Liebe Redaktion,im § 11, Abs. 1 fordert Ihr eine Stellungnahme zu der von Euch aufgestellten Einnahmenüberschußrechnung für DSF-Live-Übertragungen, welche wir wie folgt - in der Hoffnung, mehr Transparenz in die Zahlenspiele bringen zu können - hiermit überreichen.Zunächst möchten wir anerkennen, daß Ihr Euch in der Sache sehr viel Mühe gegeben habt, den Fall inhaltlich zu gliedern und eine statistische Beispielrechnung zu erarbeiten. Wir gehen davon aus, daß Eure Beispielrechnung weitestgehend die Realität abbilden sollte bzw. Ihr - bestimmte Annahmen treffend - Euch zumindest nahe an diese heranarbeiten wolltet. Darüber hinaus haben wir den Eindruck gewonnen, daß Euch gewisse Informationen schlicht und ergreifend gefehlt haben, vielleicht sogar fehlen mußten, so daß letzten Endes Euer Fazit für uns nicht stimmig sein kann. Desweiteren glauben wir, daß einige wesentliche Aspekte in der Betrachtung zu kurz kamen, anderen hingegen zu viel Gewicht beigemessen wurde. Im einzelnen: 1. TV-Gelder:Es ist richtig, daß pro Live-Übertragung der Heimverein DM 75.000,00 erhält, der Gastverein DM 25.000,00. Ebenso konnte man sehr richtig in den Zeitungen lesen, daß ein Flutlichtverein aus dem DSF-Pool weitere DM 176.470,00 pro Saison erhält, geteilt durch 34 Spiele DM 5.190,29, also erhalten wir DM 80.190,29 pro Live-Spiel.
2. Gelder aus BandenwerbungDie Banden-Einnahmen bei Live-Spielen setzten sich wie folgt zusammen:
Die Ausgaben/Erstattungen errechnen sich wie folgt: Erstes Ergebnis: Wenn es dem FC St. Pauli gelingt, alle Banden vor dem ersten Spieltag zu den Preislistentarifen zu vermarkten, verdient der Verein pro DSF-Live-Übertragung aus dem Bereich Bandenwerbung DM 18.029,47.
Die aktuelle Situation sieht wie folgt aus: Wir müssen pro DSF-Übertragung 18 Banden durch Freiaushänge ausgleichen, pro Spiel werden 8 Banden erstattet, die restlichen 8 Banden (Bandeninhaber) sind bereits auf 14 Heimspiele kalkuliert, davon ausgehend, daß der FC St. Pauli viermal pro Serie ein DSF-Heimspiel haben wird. Vier Banden werden im TV-Bereich nicht vermietet, sondern als Ausgleichsflächen benötigt. Zweites Ergebnis: Es wird unterstellt, daß die genannten vier Banden nicht anderweitig vermietet werden können, somit ohne Einnahmeverluste zu generieren, als Ausgleichsflächen genutzt werden können. Ferner gehen wir davon aus, daß alle 18 Banden wirklich frei ausgehängt werden, daher keine Barleistungen fließen müssen. Die zu leistenden Erstattungsbeträge (8 Banden) bzw. die nichtkalkulierten Beträge (ebenfalls 8 Banden) - Basispreis ist hier der o.g. Durchschnittspreis - ergeben in der:
Fazit: Pro DSF-Live-Übertragung verdient der FC St. Pauli aus dem Bereich Bandenwerbung Die Realität zeigt, daß unter Zweitligabedingungen ein Totalausverkauf sämtlicher Werbeflächen zu Preislistentarifen absolut unwahrscheinlich ist. Noch unwahrscheinlicher ist eine hohe Auslastung nach einem vorausgegangenen Abstieg (siehe Eintracht Frankfurt, KFC Uerdingen u.a.). Selbst unter Erstligaverhältnissen ist eine hundertprozentige Auslastung zu Normalpreisen nicht möglich. Da wir der Realität nahe kommen wollen, sollten wir das zweite Szenario zugrunde legen, zumal unser Stadion, unter Branchenkennern wie der DSR, im Hinblick auf die sportliche Situation als außerordentlich gut vermarktet gilt.
