DSF UND KEIN ENDE

Nur ein kleiner Nachtrag: "Wir können nicht wegen zehntausend Leuten im Stadion Millionen am Bildschirm aussperren", so DSF-Chefredakteur Rudolph Brückner lt. Süddeutscher Zeitung vom 5.11.1997. Einmal abgesehen davon, daß das Argument der 'vielen' Zuschauer am Bildschirm unsere Argumente gegen die Montagsspiele nicht annähernd entkräften kann (Ich spare mir an dieser Stelle, diese zu wiederholen. Ihr kennt sie alle!), will doch einmal hinterfragt sein, was denn "Millionen" Zuschauer in der Definition des Herrn Brückner eigentlich sind. Ein Blick auf die Daten des Media-Control-Zuschauerverhaltens ist da schon recht interessant.

04.08.1997: Nürnberg gegen Freiburg wird von 830.000 Menschen gesehen
11.08.1997: St.Pauli vs. Mainz gucken 850.000 Leute
15.09.1997: Düsseldorf-St.Pauli schauen sich 840.000 Glotzer an
22.09.1997: Das Highlight Uerdingen contra Freiburg sehen 950.000 Freaks
29.09.1997: Den Reißer Leipzig gegen Uerdingen tun sich 760.000 an
06.10.1997: Fürth-Nürnberg gucken immerhin 1,2 Millionen Fans
20.10.1997: Frankfurt versus Uerdingen sehen 1,28 Millionen Zuschauer

Aktuellere Zahlen liegen mir leider nicht vor, doch werden diese nicht wesentlich anders sein, als die obigen. Nehmen wir zur Kenntnis, daß der DSF ein bundesweit zu empfangender Sender ist, so relativiert doch bspw. die Einschaltquote des Regionalliga-Matches Hannover-Braunschweig, das vom regionalen N3 live übertragen wurde, den Quoten-Erfolg des Sport-Privatfernsehens. Exakt eine Million Zuschauer verfolgten das Spitzenspiel der Nord-Liga.

Da verwundert es natürlich nicht, daß sich das DSF neue Einnahmequellen sichern muß. Der Deutsche Tischtennisbund beschloß auf seiner letzten Sitzung, dem Sender 600.000 Mark dafür zu zahlen, die Spitzenspiele der Liga live zu übertragen. Dies ist ein Novum, denn damit kehren die Ping-Pong-Artisten das bisherige System der Finanzierung in ihr Gegenteil. Erstmals wird ein Sender dafür bezahlt, daß er Spiele einer Sportart im Fernsehen ausstrahlt. Und nun wird der Kirch-Sender übermütig und dreist, denn den Handballern wird vom Spartensender die Pistole auf die Brust gesetzt: Entweder ihr zahlt 35.000 Mark pro übertragenem Livespiel, oder es gibt keine Liveübertragungen mehr. Die Zelluloid-Zauberer haben also quasi den Dammbruch initiiert, der das DSF in eine Position bringt, all jene Sport-Sparten unter Druck zu setzen, die nicht dem TV-kompatiblem Mainstream entsprechen. Eine fatale Entwicklung, die allerdings nur Fortsetzung dessen ist, was wir als Fußball-Fans ohnehin schon kennen: Ein Ausgeliefertsein gegenüber einem Geldgeber, den offensichtlich nur die Dollarscheine interessieren und nicht wirklich die Interessen von Vereinen und deren Fans in seine Überlegungen mit einbezieht.

Letzter Beweis für diese Annahme ist das undurchsichtige Hickhack um die Verlegung des FC-Heimspiels gegen Unterhaching, das zunächst von Freitag auf Sonntag und wieder zurück verlegt wurde und nun auf einem Montag stattfinden soll (da hätte ich eigentlich das Weihnachtsessen mit meinem Betriebsrat gehabt). Es herrscht die reine Willkür bei der Festsetzung der Termine, und nicht einmal bereits verabredete Feiern mit Sponsoren und Fans sind Garanten dafür, sich auf den ursprünglichen Termin verlassen zu können. Allerdings spielt auch der DFB, der sich in der Diskussion ja immer gerne auf die vorhandenen Verträge zwischen den Vereinen und dem DSF beruft, eine hier sehr zwielichtige Rolle. Glaubt man der 'Hamburger Morgenpost' (19.11.), so darf das Spiel allein deswegen nicht am Freitag stattfinden, weil der DFB keine anderen Interessenten in der 2.Liga gefunden hat, die eine Live-Übertragung am Montag wolten. Dies läßt selbstverständlich einige Interpretationen zu:

  1. Die DSF-Montagsspiele werden gegen den ausdrücklichen Willen aller (!) Zweitligisten dennoch gezeigt.
  2. Der DFB hat doch noch, entgegen aller bislang geäußerter Statements, die Möglichkeit, Einfluß auf die Terminierung der vom DSF geplanten fucking Montags-Dates auszuüben.
  3. Auch der Verein hat, entgegen bislang anderslauternder Mitteilungen, durchaus die Gelegenheit, gegen einzelne Montagsspiele zu intervenieren.

Mein ganz persönliches Resümee in dieser Angelegenheit: Das DSF ist weiterhin eine Institution, die es zu kritisieren gilt. Der FC St.Pauli ist aus seiner Verantwortung nicht zu entlassen; es kann nicht angehen, daß es nur der Hauptsponsor 'Jack Daniels' ist, der gegen die ungeliebten Montagsspiele schießt. In diesem Sinne: Fuck DSF!

ro.

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