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Nein, nein, Herr Christian Hinzpeter macht nicht neuerdings Werbung für einen Sportartikelhersteller. Nach den vielen Dingen, die in den letzten Wochen oder Monaten passierten, fragten sicher einige: Quo vadis St.Pauli? So war es einfach an der Zeit, sich mit einem Präsidiumsmitglied auf ein Wort zusammenzusetzten. Unser Vize wollte uns in einer netten Runde vor dem Wattenscheid-Spiel die Visionen des Präsidiums näher bringen. Apropos nett: Als wir überpünktlich in der Geschäftsstelle auf Herrn Hinzpeter warten mußten, kam ein Herr Schulte herein, seine Begrüßung: "Was wollt Ihr denn hier?" - Aber das ist ein anderes Thema...
ÜS: Wie lange sind Sie jetzt schon in der Vorstandsarbeit bei St.Pauli tätig?
CH: Ich sag' immer elf Jahre, ich weiß nicht, ob das stimmt ehrlich gesagt. Begonnen habe ich 1986/87, glaube ich. Damals zu Oberligazeiten war ich Beisitzer im Vorstand. Das war die Zeit, wo ich noch in der Gegengerade stand, und die damalige Situation mit der heutigen der Amateure vergleichbar war. Ich dachte, daß es schlau wäre, jemanden zu haben, der die Interessen der Fans gegenüber dem Vorstand und Präsidium vertreten kann. Und ich habe ihnen erklärt, was da so vor sich geht. Daraus sind dann Ideen entwickelt worden, z.B. der Fan-Laden.
ÜS: Wo liegen heute Ihre Aufgaben als Vizepräsident?
CH: Heute habe ich mir im Rahmen des Präsidiums meine Aufgaben selber zu setzen. Ich mache mit Heinz Weisener den Teil von täglicher operativer Unterstützung, was hier so stattfindet. Sei es nun bei Spielertransfers oder bei juristischen Angelegenheiten. Neben der Öffentlichkeitsarbeit liegen auch die DFB-Kontakte bei mir, Kontakte mit den Spielern, die ja auch ihre Probleme haben, sei es nun juristischer oder persönlicher Natur.
ÜS: Ist die Aufgabe ehrenamtlich?
CH: Ja. Wir bekommen vom Verein nur eine Kostenpauschale, was wir verfahren, verfliegen und essen. In Zukunft wird das nicht mehr möglich sein. Mittlerweile ist das ein Wirtschaftsunternehmen mit 15 bis 20 Millionen Mark Umsatz im Jahr. Das kann man dann nicht guten Gewissens verwalten, wenn man nebenbei noch arbeitet.
ÜS: Kommen wir jetzt zu den Geschehnissen der letzten Wochen, zur Aufsichtsratswahl und zur AGiM. Was für ein Bild haben Sie persönlich von der AGiM?
CH: Ich habe ja nun tagtäglich damit zu tun gehabt und da wäre es sträflich gewesen, wenn ich kein Bild hätte. Ich habe unterschiedliche Bilder, weil es in jeder Gruppe unterschiedliche Personen gibt. Ich sehe und beurteile Personen unterschiedlich, unabhängig davon, ob ich sie einer Gruppierung zuordne. Da bin ich nicht so einer, der alles über einen Kamm barbiert.
Die AGiM und die Aufsichtsratswahl. Ich bin der Meinung, daß interessierte Mitglieder vom Verein bedient werden. Die Sache ist in einer Zeit entstanden als wir Probleme mit den Amateuren hatten (die habt Ihr immer noch d.T.) und wo wir Satzungsdinge zu regeln hatten, die dann die Gruppe für sich als Thema besetzt hat, mehr oder weniger sinnvoll, aber im Endeffekt mit einer ordentlichen Lösung. Vielleicht hat das nur etwas beschleuningt, was sowieso gekommen wäre. Die Aufsichtsratsgeschichte ist von mir nicht so gewollt, ich dachte der Wahlausschuß wäre eine demokratischere Sache, weil ich immer wollte, daß die Mitgliederversammlung als oberstes Gremium bestehen bleibt. Das war mein erster Ansatz, das hätte man auch so lassen können.
