Reclaim the Club!Fragen zum Rauswurf von Christian HinzpeterAls wir unser Plakat für die Weihnachtsparty 1997 entwarfen, konnte keiner ahnen, wie sehr wir vor allem unsere eigene Stimmung damit trafen. Gemünzt war es auf die sportliche Situation, die an sich schon schlimm genug ist. Natürlich waren auch die beiden JHVs, der Umgang des Präsidiums mit den Fans und vieles mehr dafür verantwortlich, daß 1997 als Debakel in Erinnerung verbleiben wird. Doch kaum war die Plakatidee geboren, brach es auf uns hinein, wie es keiner erartet hatte. Der Aufstand des Spielerrats und eines Herrn W. aus Dü. und all die seltsamen Aussagen der Spieler und der Vereinsführung sorgten für ausreichend Gesprächsstoff und Emotionen, die sich in der Stimmung auf den Rängen gegen Uerdingen kanalisierten. Dieses Thema wird auch ausführlich in diesem Heft behandelt. Doch ahnen konnte am 27.11. natürlich keiner, was am 02.12. dann Wahrheit wurde. Christian Hinzpeter trat zurück oder wurde zurückgetreten. Selten war die Stimmung im Fan-Laden derartig emotional aufgeladen. Einige suchten Trost, andere planten imaginäre Anschläge, Last-Minute-Trips wurden angekündigt (Nur noch weg!) und innerhalb von wenigen Minuten wurde die AAF (Anti-Apel-Front), Bewegung 2. Dezember gegründet. Und so oft in diesem Sport die Emotionen hochpeitschen, häufig kühlen sie sich schnell wieder ab. Nicht so im Fall Hinzpeter. Zu viele Fragen stellen sich und zu wenige Antworten wurden gefunden. Wir können wohl niemals aufdecken, welche Prozesse sich derzeit in den Hallen der Hansastraße und auf dem Feld der Heiligen Geister abspielen. Doch wir erlauben uns, unsere Sicht der Dinge darzulegen und viele Fragen zu stellen! Ob und wann wir oder Ihr Antworten finden, wird sich zeigen.Fakt 1: Am 02.12. ist Vize Christian Hinzpeter zurückgetreten. Er kam damit dem Rausschmiß zuvor. Grund dieser Entwicklung war eine Erklärung der Amateurvertretung (dem Organ der unteren Fußballmannschaften und aller anderen Abteilungen im Verein), die eine weitere Zusammenarbeit mit Hinzpeter ausschloß. Ausschlaggebend soll gewesen sein, daß Hinzpeter das Ergebnis der Beratung mit Vertretern der AGiM zum Antrag auf Verbesserung der passiven Mitgliedschaft (vgl. Bericht zur JHV) nicht an Niewiecki und Weisener weitergeleitet hat. Das gesteht Hinzpeter auch ein. Er sah die Sache als nicht so wichtig an. Dem Mißtrauen, welches von der Amateurvertretung ausgesprochen wurde, schlossen sich mehrere Mitglieder des Aufsichtsrates an (Heinz Weisener in Sat1 regional am Dienstag, den 02.12.). Fakt 2: Das Versäumnis, den Antrag der AGiM nicht weiterzuleiten, ist ein schweres Vergehen. Nach wochenlangen Bemühungen seitens der AGiM, in Kontakt mit dem Präsidium zu treten, ging man voller Hoffnung in diese Verhandlungen, war doch von vornherein klar, daß nur mit der Unterstüzung der Vereinsspitze eine Akzeptanz von AGiM-Anträgen auf der JHV zu erreichen ist. Da jedoch der Antrag trotz allem verhandelt wurde und voraussichtlich durchkommt, herrschte auf AGiM-Seite kein nachträglicher Frust. Das Versäumnis an sich kann nicht der Grund für den Rausschmiß sein, höchstens der Auslöser. Vorwürfe an Hinzpeter1. In den Pressemeldungen klang oft durch, daß spätestens seit der Verhandlung mit der AGiM Hinzpeter zu viel Fannähe gezeigt habe. Der Riss, der zwischen kritischen Fans und der Vereinsführung besteht, scheint hier sein erstes Opfer gefunden zu haben. Wenn beim FC St.Pauli Fannähe und Vermittlung ein Delikt sind, dann...2. Nachdem die Rolle als Kronprinz, die Hinzpeter immer zugesprochen wurde, nicht mehr so von ihm ausgefüllt werden sollte, habe er sehr viel Vereinspolitik auf eigene Faust betrieben (so Heinz Weisener) Dies ist, ehrlich gesagt, eine beknackte Floskel ohne Inhalt und Tatsachen. Den Beweis dieser Aussage bleibt Weisener schuldig. Klar aber ist, nicht nur kritische Mitglieder werden verbal standrechtlich erschossen, sondern auch Menschen in der Vereinsführung. Ein Diktator duldet niemanden neben sich. Nur diese Deutung läßt Weiseners Aussage zu, solange keine Inhalte folgen. 