|
URKNALL ODER SUPERGAU? DIE NEUE EINGLEISIGE FRAUEN-BUNDESLIGA Ein paar Jährchen ist es nun wohl schon her, daß sabbernde männliche Zuschauer nach Spielende kollektiv einen Trikottausch forderten. Diese Penner gibt es auch heute noch bei Fußballspielen aller Frauen-Ligen, doch sind diese zum Glück zur absoluten Ausnahme geworden. Ein Indiz dafür, daß Frauenfußball nun auch in Deutschland Normalität ist und sich die Frauen in den letzten Jahren Anerkennung erspielt und erkämpft haben.
Erst seit 1970 dürfen hierzulande die Mädchen und Frauen wieder offiziell gegen den Ball treten, nachdem der DFB-Bundestag am 30. Juli 1955 ein Verbot verhängt hatte. Begründung damals: Im Kampf um den Ball verschwinde die weibliche Anmut, Körper und Seele (!) erleiden unweigerlich Schaden und das Zurschaustellen des Körpers verletze Schicklichkeit und Anstand. Meisterschaftsspiele wurden allerdings erst ein Jahr später von der DFB-Herrenriege genehmigt. Allerdings mußten die Frauen mit Jugendbällen spielen und ohne Stollenschuhe antreten. Die Spieldauer wurde auch für die über 18jährigen auf 60 Minuten begrenzt. Seither verzeichnet der DFB in diesem Bereich dennoch jährliche Mannschafts-Zuwächse von rund 10%, zumal das Regelwerk peu a peu dem der männlichen Kicker angeglichen wurde. Mehr als 700.000 Frauen spielen heute in den Deutschen Ligen, womit die DFB-Frauen die größte weibliche Gruppierung innerhalb des Deutschen Sportbundes darstellt. Der "Damen-Fußball", so die bis 1995 gebräuchliche Bezeichnung, scheint derzeit also auch im Windschatten des allgemeinen Tretsport-Booms zu liegen.
Nach einigen Jahren der Stagnation begann der eigentliche "Wiederaufstieg" des Frauenfußballs in Deutschland mit der erstmaligen Qualifikation des Nationalteams für die EM-Endrunde, die im Sommer 1989 mit einem 4:1 gegen GELD, GELD, GELD!!!Die am 17. August gestartete Frauen-Bundesliga setzt sich wie folgt zusammen: Die jeweils vier besten Teams der abgelaufenen Saison aus den Ligen Süd und Nord qualifizierten sich automatisch. Die Teams der Ränge 5-8 aus beiden Ligen plus acht Vereine aus den Regional- bzw. Oberligen der Länder ermittelten in einer Qualifikationsrunde die restlichen vier Teilnehmer. Somit besteht die jetzige 1.Liga, nachdem die Frauen des HSV (Ja, ja!!) für die freiwillig verzichtenden Kickerinnen von Sachsenroß Hannover (aus wirtschaftlichen und personellen Gründen) nachgerückt sind, aus nachfolgenden 12 Teams: FC Rumeln, FSV Frankfurt, SG Praunheim, Sportfreunde Siegen, Turbine Potsdam, Grün-Weiß Brauweiler, Eintracht Rheine, TuS Niederkirchen, SC Bad Neuenahr, SC Klinge Seckach, Saarbrücken und dem HSV. Für die HSV-Kickerinnen kommt die Berufung in die höchste Spielklasse allerdings mindestens ein Jahr zu früh. Und erst sehr spät konnte der Verein einen Sponsoren präsentieren, ohne den ein Team eigentlich keine Chance hat, obgleich noch immer (Stand: Mitte September/4.Spieltag) einige Mannschaften gänzlich ohne Hauptsponsor dastehen. Der HSV konnte Ende August seinen Hauptsponsor, das Musical 'Yesterday', präsentieren, der für läppische 20.000 Mark auf den Trikots der Hamburgerinnen werben darf. Zusätzlich konnte Uwe Seeler ("Ich sach mal..."), durch persönlichen Einsatz, wie es so schön heißt, noch einmal die gleiche Summe den Brauern von Hasseröder aus dem Ärmel leiern. Die Verhandlungen mit einem weiteren Sponsor sollen kurz vor dem Abschluß stehen. Dennoch steht das Team der Trainer Hellerup und Vanli mit seinem Etat von rund DM 100.000,- am untersten Ende der Liga. Zwischen 200.000 und ca. 500.000 Mark sollen die Etats der Konkurrenz-Vereine liegen. Dennoch klagen diese über die mangelnde Bereitschaft des DFB, sich ernsthaft um Sponsoren für die Frauenbundesliga bemüht zu haben. Der 'Schwarze Peter' wird allerdings hin und her geschoben.Nachdem der DFB mit der Idee scheiterte, einen Liga-Sponsoren zu finden, der nicht einzelne Teams, sondern die Bundesliga an sich präsentieren sollte, war es eigentlich klar, daß der Tanker Fußballbund jede Verantwortung für das Finanzierungs-Desaster ablehnte, was sogar in der dreisten Äußerung gipfelte, daß es eigentlich auch viel besser ohne Geldgeber wäre, weil in vielen Vereinen kein passendes Umfeld existieren würde, "um einen großen Sponsor zu präsentieren". Also mußten sich die Vereine selbst kümmern. Laut 'Kicker' bewegt sich der durchschnittliche Etat der Vereine bei rund 220.000 Mark, wovon 35.000,- TV-Gelder pro Team vom DFB kommen, der die Fernsehrechte