ÜS: Die Mitgliederversammlung ist immer noch das höchste Gremium, sie kontrolliert ja auch den Aufsichtsrat.
CH: Stimmt. Vielleicht noch was zu der Zusammensetzung des Aufsichtsrates und die AGiM. Es ist ja viel darüber geschrieben worden und böses Blut darüber vergossen worden. Ich habe gedacht, es wäre das schlaueste, wenn man die Leute, die uns immer kritisch ins Stammbuch geschrieben haben und auch die Öffentlichkeit dazu benutzt haben, uns zu erklären, was wir täglich falsch machen, mit hineinnehmen sollte, um letztlich zu zeigen, was wir täglich machen müssen. Daß man dieses Übermißtrauen abbauen kann und das alles auf einen Nenner kriegt, um eine Sache am funktionieren zu halten, ohne daß es zuviel Einbußen gibt, an dem was mir wirklich wichtig ist an diesem Verein. Wenn mir diese Sachen genommen werden, die mir wirklich wichtig sind, diese Grundideale, die ich habe, dann würde ich einfach nicht weitermachen, dann kann der Aufsichtsrat sagen was er will und soll machen was er will.
Es wäre mir sehr lieb gewesen wenn Holger Scharf von der AGiM gewählt worden wäre. Ich wäre davon überzeugt gewesen, er hätte innerhalb eines halben Jahres die Dinge von einer anderen Warte aus gesehen. Ich bin seit langen in engen Gesprächen mit Holger und er ist aufgeklärt über viele Dinge, die normal hier auch so herum schwirren. Da sehe ich auch, daß er sehr viele Sachen weiß und begreift. Das war für uns dann schwierig, die Artikel der AGiM nachzuvollziehen und zu ertragen, daß wir von ein Fettnäpfchen ins andere treten und daß Heinz Weisener, letztlich ein Verbrecher sein muß, weil er soviel Geld erwirtschaftet...
ÜS: Moment, sie werfen da zwei unterschiedliche Artikel in einen Topf, die im ÜS 27 nicht von den gleichen Autoren verfaßt wurden und die sich auch auf ganz andere Sachen beziehen...
CH: Diese Geschichten sind damals so für uns mißverständlich geäußert worden, dadurch daß sie alle der AGiM zugeordnet worden. Es gab mehr oder weniger laute Teile der AGiM und auch sicherlich einige Trittbrettfahrer, die sicher an dem kritischen Material, was da aufgebaut worden ist, für irgendwelche Sachen zu nutzen, die weder der Sache noch anderen Dingen genützt haben. Ich weiß sehr wohl, daß es zwei unterschiedliche Dinge sind, die eine das mit dem Fettnäpfchen und die Geschichte mit den Amateuren. Da muß man einfach einen Mensch wie Heinz Weisener verstehen, der sich Tag und Nacht krumm gelegt hat, daß er das falsch verstehen muß. Ich war der Mittler, und habe versucht das so hinzukriegen, daß wir einigermaßen neutral in diese Veranstaltung gegangen sind und ich weiß, daß das sehr auf Kritik gestoßen ist, was vorher war mit der Presse und diesen ganzen Geschichten, aber man muß das aus der Zeit heraus sehen. Dafür werbe ich noch heute um Verständnis auch bei uns, daß das Präsidium auch mal Dinge mißversteht.
ÜS: Kommen wir zum DSF: Vor der ersten Spielübertragung konnte man die von Ihnen gemachte Äußerung "Wer gegen das DSF ist, sei gegen den Verein und gegen den DFB" in der Presse lesen. Das Zitat stand so im Raum, ohne das wir einen Sinn dahinter sehen.