3. Hinzpeter soll sich durch die fehlende Ausdefinition seiner Tätigkeit in alles eingemischt und vor allem die Arbeit auf der Geschäftsstelle blockiert haben. Uns steht nicht zu, dies beurteilen zu können, aber präzisiert wird auch diese Aussage nicht. Fakt aber ist, daß Hinzpeters Aufgabe, abgesehen von den Kontakten zum DFB, tatsächlich nicht klar umrissen waren. Frage: Wurde versucht, dies intern zu klären oder gewartet, bis es zu spät war? 4. Hinzpeter soll nach außen hin nicht immer die Linie des Präsidiums vertreten haben. Erstens gibt es gar keine Präsidiumslinie, sondern nur eine Weisenerlinie und zweitens gab es in letzter Zeit offizielle Statements nur zu den Themen Stadion, Trainer und JHV. Hier trat Hinzpeter fast nie in Erscheinung. Wenn aber z.B. das Interview mit Hinzpeter in ÜS 29 eine Rolle gespielt haben soll, dann merkt beim FC ohnehin keiner mehr etwas, denn da waren nun überhaupt keine revolutionären Aussagen drin. Zur PersonChristian Hinzpeter war über 10 Jahre hinweg in verschiedenen Funktionen die Figur in der Vereinsspitze, mit der sich die Fans identifizieren konnten. Papa Heinz hin und her, Millionen mögen abstrakten und ab und an auch unterwürfigen Dank sichern, Fannähe schafft man damit nicht. Gerade letzteres hat aber dafür gesorgt, daß der Schock bei vielen Fans umso tiefer sitzt. Wir müssen uns ehrlich eingestehen, daß wir nicht beurteilen können, welcher Qualität die Arbeit von Christian Hinzpeter war, allerdings geben wir auch keinen Pfifferling darauf, wie diese jetzt von verschiedenen Personen in Vereinspositionen nachträglich beurteilt wird. Warum sollte dies glaubwürdig sein? Klar ist, daß Hinzpeter die Person war, die eine Verbindung zwischen dem FC St.Pauli und seinen Fans schuf. Vieles von dem, was wir heute als selbstverständlich ansehen (Fan-Laden, Stadionordnung gegen Rechtsextremismus, diverse Fanaktionen und Gespräche mit dem Präsidium) ist zwar nicht von ihm inszeniert worden, aber maßgeblich unterstützt worden. C. Hinzpeter war immer die Person, die ansprechbar war für die Fans und vor allem den Fan-Laden und der alleine durch seine Existenz geholfen hat, viele Dinge umzusetzen oder in die Wege zu leiten. Wir wissen nicht, inwieweit Vorwürfe in Richtung "Blockade der Geschäftsstellenarbeit", "hat nie was umgesetzt" etc., die jetzt bei vielen informellen Gesprächen durchklingen, der Wahrheit entsprechen. Wir wollen sie auch nicht per se negieren, aber aus ganz subjektiver Fansicht stellt die Demission Hinzpeters einen Riesenverlust dar, der durch keinen, und ich betone keinen, adäquat ersetzt werden kann. Und wenn hier intern auf Hinzpeter herumgehackt wird, dann erlauben wir uns, zu einigen Personen und Sachlagen Fragen zu stellen.Die FragenPerson 1: Herr G. WeisenerDer Sohn des Präsidenten war bei den Gesprächen zwischen der AGiM und Hinzpeter dabei. Seine Rolle war klar. Er sollte beurteilen, inwieweit der Antrag der AGiM aus seiner Sicht umzusetzen sei und er brachte auch eigene Ideen ein. A) Sollte es tatsächlich so sein, daß Götz seinen Vater über zwei Wochen lang nichts über das Gespräch erzählt hat? B) Ist die Nähe oder die Gesprächsbereitschaft mit der sogenannten Opposition für einen Vizepräsidenten verwerflicher als für den Chef der Marketing? C) Warum hat sich Götz Weisener bisher nicht zu den Vorwürfen rund um diesen Antrag geäußert oder warum wurde er bisher nicht gefragt?