Teilfazit: Der FC St. Pauli erlöst aus Bandenwerbung pro Live-Spiel ca. DM 41.477,00. 3. Eintrittsgelder:Spieltag/Wochentag Zuschauer:
Die Auslastung der bisherigen Montagsspiele lag um 812 Zuschauern niedriger als die Wochenendbegegnungen. Daraus resultieren Mindereinnahmen in Höhe von rund 19.000 DM pro DSF-Spiel im Bereich Eintrittsgelder.
4. Nebeneinnahmen:Im Bereich der Provisionseinnahmen aus dem Verzehr im Stadion gibt es keine Umsatzeinbußen im Bereich Wurst, Brezel, Kebab und Softdrinks. Allerdings gibt es beim Bierverkauf geringfügige Einbußen. Die Angabe der Holsten-Brauerei, montags rund 8.000 Biere weniger zu verkaufen, stimmt nicht mit den Abrechnungen überein. Der vermutete Verlust von DM 7.200,00 ist somit falsch. Maximal 1/5, also DM 1.440,00 an Provisionen entgehen dem Verein in diesem Bereich.Im Bereich des Fan-Artikelverkaufs ergeben die Zahlen dieser Saison, daß es keine spieltagsbedingten signifikanten Unterschiede im Abverkauf unserer Artikel gibt. Vielmehr scheinen ganz andere Gründe hierfür verantwortlich zu sein, wie Wetter, Spieltag am Monatsanfang oder mehr am Ende, Tabellenstand und allgemeine Stimmung etc.
Nicht vergessen wollen wir unseren Versandhandel, der aufgrund vergrößerter Reichweiten vermehrt überregionale Bestellungen erhält. Aus den nördlichen vier Bundesländern (ohne MkPo) erhalten wir nur 39 % unserer Bestellungen. (Anm. d. ÜS: Der Rest aus dem Norden kann ja auch vor Ort und in den Kaufhäusern direkt kaufen) 5. Das Clubheim:Der wirtschaftliche Erfolg eines gastronomischen Betriebes hängt von vielen Faktoren ab. Diese wollen wir hier nicht näher untersuchen, jedoch wird in der Woche weniger getrunken und früher nach Hause gegangen als am Wochenende. Andererseits ziehen die Montagsübertragungen, insbesondere von FC St. Pauli-Auswärtsspielen, zusätzliche Gäste in das Clubheim. Insgesamt läßt sich an Heimspieltagen feststellen, daß die Besucher maximal drei Stunden nach Schlußpfiff im Lokal verbleiben, während sie früher bis weit nach Mitternacht blieben.6. Andere Kneipen:Die soziale Verantwortung des Vereins für den Stadtteil kann nicht auf selbständige Gastronomen angewendet werden. Grundsätzlich bleibt festzustellen, daß durch die Besucherströme des Vereins das Umfeld (Kneipen, DOM, Schwarzbierverkäufer) deutlich profitiert. Dieser Umstand kann im Umkehrschluß nicht als "Negativposten" in einer Überschußrechnung einbezogen werden.
7. Darüber hinaus:Die vom Übersteiger gestellte Wirtschaftlichkeitsberechnung zu den Montagsspielen ist letztlich sehr isoliert aufgestellt worden. Bei einem so weitreichenden Thema sollte man über den Tellerrrand des Millerntors hinausschauen und die TV-Übertragungsproblematik im Zusammenhang mit ligaspezifischen Gesamtbedingungen bewerten:a. Der FC St. Pauli ist in die zweite Liga abgestiegen, ein Umstand, der schlechtere Rahmenbedingungen, insbesondere aber eine geringere Medienpräsenz, nach sich zieht.