CH: Ich meinte damit, daß war natürlich ein wenig provokativ formuliert, wer scheiß DSF schreit, meint damit auch scheiß St.Pauli, scheiß DFB, scheiß Kommerzialisierung, scheiß Medialisierung, scheiß Zeit, scheiß Kapitalismus, das stimmt ja auch. Es steckt ja auch alles mit drin. Fußball ist nun mal nicht mehr so wie bei Altona 93. Der Fußball hat sich dorthin entwickelt. Man kann davon halten was man will, man kann versuchen selber mitzubestimmen oder man kann sich nur schlicht damit abfinden und das will ich nicht. Das wollte ich damit sagen. Also im Grunde ist "Scheiß DSF", "Scheiß alles", scheiß Fußball so wie er heute ist und darüber kann man lange streiten. Ich würde nicht nur "Scheiß DSF" schreien, obwohl ich auch diesen Termin nicht gut finde, obwohl ich auch weiß, welche negativen Seiten das alles hat.
ÜS: Es erscheint so, daß es für den Verein selber nicht so viel Geld bringen würde, daß es eher eine Image und Vermarktungssache sei, die man auf den Rücken der Fans austragen würde. Das steht Image der Fans gegen das Image der Werbeträger?
CH: Diese Frage ist absolut gerechtfertigt.
ÜS: Es gibt mehrere Summen, die hinsichtlich des DSF, im Raum stehen...
CH: Ganz grob, 250.000 DM gibt es, wobei 100.000 DM an den Heimverein gehen. 25.000 DM bekommt der andere. Der Rest verteilt sich auf verschiedene Töpfe. Einen DSF-Topf, der nur in der zweiten Liga verteilt wird, einen allgemeinen Live-Topf, der auch in der ersten Liga verteilt wird. Kann man das auf den Rücken der Fans austragen? Diese Frage kann ich nicht hundertprozentig beantworten. Auf der einen Seite brauchen wir das, aber was wäre die Alternative? Nicht mitmachen? Wir nehmen an einen vom DFB gestellten Betrieb teil. Der DFB gibt uns die Einrichtung erste oder zweite Liga zur Verfügung und da müssen wir uns qualifizieren und beantragen eine Lizenz. Mit der Beantragung geben wir die Rechteverwaltung ab. Das heißt: Bitte DFB du kannst das besser, weil du zentral vermarktest, da kannst du mit der geballten Macht der zweiten Liga bessere Ergebnisse für uns erwirtschaften. Das stimmt auch, weil wir könnten das selber nicht so gut, unabhängig von dem einzelnen Verein, weil ja auch noch Zwickau Berücksichtigung finden muß, die könnten sich gar nicht vermarkten oder noch viel schlechter noch als wir. Wir sind da in der zweiten Liga sicher interessanter. All das führt eben dazu, daß wir vor der Saison uns mit der Lizensierung, all dieser Rechte entledigen und dann gar keine Wahl mehr haben.
ÜS: Was ist die viel beschworene Professionalität des Vereins?
CH: Ich stelle mir das auf der einen Seite so vor, daß die Nachfragen nach direkter Teilnahme, die Leute die sich Karten kaufen, professionell bedient werden. Ich selbst habe das damals mitbekommen, wie Martin Peemöller das mit seiner Mutter gemacht hat. Da waren sicherlich viele Dinge gut geregelt - im Nachhinein. Es ging alles drunter und drüber, aber irgendwie hat jeder das bekommen, was er haben wollte. Jetzt haben wir da drüben einen größeren Tresen und vielleicht so wie es sich von der Optik her gehört. Es aber gehen Dinge schief, wenn 6 bis 7.000 Leute in der Woche im Kartencenter sind. Dann wird es immer einige geben, die sich nicht richtig bedient fühlen. Das ist bei jedem Kartencenter so. Bei Dortmund ist das sehr gut gelöst und trotzdem haben die in der Woche 20 Morddrohungen gegen das Personal.
ÜS: Man hat aber das Gefühl, daß man als Fan erst zweitrangig behandelt wird. Professionalität gegenüber dem DFB, aber die Fans stehen hinten an?