Welche Funktion hatte Hinzpeter gegenüber den Amateurabteilungen? Wie konnte der Vizepräsident die Arbeit der Amateurabteilungen stören oder blockieren? Welche Ziele vertreten die Amateurabteilungen in dieser Situation? Und welche Rolle spielt die graue Eminenz der Amateurabteilung, Frau Schnell, in dieser Situation. Eine Person, die, wenn man sie kennt, eigentlich nur durch Unhöflichkeit auffällt und von der man nicht mal genau weiß, wie sie in ihre Ämter rutscht. Und finalement: Welcher Schulterschluß besteht zwischen Amateurvertretung und Geschäftstelle?
Person 3: Herr Abad Was sucht Herr Abad auf dem Treffen der Amateurvertretung mit der AGiM? Er ist Leiter der Geschäftsstelle und hat dort eigentlich nichts zu suchen. Auf dieser Sitzung soll er auch Politik gegen Hinzpeter gemacht haben, ganz nach dem Motto: Was wollt ihr denn? Der hat doch nie was umgesetzt. Wie kann sich eigentlich ein Abad, der erst knapp über ein Jahr im Verein ist, anmaßen, über die Arbeit eines anderen zu urteilen, der insgesamt 10 Jahre im Verein war. Und finalement: Welchen Schulterschluß gibt es zwischen Geschäftsstelle und Amateurvertretung?
Person 4: Herr Apel
Person 5: Herr H. Weisener
Der Verein
FazitIhr seht, es bleiben diverse Fragen zu Vorgängen und Personen offen. Wahrscheinlich werden wir diese auch nie klären können. Mit der Person von Christian Hinzpeter geht eine Integrationsfigur, die wohl nie zu ersetzen sein wird, verloren. Darüber sind wir maßlos enttäuscht, verärgert und sauer. Denn rein subjektiv deutet dies auf eine Entwicklung hin, mit der sich der FC St.Pauli immer mehr von seinen Fans entfernt. Der kommissarische Nachfolger Robert Ahrens hat zwar in der Satzungskommission seine Aufgeschlossenheit gegenüber der AGiM bewiesen, doch noch ist es zu früh, ihn zu beurteilen. Aber er muß sich an Christian Hinzpeter messen lassen, ein aus Fansicht fast schon aussichtsloses Unterfangen.AufrufLiebe Fans,seit Jahren wird über den FC St.Pauli diskutiert; über Mythen, über Professionalität und über Euch. Derzeit haben wir den Eindruck, vor einer riesigen Mauer zu stehen, auf deren schier unereichbaren anderen Seite der Verein liegt, dem wir so viel Engagement und Herzblut schenken. Euch ist über Jahre hinweg eingebleut worden, daß die Vereinsspitze und in Persona Heinz Weisener den Verein gerettet haben. Dies ist nicht wahr. Er schuf "nur" die Rahmenbedingungen (und dafür gebührt ihm Dank, ohne das dieser stets wiederholt werden muß), das Leben, der Inhalt jedoch, das seid Ihr. Weder die Marketing noch die Vereinsführung scheint zu merken, daß das gesamte Image des Vereins, seine Medienpräsenz, seine Beliebtheit, seine Einmaligkeit nur von einer Seite geschaffen wurde und erhalten wird: von Euch. Ihr seid St.Pauli, Ihr macht St.Pauli, Ihr lebt St.Pauli. Auf den Rängen habt ihr die Macht, warum nicht auch im Verein? Wer jetzt aus dem Verein austritt, der hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Und wer jetzt nicht in den Verein eintritt, der darf eigentlich auch nie wieder meckern. Der Rausschmiß von Hinzpeter muß für Euch das letzte Zeichen gewesen sein. Werdet endlich Mitglied, auf daß wir beweisen können, wer St.Pauli ist. Nicht der alte Stamm ist der Verein und erst recht nicht Hans Apel. Ihr seid der Verein. Reclaim the club!!! Dies ist kein Aufruf zur Revolution, sondern zur Mitarbeit.
lüh |
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