b. Die 2. Liga gewinnt duch die Vermarktung der Montagsspiele auch auf dem Bandensektor an Professionalität und medialer Präsenz. Dies gilt besonders für "kleinere" Vereine. Somit werden den Zweitligisten entsprechende werbliche Refi¯anzierungsquellen erschlossen. Schließlich sind die TV-Bandenpreise im Verhältnis zur Saison 94/95 (letzte Zweitligaserie vor dem Aufstieg) um 100% gestiegen. In diesem Zusammenhang darf man auch nicht vergessen, daß nur ein Teil des DSF-Engagements betrachtet wird, õenn die Kurzberichterstattungen am Wochenende hat es in dieser Ausführlichkeit nie gegeben. c. Für große Zweitligisten wie dem FC St. Pauli wird ein Rollentausch vom Subventionsempfänger der 1. Liga zum Subventionshelfer der 2. Liga vollzogen. Dies erscheint uns im Sinne des Solidaritätsprinzips auch nur gerecht. Schließlich bekommt jeder Zweitligist, auch wenn er gar nicht übertragen wird, aus dem Topf eine Garantiesumme. Dies ist unserer Meinung nach nicht nur eine Frage der Toleranz und Solidarität, sondern wurde vom Verein und den übrigen Zweitligisten mit dem DFB beschlossen, somit auch eine Frage der Vertragstreue. d. Für den FC St. Pauli ist es wichtig, vor 0,85 bis 1,5 Millionen Zuschauern via TV gesehen zu werden. Jede Form des Sportsponsorings, das Hauptgeschäftsgebiet der Marketing, hängt von der Medienpräsenz ab. Würde der FC nicht im TV und in der Presse stattfinden, könnten wir dicht machen, da die Ziele des Vereins und seiner Werbepartner mindestens in der Bekanntheitsgradsteigerung, dem Transfer positiver Imagedimensionen und der Verankerung des jeweiligen Markenauftritts im sportlichen Umfeld liegen. e. Der FC St. Pauli verfügt im gesamten Bundesgebiet über Anhänger, die nur durch die Berichterstattungen im DSF - insbesondere durch Live-Übertragungen - "ihren" Verein sehen können. Auch dies ist eine Frage der Toleranz. f. Bei einer globalen Betrachtungsweise kommt man zum Ergebnis, daß der Profi- und auch teilweise der Amateur-Fußball im wesentlichen von den Einnahmen aus der Fernsehvermarktung lebt. Die Zentralvermarktung durch den DFB und der Finanzausgleich unter den Vereinen hat zum finanziellen Gleichgewicht der Profiligen beigetragen und die heutige Nachwuchs- und Behindertenförderung erst ermöglicht. Ohne TV ist Profifußball nicht mehr finanzierbar, ein Angriff gegen das DSF ist ein Angriff auf die Überlebenschance des FC St. Pauli. Die größte Einnahmequelle der kürzlich vorgestellten Bilanz des Vereins stellt mit mehr als 9 Mio. DM das TV-Geld dar. Dies wird sich in der Zweitligabilanz zwar von der absoluten Höhe her, nicht aber hinsichtlich der Verhältnismäßigkeit zu den anderen Einkünften (Zuschauern, Werbeeinnahmen und ggf. Transfererlöse) ändern. Die in Gang gesetzten Umstrukturierungsprozesse und das damit verbundene Entschuldungskonzept können nur zum Erfolg führen, wenn der Verein sein wirtschaftliches Gleichgewicht aus eigenen Ressourcen findet. Dazu muß man sich den Gegebenheiten des Marktes "unterwerfen". Der Vergleich der Wettbewerbsfähigkeit der Profivereine findet nicht nur auf dem Rasen, sondern auch in den Bereichen Marketing, Merchandising, Medienarbeit und Dienstleistung statt. Diese Branchenmechanismen müssen wir akzeptieren, wenn es weiterhin Profifußball am Millerntor geben soll. g. Die Frage der Fernsehvermarktung hat insbesondere durch den Vorstoß des Kartellamtes beim BGH gegen die Zentralvermarktung des DFB an Brisanz gewonnen. Sollten die Bundesrichter gegen die angewandte Praxis und somit auch gegen den damit verbundenen Finanzausgleich entscheiden, wäre der FC St. Pauli gezwungen, seine Fernsehrechte selbständig zu vermarkten. Branchenkenner schlagen die Hände über dem Kopf zusammen und wundern sich über das kontraproduktive Verhalten einiger Fans des FC St. Pauli. Ein hochrangiger Vertreter einer renomierten Rechteverwertungsgesellschaft bezeichnete dies als "Suizid auf Raten".