CH: Das ist so nicht gemeint. Fußball findet ohne Zuschauer nicht statt. Ich habe daher auch mit großem Interesse das Flugblatt gelesen ("Hanke" d.T.) und auch die Diskussion um die Couchpotatoes und die Modefans, die nur teilhaben wollen und nichts selber dazu beitragen, verfolgt. Aber da liegt es nicht an uns, das Besondere am FC St.Pauli über den Weg der Professionalisierung zu erreichen, sondern es muß das Ziel sein, das zu erhalten, was dazu geführt hat, daß St.Pauli so etwas besonderes auf der Fanseite geworden ist. Und das ist unglaublich schwierig. Das können wir nicht bestimmen, sondern das muß sich entwickeln.
ÜS: Kommen wir einmal zur Zukunft des Vereins, die ja von Stichpunkten wie Stadionneubau und Professionalisierung begleitet wird. Es kann ja nicht auf Dauer das Ziel sein, in der ersten Liga unten mitzuspielen? Wo steht der Verein in fünf oder sechs Jahren?
CH: Für mich ist es wichtig, daß der Verein in den nächsten Jahren eine Existenzmöglichkeit hat. Ich sehe, daß sich die Dinge im Lizenzfußball dramatisch verändern werden, in einem globalen oder besser europäischen Zusammenhang. Und wenn ich mir Europa angucke und was ich schon alles ertragen mußte an Dingen, an die ich vor fünf Jahren noch nicht denken mochte, wo ich aber den Sitzungen teilgenommen habe, zwar dagegen gestimmt habe, aber trotzdem ein Teil des Ganzen war und es mir zurechnen lassen muß. Nehmen wir z.B. den zweiten Teilnehmer an der Championsleague. Man kann ja von dieser Liga halten was man will, aber eine Champions League mit zwei oder drei Champions, da werde ich geisteskrank, da stellen sich mir die Nackenhaare auf. Zum Teil geht das auch anderen Kollegen so. Zum Beispiel Herrn Lemke, der ja sogar noch eine Chance hatte, da mitzuspielen, als die Entscheidung gefällt wurde. Es sehen also auch andere, daß dies keine gute Entwicklung ist, aber das Schlimmste ist, daß es auch noch irrsinnig gut funktioniert. Also wenn wir mal abwarten, was da so alles so eingespielt wird. Aber für mich ist das eine Sache, die mich schwermütig macht, weil man das nicht mehr beeinflussen kann. Wenn ich mich persönlich betrachte, da liefen jetzt die Spiele und wir waren in einer Gaststätte, wo das lief, aber mich hat das nicht interessiert und ich frage mich, woran das liegt? Ist das nur, weil das Bayern oder Dortmund ist? Eigentlich nicht, weil ich gerne guten Fußball sehe und auch mal gerne Bayern verlieren oder gewinnen sehe. Aber daß ich mich, der ich mich ständig mit derartigen Dingen beschäftige, nicht mehr dafür interessiere, ist eigentlich eine schlechte Entwicklung. Und da komme ich zu dem Punkt: Wer ist gekommen und wer ist abgewandert? Und dann bin ich schnell bei 60 München, denn das hat sich so verändert, daß mich das nicht mehr interessiert. Die waren jetzt mit 200 Leuten in Leverkusen, das wäre uns früher, also als ich noch in 60 war, nicht passiert. Da fährt heute keiner mehr hin und ich denke, daß liegt daran, daß eben viele ihre Ideale als verraten ansehen. Und wenn wir in die Zukunft sehen, dann glaube ich, daß die Existenz unseres Vereins immer nur mit dem neuen Stadion zu verknüpfen ist. Egal, welche der möglichen Visionen eintritt, und da gibt es einige. Sei es, daß es eine Europaliga gibt oder nach englischem Vorbild eine Lufthansa- oder Langneseliga oder aber eine abgeschlossene erste Liga nach geographischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten; doch egal, welche dieser Überlegungen eintritt, ich komme immer wieder auf den Punkt zurück, daß wir für diese Entwicklungen das neue Stadion brauchen, denn unsere jetzige Situation wird bei den möglichen Entwicklungen nicht akzeptabel sein. Und erst wenn wir das haben, kann ich auch weiter denken.