bis 1999 im Paket mit den Regionalligen an ARD und ZDF verkauft hat. Begreift man die Entscheidung zur neuen Liga als Schritt in das Halb-Profitum -und so will der DFB sein Bemühen verstanden wissen-, kann das, was dabei herausgekommen ist tatsächlich nur als "Lachnummer" (FC Rumeln-Manager Jochen Zufall) tituliert werden. "In jeder Bezirksoberliga der Männer fließt mehr Geld als im Frauenfußball", konstatiert Monika Staab vom SG Praunheim. Allein 50.000 Mark an Reise- und Hotelkosten muß bspw. der HSV einkalkulieren, da kann wirklich nicht viel übrig bleiben. An die Verpflichtung neuer Spielerinnen ist schon gar nicht zu denken, da mittlerweile Ablösesummen bis zu 30.000,- gezahlt werden müssen. Bei bis zu vier Trainingseinheiten pro Woche ist bei den Amateurinnen, die eigentlich alle einen Job haben, zur Schule gehen oder studieren, die Leistungsgrenze dessen erreicht, was Nicht-Profis noch hinkriegen können. Allein in Italien, Japan und den USA können Spielerinnen mit ihrem Kick derzeit Geld verdienen. PERSPEKTIVEN?Und so müssen sich die Verantwortlichen ernsthaft Gedanken darüber machen, ob eine (Teil-)Professionalisierung mittelfristig tatsächlich eine realistische Perspektive sein kann. Die ersten vier Spieltage der Frauen-Bundesliga wurden durchschnittlich von lediglich rund 300 ZuschauerInnen (Supporter-Krösus Rumeln konnte in der Saison 96/97 im Schnitt 650 Besucher auf der Haben-Seite verbuchen) verfolgt. "Wir können fünfmal Europameister werden. In den Schlagzeilen würden wir trotzdem noch hinter Bowling stehen", ereiferte sich Nationalspielerin Marion Meinert vor ein paar Jahren. Vor den Bowling-Schlagzeilen rangiert der Frauen-Fußball zwar mittlerweile, doch die Berichterstattung in den Medien ist tatsächlich noch immer eine mittelschwere Katastrophe. TV-Berichte gibt es fast ausschließlich bei Länderspielen, 1.Bundesliga findet im Fernsehen lediglich durch Sekunden-Sequenzen statt, eine Regionalliga scheint es nicht zu geben. Mit wenigen Ausnahmen (z.B. 'Frankfurter Rundschau') gibt es auch in den Printmedien keine kontinuierliche Berichterstattung. Der 'Kicker' opfert ca. 1/4 Seite in seiner Montagsausgabe und ist ansonsten fast frauenfußball-frei. Die 'Taz' berichtet alle paar Monate ein wenig ausführlicher über das Thema, das 'Sport Mikofon' hat (immerhin) an jedem Montag eine Seite über die HSV-Frauen. Vielleicht bringt es ja Rekord-Nationalspielerin Silvia Neid auf den Punkt, wenn sie formuliert: "Wir haben in Deutschland ein Problem: Fußball ist der Lieblingssport der Männer".
Ulrike Ballweg, seit 1987 Trainerin von 'Klinge Seckach', ist eine der schärfsten Kritikerinnen der neuen eingleisigen Liga: "Die Leistungsunterschiede werden eher noch größer statt kleiner werden". Für eine Professionalisierung ist auch sie, doch "das müssen dann alle leisten können und nicht nur drei, vier Klubs". Vielleicht bringt ja die ab der Saison 97/98 installierte U 18-Auswahl einen gehörigen Schub in das starre Gefüge der Vergangenheit. Denn immerhin kicken rund 135.000 Mädchen in der Altersklasse bis 16 Jahre offiziell unter dem Dach des DFB. Eine erste Standortbestimmung können die Mädels bei der erstmals ausgetragenen U 18-EM in Bayern vornehmen, wo frau sich in der Vorrunde mit den Teams aus Polen, Slowenien und Bei allen mehr oder minder berechtigten Forderungen nach mehr Professionalisierung sollte aber nicht vergessen werden, daß die meisten Frauen eigentlich nur Fußball spielen, weil sie da Bock drauf haben. Silvia Neid: "Nicht um ein paar Mark zu verdienen, sondern weil ihnen Fußball ganz einfach Spaß macht"! Und da es auch den Kickerinnen des HSV (noch nie in meinem Leben habe ich dieses Kürzel so oft benutzt!) naturgemäß in erster Linie Spaß macht gegen die Plastik-Kugel zu treten, fällt es mir an dieser Stelle auch nicht schwer, euch ausdrücklich auf die nächsten Spiele der Hamburgerinnen hinzuweisen. Alle Heimspiele werden grundsätzlich am Sonntag um 14 Uhr auf dem Wolfgang-Meyer-Sportplatz (da, wo unsere Amateure im letzten Jahr gegen Wedel verkackt haben) ausgetragen. Die nächsten Termine: 26.10. vs. Brauweiler, 9.11. vs. Niederkirchen, 30.11. vs. Saarbrücken. Und nicht zuletzt möchte ich dann doch noch auf die Spiele des Frauen-Teams des FC St.Pauli hinweisen, deren Termine ich derzeit zwar nicht kenne, die aber wohl hoffentlich über die Geschäftsstelle und demnächst auch über die Internet-Seiten des ÜS in Erfahrung zu bringen sind. ro. |
|
Titelseite dieser Ausgabe |
|