aktivisten Ellen Schmeißer, Dirk Paczia und Christoph Schäfer führen durfte, das aber leider nur noch aus der Erinnerung wiedergegeben werden kann (und in seiner Essenz in diesen Text integriert wurde), weil sich auf der mitgeschnittenen Cassette lediglich ein frustrierendes und permanentes Rauschen wahrnehmen läßt. Keine Ahnung, woran es gelegen haben könnte, aber dennoch: Asche über mein Haupt! EIN PARK IST EIN PARK IST EIN PARKAus dem Topf 'Kunst im öffentlichen Raum' erhielt die Initiative von der Kulturbehörde für die Planungen 125.000,- DM um das Projekt über Veranstaltungen publik zu machen. Diese Möglichkeit wurde und wird genutzt, außerdem wird von der Stadt eine Personal-Finanzierung übernommen, die allerdings auf mehrere Aktivisten-Köpfe verteilt ist, und deshalb auch entsprechend gering für jede/n Einzelne/n ausfällt. Leben kann frau davon nicht. Aber immerhin ist es so möglich, daß die Park-Realisierung auf dem 15.000-Quadratmeter-Areal fachlich begleitet werden kann, sowohl künstlerisch als auch landschaftsplanerisch. Schiller: "Kunst ist die rechte Hand der Natur".Um welche Fläche geht es nun eigentlich? Die nebenstehende Karte wird euch die Frage insofern beantworten, daß ihr erkennen könnt, wo sich die Grenzen (fettere Karo-Linie) befinden werden. Zu erwähnen ist noch, daß sowohl der sogenannte Schauermannsche Park (kleiner Grünstreifen mit ein paar Büschen und Bäumen an der St.Pauli Hafenstraße) als auch, und dies ist sehr wichtig für das Gesamtkonzept, der Kirchgarten (gut 0,5 Hektar) der St.Pauli-Kirche integriert werden. Wichtig deshalb, weil die Erfahrungen belegen, daß Parkflächen erst ab einer bestimmten Größe als Stätte der Erholung akzeptiert werden. Ansonsten enden diese als Freiluft-Klo oder Mülldeponie. Wichtig noch zu erläutern, daß der bislang noch triste Geesthang zur Elbe hin mit einer Turnhalle teilbebaut wird, deren Dach dann begehbar sein soll. Eine Maßnahme, die nicht nur wichtig für die anliegende Schule ist, sondern auch dafür sorgt, daß sich die ja nicht gerade üppig vorhandene zu verplanende Fläche noch ein wenig erhöht. Hinzu kommen geplante Entsiegelungen zwischen den Straßenzügen Pinnasberg und Bernhard-Nocht-Straße. ANWOHNER SOLLEN MITPLANENIm Mai 1998 soll es losgehen mit dem Bau des so innigst gewünschten Anwohnerparks. "Everything goes!" meinen die Initiatoren und sind schon fleißig dabei, Ideen zu sammeln. Die gab's zwar bereits auch schon früher (z.B. Rosen, Baumhäuser, Aquarium, Bananenstauden, Springbrunnen, Schafe auf der Weide u.s.w. Den schönsten Vorschlag aber machte Schorsch Kamerun: "Für eine Woche eine Maikäferplage" ausleihen!), doch nun gilt's, denn die Bahn ist frei. Um die Vorschläge der AnwohnerInnen ein wenig zu sammeln, steht seit dem 17.Oktober auf dem Gelände ein Planungscontainer, wo sich nicht nur Viertel-Bewohner über den Stand der Dinge informieren können (Öffnungszeiten: Mi. 17-19 Uhr, So. 14-16 Uhr), sondern auch eigene Vorschläge in jeder Form (Fotos, Zeichnungen, Pappmodelle, Knetmasse-Skulpturen, Batikarbeiten, Gehäkeltes u.s.w.) eingereicht werden können, nein: sollen! Die Wünsche dürfen aber auch auf den Hotline-Anrufbeantworter (31791644) gesprochen oder gefaxt (31791645) werden. Und auch andere Wege der BürgerInnen-Beteiligung werden beschritten: Mit einem Planungsbüro im Aktenkoffer, dem 'Action Kit', geht das Team von Haustür zu Haustür, um so auch jene zu erreichen, die, aus welchen Gründen auch immer, nicht den Weg zum Container finden. Noch bis April werden die Ideen gesammelt, dann wollen die Park-Fiction-Leute mit vielleicht 3-4 Modellen, die sie aus allen Anregungen zusammenbasteln, in eine Stadtteilkonferenz gehen, um dort diese zu diskutieren und schließlich soll kollektiv entschieden werden, wie der Park auszusehen hat. Parkkonsumenten sind also gleichzeitig auch Parkproduzenten.Die Finanzierung der Parkgestaltung werden sich dann wohl der Bezirk (welcher eigentlich?) und die Umweltbehörde irgendwie teilen, wobei noch nicht klar ist, ob es eine nach oben gesetzte finanzielle Grenze gibt, an der die Geldgeber sagen könnten, daß dies ihnen zu teuer sei. Einen Namen hat der neue Park übrigens noch nicht, und auch wer diesbezüglich gute Ideen hat, sollte sich dort melden. Bleibt festzuhalten, daß der geschundene Stadtteil einen Ort der Ruhe dringend braucht, denn nicht einmal an Wochenenden gibt es für die Bewohner von St.Pauli-Süd die notwendige Erholung. Ganz im Gegenteil, denn dann fallen die Touristen in das Quartier ein; von See- wie von Rotlichtseite. "Komm in den totgesagten Park und schau: Der Schimmer ferner lächelnder Gestade" (Stefan George). ro. |
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Termine: "Selbstorganisiertes Fernsehen", 22.01.1998, 19.30 Uhr, Kölibri, Hein-Köllisch-Platz 12; Eine Veranstaltung des Projekts 'Park Fiction'. 24.01.-29.01.1998 Videoprojekt im Planungscontainer - Verfilmt eure Parkidee - Infos und Anmeldung im Büro. 29.01.1998 19.30 Uhr Kölibri - Diavortrag: Heilige und symbolische Gärten 04.02. 19.30 Uhr Kölibri - Orientierung im Stadtraum, Vortrag von Architekt Volker Dose. |
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