Wenn man die erste Liga betrachtet, dann waren wir mit dem SC Freiburg eine Superrollenbesetzung. Zwar von der Struktur nicht so sehr viel anders, das geht auch gar nicht, aber doch sind wir in vielen Dingen andere Wege gegangen. In einer Liga ohne Abstieg jedoch werden wir kaum mitspielen können, weil dort wohl nur 12 Vereine mitspielen, vielleicht 14; 16 wären aus wirtschaftlichen Gründen schon wieder wenig sinnvoll. Natürlich können wir uns dafür bewerben, aber aus geographischen Gesichtspunkten würde dies eher der HSV sein, denn sonst wäre Hamburg da doppelt besetzt. Das sind natürlich jetzt Spekulationen, weil eh keiner weiß, wie das aussehen wird. Trotzdem müssen wir uns in die Diskussion einmischen und versuchen, unseren Einfluß geltend zu machen. Das konnten wir früher nie, doch die Position haben wir uns inzwischen erwirtschaftet. Als wir damals abgestiegen sind, hätten uns viele gerne von der Landkarte gewischt. Und als wir fast in die 3.Liga abgestiegen wären (remember 6.6.93 d. T.), da haben sich auch viele gewünscht, daß wir abgestiegen wären und uns wäre es dann so gegangen wie heute Braunschweig oder Hannover. Doch das sind katastrophale Verhältnisse.
Im Endeffekt jedoch ist es einfach nur wichtig, daß wir als kleiner Verein uns immer wieder einmischen und auf unsere Kompetenz und Existenz hinweisen. Das ist auch ein Teil der Zukunftssicherung.
ÜS: Noch einmal zum Stadion - wie ist dort der Stand der Dinge, nachdem der Bauantrag eingereicht wurde?
CH: Was bei so einer Sache alles beachtet werden muß, das sind 100.000 Dinge. Und es sind inzwischen 98.000 erledigt, aber es bleiben eben noch immer 2.000. Und all die Zeit, die es gedauert hat, bis der Antrag eingereicht wurde, haben wir genutzt, um bei der Stadt, dem Stadtteil und all den beteiligten Akteuren eine positive Grundstimmung für dieses Projekt zu bekommen. Es reicht ja nicht, ein Grundstück zu haben und dann einfach zu bauen. Da fällt die Diskussion um das Verkehrskonzept, über den neuen U-Bahn-Ausgang, die Verschattung der Schule usw. usw. an, die dabei berücksichtigt werden müssen.
Und ich glaube, wir haben auch einen guten Zeitpunkt für den Antrag gewählt. Wenn man das Projekt am Volkspark betrachtet, was ja die Stadt mit dem HSV gemeinsam machen will und welches von den Dimensionen ja das Zehnfache beträgt, dann war es immer sehr wichtig, daß Weisener von Anfang an immer unseren Standort sichern wollte und auch immer die Unabhängigkeit von dem Projekt da draußen betont hat.
ÜS: Bezüglich des Standortes gibt es ja auch einen anderen interessanten Aspekt, nämlich die angedeutete Verlegung des Jugend- und Amateurbereiches nach Wilhelmsburg.
CH: Dazu kann ich viel, will aber nur wenig sagen. Nur, was da in der Presse so hochgespielt wurde, die Planung mit unseren Amateuren, das stimmt so nicht und das habe ich auch mit dem Hauptkritiker Holger Scharf besprochen. Es war nie im Gespräch, daß wir die Amateure nach Wilhelmsburg schicken.
Was den Jugendbereich angeht, ist es so, daß wir am liebsten beim Stadion bleiben wollen, und je weiter wir weg müssen, desto schlimmer ist es. Andererseits ist es aber laut Frau Schnell schon wieder so, daß wir für die Jüngeren einen Aufnahmestopp veranlaßt haben, und da ist es mir lieber, Kindern und Jugendlichen in Wilhelmsburg die Möglichkeiten zu schaffen als einen ständigen Aufnahmestopp zuzulassen. Aber um es noch einmal deutlich zu sagen: Die Sache mit Wilhelmsburg ist nicht beschlossen und mehr möchte ich dazu nicht sagen.