8. Fazit:Die vorgenannte Untersuchung zeigt, daß auch wir uns mit diesem Thema sehr intensiv auseinandersetzen. Das in den Räumen der Marketing zu diesem Thema geführte Interview hat wenig Licht in diese Frage gebracht, zumal vorher nicht bekannt war, in welchem rechnerischen Kontext und zu welchem Ziel die Gesprächsinhalte verwendet werden sollten.
Sicherlich klingt die Untersuchung gelegentlich etwas hart und streng kommerzorientiert, aber niemand kann der Marketing in ihrer bisherigen Arbeit Mangel an Sensibilität vorwerfen. Unseren Fans soll keinesfalls die Kreativität und Individualität genommen werden, aber wir sollten endlich akzeptieren, daß wir als Verein in der zweiten Liga uns den Rahmenbedingungen dieser Leistungsklasse anpassen müssen. Unsere Fußball-Partys sind keine geschlossene Gesellschaft, genauso wenig wie der FC St. Pauli lediglich Stadtteilverein ist.
In der Erkenntnis dessen hat der Verein zusammen mit den übrigen Zweitligisten in der Saison 94/95 für die DSF-Spiele und die Zentralvermarktung aller Banden durch die DSR beim DFB votiert. Kritiker sagen zu Recht, es hätte damit verbunden zwingend eine entsprechende Aufklärungsarbeit gegenüber den Fans erfolgen müssen, um die finanzielle Notwendigkeit dieser Entscheidung klar zu stellen. Hätte man Vor- und Nachteile der Live-Spiele einmal öffentlich abgewogen, wäre die DSF-Diskussion - damals wie heute - ehrlicher und somit auch fairer geführt worden. Unser Ziel muß es daher sein, in die erste Liga aufzusteigen - Premiere-Übertragungen finden halt am angesetzten Spieltag statt - und sich dort zu etablieren. Um dieses Ziel zu erreichen, brauchen wir Geschlossenheit und eisernen Willen, bei der Mannschaft als auch beim Publikum. Wir brauchen Kampfbereitschaft und somit auch persönlichen Verzicht um der Sache willen. Zu guter Letzt benötigen wir allerdings auch Geld, welches Dank der noch bestehenden TV-Zentralvermarktung des DFB und dem Finanzausgleich kraft Solidarprinzip zur Verfügung steht, jedoch müssen wir uns als Gegenleistung an die TV-Verträge halten, welche unter anderem für die 2. Liga die DSF-Montagsspiele festschreiben. Je transparenter jedem einzelnen diese Zusammenhänge werden, desto mehr Akzeptanz entwickelt sich bei jenen, die sich darüber besonders ärgern.
Abschließend noch unsere Rechnung:
Wohlbemerkt handelt es sich hierbei nur um die quantitativ meßbaren Zahlen, die den Montagsspielen direkt zurechenbar sind. Andere Aspekte, mehr qualitativer Art, wurden angesprochen, aber mangels Greifbarkeit außer Acht gelassen. Für freuen uns über eine Veröffentlichung und stehen Euch jederzeit gern für Rückfragen zur Verfügung. Eure FC St. Pauli Marketing GmbH
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