Für uns ist es wichtig, daß wir hier Fußball spielen können, und da wird der Ausweichplatz Sternschanze, so ungerne er auch akzeptiert wird - ich weiß, daß das nicht ideal ist, das ist mir bewußt, bekannt und durchlitten - immer noch ansatzweise als im Viertel begriffen. Das Millerntor dient als Ausweichplatz und zwar so wenig wie möglich. Und wir wissen auch, daß das nicht ideal ist mit den Amateuren und Egenbüttel, natürlich ist das scheiße, aber die Amateure haben sich darüber noch nie beschwert, weil das in den letzten Jahren erfolgreich gelaufen ist. Und man muß auch mal sehen, daß Leute in Egenbüttel damit Probleme haben. Die sagen doch auch, daß sie Leute draußen lassen müssen, weil die "professionalisierten Amateure" von St.Pauli dort trainieren. Fakt einfach ist, daß Hamburg eine Stadt ohne Rasenfläche ist. Da hilft es nicht, herumzuschreien, das ist einfach so. Und deswegen ist es mir lieber, in Wilhelmsburg, wenn es denn so wäre, Platz zu haben, als gar keinen.
ÜS: Nun haben sie ja gesagt, daß das Millerntor so wenig wie möglich von den Amateuren genutzt werden soll. Wie ist das zu verstehen?
CH: Als Hauptplatz ist für die Amateure die Sternschanze beim HFV gemeldet und als Ausweichplatz das Millerntor, wo so wenig wie möglich gespielt werden soll, weil es eben so wahnsinnig teuer ist. Und natürlich spielt da auch die Doppelbelastung für den Rasen eine Rolle.
ÜS: Ist der Rasen der einzige Grund, warum am Millerntor kein Amateurspiel stattfinden soll?
CH: Jetzt wäre kein Problem, aber im Winter, wenn der Rasen nach einem Ligaspiel kaputt ist und mit viel Pflege und Aufwand wieder hochgepäppelt werden muß, dann geht es eben nicht. Alle Trainer der letzten Jahre, ob Maslo, Eichkorn, Lorkowski, Wohlers, Schulte oder Reimann, so unterschiedlich sie in ihren Einstellungen und Charakteren waren, alle haben gesagt: "Wenn hier einer raufkommt, raste ich aus."
Und wenn auch nur ein oder zwei Fehlpässe oder schlimmeres auf den Rasen zurückzuführen sind, dann gibt es Probleme.
ÜS: Wenn man im Bereich Jugend von Fahrdiensten hört, dann stellt sich auch die Frage, wieviele unser Jugendlichen in der B-, C- oder D-Jugend aus dem Stadtteil kommen?
CH: Das wird so ca. halbehalbe sein. Aber ab der B-Jugend beginnt das spätestens mit den Abwerbungen und den Angeboten für den Jugendlichen. Dann sieht das natürlich anders aus.
ÜS: Abschließend noch eine Frage zu ihrer Person: In den letzten Jahren, wenn die Vorstandswahlen anstanden, war ja immer zu lesen, daß sie aufhören würden. Wie sieht es z.Zt. mit der Kandidatur aus?
CH: Das stand einmal zur Debatte, als ich mit meiner Tätigkeit als Geschäftsführer aufgehört habe. Da hatte ich mir überlegt, ob ich noch einmal etwas Neues will, etwas ganz anderes. Ich hatte das Interesse, einmal in übergeordneter Rolle zu arbeiten, in einer Position, die darauf Einfluß nehmen kann, was in Zukunft mit dem Fußball wird, weil ich glaube, daß viele Sachen falsch waren und sich als falsch erweisen werden. Und da ist es natürlich so, daß man bei St.Pauli nur ein 36stel der beiden Lizenzvereinsgruppen tätig ist und da hatte es mich mal gereizt, in Positionen mitzuarbeiten, wo Fußball mit gemacht wird. Doch diese Überlegungen sind durch die Planungen von Herrn Weisener wieder deutlich in den Hintergrund getreten. Und da halte ich es für wichtiger, hier mitzuhelfen, daß St.Pauli diese Chance nutzt und der Einsatz hierfür sinnvoll war.
ÜS: Herr Hinzpeter, wir danken Ihnen für dieses Gespräch
MiG + mo
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